15:47:19 | Freitag, 31. Dezember 2004
Die Unterschriftenaktion gegen die Spätabtreibung von Kindern bis unmittelbar vor ihrer Geburt spaltet in Deutschland die Gemüter. Der Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, unterstützt die Initiative und gab eine Erklärung zur „unhaltbaren Situation“ der sogenannten „Spätabtreibungen“ ab. Dagegen hat die Aktion Leben Deutschland kürzlich vor der Aktion gewarnt.
(kreuz.net, Bamberg) In diesen Tagen ist in kirchlichen Kreisen und Bistumszeitungen Deutschlands eine
Unterschriftenaktion gegen die sogenannte „Spätabtreibung“ angelaufen.
Seit Jahren nimmt in Deutschland
die Zahl der Kinderabtreibungen bis unmittelbar vor der natürlichen Geburt zu. Man beruft sich dabei
gewöhnlich auf eine medizinische Indikation, das heißt, meistens auf eine Behinderung des Kindes. Es
ist geplant, die Unterschriftenlisten gegen die Spätabtreibung im Februar 2005 den im Deutschen Bundestag
vertretenen Parteien zu übergeben.
Die Initiative gegen Spätabtreibungen geht vom Katholikenrat des
Bistums Speyer aus. Sie wird von zahlreichen Diözesanräten deutscher Bistümer und vom Landeskomitee
der Katholiken in Bayern mitgetragen. Unter ihnen befindet sich auch der Erzbischof von Bamberg, Ludwig
Schick, und der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Bamberg.
In einer gemeinsamen Erklärung bewerten
der Erzbischof von Bamberg und der Vorstand des Diözesanrats die Möglichkeit von Spätabtreibungen als
„unhaltbare Situation“, weil sie nach geltendem Recht ohne Einhaltung von Fristen und sogar ohne Beratung
bis unmittelbar vor einer Geburt durchgeführt werden dürften.
Erzbischof Schick und der Vorstand des
Bamberger Diözesanrats fordern darum eine Änderung der bisherigen gesetzlichen Regelung und eine Ausweitung
der Hilfs- und Beratungsangebote für Eltern, die sich für ein behindertes Kind entscheiden. Das jetzt
für Spätabtreibungen geltende Recht biete einen „nur schwer zu kontrollierenden Interpretationsspielraum“,
der häufig zu Lasten behinderter Kinder ausgedehnt werde. Im übrigen würden dadurch auch die Ansprüche
des Gesetzgebers auf eine qualitativ hochwertige Beratung unterlaufen.
Darüber hinaus kritisieren Erzbischof
und Diözesanrat generell die in Deutschland geltende Abtreibungsregelung. Selbst in Fällen, in denen
eine Fristsetzung und die Beratungspflicht beachtet würden, befinde sich das ungeborene Kind „in einer
denkbar schwachen Position“. Es sei deshalb auf Fürsprecher angewiesen, die „sein ureigenstes Lebensrecht
auf allen Ebenen einfordern und den Schwangeren begleitende Hilfen anbieten.“ Als Christen sehen sich
Erzbischof und Laienräte hier in einer besonderen Verantwortung.
Walter Ramm, Vorsitzender der ‘Aktion
Leben Deutschland’
kritisierte die Unterschriftenkampagne. Initiativen, die sich allein gegen „Spätabtreibungen“
wenden, ließen den Eindruck des „je früher, desto besser“ entstehen. Am Ende betrachte man die Selektion
durch die sogenannte ‘Präimplantations-Diagnostik’ als das kleinste akzeptierbare Übel. Forderungen
an Bundestag und Bundesregierung, die nur eine Eindämmung der „viel zu hohen Zahl“ von Spätabtreibungen
zum Ziel hätten, könnten kein Anliegen wirklicher Lebensrechtler sein.
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bonifatius 12:08:06 | Samstag, 1. Januar 2005