14:04:08 | Montag, 3. Januar 2005
Die ‘Jugend für das Leben’ sei mit ihrer Salzburger Aktion gegen die dortige sozialistische Landeshauptfrau und Abtreibungspolitikerin Gabriele Burgstaller „über das Ziel hinausgeschossen“. Meinte der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Sozialisten, Grüne und militante Kämpfer für die Abtreibung sind dem Erzbischof von Wien
für seine Worte von Herzen dankbar und zitieren ihn eifrig:
Kardinal Schönborn als Kirchenvater der
Abtreibung?
Nach seinen Stellungnahmen gegen die ‘Jugend für das Leben’ war der selbstlose Einsatz der
jungen Lebensschützer gegen die brutale Abtreibungspolitik von Frau Burgstaller von oberster kirchlicher
Instanz diskreditiert.
Vor seinem fatalen Schritt wären dem Kardinal drei Möglichkeiten offengestanden,
um auf die Initiative der Jugendlichen zu reagieren.
• Er hätte am vergangenen 20. Dezember mit den
katholischen Jugendlichen in klirrender Kälte vor dem Landeskrankenhaus in Salzburg stehen können.
• Er hätte gar nicht reagieren und sich zur Lebensschutzaktion in Salzburg in Schweigen hüllen können.
• Er hätte – die unwahrscheinlichste Variante – die Lebensschützer öffentlich angreifen können.
Kardinal Schönborn hat die letzte Option gleich zweimal gewählt. Es ist anzunehmen, daß die Bischofskonferenz
der ‘Jugend für das Leben’ bei nächster Gelegenheit auch die finanzielle Unterstützung abklemmt.
„Warum?“
fragen sich viele ratlose Katholiken in Österreich und weit darüber hinaus erschüttert.
„Warum?“ rufen
sie in die Nacht der Abtreibung, auch im Namen der Kinder, denen – wenn kein Wunder geschieht – in der
Salzburger Landesklinik in Zukunft grausam und erbarmungslos Stimme und Leben geraubt werden.
Die ‘Jugend
für das Leben’ sei über das Ziel hinausgeschossen, erklärte der Kardinal. Man würde sich aus ganzem
Herzen wünschen, daß es wirklich so wäre.
Das erklärte Ziel der Lebensschützer ist, die von den
Sozialisten offen und von den Christdemokraten der ÖVP in heimlicher Verlogenheit gewünschte Einführung
der Kindertötung in der Salzburger Landesklinik zu verhindern.
Dieses Ziel ist leider bei weitem noch
nicht erreicht, geschweige denn ist die ‘Jugend für das Leben’ darüber hinausgeschossen. Aber dem Wiener
Kardinal scheint ein einziger konkreter Schritt in die richtige Richtung schon zuviel zu sein.
Möchte
sich der Kardinal darauf beschränken, betroffen über die Kinderabtreibung zu lamentieren? Oder ist es
auch sein Ziel, die „abscheuliche Kinderabtreibung“ (Gaudium et Spes) auszurotten?
Wenn die Antwort auf
die letzte Frage ‘ja’ lautet, dürfen die österreichischen Abtreiber in ihrem dämonischen Tun getrost
aufatmen.
Der Herr Kardinal wird dafür Sorge tragen, daß sein frommer Wunsch nicht „auf aktionistische
Weise“ in die Tat umgesetzt und deshalb dauerhaft im seligen Reich der frommen Wünsche akademisch-abstrakt
vor sich hin modern wird.
Stellen wir uns vor, die Kinderabtreiber hätten sich mit der gleichen Überzeugung
und Tatkraft für die Legalisierung der abscheulichen Kindstötung eingesetzt, wie sich die Beamtenkirche
jetzt gegen die Abtreibung in die Riemen wirft. Wir wären heute noch meilenweit davon entfernt, dem Blutbad
an den kommenden Generationen ohnmächtig zuschauen zu müssen.
Was ist das Ziel? Das ist hier die Frage.
Ist das Ziel vielleicht „die Wahrheit in Liebe zu tun“, wie der Kardinal in seiner Predigt zum Feste des
Heiligen Stephanus die jugendlichen Lebensschützer – indirekt – ermahnte?
Zweifellos.
Eine Ermahnung
zur Liebe kommt nie ungelegen. Der Kardinal ist Priester und Bischof und hat ein selbstverständliches
Recht und sogar eine heilige Pflicht, katholische Aktivisten immer wieder an das wichtigste christliche
Gebot zu erinnern.
Aber solche spirituellen Ratschläge läßt der weise und besorgte geistliche Vater
seinen geistlichen Söhnen und Töchtern nicht über die Massenmedien ausrichten.
Was ist das Ziel? Zwar
so zu tun, als ob man gegen die Kinderabtreibung wäre und gleichzeitig jene öffentlich anzuprangern,
die den schönen Worten auch Taten folgen lassen? Ist das das Ziel?
Wer fromm daherredet, ohne etwas
zu tun, ist ein Heuchler. Die Heuchelei ist nicht nur negativ zu beurteilen. Sie ist immerhin auch eine
Verneigung vor der Tugend. Dennoch.
Es ist nicht die Aufgabe eines im Scharlachrot der Märtyrer gekleideten
Kardinals der Heiligen Römischen Kirche, heuchlerische oder doppelbödige Stellungnahmen abzugeben.
Was ist das Ziel? Sich im gesellschaftlichen Diskurs zu positionieren?
Die christliche ÖVP ist so sehr
eine Abtreibungspartei wie die SPÖ, die FPÖ oder die Grünen.
Man kann verstehen, daß sich Kardinal
Schönborn in seinem persönlichen Ringen um eine angemessene gesellschaftliche Position und Anerkennung
nicht unnötigerweise Feinde schaffen will.
Doch hier geht es um etwas anders: um unnötige Freunde.
Es gibt Freundschaften, die ein guter Christ vermeiden muß, damit er in seinem geistlichen Leben keinen
Schaden nimmt.
Dazu gehören öffentliche Unterstützungsaktionen für Kinderabtreiber. Aber vielleicht
wurde der Kardinal mißverstanden? Dann muß er unmißverständlich dementieren.
Trotzdem. Vielleicht
hat der Kardinal mit seiner massiven Kritik an den Salzburger Aktionen trotz allem recht. Zugegeben. Die
Aktionen der Lebensschützer waren vielleicht nicht „lieblos“, aber – so befürchte ich – kopflos.
Sollte
die Kinderabtreibung nämlich in den nächsten Monaten in Salzburg eingeführt werden, so sind die wahren
Schuldigen für dieses Verbrechen nicht die Sozialisten, die nicht wissen, was sie tun, wie damals die
Häscher, die den Wiener Bistumspatron zu Tode steinigten.
Die Schuld liegt nicht bei verirrten und umnachteten
Sozialisten, sondern bei den butterweichen Katholiken. Gegenwärtig lehrt uns die Geschichte, daß es
leichter ist, den Weg von Wien nach Indonesien als von Wien nach Salzburg zu finden.
Stellen wir uns
vor, am 20. Dezember wären die österreichischen Bischöfe, angeführt von ihrem unerschrockenen Präsidenten,
dem Löwen von Wien, geschlossen vor die Salzburger Landesklinik aufmarschiert, und jeder Bischof hätte
noch zweihundert Gläubige mitgenommen. Keine Superleistung. Aber sie hätte genügt.
Es kam leider anders.
Jetzt bereiten sich Dunkelmänner vor, die Abtreibung auch in den Landeskliniken von Innsbruck und Feldkirch
einzuführen.
„Kopflos“, sagte ich, seien die Lebensschützer von Salzburg gewesen. Sie haben nämlich
auf ihren Karikaturen nicht die Hauptschuldigen für die Kinderabtreibung gepinselt und ihre alten Schuhe
an die falsche Adresse geschickt. Doch noch ist nicht aller Tage Abend.
Die Kinderabtreibung ist in Salzburg
noch nicht eingeführt. Wer seine alten Schuhe in die verkehrte Richtung geschickt hat, braucht sich nicht
zu grämen.
Es gibt auch andere Gegenstände, die man dem Erzbischof von Wien zur Ermahnung zusenden
kann.
Ein
Sack Kartoffeln vom Spar, zum Beispiel, würde diesen Dienst auf eine ganz hervorragende Art
und Weise erfüllen.
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