16:06:21 | Montag, 27. November 2006
Die Erzdiözese Wien beschäftigte sich kürzlich mit pro und kontra des sogenannten Volksaltars. Neben dem Gemeinschaftscharakter der Messe wird auch eine mystisch-transzendente Seite hervorgekramt.
(kreuz.net, Wien) Ab nächsten Sonntag werden in der Wiener Gemeinde St. Rochus alle Messen
wieder am
Hochaltar gelesen.
Die Pfarrei wird vom Oratorium St. Philipp Neri betreut.
Der vor etwa vierzig Jahren
nachträglich in die Kirche hineingestellte Volksaltar wird wieder beseitigt.
Zu diesem Anlaß veröffentlichte
die Wiener Kirchenzeitung ‘Der Sonntag’ in ihrer gestrigen Ausgabe einen Beitrag.
Darin begründet der
Pfarrer von St. Rochus, Pater Georg Herberstein, die Meßzelebration zum Herrn hin. In einem zweiten Teil
verteidigte der Salzburger Liturgieprofessor, Rudolf Pacik, den Gebrauch des Volksaltares.
Entideologisierung
Einleitend fragt Pater Herberstein, ob es wirklich wichtig sei, dem Priester bei der Messe ins Gesicht
zu schauen:
„Ist es nicht oft recht heilsam, daran zu denken, daß er Mitchrist mit den anderen ist und
so allen Grund hat, sich gemeinsam mit ihnen zu Gott hin zu wenden und so mit allen zu sagen ‘Vater Unser’?“
Er sei „dankbar“ für die Reform des Konzils – so der Pater. Sie erleichtere den Gläubigen das „Mitfeiern“
und habe einen angeblichen Dialogcharakter des Wortgottesdienstes wieder deutlicher gemacht.
Der „Tisch
des Wortes“ sei reichlicher gedeckt worden.
Pater Herberstein argumentiert, daß der „dynamische Aspekt
des Aufbruchs in die Ewigkeit“ in der Gleichrichtung aller auf Gott hin einen schönen Ausdruck finde.
Das werde durch die barocke Architektur der Rochuskirche, die auf den Hochaltar hinziele, unterstützt.
Ferner beruft sich Pater Herberstein auf die gültigen Normen. Sie erlaubten gleichberechtigt die Zelebration
gegen das Volk und in derselben Richtung mit den Gläubigen.
Dabei komme jeweils ein anderer Aspekt des
Mysteriums zum Tragen:
„Ist es nicht gut und nützlich, wenn neben dem Gemeinschaftscharakter der Eucharistie
auch deren mystisch-transzendente Seite wieder stärker betont wird?“
„Wir glauben, daß die Wiedereinführung
des Hochaltars als Zelebrationsaltar in der Rochuskirche auch zu einer Entideologisierung der Frage beitragen
wird.“
Auf der Homepage des Wiener Oratoriums benützt Pater Herberstein deutlichere Worte.
Dort stellt
er fest, „daß sämtliche nachkonziliare Meßbücher in ihren Rubriken – und auch in der Allgemeinen Einführung
in das Meßbuch – davon ausgehen, daß die Heilige Messe ‘zum Herrn hin’ gefeiert wird“.
Die Zelebration
gegen das Volk sei weder vom Konzil noch von der Liturgiereform eingeführt oder vorgeschrieben worden.
Sie werde in den nachkonziliaren Dokumenten lediglich als möglich bezeichnet.
Rechtfertigung des Volksaltares
Im zweiten Teil des Artikels verteidigt der Laientheologe Rudolf Pacik den Volksaltar.
Der Liturgiker
gesteht immerhin ein, daß die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums die Zelebration zum Volk nicht
erwähnt.
Doch das Konzil habe die Vorschriften über Gestalt und Anlage des Altars – so der Professor –
angeblich als „reformbedürftig“ betrachtet.
Der Liturgiker stützt sich dabei auf verworfene Teile der
drei Entwürfe zur Liturgiekonstitution. Demnach soll der Altar „in der Mitte der Versammlung“ stehen:
„ideell, nicht mathematisch gemeint“.
Diese Erläuterungen seien später in die Instruktion ‘Inter Oecumenici’
von 1964 eingegangen.
Pacik anerkennt, daß die neuen Meß-Rubriken aus dem Jahr 2002 auch Position des
Priesters „vor dem Altar“ – also die Zelebration am Hochaltar – berücksichtigen. Gleichzeitig behauptet
er, daß die ‘Allgemeine Einführung in das Meßbuch’ die heute verbreitete Form der Zelebration zum Volk
„eindeutig“ vorziehe.
Seine Belegstelle aus der ‘Allgemeinen Einführung in das Meßbuch’: „Der Altar
soll getrennt von der Wand errichtet werden, damit man ihn […] umschreiten und an ihm, dem Volk zugewandt,
die Messe feiern kann; dies empfiehlt sich überall, wo es möglich ist.“
Der Liturgiker betont, daß
die Formulierung „dem Volk zugewandt“ nur die „räumliche“ Anordnung bezeichne. Man dürfe ihm die Haltung
„zu Gott hin“ nicht entgegensetzen. Das wäre ein „Mißverständnis“.
Die Stellung des Zelebranten vor
dem Altar habe „freilich“ auch ihre Symbolik. Der Priester führe die betende Gemeinde an: „Er verhält
sich also nicht unhöflich, wenn er – wieder vom Raum gesagt – ihr den Rücken zukehrt.“
In einer Pfarrkirche
mit geräumigem Presbyterium auf einen freistehenden Altar zu verzichten, hält Pacik für ein „falsches
Signal“.
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