09:55:13 | Dienstag, 28. November 2006
Benedikt XVI.
Auf diese Weise begrüßte die Tageszeitung ‘Turkish Daily News’ Papst Benedikt XVI., der heute zu seiner Reise nach Konstantinopel aufgebrochen ist.
(kreuz.net) Die Türken seien – außer es gebe eine Provokation in die andere Richtung – bekannt für
ihre Gastfreundschaft.
Man glaube dort, daß jeder Überraschungsgast von Gott gesendet sei, um das Wohlwollen
des Gastgebers zu prüfen.
Das schrieb Yüksel Söylemez am Sonntag in der englischsprachigen Tageszeitung
‘Turkish Daily News’.
Anders als die Besuche seiner Vorgänger, Paul VI. und Johannes Paul II., sei die
Reise des jetzigen Papstes von Anfang an kontrovers gewesen.
Die erste Provokation habe darin bestanden,
daß der Papst eine private Einladung des griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäos angenommen habe.
Doch als Staatsoberhaupt wäre der Präsident der türkischen Republik nach den üblichen Regeln des
Protokolls der einzige gewesen, der eine solche Einladung hätte aussprechen können.
Das habe die türkischen
Gefühle provoziert.
Um negative Auswirkungen zu verhindern, sei nachträglich noch eine Einladung des
Präsidenten an den Papst ergangen.
Dennoch werde der Besuch des Papstes – im Gegensatz zu den vorausgehenden
Papstreisen in die Türkei – ein religiöser Anlaß bleiben.
Entsprechend erhalte der Papst in Ankara
auch eine geringere Begrüßung. Er habe es auch vorgezogen, in der Nuntiatur in Ankara und nicht im Gästehaus
des Präsidenten zu wohnen.
Weil der Papst keine Staatsvisite gewünscht habe, werde es keine Nationalhymnen,
keine Gewehrsalven und kein offizielles Essen zu Ehren des Papstes geben.
Benedikt XVI. habe auch ein
Essen mit dem Außenminister nicht angenommen.
Das könne nicht verwundern, denn schließlich handle
es sich bei Benedikt XVI. um einen intellektuellen Papst und Theologen, der glaube, daß das vernünftige
Christentum dem unvernünftigen Islam gegenüberstehe.
Dabei werde die Tatsache ausgeblendet, daß die
christliche Geschichte über weite Strecken eine Geschichte der Gewalt, Folter, Inquisition und Schlächterei
von protestantischen Christen durch die Katholiken gewesen sei.
Überall in Europa habe es Religionskrieg
gegeben – nicht nur gegen den Islam, sondern auch gegen die christlichen Orthodoxen:
„Der Papst wird
Istanbul besuchen, das als christliche Stadt von den katholischen Kreuzfahrern geplündert wurde, bevor
diese das moslemische Jerusalem eroberten.“
Es scheine ihm – so Söylemez – daß der Papst jeden zweiten
Moslem als potentiellen Terroristen betrachte und offenbar unfähig sei, zwischen der großen Mehrheit
der friedlichen islamischen Welt und der kleinen aber lauten Minderheit eines radikalen Islam zu unterscheiden.
Die Regensburger Rede des Papstes habe es vor allem darauf abgesehen, mehr spirituelle und materielle
Unterstützung für den Vatikan zu finden und mehr Konvertiten zum Katholizismus zu machen.
Die Erwähnung
von
Manuel Palaiologus sei nicht die erste Gelegenheit gewesen, bei der das antiislamische und antitürkische
Denken von Kardinal Joseph Ratzinger zutage getreten seien.
Der Papst habe sich für seine „ausfälligen
und unglücklichen“ Bemerkungen nicht entschuldigt.
Hier habe es sich nicht um die Redefreiheit gehandelt:
„Die Redefreiheit gibt nicht das Recht zu beleidigen oder ausfällig zu werden – ob man nun ein Papst
oder ein dänischer Karikaturist ist.“
Benedikt XVI. sei in Deutschland geboren, das zu dieser Zeit „antisemitisch
war und das arische Christentum als ein Ideal betrachtete“.
Die Unterstützung der einheimischen Massen
für Hitler sei dafür ein Zeuge gewesen.
Der Papst werde dem Christentum nur Schaden hinzufügen, wenn
er glaube, die Speerspitze gegen den internationalen Terrorismus – alias Islam – zu sein.
Aber trotz
allem sei der Papstbesuch in der Türkei eine diplomatische Errungenschaft von großer Bedeutung für
den Vatikan und für die Türkei, die beim Heiligen Stuhl seit Jahrzehnten einen Botschafter habe.
Der
türkische Staatspräsident werde Benedikt XVI. in der Türkei begrüßen, wo der Papst Spuren der Jungfrau
Maria, des Heiligen Johannes, des Heiligen Paulus sowie die moslemische aber säkulare Türkei antreffen
werde.
Der Staatspräsident werde ihn einladen, neben Ephesus auch die anderen sechs Kirchen des Buches
der Offenbarung zu besuchen: Smyrna, Laodicea, Pergamon, Philadelphia, Sardes und Thyatira.
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