12:12:30 | Dienstag, 28. November 2006

Ausschnitt aus der Homepage des Bistums Fulda
(kreuz.net, Fulda) Die Jubelpresse der ‘Deutschen Demokratischen Republik’ erlebt eine Auferstehung.
So geschehen in einem Artikel des ‘Bonifatius-Boten’ – der Kirchenzeitung des Bistums Fulda – vom 26.
November 2006.
Darin wird über die letzte Dechantenkonferenz berichtet.
„Die Gründung der Pastoralverbünde
ist gut gelaufen“, weiß das Blatt – auch ‘Boni-Bote’ genannt – zu berichten.
Kein müdes Wort vom schändlichen
Rauswurf der drei jungen SJM-Priester. Diese hatten nicht – wie vom Bischof gewünscht – den vorgeschriebenen
Antrag zum Einbezug in den Pastoralverbund gestellt und wurden dafür standrechtlich erschossen.
Kein
Wort zur Ablehnung des ‘Pastoralen Prozesses’ durch die Pfarrgemeinden.
Prälat und Domkapitular Rudolf
Hofmann setzt nach Angaben des ‘Boni-Boten’ noch eins drauf: „Wir können von den Gründungsfeiern nur
schwärmen!“
Der Bischof von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, äußert sich „erfreut darüber, daß
die Gründung der Pastoralverbünde immer mit einem großen Gottesdienst gefeiert worden ist“.
Diese
Diözesanclique hat freilich nur darum Grund zum Jubeln, weil man die Geistlichen der zuständigen Region
zur Gründung der Pastoralverbünde dienstverpflichtet hatte.
Angesichts dieses Zwanges war mancher Pfarrer
froh, wenn zur Gründungsveranstaltung statt der Eucharistie nur eine Vesper gebetet wurde.
Bei dieser
gibt es nämlich keinen Bruderkuß.
Es ist im Artikel des ‘Bonifatius-Boten’ festzustellen, daß dem
Bischof zum Thema ‘Pastoraler Prozeß’ die Jubelpuste schnell ausgeht: „Bei den sich verschärfenden Gegebenheiten
müsse es auch bei den Priestern zu einem Umdenken kommen.“
Wie das? War nicht alles paletti? Wie muß
man die „sich verschärfenden Gegebenheiten“ verstehen? Bei so viel zuckersüßer Harmonie?
Ich verstehe.
Die „verschärften Gegebenheiten“ bestehen darin, daß der besorgte Hirte nicht mehr mit ansehen konnte,
wie sich manche Priester als verlassene Einzelkämpfer aufreiben.
Erfolgreich ist bekanntlich nur die
Team-Arbeit.
Das Dekanat neuen Zuschnitts fördere die „Seelsorge durch gemeinsames Handeln“ – betont
der Fuldaer Kirchenrechtler, Mons. Lothar Wächter.
Es habe „die pfarrliche Pastoral zu unterstützen
und zu koordinieren sowie im Auftrag des Bischofs Aufsichts- und Leitungsfunktionen wahrzunehmen“.
Jetzt
ist es raus: „Aufsichts- und Leitungsfunktionen“ – der gläserne Pfarrer.
Wehe, wenn sich der Leutpriester
persönlich Gedanken macht, wie er sich mehr in die Seelsorge einbringen könnte. Der aufsichtführende
Dechant wird ihn schon zurückpfeifen.
Für letzteren gibt es in Zukunft auch einen neuen Titel. Er darf
sich fortan „Dekan“ nennen, weil das besser zu „Dekanat“ paßt und er doch kein kleiner Dechant mehr ist,
sondern eine richtiger Wachhund.
Dieser Titel paßt auch wunderbar in die ökumenische Landschaft. Viele
protestantische Geistliche nennen sich ebenfalls Dekane – ein weiterer gelungener Schritt zur Verschwisterung.
Es wäre doch gelacht, wenn man das Kind nicht schaukeln würde.
Außerdem hat die Zusammenführung
von 21 auf 10 Dekanate den Vorteil, daß der Bischof hinkünftig nicht mehr 21 Dechanten – pardon: Dekane –
verdächtigen muß, Interna auszuplaudern.
Man beachte, daß es ihm bis heute nicht gelungen ist, die
undichte Stelle herauszufinden, welche an die Öffentlichkeit brachte, daß die Dechanten den Inhalt jenes
römischen Briefes in Erfahrung bringen wollten, in dem Kritisches zu den Fuldaer Pastoralverbünden vermutet
wird?
Das Schreiben wird vom Bischof bis heute geheimgehalten.
Der Clou des Berichtes über die letzte
Dechantenkonferenz besteht in der Offenbarung, daß die Verbandsstruktur der Caritas als Vorbild für
die Umstrukturierung der Diözese dient.
Bei der Caritas sind jetzt „hauptamtliche Mitarbeiter“ als „Vorstände“
tätig.
Sie haben einem übergeordneten Aufsichtsrat Rechenschaft abzulegen.
Ein Schelm, der meint,
daß es dem Bischof nur um „Aufsicht und Kontrolle“ geht. Außerdem ist alles mit der Bischofskonferenz
abgestimmt – zur Verbesserung der Handlungsfähigkeit.
Wessen Handlungsfähigkeit?
Hätte das die ‘Fuldaer
Zeitung’ auch so klar und deutlich schreiben können? Ausgeschlossen. Denn dazu bedarf es eines Blattes,
das sich der bischöflichen Erleuchtung noch sicherer ist.
Nur eines hat der ‘Boni-Bote’ vergessen: Die
Gläubigen sind nicht so dumm, daß sie eine solche Strategie nicht durchschauen.
‘Boni-Bote’ ade! Du
wirst viele Abonnenten verlieren.
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