Hat es Mohammed überhaupt gegeben?
Ein deutscher Religionswissenschaftler vertritt die These, daß die ersten Muslime eine christliche Sekte mit einer heterodoxen Christologie waren. Der Koran? Der war ein christliches Lektionar. Von Jorge Papassalouros.

In dem Beitrag stellt der Religionswissenschaftler Karl-Heinz Ohlig (68) die Frage nach der Anwendung der sogenannten „historisch-kritischen Methode“ auf den Text des Koran.
Die „historisch-kritische Methode“ stammt aus dem 19. Jahrhundert und glaubt die Entstehungsgeschichte antiker Texte nachzeichnen zu können.
Ohlig leitete bis zu seiner Emeritierung den Forschungsbereich „Frühislam“ an der Universität des Saarlandes.
Der geweihte, aber im Clinch mit der Hierarchie und dem Glauben lebende Priester gehört zu den ständigen Mitarbeitern der progressistischen Zeitschrift ‘imprimatur’.
Von 1970 bis 1978 war Ohlig Professor für Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule des Saarlandes.
Die Islamwissenschaft ist nach Ohlig immer noch durch dogmatische und „unhistorische“ Vorgaben blockiert.
Der Religionswissenschaftler weist darauf hin, daß die Biographie des vorgeblichen Propheten Mohammed frühestens im 9. Jahrhundert geschrieben wurde.
Die Erzählungen über sein Leben würden immer wieder „unkritisch“ reproduziert.
Mohammed wirkte angeblich von 570 bis 632 in Mekka, Medina und später wieder in Mekka.
Doch die älteste Ganzschrift des Koran stamme frühestens aus dem Jahr 870 – also über 200 Jahre nach dem Tod des Propheten.
Diese Ganzschrift sei das Produkt einer politisch gewollten Vereinheitlichung.
Auffällig sei, daß die christlichen Quellen während der frühen muslimischen Herrschaft über die neue Religion schwiegen.
Außerdem würden die frühesten muslimischen Münzprägungen immer noch das Kreuz zeigen. Schon früh findet sich zudem auf den Münzen die Abkürzung für das Wort „muhammad“.
„Muhammad“ heißt im Aramäischen – der damaligen Lingua franca des Vorderen Orients: „der zu Preisende“ oder „Gepriesene“.
Das lateinische Wort dafür ist „benedictus“.
Die von Ohlig in der ‘Frankfurter Allgemeinen’ vertretene These lautet, daß mit dem Wort „muhammad“ auf den frühislamischen Münzen Jesus Christus gemeint sei.
Die berühmte Inschrift, die 691 auf der Fassade des Felsendoms in Jerusalem angebracht wurde, übersetzt Ohlig entsprechend:
„Zu loben ist – muhammad – der Knecht Gottes und sein Gesandter (…) Denn der Messias Jesus, Sohn der Maria, ist der Gesandte Gottes und sein Wort.“
Muhammad wäre somit ursprünglich ein christologischer Titel gewesen.
Die ersten Muslime waren demnach eine christliche Sekte mit einer heterodoxen Christologie.
Erst sehr viel später wurde das Prädikat „muhammad“ nach Ohlig aus politischen Gründen von seinem Bezugspunkt Jesus Christus gelöst und mit der Gestalt eines arabischen Propheten mit dem Namen Mohammed verbunden.
Erst gegen Ende des 8. Jahrhunderts habe sich die koranische Bewegung als eigenständige Religion – als Islam – etabliert.
Auch das Schweigen der vielen christlichen Schriftsteller unter frühislamischer Herrschaft über die Existenz des Koran sei auffällig.
Das könne ein Hinweis sein, daß die Kirchenschriftsteller dieser Zeit den Islam als Form des Christentums betrachteten.
Im Koran selber findet sich das Wort „muhammad“ nur viermal.
Nur einmal kann man ihn nach Ohlig mit Sicherheit als Eigennamen identifizieren.
Nach der neuesten Forschung gibt es im Koran keine eindeutigen geographischen Angaben über Arabien als Schauplatz der Koranentstehung.
Die ältesten Textschichten des Korans stammen nach Ohlig aus Mesopotamien – aus einem syro-aramäischen Sprachraum und einem heterodox-christlichen Umfeld.
Die Grundschrift des Koran sei nicht in arabischer Sprache, sondern in einem syro-aramäischen Dialekt verfaßt.
Erst später sei dieser Text zu einem Buch in arabischer Sprache umgeschrieben worden.
Der frühe Koran sei dagegen ein christliches Lektionar gewesen, das später aus politischen Gründen stark erweitert worden sei.
Die heute gebräuchliche Koranausgabe aus Kairo aus dem Jahr 1925 sei ein dogmatisches Produkt, das nicht den Urkoran darstelle.
Auch in der Frage des Korantextes liegt Ohlig mit dem Lehramt über Kreuz.
Eine Hochachtung, wie sie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. dem Koran gegenüber bekundet haben, läßt sich aus seinem Artikel nicht herauslesen.
Für ihn basiert der Koran auf einer christlichen Sondertheologie.
Für den Beginn des kommenden Jahres hat Ohlig zwei Publikation zu diesem Thema angekündigt:
Ein Buch unter dem Titel „Der frühe Islam. Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen“, sowie einen Sammelband unter dem Titel „Die dunklen Anfänge. Neue Forschungen zur Entstehung und frühen Geschichte des Islam.“
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Dienstag, 19. Dezember 2006 12:45
Dr. Christoph Heger: Christlicher, als man uns glauben macht
@Pünktchen:
In der Tat ist die Auffassung, daß der Islam (ursprünglich) eine Art häretischen Christentums gewesen ist, alles andere als neu. Sie findet sich schon (oder in anderer Hinsicht: noch) beim hl. Johannes von Damaskus, der die Religion der „Sarazenen“ in seinem Werk „Über die Häresien“ (Peri haireseôn) abhandelt. Und der hl. Johannes, aus einer „arabischen“ Familie stammend und zeitweise hoher Beamter („Protosymboulos“) des Kalifen, dürfte besser informiert gewesen sein, als heutige Lehrstuhlpupser.
Andererseits hat natürlich auch der hl. Thomas von Aquin recht, wenn er den (späteren, klassischen) Islam als eine außerhalb des Christentums stehende Art Heidentum auffaßt.
@Dr. Otterbeck:
Dieser Muslim, der ganz vorsichtig einräumte, daß die Eigenschaften, die Allah vorbehalten sind, auch auf den Jesus des Koran zutreffen, hat etwas Richtiges bemerkt. Tatsächlich ist der Koran „christlicher“ und sogar „trinitarischer“ als die spätere orthodox-islamische Auslegung uns glauben machen will – besonders wenn man die von Günter Lüling bzw. Christoph Luxenberg aufgedeckten Verlesungen berichtigt.
MfG
Christoph Heger
In der Tat ist die Auffassung, daß der Islam (ursprünglich) eine Art häretischen Christentums gewesen ist, alles andere als neu. Sie findet sich schon (oder in anderer Hinsicht: noch) beim hl. Johannes von Damaskus, der die Religion der „Sarazenen“ in seinem Werk „Über die Häresien“ (Peri haireseôn) abhandelt. Und der hl. Johannes, aus einer „arabischen“ Familie stammend und zeitweise hoher Beamter („Protosymboulos“) des Kalifen, dürfte besser informiert gewesen sein, als heutige Lehrstuhlpupser.
Andererseits hat natürlich auch der hl. Thomas von Aquin recht, wenn er den (späteren, klassischen) Islam als eine außerhalb des Christentums stehende Art Heidentum auffaßt.
@Dr. Otterbeck:
Dieser Muslim, der ganz vorsichtig einräumte, daß die Eigenschaften, die Allah vorbehalten sind, auch auf den Jesus des Koran zutreffen, hat etwas Richtiges bemerkt. Tatsächlich ist der Koran „christlicher“ und sogar „trinitarischer“ als die spätere orthodox-islamische Auslegung uns glauben machen will – besonders wenn man die von Günter Lüling bzw. Christoph Luxenberg aufgedeckten Verlesungen berichtigt.
MfG
Christoph Heger
Dienstag, 19. Dezember 2006 11:37
Dr. Otterbeck: @Heger
Auch meinerseits besten Dank für den Hinweis. Mir wurde einmal von einem Muslim berichtet, der ganz vorsichtig einräumte, dass die Eigenschaften, die Allah vorbehalten sind, auch auf den Jesus des Koran zutreffen. Oder um es (sinngemäß) mit Jean Guitton zu sagen („Jesus“, 1961): Wenn der Schöpfer dieses Universums je Mensch geworden ist, dann „musste“ (logos!) er sich so verhalten, wie es der biblische Jesus tat.
Dienstag, 19. Dezember 2006 10:19
Pünktchen: Dank Ihnen, Herr Dr. Heger,
ich habe übrigens bei Vladimir Solovev (Solowjew) häufig diese Ansicht gelesen, der Islam sei in seinen Ursprüngen eine christliche (arianische) Sekte gewesen. Die These wäre also ganz und gar nicht so neu. Ich will mich gerne nochmals schlau machen, wie der russ. (Religions-)Philosoph dies vor mehr als 100 Jahren auf dem Kenntnisstand seiner Zeit schon behaupten konnte.
Dienstag, 19. Dezember 2006 10:03
Dr. Christoph Heger: Zum ganzen Thema verweise ich auf …
diesen Beitrag in der Wiener Zeitung Die Presse Religion: Mohammed, der einst Jesus war von ANNE-CATHERINE
SIMON.
MfG
Christoph Heger
MfG
Christoph Heger
Sonntag, 10. Dezember 2006 14:24
Artois †: Weg und Wahrheit
Seien Sie eingedenk des Heilandswortes „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, NIEMAND komt zum Vater, außer durch mich!“
Sonntag, 10. Dezember 2006 12:54
Gastus: @H. Metzker
Wer meint, Gott gefunden zu haben, hat ihn längst verloren. Nur die suche nach Gott, kann uns auf die
Wege des Herrn führen, die den „Himmel“ als Ziel haben.
Genau und wer meint ihn gefunden zu haben, sollte IHN schleunigst wieder verlieren, damit er sich wieder auf die Suche nach IHM machen darf, damit er nicht in Versuchung gerät zu behaupten, daß er den Himmel auf Erden in Gestalt der allein seligmachenden römisch katholischen Kirche schon gefunden hat.
Genau und wer meint ihn gefunden zu haben, sollte IHN schleunigst wieder verlieren, damit er sich wieder auf die Suche nach IHM machen darf, damit er nicht in Versuchung gerät zu behaupten, daß er den Himmel auf Erden in Gestalt der allein seligmachenden römisch katholischen Kirche schon gefunden hat.
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