Hexenverfolgung?
Wer war am stärksten in Gefahr, unter Hexenverdacht zu fallen?
Die Protokolle der Hexengerichte beweisen, daß so etwas wie eine durchschnittliche Hexe nie existiert hat. Von Jenny Gibbons.
Hexendarstellung aus dem 17. Jahrhundert
Hexendarstellung aus dem 17. Jahrhundert
(kreuz.net) Es gibt keine Eigenschaften, die einer Mehrheit von Hexen zu allen Zeiten und an allen Orten zugeschrieben werden können: nicht das Geschlecht, nicht der soziale Stand, nicht die Religion. Nichts.

Das einzige, was diese Personengruppe verband, war die Tatsache, daß alle von ihnen der Hexerei angeklagt wurden. Das unterschiedliche Profil der Hexen ist eines der stärksten Argumente gegen die Theorie, daß die Große Hexenjagd ein gezieltes Pogrom war, das sich gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen richtete.

Wenn letzteres wahr gewesen wäre, müßte die Mehrheit der Hexen etwas miteinander gemeinsam gehabt haben.

Wir können bestimmte Faktoren benennen, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhten konnten, angeklagt zu werden. Die meisten Hexen waren Frauen. Viele waren arm und älter. Viele scheinen unverheiratet gewesen zu sein.

Viele lebten in Distanz zu ihren Nachbarn. Sie wurden als „verschiedenartig“ betrachtet oder waren unbeliebt.

Aber es gibt keinen Hinweis darauf, daß eine bestimmte Menschengruppe besonders betroffen war. Traditionelle Anwender von Magie waren vielleicht etwas eher in Gefahr, der Hexerei angeklagt zu werden, aber die große Mehrheit der bekannten „weißen“ Hexen wurde nie angeklagt.
Entlarvte Mär:
Die große Mehrheit der bekannten „weißen“ Hexen wurde nie angeklagt.


Bevor die Prozeßunterlagen zugänglich wurden, gab es zwei große Theorien über die Identität der Hexen.

Margaret Murray – „Der Hexenkult in Westeuropa“ und „Der Gott der Hexen“ – vertrat die These, daß Hexen zu einer heidnischen Sekte gehörten, die den gehörnten Gott – den Teufel – verehrte.

Die Forschungen von Frau Murray waren ausgesprochen schwach und reduzieren sich gelegentlich auf eigentliche Textmanipulationen. Frau Murray beschränkte ihre Studien auf die schlimmsten vorhandenen Beispiele: auf Hexenjagd-Propaganda und Gerichtsverfahren, die mit schweren Folterungen verbunden waren.

Dann ging sie davon aus, daß solche Darstellungen im wesentlichen zuverlässig waren und daß der Teufel „wirklich“ ein heidnischer Gott war. Doch keine ihrer Vermutungen konnten einer Nachprüfung standhalten.

Im Jahre 1973 vertraten Barbara Ehrenreich und Deirdre English die These, daß die meisten Hexen Hebammen und Heilerinnen waren.

Ihr Buch „Hexen, Hebammen und Krankenschwestern“ überzeugte viele Feministen und Neo-Heiden, daß die Große Hexenjagd ein Pogrom war, bei dem man es auf traditionelle Heilerinnen abgesehen hatte.

Kirche und Staat hätten so versucht, die Macht dieser Frauen zu brechen, indem man sie der Hexerei anklagte und einen Keil der Angst zwischen diesen weisen Frauen und ihren Kunden zu treiben versuchte.

Die Beweise für diese Theorie waren – und sind – völlig punktuell. Man zitierte eine Anzahl von Fällen, die Heiler betrafen. Dann ging man einfach davon aus, daß das dem Durchschnittsprozeß entsprach.

Doch nur ein Jahrzehnt nach der Publikation des Buches „Hexen, Hebammen und Krankenschwestern“, wußten wir bereits, daß die im Buch aufgestellten Behauptungen nicht der Wahrheit entsprachen.

Nur ein kleiner Teil der Angeklagten waren Heiler, gewöhnlich zwischen 2% und 20% – je nach Land. Es gab nie eine Zeit oder einen Ort, wo die Mehrheit der angeklagten Hexen Heiler waren.

Im Jahr 1990 zeigte der Artikel von D. Harley „Historiker als Dämonologen: der Mythos der Hebammenhexe“ – in: Social History of Medicine 3 (1990), pp. 1-26 –, daß die Wahrscheinlichkeit, als Hexe angeklagt zu werden, bei offiziellen Hebammen reduziert war.

Noch Schlimmeres sollte folgen.

Feministische und neo-heidnische Autoren präsentierten die Heiler-Hexe als unschuldiges erleuchtetes Opfer böser männlicher Hexenjäger. Doch die Protokolle von Hexenprozessen zeigen, daß „weiße“ Hexen eher dazu neigten, eifrige Unterstützer der Hexenverbrennungen zu sein.

Diane Purkiss – „Die Hexe in der Geschichte“ – deutete darauf hin, daß „Hebammen häufiger den Hexenjägern halfen“ als daß sie Opfer der Untersuchungen wurden.

Wie wurden die Hexen zu Hexenjägern? Indem sie ihre Rivalinnen für Krankheiten verantwortlich machten.

Zurecht verurteilten feministische Autoren Ärzte, welche den Hexen unerklärliche Krankheiten in die Schuhe schoben. Gerichtsunterlagen zeigen, daß dies vorkam – wenn auch nicht besonders häufig.

Wenn man Bücher studiert, die Hexenfälle im Zusammenhang mit Ärzten aufarbeiten, stellt man fest, daß die Ärzte in den meisten Fällen, bei denen sich Menschen für verhext hielten, natürliche Ursachen feststellten. Wenn die Ärzte Hexerei diagnostizierten, beschuldigten sie fast nie einen bestimmten Heiler oder eine bestimmte Hexe.

Sie bemühten sich darum, ihr Unvermögen zu erklären und nicht, einer bestimmten Einzelperson zu schaden.

Traditionelle Heiler und „weiße“ Hexen führten Krankheiten routinemäßig auf Hexerei zurück.

Für einen Arzt bedeutete die Diagnose der „Hexerei“ das Zugeben eines Versagens. Die Medizin konnte gegen die Magie nichts unternehmen. Die Ärzte schreckten davor zurück zuzugeben, daß sie gegen eine Krankheit machtlos waren.

Dagegen war die schädliche Magie das Spezialgebiet der hilfreichen oder „weißen“ Hexe. Volksheiler führten Krankheiten regelmäßig auf Magie zurück und boten Gegenzauber an, um ihre Patienten zu heilen.

Viele Volksheiler waren sogar bereit, den Namen der verfluchenden Hexe gegen eine Entschädigung zu „ermitteln“.

Jenny Gibbons, die Autorin des Beitrages studierte Mittelalterliche Geschichte und ist Anhängerin eines modernen Hexenkultes.

Nächstes Mal: War der Hexenwahn ein Ausbruch des Frauenhasses?
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Die unterschlagene Revolution 2. 400 Hexen auf einen Streich? 3. Die große Preisfrage: Wann war die Zeit der Hexenverbrennungen? 4. Die überraschende Landkarte der Hexenjagd 5. Wer verurteilte die Hexen? 6. Das Märchen von der hexenjagenden Inquisition
7. Wer war am stärksten in Gefahr, unter Hexenverdacht zu fallen?
8. War der Hexenwahn ein Ausbruch des Frauenhasses? 9. Neun Millionen getötete Hexen?
      
7 Lesermeinungen
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#7   r.ruhrgebietler   07:38:56 | Dienstag, 5. Dezember 2006
Ich frage mich
warum k.n sich mit solchen Dingen befasst, da doch andere Dinge aktuell viel wichtiger sind! Aufweichung des Zölibats, Buße, Aufopferung, Sühneleiden für die Armen Seelen (und für die eigenen Seelenrettung)
Bin gespannt, wann das Kapitel der „Bekehrung der Inkas“ durch die Spanier in Szene gesetzt wird – da hat die hlg. rk. Kirche auch ‘ne Menge Dreck am Stecken.
Nein, da alles ist eine bewußte Steuerung Satans um den rechtgläubigen Katholiken in seinen Grundfesten des Glaubens zu erschüttern und vom engen Weg abzubringen!! Dies ist auch keine Frage von „konservativ“, „liberal“ oder gar „progressiv“. Es ist eine Frage der täglichen Nachfolge einer jeden einzelnen Seele auf dem Wege des Herrn Jesus Christus. Ist jetzt nicht Advent? Mache sich jede einzelne Seele auf den Weg, fülle die Lampe (seine Seele) mit Öl (den Sakramenten der hlg. rk. Kirche) um dem Bräutigam entgegenzueilen (Jesus Christus). Seien wir also nicht töricht und fangen am besten gleich damit an!
Gelobt sei Jesus Christus!
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#6   methusalix †   00:13:22 | Dienstag, 5. Dezember 2006
Ich stimme Ihnen voll zu, Zauberer
thaumaturgos: als kirchenhistoriker kann ich da nur sagen: UNSÄGLICH DUMM … alle postings!
Aber sollten Sie sich nicht lieber einen anderen Nick zulegen? Darf ich vielleicht „historix“ vorschlagen?
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#5   thaumaturgos   20:28:58 | Montag, 4. Dezember 2006
als kirchenhistoriker
kann ich da nur sagen: UNSÄGLICH DUMM … alle postings!
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#4   mahner   17:49:26 | Montag, 4. Dezember 2006
hallo Metzger
… gibt’s bei Ihenn auch den Fusel, den Sie anscheinend saufen ????
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#3   Horst Metzker   17:33:58 | Montag, 4. Dezember 2006
Jupp Heidi, jupp heida,
kreuz.net fidel und bumsfallera, Jupp Heidi…
Wer die Noten möchte, kann sie bei mir anfordern.
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#2   Tridentinus   16:32:51 | Montag, 4. Dezember 2006
@laikos
Weitgehend akzeptable Bemerkungen, aber Ihre Auslassungen über Tabak und Alkohol klingen verdächtig puritanisch und damit protestantisch…
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#1   laikos   14:51:32 | Montag, 4. Dezember 2006
Existenz von Hexen
Liebe Leser
Das Magie und Menschen welche durch magische Fähigkeiten „heilen“ können existieren ist ein katholisches Fakt und durch die Erzählungen der Bibel belegt. Es existieren heute mehr Wunerheiler mit echten magischen Fähigkeiten als zur Zeit des Mittelalsters. In unserer modernen Welt ist die Magie allerdings erwünscht und wird auch nicht mehr als Sünde angesehen. Erlaubt ist alles was „gesund“ macht. Magie ist immer dämonischen Ursprungs. Ohne eine einzige Ausnahme. Schwere Krankheiten können von Dämonen „geheilt“ werden. Dafür wirft man seine Seele weg und hat mit unvorstellbaren Qualen im Fegefeuer oder sogar in der Hölle zu rechnen, wenn man nicht aufrichtig bereut. Bitte haltet Abstand von solchen Dingen und vertraut auf die Wunder welche vom Vatikan bestätigt werden. Diese dämonischen Scheinwunder fügen der Kirche und daraus folgend auch den Menschen nur Schaden zu. Außerdem sind Menschen welche im Glauben Leben laut Statistik auch leiblich und psychisch meistens gesünder, da sie nicht soviel oder gar nicht rauchen, sich nicht besaufen, sich gesund ernähren, keine Unzucht treiben (Geschlechtskrankheiten), … Wer ein schönes gesundes Leben haben will muß einfach nur auf Gott vertrauen.
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