Die Neue Messe kann in der Kirche keinen Platz beanspruchen
Die Rehabilitierung der Alten Messe wäre auch eine Rehabilitierung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Gibt es in der gegenwärtigen liturgischen Misere ein Umdenken?
Schon vor 500 Jahren hat Aegidius von Viterbo – Humanist und Reformator der Augustiner Eremiten – die Schwierigkeiten der Kirche vor dem V. Laterankonzil auf den Punkt gebracht: „Homines per sacra mutari fas est, non sacra per homines“ – Die Menschen müssen durch das Heilige umgestaltet werden, nicht das Heilige durch die Menschen.
Was bedeutet das für den gegenwärtigen Zustand der Kirche?
Wenn es gegenwärtig um fünf vor zwölf bei einigen Verantwortlichen der Kirche ein Umdenken gibt, dann sicher nicht zuletzt aufgrund der Einsicht, daß die liturgischen Experimente der 60er und 70er Jahre gescheitert sind.
Wie könnte der Papst praktisch auf diese Einsicht reagieren?
Meines Erachtens wäre eine Erklärung „Motu Proprio“ denkbar, in der der Heilige Vater kurz feststellt, daß die Bulle ‘Quo primum’ seines Vorgängers Pius V. niemals rechtsgültig widerrufen wurde und daher weiter in Geltung ist. Damit wäre ohne großen Gesichtsverlust eine realistische Lösung möglich, die andererseits niemanden belastet, der aus welchen Gründen auch immer weiterhin am Missale von Paul VI. festhalten möchte.
Was würde eine solche Erklärung bewirken?
Sicherlich würde der Großteil des lateinischen Klerus zunächst noch am Ritus von Paul VI. festhalten. Aber die überlieferte Liturgie würde endlich aus dem Bereich des Odiosen herausgeholt. Jener Ritus, der über Jahrhunderte die abendländische Spiritualität und Kultur geprägt hat, würde wieder in seine offiziellen Rechte eingesetzt.
Wovor hat man Angst?
Ich bin überzeugt – und die Feinde der römischen Liturgie befürchten es –, daß sich auf Dauer die Weissagung des Gamaliel aus der Apostelgeschichte bewahrheiten wird, wonach sich der wahre Ausdruck der Gottesverehrung durchsetzen wird. Die Hysterie der Neuerer bestätigt dies. Aber warum sollte die Kirche zu ihrem Schaden an der neuen Liturgie festhalten, an deren Erfolg inzwischen nicht einmal mehr ihre Erfinder glauben?
Was würde die Zulassung der überlieferten Liturgie für das kirchliche Leben bewirken?
Ich glaube, daß damit die wirkmächtige Wiederkehr des Erlösers verbunden wäre, der sein Heilshandeln an die Sakramente – besonders an das Heilige Meßopfer – gebunden hat.
Sie meinen wirklich eine „Rückkehr des Erlösers“?
Wenn der glücklich regierende Pontifex schon vor Jahren darüber geklagt hat, daß man vielerorts Gottesdienst feiere „etsi Deus non daretur“ – so als ob es Gott nicht gebe – weil sich im Neuen Meßritus vielfach Gemeinde und „Liturge“ nur noch gegenseitig feiern, dann ist alles über die heutige Situation gesagt. Steht Gott wieder im Mittelpunkt, dann wird das neue Babel aufhören und der Weg für einen heiligen Frühling frei werden. Dieser Frühling wird – so Gott will – zu einem neuen Pfingsten führt, welches uns die sogenannten Reformer vor vierzig Jahren großsprecherisch in Aussicht stellten.
Was würde eine solche Erklärung für die Liturgiereform Pauls VI. bedeuten?
Zunächst nichts anderes, als daß diese Liturgie eine Spielart der lateinischen Liturgie der Kirche ist. Die Zukunft der Liturgie von Papst Paul VI. wird wohl darin bestehen, einige positive Details in den Traditionsfluß der großen römischen Liturgie einzubringen, wie etwa manch gelungene Bereicherung der biblischen Lesungen oder die eine oder andere
Präfation.
Was sonst?
Ansonsten aber wird die Messe Pauls VI. über kurz oder lang als Episode der Geschichte enden, da ihre tragenden Grundprinzipien nicht in der höheren Ehre Gottes, sondern in ökumenischen Zeitgeistspielereien gegründet sind, und darum keinen Platz in der Kirche beanspruchen können.
Würde eine Befreiung der Alten Liturgie der liturgischen Einheit schaden?
Es gibt diese liturgische Einheit heute de facto nicht mehr, weil die Zentrifugalität der Liturgie Pauls VI. systemimmanent ist. Angefangen von der Sprache, über die vielen Wahlmöglichkeiten des Zelebranten, welche zu immer neuen Eigenmächtigkeiten inspirieren bis hin zu inkulturierten Riten, die das Christusmysterium in seinem Ausdruck repaganisieren wollen, ist heute alles möglich.
Ist es wirklich so schlimm?
Besuchen Sie doch zum Beispiel am Sonntagvormittag in Wien verschiedene Eucharistiefeiern. Dann werden Sie feststellen, daß keine der anderen gleicht – abgesehen von einigen Restelementen. Hier von einer liturgischen Einheit zu sprechen, die durch die Feier der Römischen Messe gestört würde, ist grotesk, zumal man doch sonst so gerne das Schlagwort von „versöhnter Verschiedenheit“ strapaziert, wenn man die ökumenische Quadratur des Kreises verkaufen will.
Was könnte eine päpstliche Rehabilitierung der Alten Messe für die Bewertung des Zweiten Vatikanums bedeuten?
Der Heilige Vater würde uns damit die Entdeckung des „authentischen Konzils“ ermöglichen – wie er selber verschiedentlich formuliert hat. Das Konzil kann nur von der Tradition her verbindlich gesehen und gedeutet werden und nicht umgekehrt, da ansonsten die Kirche ihre Wurzeln verliert und zur Sekte wird.
Also auch eine Rehabilitierung des Zweiten Vatikanums?
Jawohl. Die Diskrepanz zwischen der Konzilskonstitution ‘Sacrosanctum Concilium’ und der Liturgiereform von 1969 ist offensichtlich. Es gibt aber noch viele andere, nicht unwesentliche Teilbereiche zum Beispiel in der Ekklesiologie, wo unter Berufung auf das Konzil oder dessen Geist ebenfalls die haarsträubendsten Häresien vertreten werden.
Wie könnte die Liturgie hier als Modell wirken?
Wenn es im liturgischen Bereich gelänge, das Konzil zu verwirklichen, indem man das im Sinne der Tradition modifizierte Missale Romanum des Heiligen Pius V. als norma normans für die Lateinische Kirche jeder weiteren Entwicklung verbindlich zugrundelegt, dann könnten auch die anderen aktuellen Probleme der Kirche, die aus dem Traditionsbruch der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts herrühren, gelöst werden.
Hw. Siegfried Lochner ist Militärsuperior an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Das Interview wurde im vergangenen Mai im Vaduzer Bistumsblatt ‘vobiscum’ veröffentlicht.
© Bild: Latin-Mass-Society
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Samstag, 9. Dezember 2006 09:53
Tridentinus: @No Comment
Good comment! Denn dann geschah es doch, und noch dazu trifft beides chronologisch so gut zusammen.
Und vor allem: Die Mauer gibt’s bereits heute schon lange nicht mehr. Sicher gibt es künftig noch weitere Parallelen…
Und vor allem: Die Mauer gibt’s bereits heute schon lange nicht mehr. Sicher gibt es künftig noch weitere Parallelen…
Freitag, 8. Dezember 2006 17:21
No Comment: @Tridentinus
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ (W. Ulbricht, 1961)
Mittwoch, 6. Dezember 2006 19:55
wickerl: fantastisch
Ein fantastischer Artikel
Mittwoch, 6. Dezember 2006 17:52
Athanasius: @Benedikt
Waren Pius XI., Pius XII. und Johannes XXIII. etwa unwidersprochen Rechtsbrecher?
Blablabla. Warum musst Du ständig mit Unsinnargumenten dem Tageslicht entgegentreten? Johannes XXIII. hat sich in der Tradition von Quo Primum gestellt und auf der ersten Seite des Missale Romanum editio typica 1962 finden wir …Quo Primum! zurück!
Natürlich hat der Papst die Macht die Liturgie in Einzelkeiten anzupassen, neue Formulare einzuführen, Gebete einzuführen oder mit Richtlinien zu versehen. Aber eine vollständige Aufgabe der römischen Liturgie und diese einzuwechseln für völlig neue, reformierte, ja novus-isierte Riten, ist praktisch noch nie vorgekommen und von Cajetan, Suarez usw. also für unmöglich gehalten. Auch wenn das theoretische Recht existiere, bleibt die praktische Folge katastrophal. Das ist ganz „schön“, ja. Kritik ist da angesagt!
Blablabla. Warum musst Du ständig mit Unsinnargumenten dem Tageslicht entgegentreten? Johannes XXIII. hat sich in der Tradition von Quo Primum gestellt und auf der ersten Seite des Missale Romanum editio typica 1962 finden wir …Quo Primum! zurück!
Natürlich hat der Papst die Macht die Liturgie in Einzelkeiten anzupassen, neue Formulare einzuführen, Gebete einzuführen oder mit Richtlinien zu versehen. Aber eine vollständige Aufgabe der römischen Liturgie und diese einzuwechseln für völlig neue, reformierte, ja novus-isierte Riten, ist praktisch noch nie vorgekommen und von Cajetan, Suarez usw. also für unmöglich gehalten. Auch wenn das theoretische Recht existiere, bleibt die praktische Folge katastrophal. Das ist ganz „schön“, ja. Kritik ist da angesagt!
Mittwoch, 6. Dezember 2006 14:35
Benedikt: Wiederholung
Außerhalb des FSSPX-nahen Umfeldes ist das „Quo Primum“-Argument vollkommen unbekannt. Kein reformkritischer
Konzilsvater hat es angeführt. Warum nicht? Wo es doch angeblich so nahe liegt? Waren Pius XI., Pius
XII. und Johannes XXIII. etwa unwidersprochen Rechtsbrecher? Warum hat da das Offizium keine Bedenken
angemeldet?
Die Nummer mit Quo Primum ist unhaltbar. Quo Primum bezieht sich nicht auf den Papst und ist auch kein unabänderliches Gesetz der Kirche.
Die Gegner der Liturgiereform sollten es vielleicht mal mit materieller Kritik versuchen, anstatt ständig mit offensichtlich unzutreffenden formellen Aspekten zu kommen, die von Rom folglich und zu Recht dauernd ignoriert werden.
Die Nummer mit Quo Primum ist unhaltbar. Quo Primum bezieht sich nicht auf den Papst und ist auch kein unabänderliches Gesetz der Kirche.
Die Gegner der Liturgiereform sollten es vielleicht mal mit materieller Kritik versuchen, anstatt ständig mit offensichtlich unzutreffenden formellen Aspekten zu kommen, die von Rom folglich und zu Recht dauernd ignoriert werden.
Mittwoch, 6. Dezember 2006 11:38
Freinsberg: @ Tridentinus
In „Quo primum“ ist unter den auf das neue Missale verpflichteten Personen der Papst nicht genannt. Also…
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