15:53:01 | Montag, 4. Dezember 2006
Die Rehabilitierung der Alten Messe wäre auch eine Rehabilitierung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

„Es ist nicht überraschend, daß die neugestaltete »Mustermesse«, die an die Stelle des bisherigen
Odro missae treten sollte und trat, von der Mehrheit der dafür zu einer Sondersynode zusammengerufenen
Väter 1967 abgelehnt worden ist.“
Joseph Kardinal Ratzinger, Aus meinem Leben
© Latin-Mass-Society(kreuz.net) In einem Interview mit dem Bistumsblatt der Erzdiözese Vaduz äußert sich der öster- reichische
Militär- geistliche Hw. Siegfried Lochner über die Wieder- einführung der Alten Messe.
Gibt es in
der gegenwärtigen liturgischen Misere ein Umdenken?Schon vor 500 Jahren hat Aegidius von Viterbo –
Humanist und Reformator der Augustiner Eremiten – die Schwierigkeiten der Kirche vor dem V. Laterankonzil
auf den Punkt gebracht: „Homines per sacra mutari fas est, non sacra per homines“ – Die Menschen müssen
durch das Heilige umgestaltet werden, nicht das Heilige durch die Menschen.
Was bedeutet das für den
gegenwärtigen Zustand der Kirche?Wenn es gegenwärtig um fünf vor zwölf bei einigen Verantwortlichen
der Kirche ein Umdenken gibt, dann sicher nicht zuletzt aufgrund der Einsicht, daß die liturgischen Experimente
der 60er und 70er Jahre gescheitert sind.
Wie könnte der Papst praktisch auf diese Einsicht reagieren?
Meines Erachtens wäre eine Erklärung „Motu Proprio“ denkbar, in der der Heilige Vater kurz feststellt,
daß die Bulle ‘Quo primum’ seines Vorgängers Pius V. niemals rechtsgültig widerrufen wurde und daher
weiter in Geltung ist. Damit wäre ohne großen Gesichtsverlust eine realistische Lösung möglich, die
andererseits niemanden belastet, der aus welchen Gründen auch immer weiterhin am Missale von Paul VI.
festhalten möchte.
Was würde eine solche Erklärung bewirken?Sicherlich würde der Großteil des
lateinischen Klerus zunächst noch am Ritus von Paul VI. festhalten. Aber die überlieferte Liturgie würde
endlich aus dem Bereich des Odiosen herausgeholt. Jener Ritus, der über Jahrhunderte die abendländische
Spiritualität und Kultur geprägt hat, würde wieder in seine offiziellen Rechte eingesetzt.
Wovor hat
man Angst?Ich bin überzeugt – und die Feinde der römischen Liturgie befürchten es –, daß sich auf
Dauer die Weissagung des Gamaliel aus der Apostelgeschichte bewahrheiten wird, wonach sich der wahre Ausdruck
der Gottesverehrung durchsetzen wird. Die Hysterie der Neuerer bestätigt dies. Aber warum sollte die
Kirche zu ihrem Schaden an der neuen Liturgie festhalten, an deren Erfolg inzwischen nicht einmal mehr
ihre Erfinder glauben?
Was würde die Zulassung der überlieferten Liturgie für das kirchliche Leben
bewirken?Ich glaube, daß damit die wirkmächtige Wiederkehr des Erlösers verbunden wäre, der sein
Heilshandeln an die Sakramente – besonders an das Heilige Meßopfer – gebunden hat.
Sie meinen wirklich
eine „Rückkehr des Erlösers“?Wenn der glücklich regierende Pontifex schon vor Jahren darüber geklagt
hat, daß man vielerorts Gottesdienst feiere „etsi Deus non daretur“ – so als ob es Gott nicht gebe –
weil sich im Neuen Meßritus vielfach Gemeinde und „Liturge“ nur noch gegenseitig feiern, dann ist alles
über die heutige Situation gesagt. Steht Gott wieder im Mittelpunkt, dann wird das neue Babel aufhören
und der Weg für einen heiligen Frühling frei werden. Dieser Frühling wird – so Gott will – zu einem
neuen Pfingsten führt, welches uns die sogenannten Reformer vor vierzig Jahren großsprecherisch in Aussicht
stellten.
Was würde eine solche Erklärung für die Liturgiereform Pauls VI. bedeuten?Zunächst nichts
anderes, als daß diese Liturgie eine Spielart der lateinischen Liturgie der Kirche ist. Die Zukunft der
Liturgie von Papst Paul VI. wird wohl darin bestehen, einige positive Details in den Traditionsfluß der
großen römischen Liturgie einzubringen, wie etwa manch gelungene Bereicherung der biblischen Lesungen
oder die eine oder andere
Präfation.
Was sonst?Ansonsten aber wird die Messe Pauls VI. über kurz
oder lang als Episode der Geschichte enden, da ihre tragenden Grundprinzipien nicht in der höheren Ehre
Gottes, sondern in ökumenischen Zeitgeistspielereien gegründet sind, und darum keinen Platz in der Kirche
beanspruchen können.
Würde eine Befreiung der Alten Liturgie der liturgischen Einheit schaden?Es
gibt diese liturgische Einheit heute de facto nicht mehr, weil die Zentrifugalität der Liturgie Pauls
VI. systemimmanent ist. Angefangen von der Sprache, über die vielen Wahlmöglichkeiten des Zelebranten,
welche zu immer neuen Eigenmächtigkeiten inspirieren bis hin zu inkulturierten Riten, die das Christusmysterium
in seinem Ausdruck repaganisieren wollen, ist heute alles möglich.
Ist es wirklich so schlimm?Besuchen
Sie doch zum Beispiel am Sonntagvormittag in Wien verschiedene Eucharistiefeiern. Dann werden Sie feststellen,
daß keine der anderen gleicht – abgesehen von einigen Restelementen. Hier von einer liturgischen Einheit
zu sprechen, die durch die Feier der Römischen Messe gestört würde, ist grotesk, zumal man doch sonst
so gerne das Schlagwort von „versöhnter Verschiedenheit“ strapaziert, wenn man die ökumenische Quadratur
des Kreises verkaufen will.
Was könnte eine päpstliche Rehabilitierung der Alten Messe für die Bewertung
des Zweiten Vatikanums bedeuten?Der Heilige Vater würde uns damit die Entdeckung des „authentischen
Konzils“ ermöglichen – wie er selber verschiedentlich formuliert hat. Das Konzil kann nur von der Tradition
her verbindlich gesehen und gedeutet werden und nicht umgekehrt, da ansonsten die Kirche ihre Wurzeln
verliert und zur Sekte wird.
Also auch eine Rehabilitierung des Zweiten Vatikanums?Jawohl. Die Diskrepanz
zwischen der Konzilskonstitution ‘Sacrosanctum Concilium’ und der Liturgiereform von 1969 ist offensichtlich.
Es gibt aber noch viele andere, nicht unwesentliche Teilbereiche zum Beispiel in der Ekklesiologie, wo
unter Berufung auf das Konzil oder dessen Geist ebenfalls die haarsträubendsten Häresien vertreten werden.
Wie könnte die Liturgie hier als Modell wirken?Wenn es im liturgischen Bereich gelänge, das Konzil
zu verwirklichen, indem man das im Sinne der Tradition modifizierte Missale Romanum des Heiligen Pius
V. als norma normans für die Lateinische Kirche jeder weiteren Entwicklung verbindlich zugrundelegt,
dann könnten auch die anderen aktuellen Probleme der Kirche, die aus dem Traditionsbruch der 60er Jahre
des vergangenen Jahrhunderts herrühren, gelöst werden.
Hw. Siegfried Lochner ist Militärsuperior an
der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Das Interview wurde im vergangenen Mai im Vaduzer
Bistumsblatt ‘vobiscum’ veröffentlicht.
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Marcel 08:55:33 | Dienstag, 5. Dezember 2006
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golfi 21:36:06 | Montag, 4. Dezember 2006