13:38:18 | Donnerstag, 7. Dezember 2006
Der aus Krankheitsgründen scheidende ultraliberale Erzbischof von Straßburg, Mons. Joseph Doré, hat den traditionalistischen Katholiken seines Erzbistums ein unverhofftes Geschenk gemacht. Von Dr. med. Stephan Puls.

(kreuz.net) Seit 1988 gibt es in den Elsässer Städten Straßburg und Colmar zwei Ecclesia-Dei-Gemeinden.
Die beiden Personalpfarreien sind unter dem Namen
‘Communauté St. Arbogast’ bekannt.
Die erste ist
in der Pfarrkirche Sankt Joseph in Straßburg, die zweite in der Pfarrkirche von Logelbach bei Colmar
beheimatet.
Hw. Alexander Leonhardt aus Deutschland und der Franzose Hw. Christian Gouyaud betreuen die
zwei Gemeinden von Straßburg aus.
Beide Geistliche verließen in den 80er Jahren die Piusbruderschaft
und waren als Priester beziehungsweise Seminarist Gründungsmitglieder der Petrusbruderschaft.
Von dieser
Gemeinschaft traten sie schließlich in die Diözese Straßburg über.
Die zwei Geistlichen stehen dem
liberalen Flügel der Petrusbruderschaft um den früheren Generaloberen Pater Arnaud Devillers nahe.
Sie haben in Straßburg lange in einem schwierigen äußeren Rahmen gearbeitet.
Die altrituelle Personalpfarrei
St. Arbogast

© Communauté St.Arbogast

© Communauté St.Arbogast

© Communauté St.Arbogast

© Communauté
St.Arbogast

© Communauté St.Arbogast

© Communauté St.Arbogast

© Communauté St.Arbogast
Die Heiligen
Messen fanden zunächst in der häßlichen Betonkirche St. Bernard statt. Dort war die Gemeinschaft St.
Arbogast gerade mal geduldet.
In St. Bernard bestand keine Möglichkeit, einen Schriftenstand zu haben
oder gar die Gemeinderäumlichkeiten zu nutzen.
Die Pfarrgemeinde war den Priestern des Alten Ritus feindlich
gesinnt.
Das Gemeindeleben fand in der großen, mit Privatkappelle, Versammlungs- und Büroräumen ausgestatteten
Wohnung der Priester statt. Diese befand sich aber etwa zwei Kilometer von St. Bernard entfernt.
Die
Räumlichkeiten mußten von Gläubigen für viel Geld angemietet werden – obwohl es in Straßburg zahlreiche
lehrstehende kirchliche Gebäude gibt.
An die Gründung einer eigenen Schule war nicht zu denken.
Der
inzwischen zurückgetretene Erzbischof von Straßburg, Mons. Joseph Pierre Doré, ist
nicht für seinen
Traditionalismus bekannt.
Seine bischöfliche Tätigkeit in Straßburg begann er 1998 mit einem Fastenhirtenbrief,
in dem er Bußgottesdienste mit sogenannter Generalabsolution lobte.
Die „fruchtbare“ lokale Tradition
der Kollektivabsolution müsse unbedingt weitergehen – erklärte der Mons. Doré damals.
Als die altrituelle
Benediktinerabtei Le Barroux im Jahr 1998 auf einem geschenkten Grundstück im Oberelsaß ein Tochterkloster
gründen wollte, wurde dieses Ansinnen von Erzbischof Doré und seinem Priesterrat sofort verhindert.
In der derselben Woche sprach sich derselbe Priesterrat dagegen für den Bau einer großen Moschee in
Straßburg aus, die mit Mitteln der Stadt gefördert wurde.
Noch in diesem Frühjahr verweigerte Erzbischof
Doré dem Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Jean-Marc Ledermann aus dem Oberelsaß,
eine Aufnahme in die Erzdiözese.
Der Pater kehrte daraufhin wieder zur Piusbruderschaft zurück.
Doch
nun ist Mons. Doré über seinen Schatten gesprungen.
Schon vor einigen Jahren verlieh er der Communauté
St. Arbogast einen kanonischen Status. Dieser wurde jetzt noch verbessert.
Ab sofort ist die Gemeinschaft
eine Personalpfarrei.
Hw. Gouyaud ist der Pfarrer, Abbé Leonhardt – der vor allem Colmar betreut – der
Kaplan. Die Gläubigen sind ganz normale Pfarreimitglieder.
Am 12. November 2006 zog die Personalpfarrei
in die Kirche St. Joseph in Straßburg-Königshoffen um.
In der neuen Kirche sind die Gläubigen keine
geduldeten Gäste mehr, sondern – zusammen mit der sterbenden Territorialpfarrei – reguläre Insassen.
Sie besitzen im Pfarrhaus ein Gemeindebüro und dürfen die Gemeinderäume nutzen. An Ostern müssen
sie nicht mehr in eine andere Kapelle ausweichen.
Die beiden Priester hätten sogar mit dem neumodisch
eingestellten Pfarrer im Pfarrhaus wohnen können. Doch sie haben es vorgezogen, in einem direkt gegenüber
der Kirche gelegenen angemieteten Haus zu leben.
Am Sonntagabend dürfen sie eine zweite Sonntagsmesse
halten.
Bisher war es der Gemeinschaft ausdrücklich verboten, in ihrem Stadtteil zu evangelisieren.
Auch das ist ihnen jetzt in Straßburg-Königshoffen erlaubt. Die Priester hegen entsprechende Pläne.
Pfarrer Gouyaud bemerkt dabei treffend, daß das Ziel der christlichen Mission darin bestehe, Menschen
für Christus – nicht für einen bestimmten Ritus – zu gewinnen.
Die neue Personalpfarrei in Straßburg
wird mit Sicherheit noch oft als Beispiel für ein erfolgreiches
Gemeindewachstum von sich reden machen.
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