Ist China ein weißer Fleck auf der kirchlichen Landkarte? Wo sind die katholischen Sorgenkinder rund um den Globus? Warum war ‘Dominus Jesus’ für die Deutschen so schwer zu akzeptieren? Erzbischof Giovanni Lajolo im Interview.
(kreuz.net, Vatikan) Erzbischof Giovanni Lajolo, der de facto Außenminister des Vatikans, wird heute
70 Jahre alt. Gestern veröffentlichte ‘Radio Vatikan’ ein Interview mit dem Jubilar.
Zur Frage welcher
Kontinent und welches Land ihm gegenwärtig Kummer bereite, verwies der Erzbischof auf mehrere Länder
in Afrika. Im Zentrum der Aufmerksamkeit des Heiligen Stuhls stehe außerdem immer das Heilige Land und
Jerusalem. Zusätzlich bereiteten ihm manche Länder in Asien Sorge, in denen die Religionsfreiheit nicht
genügend geachtet werde. Die Krisengebiete von Südostasien seien momentan natürlich Mittelpunkt der
Bemühungen.
Auf die Frage, ob China ein weißer Fleck auf der kirchlichen Landkarte sei, meinte der
vatikanische Diplomat, daß eine positive Wende in den Beziehungen zur Volksrepublik China nur durch einen
offenen Dialog bewerkstelligt werden könne. Die volle und unbehinderte Einheit der chinesischen Katholiken
mit dem Papst und die Religionsfreiheit seien kein Hindernis, um gute Staatsbürger zu sein. In Freiheit
könnten sie in noch besserer Weise in der Gesellschaft wirken.
Angesprochen auf die gegenwärtigen Uneinigkeiten
zwischen Washington und dem Vatikan vor allem in der Frage der Nahostpolitik, sagte der ‘Außenminister’,
daß die Ansichten des Heiligen Stuhles und des Weißen Hauses nicht so unterschiedlich seien. „Dem Irak
muß geholfen werden, sobald wie möglich innerlich befriedet zu sein, so daß der irakischen Bevölkerung
neue Leiden erspart bleiben und sie ihre Zukunft nach demokratischen Regeln selbst in die Hand nehmen
kann.“
Eine Frage an den Erzbischof hatte den EU-Beitritt der Türkei zum Thema. Lajolo meinte, daß
die Türkei selbst beweisen müsse, ob sie zu Europa gehöre. Sie solle sich die Grundwerte der Europäischen
Union zu eigen machen, vor allem die Grundrechte des Menschen, insbesondere die Religionsfreiheit.
Der
Erzbischof sprach auch über die zwei Problemfelder während seiner Zeit als Apostolischer Nuntius in
Deutschland: die Debatte um die kirchliche Abtreibungsberatung und die damalige Veröffentlichung des
Dokumentes ‘Dominus Jesus’, das sich zur einzigen Heilsmittlerschaft Christi äußerte. Zum damaligen
System der Schwangerenberatung meinte er, daß sich die katholischen Stellen bemüht hätten, die Mütter
in Schwierigkeiten zu einer positiven Entscheidung zugunsten des Lebens des Kindes zu führen. Man habe
lange um eine geeignete Lösung gerungen, die das Zeugnis der Kirche zugunsten des Lebens nicht verdunkeln
würde: „Der Versuch – er war schwierig und durchlitten – ist nicht gelungen.“ Man müsse anerkennen,
daß die deutschen Bischöfe das Problem begriffen und sich äußerst engagiert, um eine Lösung bemüht
hätten.
Der Grund für die Widerstände gegen das Dokument ‘Dominuns Jesus’ in Deutschland sei der besonderen
ökumenischen Empfindlichkeit einiger Katholiken zuzuschreiben, meinte der Erzbischof weiter. Diese Auffassungen
hätten sich vom katholischen Ökumeneverständnis wegbewegt. „Dominus Jesus hat einige unabdingbare Grundwahrheiten
des katholischen Glaubens in Erinnerung gerufen. Daß dies, wie manchmal angemerkt wird, in einer ökumenischeren
Sprache hätte geschehen können, darf man zugeben“.
Giovanni Lajolo wurde am 3. Januar 1935 in Novara
in der nordwestitalienischen Region Piemont geboren. Papst Johannes XXIII. weihte ihn 1960 zum Priester.
Anschließend studierte er in München Kirchenrecht und doktorierte 1965 in diesem Fach. 1970 trat er
in den diplomatischen Dienst des Hl. Stuhls und arbeitete sich bis zum Nuntius der Bundesrepublik Deutschland
empor. 2003 wurde Erzbischof Lajolo von Papst Johannes Paul II. zum ‘Außenminister’ des Vatikan ernannt.
Bei seiner Verabschiedung in Berlin wurde seine Ausgewogenheit besonders hervorgehoben.
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