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Mittwoch, 13. Dezember 2006 17:56
Der Brief des Bischofs von Fulda
Kürzlich hat der Fuldaer Bischof, Mons. Heinz Josef Algermissen, an die ehemaligen Pfarreien der entlassenen SJM-Priester einen Brief geschrieben. Der Originaltext.
"Wer seine Schafe liebt, nimmt ihnen nicht den guten Hirten."
„Wer seine Schafe liebt, nimmt ihnen nicht den guten Hirten.“
Fulda, im Advent 2006

Liebe Schwestern und Brüder in den Pfarrgemeinden Eckweisbach, Schwarzbach und Simmershausen, liebe Kinder und Jugendliche!

Die vergangenen Wochen sind im Zusammenhang mit der Kündigung des Gestellungsvertrags zwischen dem Bistum Fulda und der Ordensgemeinschaft Servi Jesu et Mariae zu einer äußerst schmerzhaften Erfahrung geworden.

Das gilt nicht nur für Ihre Gemeinden, sondern auch für mich als Bischof und für all die, die mit mir Verantwortung für die Seelsorge in unserem Bistum tragen.

Ich habe Verständnis für die Enttäuschung und Traurigkeit derjenigen in Ihren Gemeinden, die sich den drei Patres der SJM in besonderer Weise verbunden fühlen und sich ein Verbleiben des Ordens in der Pfarrseelsorge gewünscht hätten.

Viele Briefe an mich und zahlreiche Anrufe, die hier eingegangen sind, haben das zum Ausdruck gebracht. Nichts davon ist an mir vorbeigelaufen, etliches hat mich berührt und in mehrfacher Hinsicht nachdenklich gestimmt.
Bischof Algermissen:
Die Personalentscheidung wurde, um mich unter Druck zu setzen vor eine breite Öffentlichkeit gebracht, wodurch eine eventuelle Modifizierung der Entscheidung von vornherein unmöglich gemacht wurde.


Ein großer Schaden
Eine zweite Dimension aber ist hinzugekommen, die einen großen Schaden angerichtet hat: Zu einem zu frühen Zeitpunkt und auf ungute Weise ist die Personalentscheidung geplant und um mich unter Druck zu setzen vor eine breite Öffentlichkeit gebracht worden, wodurch eine eventuelle Modifizierung der Entscheidung von vornherein unmöglich gemacht wurde.

In diesem Zuge ist es zu zahlreichen Veröffentlichungen in unterschiedlichen Medien gekommen, die mich als Bischof bewußt beschädigen wollten. Briefe mit unsäglichen Beleidigungen und bisweilen auch Drohungen, die weder den Schreibern noch dem vorgeblichen Anliegen Ehre machten, haben mich tief verletzt.

Mir ist aber auch durchaus bewußt, daß hier nicht Gemeinden als Ganze am Werk waren, sondern daß vieles von dem, was geschehen ist, auf das Konto einer begrenzten Gruppe geht. Diese hat eine große Verantwortung zu tragen.

Inzwischen ist es längst so weit gekommen, daß Trittbrettfahrer aus extrem traditionalistischen Kreisen die Entlassung der SJM-Priester instrumentalisieren, um der gesamten Kirche ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil Untreue und Irrglauben zu attestieren. Sich hinter Synonymen [sic!] versteckend agieren angeblich „rechtgläubige Christen“ in niveaulosen und hetzerischen Internetforen und zerstören damit die Einheit der Kirche.

Nach reiflicher Überlegung
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Ich will Ihnen nochmals versichern, daß ich meine Entscheidung, den Gestellungsvertrag mit der SJM zu kündigen, nach reiflicher Überlegung, völliger Übereinstimmung mit meinem Geistlichen Rat und nach einer mehrjährigen Phase der Geduld und des Ermahnens getroffen habe.

Ich muß Sie um Verständnis bitten, daß ich eine Personalentscheidung und deren Gründe nicht öffentlich diskutieren kann, auch wenn Sie als Gemeinde davon betroffen sind.

Meine Entscheidung ist immer wieder in Zusammenhang mit dem Pastoralen Prozeß in unserem Bistum genannt worden. Das ist nicht falsch. Es ist aber nur eine, wenn auch sehr wesentliche Komponente des Ganzen.

Details zum Pastoralen Prozeß
Hierzu will ich mich etwas detaillierter äußern, da in vielen Briefen aus Ihren Gemeinden Zukunftsängste geäußert wurden, die zum einen unbegründet sind, zum anderen auf eklatante Weise offenbaren, daß Sie von Ihren Seelsorgern in dieser Sache entweder gar nicht oder unzulänglich informiert worden sind.
Bischof Algermissen:
In vielen Briefen aus Ihren Gemeinden wurden Zukunftsängste geäußert, die offenbaren, daß Sie von Ihren Seelsorgern in dieser Sache entweder gar nicht oder unzulänglich informiert worden sind.


Das größte „Schreckgespenst“, das verbreitet worden ist, lautet: „Der Bischof will die Priester weg haben, um sie durch Laien zu ersetzen“.

Die Wahrheit ist: Ich werde als Bischof nicht müde zu sagen, daß Priester nur durch Priester ersetzt werden können und bete täglich um mehr Priesterberufungen!

Ganz bewußt stellen wir in unserer Diözese keine Pastoralreferenten in der Gemeindeseelsorge ein, um zu vermeiden, daß unter dem Argument der gleichen theologischen Ausbildung ein Konkurrenzverhältnis entstehen könnte. Vielmehr geht es mir darum, verbunden mit einem realistischen Blick auf die Altersstruktur unseres Presbyteriums, verantwortbare Entscheidungen zu treffen, daß auch in zehn und fünfzehn Jahren unsere 304 Gemeinden priesterlich betreut werden können.

Wir wählen hierzu eben nicht den Weg, wie manch andere Diözesen, die einfach einen Teil ihrer Gemeinden auflösen und anderen Pfarreien einverleiben. Wir lassen die Gemeinden bestehen.

Damit dies aber auch zu leisten ist, müssen wir all unsere Gemeinden im Blick haben, angefangen bei denen mit einer sehr konzentrierten katholischen Struktur bis hin zu der Diasporagemeinde, in der der Pfarrer unter Umständen 30 km mit dem Auto fahren muß, um einem Hauskranken die Heilige Kommunion zu bringen.

So verstehen Sie vielleicht, daß es nicht geht, zu sagen, wir haben einen Priester, sind doch gut versorgt. Soll der Pastorale Prozeß doch da gemacht werden, wo sie keinen Priester mehr haben!

Die verbindliche Kooperation von mehreren Priestern und Gemeinden innerhalb eines Pastoralverbundes soll sicherstellen, daß keiner der Seelsorger sich als Einzelkämpfer verstehen muß, weil so etwas auf Dauer jeden Menschen überfordert.

Die Folge einer solchen Überforderung ist, und wer mit offenen Augen durch viele Gemeinden geht, wird es sehen: Je nach Schwerpunkt oder Begabung des Seelsorgers liegen die je anderen pastoralen Bereiche brach. Deshalb ist es nötig, daß sich die einzelnen Gemeinden durch die unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten gegenseitig auf die Beine helfen.

Eine geistliche Erneuerung
Der Pastorale Prozeß in unserem Bistum ist an erster Stelle eine geistliche Erneuerung.

Er ruft in Erinnerung, daß Christen den Weg des Glaubens gemeinsam zu gehen haben. In der Verantwortung des Bischofs liegt es, den Erfordernissen der jeweiligen Zeit entsprechend, die Seelsorge in seiner Diözese zu ordnen, die Spendung der Sakramente und die Heiligung der Gläubigen zu gewährleisten und dafür zu sorgen, daß die Verkündigung des Wortes Gottes auf bestmögliche Weise geschieht.

Es bedarf dazu, damit die Einheit der Kirche keinen Schaden nimmt, eines Presbyteriums, das mit ihm gemeinsam den Weg geht, den er als Hirte der Teilkirche vorausgeht. Es ist darüber hinaus die Pflicht des Bischofs – auch wenn dies nicht leicht und angenehm ist – überall dort, wo er erkennt, daß die Einheit der Kirche in Gefahr gebracht wird, zu ermahnen, zu korrigieren und nötigenfalls auch Einhalt zu gebieten.
Bischof Algermissen:
Es ist die Pflicht des Bischofs – auch wenn dies nicht leicht und angenehm ist – überall dort, wo er erkennt, daß die Einheit der Kirche in Gefahr gebracht wird, zu ermahnen, zu korrigieren und nötigenfalls auch Einhalt zu gebieten.


Die Zukunft der betroffenen Gemeinden
Liebe Schwestern und Brüder in Schwarzbach, Eckweisbach und Simmershausen! Wir stehen wenige Tage vor dem Hochfest der Menschwerdung des Herrn und ich weiß, daß die neue Situation in Ihren Gemeinden für Sie alle eine Herausforderung bedeutet.

Ich habe, wie Sie wissen, für die nächsten Monate die beiden zuständigen Dechanten Msgr. Michael Freiherr von Lüninck und Pfarrer Günter Wondrak zu Administratoren Ihrer Pfarreien ernannt. Zur Mithilfe hat sich eine Gruppe von Priestern unserer Diözese bereit gefunden, mit Ihnen zu den gewohnten Zeiten die Heilige Messe und die anderen Gottesdienste zu feiern.

Dies ist eine Übergangslösung, bis im Laufe des kommenden Jahres neue Seelsorger für Ihre Gemeinden bestellt werden. Ich werde dann – nach einer Zeit der inneren Aufarbeitung dessen, was geschehen ist – auch gerne Vertreter der pfarrlichen Gremien zu einem Gespräch einladen.

Möge das Licht, die Liebe und der Friede des menschgewordenen Gottessohnes unsere Herzen durchdringen und uns helfen, ihm mit Freude auf dem Weg zu folgen, den er uns weist.

So segne Sie alle der Allmächtige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Ihr und Euer Bischof

+ Heinz Josef Algermissen
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 154 Lesermeinungen:
Dienstag, 19. Dezember 2006 20:44
Wolfgang Bastian: + Heinz Josef Algermissen – Bischof von Fulda
Mein Justitiar wird sich heute noch Ihres Textes wegen mit der Staatsanwaltschaft Fulda in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüßen

+ Heinz Josef Algermissen

Das war’s dann. Staat und Kirche mit der Justiz Hand? Wer bezahlt denn nun den Herrn Bischof? Etwa das Land Hessen? Es soll angeblich so sein, dass Bischöfe u.a. nicht nur von den Ländern besoldet werden, auch vom Bund. Fahrzeuge, Fahrer und anderes mehr soll angeblich ebenfalls zur Verfügung gestellt werden? Wenn dies alles zutreffen sollte, dann, ja dann kann man wohl nicht mehr von einer glaubwürdigen Kirche und von einer glaubwürdigen Nachfolge Jesus sprechen, oder?

Nun ist ja nicht alles Kirche, wo Kirche draufsteht!

I.A. Hartmut Chodura
Redaktion
Vogelsberger Online Zeitung
Samstag, 16. Dezember 2006 17:22
Pünktchen: PetrX
Und ganz unwiedersprochen darf man Euch hier nicht gewähren lassen…

Und was hätten Sie mit Ihrem jüngsten Beitrag zur Sache gesagt?
Samstag, 16. Dezember 2006 15:25
PetrusX: Seminarist
An was haben Sie denn geschnüffelt?
Also, als Detektiv wären Sie absolut ungeeignet.
Konnte hier erst mal nicht mitmischen, da ich inzwischen beruflich nach Hongkong geflogen bin.
Aber dort gibt es ja auch Internet…

So viel also zu der Theorie, ich sei irgendwie bei der Kirche angestellt…
Nein, nein, ich benutze nur meinen gesunden Menschenverstand.

Und ganz unwiedersprochen darf man Euch hier nicht gewähren lassen…
Samstag, 16. Dezember 2006 11:55
Seminarist: @Apparatschiks (PetrusX, etc.)
PetrusX, Klapdor oder ähnliche Namen verwendende (nette Partizipform):

Ihr seit ja allesamt mal so was von peinlichen Fritten, dass ich wirklich erst gemeint habe, dass ihr im Fuldaer Ordinariat arbeitet. Da jedoch mehrere Artikel ausserhalb der regulären Arbeitszeit geschrieben wurden, ziehe ich meine Vermutung zurück, denn welche Ordniariatsangestellte würde ausserhalb seiner Dienstzeit schon etwas für Bischof oder Kirche leisten.
Ansonsten weiter alles Hysterie! Und nicht vergessen Excellenz: Wir machen jetzt erst richtig Druck!
Rom wird es mit einem Schmunzeln wahrnehmen, wenn der erste deutsche Modernistenbischof stürzt. An Unterstützung aus der heiligen Stadt wird es hier nicht mangeln, denn die Äusserungen des Bischofs aus Post aus Rom ist noch lange nicht vergessen!

Seminarist
Samstag, 16. Dezember 2006 10:37
Aragorn: wortreich aber informationsarm
Was haben sich diese Padres denn nun eigentlich zu Schulden kommen lassen? Das geht aus dem wortreichen Brief des Bischofs immer noch nicht hervor.
Samstag, 16. Dezember 2006 00:43
Gandalf: Letzter Beitrag zu diesem Artikel
Denn hier geht es weiter!

Und schaut auch immer hier!
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