18:20:01 | Dienstag, 2. Januar 2007
Ein Evolutions-Apostel wirft sich mit sektirischem Eifer gegen Kritiker seiner Disziplin in die Riemen. Von Christian L. Schutzer.

(kreuz.net) Ulrich Kutschera ist ein kämpferischer Evolutionstheoretiker.
Der 51jährige unterrichtet
am Institut für Biologie an der Universität Kassel.
Kutschera ist auch Mitglied der sogenannten ‘Giordano
Bruno Stiftung’. Es handelt sich um einen radikalen, religionsfeindlichen Verein.
Der Eifer des Atheisten
Kutschera richtet sich vor allem gegen den sogenannten Kreationismus.
Der Kreationismus ist eine Lehre,
die davon ausgeht, daß Welt und Universum von einem höheren Wesen geschaffen wurden.
Kutschera unterscheidet
fünf Stufen des Kreationismus, von dem Flache-Erde-Kreationismus bis zum „progressiven Kreationismus“
in der Lehrverkündigung von Papst Johannes Paul II.
Im Jahr 1996 hatte Johannes Paul II. betont, daß
in der „Evolutionstheorie mehr als eine Hypothese zu sehen“ sei.
Die Evolutionstheorie sei aber insofern
nicht mit der Wahrheit des Menschen vereinbar, als sich der menschliche Geist, seine Würde und Gottebenbildlichkeit
nicht aus der evolutiven Materie-Entwicklung erklären lassen.
Kutschera postuliert dagegen, daß alle
Phänomene ausschließlich materialistisch und naturalistisch erklärt werden dürfen.
Er glaubt, daß
es für die Evolution weltweit mehr als 250.000 versteinerte und verknöcherte Beweise gebe.
Die synthetische
Evolutionstheorie könne angeblich lückenlos jeden Schritt der „gradualistischen“ Evolutionsentwicklung
nachweisen.
Das sei der „Generalkonsens“ aller „seriösen“ Wissenschaftler – so die Predigt von Kutschera.
Alle anderen Theorien erklärt er kurzerhand für unseriös und widervernünftig.
Insbesondere die
Theorie
des intelligenten Designs nimmt der Kasseler Evolutionist ins Visier.
Die Design-Theorie anerkennt Mikroevolutionsprozesse.
Sie hat aber in den Übergängen zu Organismen mit völlig neuen Bauplänen die Schwachstelle der herkömmlichen
Evolutionstheorie entdeckt.
In den Werken des wichtigen US-amerikanischen Design-Theoretikers Michael
J. Behe finde man zwar keine offenen Kreationismusthesen, stellt Kutschera fest: „Aber der Biochemiker
ist bekennender Katholik.“
Außerdem unterrichte er seine neun Kinder zuhause.
Ein exzellenter Vertreter
der ‘Theorie des intelligenten Designs’ in Deutschland ist Siegfried Scherer.
Er ist Autor eines preisgekrönten
Lehrbuchs für Evolutionsbiologie und Professor für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität
München.
Aber weil er in einem evangelikalen Arbeitskreis mitarbeitet, lehnt Kutschera es strikt ab,
öffentlich mit seinem Hochschul-Kollegen zu diskutieren.
Auch der Verleger des Lehrbuchs – verrät Professor
Kutschera – sei Mitglied einer freikirchlichen Gemeinde. Er sei schon früher aufgefallen, als er sich
in den 80er Jahren gegen die Einrichtung einer ‘Pro-Familia’-Beratungsstelle in Gießen engagiert habe.
Außerdem habe er sich gegen die kirchliche Segnung von Homo-Paarungen ausgesprochen.
Auch Dr. Wolf-Ekkehard
Lönnig steht in der Zielscheibe von Kutscheras Fahndungseifers.
Der wissenschaftliche Mitarbeiter am
Kölner Max-Plank-Institut stellte auf vielen hundert Internet-Seiten kritische Anfragen an die herkömmliche
Evolutionstheorie.
Die Seite enthielt den Hinweis, daß die Dokumente nicht die offizielle Position des
Instituts repräsentierten.
Das reichte Kutschera nicht. Er enthüllte, daß Dr. Lönnig ein Zeuge Jehovas
ist.
Nach vier Jahren Kampf gegen seinen Kollegen erreichte der sektirische Kutschera schließlich, daß
die evolutionskritischen Texte von Dr. Lönnig von den Seiten des Max-Plank-Instituts genommen wurden.
Professor Kutschera schießt nicht nur Kollegen aus dem Feld der Wissenschaft. Er rennt auch gegen evolutionskritische
Lehrveranstaltungen und Lehrerfortbildungen an.
So warnt er vor „gravierenden Konsequenzen“ durch einen
„Erosionsprozeß der naturalistischen Basis aller Naturforschungen“, wodurch ein „Rückfall“ in „mittelalterlichen
Aberglauben“ zu befürchten wäre.
Der Kasseler Evolutionsbiologe maßt sich auch an, viele andere soziale,
kulturelle und geistige Phänomene aller Welten und Zeiten zu erklären.
So belehrt er die Zeitgenossen,
„daß der Spezies Homo sapiens schon immer ein metaphysisches Bedürfnis innewohnt“.
Der Biologe hat
dieses ‘Bedürfnis nach Metaphysik’ wahrscheinlich aus den versteinerten Schädeln von Vorzeitmenschen
herausseziert.
Denn die Evolutionsbiologie – so betont es Kutschera immer wieder – sei eine reine „Fakten-Wissenschaft“.
Auch zum Thema mittelalterliche Ketzerverfolgungen, Inquisitionsgerichte und natürlich
„kirchliche Hexenverfolgung“
hält sich der Biologie-Professor für einen Experten.
Kleinlaut wird er dagegen, wenn es um die rassistischen
Biologismen der bürgerlichen Gesellschaft – speziell seiner Biologenzunft – geht.
So behandelt er die
historischen Vertreter von Rassismus, Eugenik und Sozialdarwinismus mit viel Verständnis.
Kutschera
zitiert zwar die Ausführungen von Immanuel Kant, wonach die Neger
dumm, träge und faul seien.
Doch
dann verharmlost er den bürgerlichen Rassismus – von der Aufklärung über Schopenhauer bis Haeckel und
Ploetz – als „zeitbedingte Denkformen“.
Wenn es stimmt, was der US-Philosoph Daniel Dennet behauptet –
daß Künstler, Ingenieure und Biowissenschaftler auch nur Ergebnisse einer seelenlosen und gradualistischen
Zufallsentwicklung sind – dann hat die Evolution bei Kutschera offensichtlich einen Knacks bekommen.
Bildquelle: Die Webseite ‘worth1000.com’ veranstaltet Wettbewerbe für Photoshop-Talente
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