Alte Messe
Anekdoten aus seinem Leben
Michael Davies, Buchautor und Präsident der Internationalen Una Voce Bewegung, die sich für den Erhalt der Lateinischen Messe einsetzt, ist im vergangenen Herbst gestorben. Sein letztes Interview gab er im Juli des letzten Jahres. Darin äußerte er sich über Jugenddummheiten, seine Arbeit als Lehrer und über seinen Landsmann John Henry Newmann. Auszüge.
(kreuz.net, London) Michael Davies starb am 25. September 2004. Das Requiem für den langjährigen Präsidenten der „Foederatio Internationalis UNA VOCE“ mit dem anschließenden Begräbnis wurde am 22. Oktober in Chislehurst in Kent gehalten. Kent ist eine Grafschaft in England, südöstlich von London.

Das letzte Interview von Michael Davis wurde kürzlich publiziert. Der Buchautor gab es Ende Juli 2004 bei sich zuhause in Bromley, einem Stadtbezirk im Südosten von London.

Damals meinte Michael Davies auf die Frage nach seinem Wohlbefinden, daß es ihm angesichts seines Prostatakrebses verhältnismäßig schlecht gehe. Er sei zu spät zum Arzt gegangen, so daß sich in den Knochen bereits Metastasen gebildet hätten.

In seiner Jugendzeit arbeitete Davies zunächst beim britischen Berufsheer. Im Interview erzählte er aus dieser Zeit die folgende Begebenheit, die sich in Malta zugetragen hatte. Damals, 19-jährig, sei er noch Anglikaner gewesen. „Trotzdem ging ich regelmäßig zur Heiligen Messe“, erzählte er. „Deshalb wurde ich fast jeden Abend von den Einheimischen zum Abendessen eingeladen. Ich dachte, dies sei, weil mich die Maltesen für einen Katholiken hielten.“

Die Einladungen waren seiner Meinung nach ein Ausdruck der Freude darüber, in der britischen Armee einen Katholiken zu finden. Auf dem Weg nach Zypern sei er aber von einem Mitsoldaten über einen anderen Aspekt der Einladungen belehrt worden: „Du bist ein Idiot, Davies. Sie wollten dich als Ehemann für eine ihrer Töchter.“ „Damals mußten“, so erläuterte Davies, „die einheimischen Männer die Insel verlassen, um Arbeit zu finden.“ Er sei ein sehr naiver 19-jähriger gewesen, gestand er im Interview.

Nach drei Jahren habe er die Möglichkeit gehabt, die Armee zu verlassen. „Ich ging weg und bin Lehrer geworden.“ Das war ein Beruf, von dem er vorher immer behauptet hatte, es nie werden zu wollen.

Davies unterrichtete als einziger männlicher Lehrer in einer Grundschule. „Ich war der ‘Sir’. Es war ein angenehmer Beruf, weil ich jeden Nachmittag für den Sportunterricht verantwortlich war. Ich unterrichtete alles bis auf zwei Fächer: Musik und Handarbeiten.“

Stolz erzählte Davies im Interview, daß seine Netzball-Mädchenmannschaft in 12 Jahren kein einziges Spiel verloren hatte. Netzball ist ein in England und Australien beliebtes, dem Korbball verwandtes, Spiel. Daß seine Mädchen gesiegt hatten, betrachtete Davies nicht als eine Selbstverständlichkeit. Es sei daran gelegen, daß weibliche Trainer im Sport deutlich weniger Ehrgeiz zeigten. Seine weiblichen Kollegen seien zwar über einen Sieg erfreut gewesen, aber mehr nicht.

Er, Davies, sei ein Sportlehrer aus Leidenschaft gewesen. Auf die Frage, ob er heute Mädchen im Rugby unterrichten würde, meinte er nur: „Oh nein.“ Rugby ist eine Sportart, ähnlich dem „American Football. Damals habe er einige emanzipierte Mädchen unterrichtet. Niemals hätte er daran gedacht, sie auch nur versuchsweise in ein Rugby-Team aufzunehmen. „Sie behaupteten, ich sei ein männlicher Chauvinist. Ich antwortete darauf, daß das nicht stimme und fügte hinzu: Jeder hat in der Schule das gleiche Recht zu spielen, außer er ist ein Mädchen…“

Auf eine andere Frage hin, erzählte Davies, der viele Bücher zu geschichtlichen Themen publiziert hatte, wann seine Liebe zur Historie ihren Anfang nahm. Alles habe mit einem ausgezeichneten aber ungläubigen Geschichtelehrer begonnen: „In den Jahren 1953 und 1954 absolvierte ich gerade das Abitur. In meinem Jahrgang wurde der Lehrplan umgestellt. Wir mußten auch die Reformation in England studieren. Von Anfang an war mir klar, daß weder König Heinrich VIII. noch Königin Elisabeth I. einen göttlichen Auftrag hatten, eine neue Religion zu gründen. Doch genau das ist geschehen. Wir hatten einen ausgezeichneten Geschichtelehrer. Er war Agnostiker, aber er war sehr objektiv.“

Im Interview äußerte sich Michael Davies auch über seinen Landsmann John Henry Newman († 1890), der ebenfalls zum Katholizismus konvertiert war. Kardinal Newman habe vor seiner Konversion ein großes Problem mit dem katholischen Eucharistieverständnis gehabt: „Ich erzähle in meiner Newman-Biographie von einem irischen Priester, der Newman, als er noch Anglikaner war, schrieb und sich über seine Ansichten über den katholischen Glauben entsetzte und ihn belehrte: Die Katholiken glaubten an eine substanzielle, nicht an eine materielle Verwandlung von Brot und Wein.“ Newman war bis zu diesem Zeitpunkt der Meinung, daß die Katholiken glaubten, in der heiligen Eucharistie materielles Fleisch zu kauen.
      
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