Volksaltar
Rückschritt oder Fortschritt?
Kürzlich entbrannten die Dechanten der Stadt Wien gegen die Entfernung des Meßtisches aus einer Wiener Pfarrkirche. Der Kardinal müsse einschreiten. Nun meldete sich ein Bischofsvikar.
Am 7. Dezember wird Pater Georg Herberstein als Pfarrer installiert und liest die Messe am Hochaltar
Am 7. Dezember wird Pater Georg Herberstein als Pfarrer installiert und liest die Messe am Hochaltar
© oratorium.at
(kreuz.net, Wien) In der Wiener Pfarrei St. Rochus werden die Messen seit dem ersten Adventsonntag wieder regulär auf dem Hochaltar zelebriert.

St. Rochus ist die zweite Pfarrkirche der Stadt – nach der Karlskirche – welche die Messe wieder auf dem offiziellen Altar der Kirche feiert.

Dazu äußerte sich der Bischofsvikar des Vikariates Wien Stadt, Prälat Karl Rühringer vor der Kirchenzeitung der Erzdiözese ‘Sonntag’.

Bischofsvikar Rühringer führt Pater Herberstein in sein Amt als Pfarrer ein
Bischofsvikar Rühringer führt Pater Herberstein in sein Amt als Pfarrer ein
© oratorium.at
Grundsätzlich sei natürlich von den liturgischen Veröffentlichungen her beides denkbar – gesteht der Prälat:

„Es gibt keine Verpflichtung, daß es den Volksaltar geben muß.“ Die Zelebration am Hauptaltar bezeichnete der Prälat als „legitim“ und „zulässig“.

Gleichzeitig erklärt Prälat Rühringer, daß die liturgische Entwicklung der letzten vierzig Jahre stark in Richtung Volksaltar gegangen sei.

Sehr viele Leute hätten sich mit der Form des sich „um den Altar“ Versammelns vertraut gemacht.

„Ich denke, wenn jetzt dieses andere Signal gegeben wird, daß der Volksaltar nicht seinen Platz hat, gibt es bei manchen Sorgen oder auch Ängste, dies könnte liturgisch sozusagen eine Kehrtwendung bedeuten oder einen Rückschritt.“

Pater Herberstein
Pater Herberstein
© oratorium.at
Man müsse sich diesen Schritt in einer gewachsenen Pfarrei wie St. Rochus sehr gut überlegen – warnt Prälat Rühringer:

„Aber wenn Menschen wegbleiben oder auswandern oder woanders hingehen, müßte man wirklich gut überlegen, ob man das riskieren soll.“

Es sei wichtig, daß die Pfarrgemeinde „nicht überfordert“ werde.

Abschließend gibt sich Prälat Rühringer versöhnlich.

Er habe bei der Installation von Pater Georg Herberstein als Pfarrer von St. Rochus am 7. Dezember den Eindruck gewonnen, daß in dieser Pfarrei viel diskutiert werde – aber weder aggressiv noch polarisierend.

„Die Priester haben ihre Sichtweise, ihre Argumente, sind aber offen, suchen das Gespräch und setzen sich auch mit den Argumenten der anderen auseinander. Sie möchten die Pfarrmitglieder sozusagen »im Boot halten«.“

Prälat Rühringer erklärte sich über die große Anzahl der Menschen bei der Installation beeindruckt.

Bei der anschließenden Agape habe er in Gesprächen pro und contra zum Volksaltar gehört.
      
15 Lesermeinungen
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#15   Aragorn   21:59:02 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Möchtegern-kathole d’accord!
Möchtegern-kathole d’accordMöchtegern-kathole! d’accord! Sie haben völlig recht. Es wird sich allerdings nicht vermeiden lassen, dass Priester sowohl den NOM als auch die Tridentina zelebrieren, natürlich unter der Voraussetzung, dass sie beide Riten sauber von einander trennen. Von derher ist es absolut notwendig, dass die Priester gründlich in der ars celebrandi für die Tridentina unterwiesen werden. Wenn ein Priester die Tridentina sicher und mit dem Herzen zelebriert, wird das auch positive Auswirkungen auf die Zelebration der Neuen Messe haben und zu ihrer Gesundung beitragen. Ich denke, das liegt auch in der Absicht des Heiligen Vaters. Ich halte es jedoch für unbedingt nötig, dass der tridentinische Messritus gleichsam als Urmeter so festgeschrieben wird, wie er 1962 zelebriert worden ist. Wenn das erreicht würde, wäre das hervorragend. Ich fürchte jedoch, dass die derzeitigen Herren Bischöfe in Deutschland jetzt schon mit den Zähnen knirschen und sich querstellen werden. Wir müssen wachsam bleiben besonders diesen Herrschaften gegenüber. Gesegnete letzte Adventwoche wünscht ARAGORN
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#14   möchtegern-kathole   19:10:08 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Trennung@Ara.
die Trennung von AlterMesse und NOM sehe ich als Voraussetzung dafür, dass sich NOM-Teile nicht in die Alte Messe einnisten. Erlaubt man einem Priester beide Messen, oder Teile beider Messen zu kombinieren oder „Alte Messe am Volksaltar“, „Alte Messe auf deutsch“ usw. dann wird so ein Zwischending herauskommen.
Also kein Zwang zum einen oder anderen, aber Zwang zur Trennung.
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#13   DieFidele   17:20:25 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Pater Georg Herberstein CO
Ich wünsche Pater Georg alles erdenklich Gute für seine verantwortungsvolle Aufgabe in St. Rochus. Möge er seinen mitreissenden Humor nicht verlieren.
Und allen Gläubigen, die das hier lesen wünsche ich persönliche Begeisterung für die Sache des Herrn ;-)
Oremus pro invicem!
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#12   Aragorn   17:09:56 | Sonntag, 17. Dezember 2006
moderater Übergang ohne Zwang und Druck
lieber möchtegern-kathole! Wir sollten es den NOM Leuten, die uns Tradis über 30 Jahre lang die Missa Tridentina verboten haben, nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Es muss, wie gesagt, einen sachten und verträglichen Übergang geben. Viel wäre gewonnen, wenn schon mal überall die Instruktion Redemptionis Sacramentum befolgt würde. Außerdem bin ich der Meinung, dass man niemanden zwingen sollte, die Missa Tridentina weder zu zelebrieren noch zu besuchen. Das wäre fatal. Die Wahrheit wird sich schon von allein durchsetzten. Allerdings sollten die Priester den Ritus gründlich erlernen und sich verpflichten, sich genau an die Rubriken zu halten. Für die Gläubigen muss es vorbereitende Katechesen geben. Was sich auf gar keinen Fall in der Tridentina einnisten darf, ist die unselige Handkommunion. Hier muss man ganz streng jeder Versuchung widerstehen. Der Teufel wird versuchen, diesen sakrilegischen Unfug einzuschleusen. Er wird die Wiederzulassung der Wahren Messe nicht als endgültige Niederlage akzeptieren sondern alles versuchen, sie zu torpedieren, wo er nur kann. Ich fürchte auch, dass manch ein Bischof sich in die Dienste des Widersachers einspannen lässt. Beten wir weiterhin täglich den Rosenkranz und stellen wir uns unter den Schutz der Königin des Himmels.
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#11   Benedikt   16:46:55 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Forschung
„Ich denke, wenn jetzt dieses andere Signal gegeben wird, daß der Volksaltar nicht seinen Platz hat, gibt es bei manchen Sorgen oder auch Ängste, dies könnte liturgisch sozusagen eine Kehrtwendung bedeuten oder einen Rückschritt.“
Vielleicht sollten sich die Hohen Herren mal daran machen, die Ursache dieser Ängste zu erforschen – die sind nämlich höchst irrational.
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#10   Thaddäus   16:22:33 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Rücksichtsvoller Bischofsvikar?
„Aber wenn Menschen wegbleiben oder auswandern oder woanders hingehen, müßte man wirklich gut überlegen, ob man das riskieren soll.“
Im Juni dieses Jahres war der Wiener Bischofsvikar weniger einfühlsam und rücksichtsvoll:
„Es gibt natürlich auch kritische Anmerkungen. Damit mussten wir rechnen. Wir nehmen verstimmte Gläubige in Kauf, wenn dafür bei anderen die Schwellenangst sinkt.“
Da ging es allerdings auch nicht um die Zelebration am Hochaltar sondern um die Übertragung von Fußballspielen (!) in Wiener Kirchen. (Peinlich genug für Rühringer – aber erfreulich –, dass man von diesem Unfug trotz seiner kaltschnäuzigen Verteidigung dann doch Abstand genommen hat.)
Prälat Rühringer erklärte sich über die große Anzahl der Menschen bei der Installation beeindruckt.
Nun, vielleicht findet Herr Prälat ein paar Minuten Zeit zum Nachdenken, warum das wohl so ist? Die Gottesdienste in St.Rochus und ihr reger Besuch würden dem Dom zur Ehre gereichen (in St. Rochus werden auch keine Schwulen gesegnet), das muss natürlich die Neider auf den Plan rufen („Kürzlich entbrannten die Dechanten der Stadt Wien gegen die Entfernung des Meßtisches aus einer Wiener Pfarrkirche.“).
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#9   Pünktchen   15:58:17 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Danke für den Hinweis, iustus!
Die Tatsache, daß eine wachsende Zahl von jungen Priestern „den Dreh raus“ www.kreuz.net/bookentry.926.html hat, dürfte die Bischöfe schon in absehbarer Zeit vor ein Dilemma stellen!
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#8   iustus   15:13:20 | Sonntag, 17. Dezember 2006
@Pünktchen
Hier ….heilig-geist-muenchen.de/?c=4 hat man ihn auch raus, den Dreh. :-]
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#7   möchtegern-kathole   14:58:39 | Sonntag, 17. Dezember 2006
@Aragorn
stimme da voll und ganz zu. Glaube aber auch, dass man den NOM nicht per Befehl abschaffen sollte. Die Kirche kann niemanden per Order katholisch machen, und ein Priester muss letztlich selbst erkennen, warum der NOM Mist ist
Befiehlt man einem Modernisten, die alte Messe gegen seinen Willen zu feieren, dann wäre mir nicht wohl dabei. Irgendwie kann der Dienst an Gott nicht befohlen werden. Das ist so ähnlich wie bei einem Gebet, man kann es nicht befehlen, nur dazu raten, oder Vorbild sein.
Eine Methode wäre auch, den NOM-Befürwortern den öffentlichen NOM nicht zu gestatten, aber privat.
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#6   Pünktchen   12:44:19 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Das haben Sie gut gesagt, Ottawiani,
>>hier …sches-jugendsozialwerk.de/…ES/PICTURE120766.jpg<< kann man dies übrigens tagtäglich erleben! Dort haben sie auch „den Dreh raus“! :)3
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#5   Ottawiani   12:33:45 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Rückschritt oder Fortschritt? Wer ist die Avantgarde?
Die Patres des Wiener Oratoriums haben wohl die illustren Studien von Klaus Gamber und Josef Ratzinger („Vom Geist der Liturgie“) internalisiert und setzen einen in die Zukunft weisenden Schritt in die richtige Richtung. Damit zeigen sie, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben und Ihrer Zeit voraus sind. Der sogenannte „Hochalter“ gibt der ganzen Hl. Messe von sich aus schon einen ganz anderen „Dreh“!!!
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#4   Pünktchen   11:27:56 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Aragorn – zutreffender Vergleich!
Bei der Ernährung kommt es eben in der Tat nicht nur auf den Geschmack an, sondern auch auf den Nährwert!
Im Geistlichen gilt dasselbe!
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#3   Aragorn   11:20:27 | Sonntag, 17. Dezember 2006
sanfer Übergang mit „Graubrot“
Man kann es jetzt auch bezüglich der Alten Messe nicht so machen, wie man es vor 35 Jahren mit dem neuen Messritus gemacht hat, der von einem Sonntag auf den anderen alternativlos eingeführt worden ist. Es muss einen sanften Übergang geben damit die Leute sich an das neue Alte gewöhnen können. Es muss auch nach wie vor die Neue Messe geben. Allerdings sollte man diese einer gründlichen Überarbeitung unterziehen und die Kinder sollten wieder konsequent mit der Mundkommunion vertraut gemacht werden. Wir müssen bedenken, dass wir es jetzt mit einer Generation zu tun haben, die mit dem NOM schlecht und recht groß geworden ist. Sie haben 35 Jahre nichts anderes als labbriges Weißbrot – bildlich für die Neue Messe – zu essen bekommenBevor man ihnen wieder Schwarzbrot – bildlich für die Alte Messe – reicht, müssen wir sie mit gehaltvollerem Graubrot erst einmal wieder aufpeppeln. Das kann noch eine Zeitlang dauern. Aber das ist die Aufgabe der neuen Priester- und Laiengeneration.
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#2   Pünktchen   11:15:30 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Die Zelebration am Hochaltar ist ein FORTSCHRITT
Wie unser Hl. Vater in einem Vorwort zu Pater Langs Buch: „Conversi ad Dominum“ feststellt, hat sich
„unter den Gläubigen … das Gefühl für die Problematik einer Lösung verstärkt, in der die Öffnung der Liturgie nach vorn und nach oben kaum in Erscheinung tritt“
(Vorw. zu Lang, Uwe M.; Conversi ad Dominim. 3.Aufl. – Freiburg 2005)
Mit der „problematischen“ Lösung ist immerhin der Volksaltar gemeint und die Zelebration ad populum.
Wir begrüßen also – mit dem Hl. Vater! – die fortschrittliche Lösung in der Rochuskirche zu Wien, in der nun wieder „die Öffnung der Liturgie nach vorn und nach oben“ angemessenen Ausdruck findet: in der Zelebration am Hochaltar nämlich! Wir hoffen inständig, daß es mehr und mehr Gemeinden geben möge, die Kraft und Mut aufbringen zu ebensolchen Fortschritten und Aubrüchen!
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#1   CampoSanto   11:04:17 | Sonntag, 17. Dezember 2006
Seltsam, seltsam…
„Aber wenn Menschen wegbleiben oder auswandern oder woanders hingehen, müßte man wirklich gut überlegen, ob man das riskieren soll.“
Das ist schon reichlich komisch und sehr seltsam, denn fast 40 Jahre lang hat man genau darauf keinerlei Rücksicht genommen.
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