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Dienstag, 4. Januar 2005 16:25
„Ihr habt die Liebe nicht“
Jutta Lang, Vorsitzende der „Jugend für das Leben“, äußert sich zur Kritik von Kardinal Schönborn. „Ich zweifle nicht an der guten Absicht des Kardinals, aber seine Aussagen spüren wir wie Steine, die uns vor die Füße geworfen wurden.“ Ein Interview mit Stephan Baier in „Die Tagespost“.
Lichterkette der "Jugend für das Leben" vor der Salzburger Landesklinik am 20. Dezember
Lichterkette der „Jugend für das Leben“ vor der Salzburger Landesklinik am 20. Dezember
(kreuz.net/Die Tagespost) Frage: Die „Jugend für das Leben“ demonstrierte in Salzburg gegen Pläne, Abtreibungen an Landeskrankenhäusern zu ermöglichen. Kritik an Ihrem Widerstand kam auch von der Kirche.

Frau Lang: Kritikpunkt war ein Cartoon, der Maria und Joseph auf Herbergssuche zeigt: Am Tor der Landesregierung begegnet dem obdachlosen Paar die Landeshauptfrau, welche ihnen „hilfsbereit“ den Weg zur neuen Abtreibungsstation weist. Der aufrüttelnde Cartoon war Beilage einer Postwurfsendung, die in Salzburg an 70.000 Haushalte ging. Hauptinhalt der Sendung war eine Information, die in schönen Bildern die Entwicklung des Ungeborenen aufzeigt und auf Hilfsadressen hinweist. Niemand stellte den wahren Kern der Szene in Frage: Ist nicht jedes Kind im Abbild Christi erschaffen und in diesem Sinn ein „Christkind“? Die Kritik galt nicht dem Inhalt, sondern dem Tonfall unserer Aussage. Haben wir zuviel Nachdruck angewandt? Wenn ja, dann nur, weil so viele ungeborene Kinder in unmittelbarer Lebensgefahr sind.

Frage: Kardinal Schönborn kritisierte, Aktionismus und Polemik seien nicht zielführend …

Frau Lang: Über die Medien forderte uns der Kardinal auf, wir sollten die „Wahrheit in Liebe“ verkünden. In den Augen vieler kommt das dem Urteil gleich: „Ihr habt die Liebe nicht.“ Wenn der Kardinal auch kurz darauf seine harten Worte modifizierte und sich für die Arbeit der Lebensschützer bedankte, hatten sich doch seine ersten Worte unwiderruflich in ganz Österreich verbreitet. Ich zweifle nicht an der guten Absicht des Kardinals, aber seine Aussagen spüren wir wie Steine, die uns vor die Füße geworfen wurden. Begriffe wie „Aktionismus“ und „Polemik“ treffen auf unsere Lichterkette sicher nicht zu. Im Gegensatz zu den Pfiffen, Parolen und Sirenen der Gegendemonstranten war unsere Kundgebung ruhig, friedlich und hoffnungsvoll. Gerade wenn es – wie bei der Abtreibung – um Leben und Tod geht, zeigt sich die Liebe besonders, wenn man den Mut hat, ein klares Wort zu sprechen.

Frage: Wie steht der Salzburger Erzbischof zu Ihrem Widerstand gegen Abtreibungen in Landeskrankenhäusern?

Frau Lang: Erzbischof Kothgasser gab im Radio zu verstehen, daß er die Lichterkette mittrage. Leider wurde er verkürzt zitiert, worüber er mir persönlich sein Bedauern ausdrückte. In Fragen, die das Leben betreffen, so der Erzbischof, dürfe man keinen Kompromiß eingehen, denn zwischen Tod und Leben gebe es nichts. Er will, daß wir in unserem gemeinsamen Anliegen künftig enger mit ihm zusammenarbeiten. Über dieses Angebot sind wir sehr erfreut und nehmen es gerne an.

Frage: Ist das Zeugnis der Kirche für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder noch von prophetischer Klarheit?

Frau Lang: Die Kirche war, ist und bleibt ein Fels, den die Wogen einer Kultur des Todes nicht zerstören können. Ja, sie ist die einzige standhafte Stimme, weil wir nur durch Christus die wahre Würde jedes Menschen erfassen können. Vielleicht scheint es manchmal, die Kirche verliere aus Furcht oder Schwäche ihre prophetische Klarheit. Aber im nächsten Moment zieht sich die Woge wieder zurück, und der Fels erscheint so stark wie eh und je.

Frage: Kirchlicherseits werden nun flankierende Maßnahmen zum Abtreibungsgesetz gefordert. Ein Fortschritt?

Frau Lang: Alle Schritte, die der Abtreibung entgegenwirken, sind Fortschritte. Die flankierenden Maßnahmen dürfen aber nicht als Vorwand dienen, sich mit einem ungerechten Gesetz abzufinden. Dem ungeborenen Menschen gebührt derselbe Rechtsschutz wie dem geborenen. Ein ungeborener Mensch ist auch ein Mensch, keine „Entscheidung“, darum hat er ein Recht auf gesetzlichen Schutz.

Frage: Die christdemokratische ÖVP hat in Salzburg mit Koalitionsbruch gedroht, falls Landeshauptfrau Burgstaller Abtreibungen an Landeskrankenhäusern einführen sollte. Bleibt die ÖVP konsequent?

Frau Lang: Kurz vor Beginn unserer Aktion hat die Salzburger ÖVP offiziell kapituliert. Burgstaller hat sich nie wirklich um einen Kompromiß bemüht. Die ÖVP ist von ihrem Vorhaben, die Koalition aufzulösen, bedauerlicherweise abgerückt.

Frage: Welche sichtbaren Zeichen wird die „Jugend für das Leben“ künftig setzen?

Frau Lang: Sichtbare Zeichen zu setzen, kann nicht nur die Aufgabe eines kleinen Vereins sein. Wir alle sind es unseren ungeborenen Mitmenschen schuldig, das tödliche Schweigen zu durchbrechen. Wir müssen in kleinen Schritten eine Kultur des Lebens aufbauen.
2 Lesermeinungen:
Dienstag, 4. Januar 2005 18:34
Dolfus: Adel verpflichtet
Aber nicht Herrn Christoph Schönborn, den die Republik Österreich hat den Adel abgeschafft. Wie loyal, daß sich Herr Schönborn dran hält. Aber zumindest seine Cardinalserhebung sollte ihn doch zur Papsttreu verpflichten. Stattdessen hat er das Intrigantentum von Tag zu Tag verfeinert.
Dienstag, 4. Januar 2005 17:50
Sulpicius: Tja…
…auch Adel schützt vor Torheit nicht!
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