15:54:32 | Dienstag, 19. Dezember 2006
Paarkurs in St. Gallen
Da sie zu Glaubensfragen nichts zu sagen hat, wendet sich die kirchliche Erwachsenenbildung schlüpfrigen Themen zu. Ob’s peinlich wird, spielt dabei keine Rolle.

Ausschnitt aus einem Artikel der Gratiszeitung ‘20 Minuten’ vom 13. Dezember
Rechts im Bild: Der reformierte
Pfarrer Hansruedi Felix
(kreuz.net) Die evangelisch- reformierte Kirche des Ostschweizer Kantons St. Gallen plant ein Paarseminar
unter dem Titel „Leidenschaft und Gelassenheit“.
Unter den Begleitern befindet sich auch der Katholik
Niklaus Knecht-Fatzer (63) – Präsident der Kommission ‘Ehe und Familie’ der Schweizerischen Bischofskonferenz.
Das vierteilige Paarseminar verspricht frischen Wind für Liebe, Lust und Leidenschaft.
Es wird von
„sechs Fachleute“ begleitet, um Paare darin zu unterstützen, ihren Beziehungen „neue Impulse“ zu geben.
Für die Reihe ist ein „lockerer und intimer“ Rahmen vorgesehen:
Die vier Abende sollen den Paaren Spaß
machen und sie in „sinnlicher und humorvoller“ Weise auf neue Fährten locken.
Bei romantischem Kerzenlicht
mit Prosecco oder Orangensaft können die Teilnehmer die Impulse von Kurzreferaten und Filmausschnitten
verarbeiten.
Mitmachen dürfen alle, die Lust haben: „Glauben, Zivilstand wie auch Beziehungsdauer spielen
keine Rolle.“
Am letzten Abend geht es um den Umgang „mit Sex und anderen Intimitäten“.
Vor allem dieser
Hinweis war für die Schweizer Boulevardpresse ein gefundenes Fressen.
Genüßlich stürzte sich die
Gratis-Boulevardzeitung ‘20 Minuten’ letzte Woche darauf und titelte, nachdem einer der Veranstalter die
Vermutung des Blatt energisch bestätigt hatte: „Pfarrer propagiert Sex vor der Ehe.“
Die Schlagzeile
bezog sich auf Aussagen des reformierten Pfarrers der St. Laurenzenkirche in der Stadt St. Gallen, Hansruedi
Felix (49).
Pfarrer Felix ist selber geschieden, lebt im Konkubinat und gehört zu den Fachleuten, die
das Paarseminar führen.
‘20 Minuten’ sprach von einem „lustvollen Paarseminar“ und erklärte mit Bezug
auf Aussagen von Pfarrer Felix, daß auch „voreherlicher Sex propagiert“ werde.
„Wir sind offen für
alle. Junge, Ältere, aber auch Schwule und Lesben sind willkommen“ – wird der angebliche Paar-Experte
Felix zitiert.
Von „frommer Verklemmtheit“ sei „keine Spur“ zu finden.
Sex und Gott ließen sich „sehr
gut“ vereinbaren – so Pfarrer Felix.
Auch bei „kein Sex vor der Ehe“ runzle der Felix die Stirn:
„Sex
vor der Ehe ist eine Grundbedingung, um sagen zu können: »Ich will dich heiraten«.“
Es sei wenig sinnvoll,
zu heiraten, wenn es im Bett nicht funktioniere – weiß Pfarrer Felix.
Außerdem: „Keine Fantasien sind
schmutzig.“
Die Skandal-Erklärungen von Pfarrer Felix zwangen die Veranstalter des Paarseminars- nach
Angaben der katholischen Nachrichtenagentur ‘Kipa’ – zu einem Dementi.
Die Propagierung von „vorehelichem
Sex“ sei nicht Teil des Partnerschaftskurses.
Davon, daß der vorlaute Pfarrer seine Aussagen nicht getätigt
oder widerrufen hätte, ist im Dementi keine Rede.
Dafür sind die Veranstalter nach Angaben der ‘Kipa’
„unglücklich über die Berichterstattung“.
Die Aussage zu „Sex vor der Ehe“ sei ein „Nebensatz“ von
Pfarrer Felix gewesen.
Nächstentags veröffentlichte die Gratiszeitung ‘20 Minuten’ brav ein Dementi:
„Kirchen-Paarseminar ist kein Sexkurs“.
Auch das Ostschweizer Bistum St. Gallen lege Wert auf die Feststellung,
daß es an den vier Abenden „nicht nur“ um Sex gehe.
Das Paarseminar solle „Lust darauf machen“, zu diskutieren
und sich mit der „Partnerschaft“ auseinanderzusetzen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#7
Gotthard 00:32:41 | Mittwoch, 20. Dezember 2006
#6
Belisar 00:21:58 | Mittwoch, 20. Dezember 2006