14:57:31 | Donnerstag, 21. Dezember 2006
Der vatikanische Pressesaal hat sich heute zur Person des neuen Erzbischofs von Warschau geäußert – um einen Sturm im polnischen Pressewald zu besänftigen.

Mons. Stanislaw Wielgus bei einer Messe in Płock
(kreuz.net) Der Heilige Stuhl habe bei der Ernennung von Mons. Stanislaw Wielgus zum neuen Warschauer
Erzbischof „alle Umstände seines Lebens, auch jene seiner Vergangenheit“ berücksichtigt.
Das erklärt
eine Stellungnahme des vatikanischen Pressesaales, die heute mittag auf der Webseite des Vatikan veröffentlicht
wurde.
Das bedeute, daß der Heilige Vater der Person von Mons. Stanislaw Wielgus volles Vertrauen entgegenbringe
und ihm das Amt als Hirte der Erzdiözese Warschau „in vollem Bewußtsein“ anvertraut habe.
Ebenfalls
auf der Webseite des Vatikan wurde zeitgleich eine Erklärung des Präsidiums der Polnischen Bischofskonferenz
von gestern publiziert.
Angesichts der Angriffe polnischer Medienkonzerne gegen Mons. Wielgus, beklagt
das Präsidium der Bischöfe eine öffentliche Verletzung des Rechtes einer Person auf ihren guten Ruf.
Es handle sich hier um ein klares Beispiel einer besonders verwerflichen „wilden Denunzierung“.
Die
einfache Feststellung eines Gespräches zwischen einem Priester und Agenten des kommunistischen Geheimdienstes
bezeuge in sich keine „unmoralische Kollaboration“.
Solche Gespräche hätten nicht selten einen amtlichen
Charakter besessen oder seien aus pastoralen Gründen oder mit Zustimmung des eigenen Bischofs geführt
worden.
Darum appelliert die Präsidentschaft, daß die Entscheidung des Heiligen Vaters respektiert
werde, der sein Vertrauen in Mons. Wielgus als neuen Erzbischof von Warschau gelegt habe.
Das Präsidium
der Polnische Bischofskonferenz drückt ihre Solidarität mit Mons. Wielgus aus.
„Wir hoffen, daß die
entstandene mediale Unruhe die familiäre und religiöse Atmosphäre, welche das Weihnachtsfest begleitet,
nicht zerstört.“
Die Stellungnahme ist vom Präsidenten der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof
Józef Michalik von Przemysl und vom Vizepräsidenten und Generalsekretär der Konferenz unterschrieben.
Am Dienstag hatte der Chefredakteur der konservativen Wochenzeitung ‘Gazeta Polska’, Tomasz Sakiewicz,
im Internet behauptet, daß Mons. Wielgus über zwanzig Jahre mit der kommunistischen Geheimpolizei kollaboriert
habe.
Erzbischof Wielgus wird in der polnischen katholischen Kirche als „Mensch der Mitte“ bezeichnet –
der angeblich weder konservativ noch liberal ist.
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Uwe Schmidt 02:13:01 | Freitag, 22. Dezember 2006