Vatikan
Ungewöhnliches Dementi
Der vatikanische Pressesaal hat sich heute zur Person des neuen Erzbischofs von Warschau geäußert – um einen Sturm im polnischen Pressewald zu besänftigen.
Mons. Stanislaw Wielgus bei einer Messe in Płock
Mons. Stanislaw Wielgus bei einer Messe in Płock
(kreuz.net) Der Heilige Stuhl habe bei der Ernennung von Mons. Stanislaw Wielgus zum neuen Warschauer Erzbischof „alle Umstände seines Lebens, auch jene seiner Vergangenheit“ berücksichtigt.

Das erklärt eine Stellungnahme des vatikanischen Pressesaales, die heute mittag auf der Webseite des Vatikan veröffentlicht wurde.

Das bedeute, daß der Heilige Vater der Person von Mons. Stanislaw Wielgus volles Vertrauen entgegenbringe und ihm das Amt als Hirte der Erzdiözese Warschau „in vollem Bewußtsein“ anvertraut habe.

Ebenfalls auf der Webseite des Vatikan wurde zeitgleich eine Erklärung des Präsidiums der Polnischen Bischofskonferenz von gestern publiziert.

Angesichts der Angriffe polnischer Medienkonzerne gegen Mons. Wielgus, beklagt das Präsidium der Bischöfe eine öffentliche Verletzung des Rechtes einer Person auf ihren guten Ruf.

Es handle sich hier um ein klares Beispiel einer besonders verwerflichen „wilden Denunzierung“.

Die einfache Feststellung eines Gespräches zwischen einem Priester und Agenten des kommunistischen Geheimdienstes bezeuge in sich keine „unmoralische Kollaboration“.

Solche Gespräche hätten nicht selten einen amtlichen Charakter besessen oder seien aus pastoralen Gründen oder mit Zustimmung des eigenen Bischofs geführt worden.

Darum appelliert die Präsidentschaft, daß die Entscheidung des Heiligen Vaters respektiert werde, der sein Vertrauen in Mons. Wielgus als neuen Erzbischof von Warschau gelegt habe.

Das Präsidium der Polnische Bischofskonferenz drückt ihre Solidarität mit Mons. Wielgus aus.

„Wir hoffen, daß die entstandene mediale Unruhe die familiäre und religiöse Atmosphäre, welche das Weihnachtsfest begleitet, nicht zerstört.“

Die Stellungnahme ist vom Präsidenten der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Józef Michalik von Przemysl und vom Vizepräsidenten und Generalsekretär der Konferenz unterschrieben.

Am Dienstag hatte der Chefredakteur der konservativen Wochenzeitung ‘Gazeta Polska’, Tomasz Sakiewicz, im Internet behauptet, daß Mons. Wielgus über zwanzig Jahre mit der kommunistischen Geheimpolizei kollaboriert habe.

Erzbischof Wielgus wird in der polnischen katholischen Kirche als „Mensch der Mitte“ bezeichnet – der angeblich weder konservativ noch liberal ist.
      
1 Lesermeinung
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#1   Uwe Schmidt   02:13:01 | Freitag, 22. Dezember 2006
Prof. Wielgus
kennt sich hervorragend in der Geistesgeschichte aus. Er lehnt die letzten 200 Jahre seit der Frz. Revolution eher ab, ist also deutlich konservativ, ja sogar reaktionär. Das wird auch der Hauptgrund sein, warum sich die Gazeta Polska darum bemüht, dass Wielgus nicht noch weiter in der Hierarchie (sogar zum Primas Poloniae) aufsteigt. (Dass so hochrangige Leute im Kommunismus unvermeidlich mit der Stasi in Kontakt kamen, ist allerdings ebenfalls sicher)
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