11:27:01 | Mittwoch, 27. Dezember 2006
Die Übersetzung von „pro multis“ mit „für alle“ bringt nicht nur die Philologie in unüberwindliche Schwierigkeiten. Auch die Mathematiker kratzen sich dabei in den Haaren.

Primizmesse bei der Petrusbruderschaft in Lyon 2005
© http://www.fssp.org/(kreuz.net) Es gibt logische Argumente, die eine Übersetzung der Wendung „pro multis“ in den Wandlungsworten
mit „für alle“ verbieten.
Das erklärt Pater Michael Wildfeuer in einem Artikel, der auf dem
Portal
zur katholischen Geisteswelt publiziert wurde.
Pater Wildfeuer ist ein exklaustriertes Mitglied der Priesterbruderschaft
St. Pius X.
In seiner Analyse von „pro multis“ fragt sich der studierte Mathematiker:
Stimmt es, daß
man „alle“ erreicht, wenn man zu „vielen“ noch ein paar Elemente hinzufügt? Oder umgekehrt: Wenn bei
allen ein oder zwei fehlen – sind es dann nur noch „viele“?
Nein – antwortet Pater Wildfeuer auf die
beiden Fragen:
„Viele“ und „alle“ gehören unterschiedlichen Kategorien an. „Viele“ gehört zur Kategorie
der Quantität – „alle“ zur Kategorie der Totalität.
„Viele“ bezeichnet die hohe Quantität der Elemente
einer Menge – „alle“ die Abgeschlossenheit einer Menge.
Die Allheit könne mit einer extrem großen Quantität
verbunden sein. Der Pater nennt als Beispiele alle natürlichen Zahlen, alle Punkte einer Geraden und
alle Punkte einer Ebene.
Doch ebenso könne „alle“ eine extrem kleine Quantität bezeichnen, etwa alle
Monde des Planeten Mars – also zwei – oder alle Monde der Erde – nur einer.
„Viele“ habe als Gegensatz
„wenige“ und stehe in folgender Reihe: ein paar, wenige, etliche, zahlreiche, massenhafte.
Ferner könne
„viele“ gesteigert werden: viele, mehr, die meisten.
Dagegen könne „alle“ nicht gesteigert werden und
habe als Gegensatz „nicht alle“.
Es gebe nur diese zwei Fälle: alle oder nicht alle, abgeschlossen oder
nicht abgeschlossen.
Pater Wildfeuer faßt zusammen, daß Quantität und Totalität getrennte, voneinander
unabhängige Kategorien sind.
Ferner sei „viele“ auch ein relativer Begriff: „Hat jemand fünf Haare
auf dem Kopf, so sind das wenige. Hat jemand fünf Haare in der Suppe, so sind das viele.“
Wenn man an
Stelle des Begriffs „viele“ den Begriff „alle“ setze, handle es sich um einen unerlaubter Übergang in
eine andere Aussagekategorie:
„Das ist nicht nur ein kleiner gradueller Unterschied, sondern ein prinzipieller“ –
konkludiert Pater Wildfeuer.
Anwendung auf die Übersetzung „pro multis“Christus bringe mit der Aussage
„für viele“ zum Ausdruck, daß sein Blut zur Vergebung der Sünden einer hohen Quantität von Menschen
fließt – so Pater Wildfeuer.
Die Frage, ob es sich dabei um die geschlossene Menge aller Menschen handelt,
werde nicht berührt.
Deshalb bestehe auch kein Widerspruch zwischen den beiden Aussagen, daß Jesus
sein Bundesblut zur Vergebung der Sünden für viele vergossen habe (Mt 26,28) und der Aussage: „Viele
sind zwar berufen, wenige aber auserwählt“ (Mt 22,14).
Klein an Zahl sind die Geretteten relativ zu
allen Menschen: Jeder Nicht-Gerettete ist schon einer zuviel.
Die Zahl sei jedoch groß, wenn sie relativ
zum Apostelkreis betrachtet werde und nicht in Bezug auf die Gesamtheit der Menschen.
Pater Wildfeuer
bezieht auch die Wendung „für euch und für alle“ in seine Überlegungen ein.
Die Übersetzung „für
alle“ sei auch deshalb nicht korrekt, weil der mit „für euch“ gemeinte Personenkreis ein Teil von „allen“
sei.
Wer mit „für alle“ übersetze, müßte den Text – wenn schon – logisch korrekt mit „für euch und
für alle übrigen“ widergeben.
Der Pater verdeutlicht das anhand eines Beispiels.
Man könne nicht
sagen „in China und in Asien“. Logisch korrekt müsse es heißen: in China und im übrigen Asien – da
China ein Teil von Asien ist.
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#32
Ydefix 17:17:26 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
#28
golfi 21:01:40 | Mittwoch, 27. Dezember 2006