Weihnachten
Ist das Christkind katholisch?
Weihnachtsmann und Christkind treten nie gemeinsam auf. Immer ist es nur einer von beiden, der die Geschenke bringt.
Guido Reni († 1642): Der Heilige Josef mit dem Jesuskind
Guido Reni († 1642): Der Heilige Josef mit dem Jesuskind
(kreuz.net) Bei einer Umfrage im Jahr 1932 zeigte sich eine klare räumliche Trennung in der Verbreitung des Weihnachtsmannes und des Christkindes als Gabenbringer.

In West-, Südwest-, und Süddeutschland glaubten die Kinder an das Christkind. In Mittel-, Nord und Ostdeutschland dagegen an den Weihnachtsmann.

Auf den ersten Blick lassen sich daraus die Schlüsse „Christkind – katholisch“ und „Weihnachtsmann – evangelisch“ ableiten.

Das trifft jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert zu.

Zur Zeit der Entstehung der Bräuche war die Sachlage genau umgekehrt.

Den evangelischen Kindern brachte das Christkind die Geschenke.

Bei den katholischen Kindern erfüllte zunächst der Nikolaus diese Aufgabe. Aus ihm entwickelte sich später der Weihnachtsmann.

Beide Figuren haben sich erst im Laufe der Schenktradition entwickelt.

Ursprung des Christkinds

Urheber der Figur des Christkindes ist indirekt der deutsche Reformator Martin Luther († 1546).

Er wollte den bis dahin für die Geschenke zuständigen Heiligen Nikolaus – der auf den Bischof Nikolaus von Myra zurückgeht – in seinem Kampf gegen die Heiligenverehrung zurückdrängen.

Daher verlegte er im Jahr 1535 die bisher am Nikolaustag gebräuchliche Kinder- und Familienbescherung auf Weihnachten.

Die Gaben brachte nun nicht mehr der heilige Nikolaus, sondern der „heilige Christ“.

Für die Kinder und die einfachen Leute war diese Figur zu anonym und gestaltlos und wurde daher nach und nach zum Christkind verniedlicht.

Das Christkind symbolisiert nicht – wie man meinen könnte – das neugeborene Jesuskind in der Wiege. Es ist vielmehr eine aus den vielen Weihnachtsumzügen und Krippenspielen entnommene Figur.

Bei diesen Aufführungen wurden Maria und Joseph mit dem Jesuskind von engelhaften, weißgewandeten Mädchen mit offenem goldenen Haar begleitet.

Deren Anführerin wurde häufig als verschleiertes „Christkind“ dargestellt.

Entstehung des Weihnachtsmanns

Auch der Weihnachtsmann hat eine lange Entwicklung hinter sich.

Im 16. Jahrhundert füllte der Nikolaus in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember die Stiefel oder Socken der katholisch-aristokratischen Oberschicht.

Brave Kinder belohnte er. Faule ließ er von einem Gehilfen bestrafen: Knecht Ruprecht – auch Hans Muff, Krampus oder Klaubauf genannt.

Während des 19. Jahrhunderts vollzog sich seine Verwandlung zum Weihnachtsmann.

Dieser präsentierte sich mit Stiefeln, Sack, Rute, einem langen weißen Bart, dem roten Bischofsornat und der schenkenden Funktion des Nikolaus.

In den Vereinigten Staaten wurde der Weihnachtsmann leider zu einer spaßigen Figur in einem dicken, roten Pelzmantel, mit einem mächtig runden Bauch und roten, dicken Backen.
      
9 Lesermeinungen
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#9   Lady Integra Wingates Hellsing   19:24:40 | Samstag, 24. Februar 2007
@ the catholic
nee, weiterraten
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#8   the.catholic   00:42:52 | Mittwoch, 21. Februar 2007
an:Alucard †:
Bist Du Bene**** Lilien***?
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#7   Alucard †   16:54:22 | Dienstag, 13. Februar 2007
@ Schäppi
Hey, hey, hey! Solchen ehrlichen Jounalismus brachte die Welt!
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#6   Tridentinus   09:28:43 | Dienstag, 2. Januar 2007
@Gotthard
wollen Sie um jeden Preis etwas äussern? Ausserdem eine blöde Gegenfrage: Verstecken Sie Ihre Geschenke nicht vor Weihnachten, die sie mehr oder weniger lange vor dem Fest – jedenfalls rechtzeitig – angeschafft haben?
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#5   Gotthard   20:38:17 | Montag, 1. Januar 2007
Menschwerdung an Weihnachten?
Die Tradition des Schenkens wird von Kardinal Scheffczyk theologisch gut abgesichert, indem die Meschwerdung Gottes in Jesus Christus als das Geschenk an die erlösungsbedürftige Menschheit vermittelt wird.
na na na … da werden aber einige „theological correctness“ Einfordernden laut aufschreien und den Kardinal der Unterstützung der Abtreibung zeihen!
Oder hatte er Geschenke am 25.3. im Sinn? …
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#4   William Shakespeare   20:23:37 | Montag, 1. Januar 2007
Genial
Selten habe ich so etwas brilliantes gelesen.
Da stecken mal wirklich tiefe Gedanken und gute Nachforschungen dahinter.
Meinen Glückwunsch
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#3   Tridentinus   18:15:30 | Dienstag, 26. Dezember 2006
Unser Bild
von Chesterton ist von high lights geprägt. Er war ein Vielschreiber: oft blitzt das Geniale nicht auf, sondern schimmert durch. Und das gilt zweifellos auch für Die Neue Weihnacht.
:-@ He, who sits down and writes, is a writer.
He, who sits down and waits for inspiration, is a waiter.
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#2   Leopold   17:04:42 | Dienstag, 26. Dezember 2006
zu Chesterton,
„Die neue Weihnacht“
voller Erwartung habe ich mir dieses Buch gekauft, aber von der Inspiration des bisherigen von Chesterton Gelesenen konnte ich nichts finden
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#1   Tridentinus   12:21:55 | Dienstag, 26. Dezember 2006
Sehr interessante Klarstellungen
Und auch eine gewisse Korrektur von Ausführungen Leo Kardinal Scheffczyks (+ 2005) zur Verdrängung des Christkindes durch den Weihnachtsmann in einem Radio-Interview für Kirche in Not/Ostpriesterhilfe aus dem Jahr 2004, das jetzt bei dieser Organisation als CD angefordert werden kann.
Dort wird nämlich der Eindruck erweckt, ein völlig profaner Weihnachtsmann habe das katholisch-christliche Christkind als „Gabenbringer und Gabenspender“ verdrängen sollen.
Richtiger ist der Vorgang beschrieben, wenn eine Protestantisierung weg von St. Nikolaus hin zum Christkind und sodann eine sukzessive Profanierung des heiligen Bischofs Nikolaus von Myra zum Weihnachtsmann in den Blick kommen.
Die Tradition des Schenkens wird von Kardinal Scheffczyk theologisch gut abgesichert, indem die Meschwerdung Gottes in Jesus Christus als das Geschenk an die erlösungsbedürftige Menschheit vermittelt wird. Hier sollten aber auch noch die Gaben der Drei Heiligen Könige an den neugeborenen Christus angemessen reflektiert werden.
Von GK Chesterton gibt es meines Wissens einen anregenden Text, der „Eine Theologie der Weihnachtsgeschenke“ überschrieben ist. Er dürfte in der Anthologie „Die neue Weihnacht“ enthalten sein, in der der Bonner Verlag nova & vetera: www.novaetvetera.de, 2004 Beiträge Chestertons zum Weihnachtsfest in ansprechender deutscher Übertragung versammelt hat.
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