17:45:01 | Dienstag, 26. Dezember 2006
Am Christtag saßen ein gebildeter Gottloser und ein dummes Mütterchen mit Rosenkranz in der Hand nebeneinander in der Straßenbahn.

(kreuz.net) Das betende Mütterchen konnte nicht hören, wie ein Dämon die Szene kommentiert und dabei
über den Gottlosen sagte:
„Nicht einmal die Weihnacht wird diesen gefestigten Humanisten in die Kirche
bringen. Den lassen alle christlichen Sprüche kalt.“
Ein zweiter Dämon deutete zitternd auf die betenden
Hände der alten Frau:
„Kümmere Dich lieber um sie. Ich
muß sie rumkriegen. Könntest Du mir dabei
nicht helfen?“
„Warum helfen? Tue doch selber etwas. Beweg’ Deinen eigenen Pferdefuß. Noch ist nicht
aller Tage abend.“
„Ich fürchte, bei der frommen Schachtel ist nicht mehr viel zu machen“ – antwortete
der zweite Dämon: „Ihr Leben neigt sich dem Ende zu. Ist sie einmal tot, wird sie für uns auf ewig verloren
sein. Bring Deinen Gottlosen doch dazu, ein wenig mit ihr zu reden.“
– „Sieh nur: Schon hebt er den Kopf
von seiner wissenschaftlichen Lektüre.“
Der Gottlose zum Mütterchen: „Gnädige Frau, wenn ich mir die
Frage erlauben darf: Wirkt das Rosenkranzbeten auf Sie entspannend? Ich habe gehört, daß es auch die
Gesundheit des Herzens fördern soll.“
Das Gesicht der Frau leuchtete auf: „Mein Herz wird nicht mehr
jünger werden. Doch das Gebet entspannt die Seele und fördert die übernatürliche Gesundheit des Herzens.“
Der Gottlose: „Sie wissen aber schon, daß die Kirche ihren Anhängern unmögliche Dinge beizubringen
versucht?“
„Davon weiß ich nichts“ – antwortete die Frau: „Außerdem wollen wir an diesem Festtag nicht
auf die Mutter Kirche schimpfen.“
Der Gottlose: „A propos Weihnachtsfest. Haben Sie gehört, daß manche
Katholiken glauben, daß die Mutter Jesu
vor, während und nach der Geburt ihres Sohnes Jungfrau geblieben
sein soll.“
„Freilich“ – antwortete das Mütterchen: „Das glauben alle Katholiken. Sonst sind sie keine
Christgläubigen.“
– „Gute Frau, verzeihen Sie mir. Selbst wenn man eine Empfängnis Christi durch den
Heiligen Geist ohne Mitwirkung eines Mannes annehmen würde, kann niemand glauben, daß je ein Mensch
geboren wurde, ohne daß seine Mutter die jungfräuliche Unversehrtheit verloren hätte. Der Kleine muß
ja seinen Weg zum Licht der Welt irgendwie gebahnt haben.“
„Der kleine Knabe
ist das Licht der Welt“ –
antwortete das Mütterchen.
– „Was wollen Sie damit sagen?“
Das Mütterchen: „Gott wurde Kind, um die
gefallene Menschheit zu erlösen, nicht um sie zu zerstören oder zu beschädigen. Er ist der Heiland.
Das zeigt sich auch darin, daß er die körperliche Unversehrtheit seiner Mutter nicht verletzt hat.“
– „Aber die biologischen Sachlage…“
Das Mütterchen: „Die biologische Sachlage will und muß ich ihnen
nicht näher erklären. Wir reden hier von der Fleischwerdung des vollkommenen Gottes. Außerdem wird
der Leib Christi noch öfter durch verschlossene Türen schreiten: etwa, wenn er von den Toten auferstanden
ist.“
– „Ich muß protestieren. Ich habe schon meine Einblicke.“
„Grämen Sie sich nicht über Ihre
Unwissenheit. Schon der Kirchenlehrer Thomas von Aquin († 1274) wußte, daß ein altes Mütterchen nach
der Geburt Christi mehr Kenntnis über Gott und die Dinge des Ewigen Lebens besitzt als jeder heidnische
Gelehrte vor dieser Zeit haben konnte.“
Der zweite Dämon, der diesem Dialog lauschte, wurde leichenblaß.
Jäh schwante ihm, daß er nur bei jenen Erfolg haben konnte, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Eingebildetheit
den gesunden Menschenverstand verloren hatten.
Während er sich aus dem Staub machte, hörte er von weiter
Ferne die Weihnachtsengel und ihr „Gloria in excelsis Deo“.
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