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Montag, 14. Februar 2005 18:15
Kirchengeschichten, die das Leben schrieb
„Während acht Wochen starben sechs Menschen, die ich persönlich kannte. Fünf von ihnen waren 79 Jahre oder älter.“ Ein persönlicher Blick auf den kirchlichen Alltag.
(kreuz.net) „Während acht Wochen starben sechs Menschen, die ich persönlich kannte. Fünf von ihnen waren 79 Jahre oder älter.“

Die jüngste der Verstorbenen war eine Frau von 50 Jahren. Eine interessante Geschichte. Sie war die Gattin von Thomas F., einem Apotheker, der täglich zur Heiligen Messe ging, sofern es ihm seine Arbeit erlaubte.

Seit langem ist die Familie F. in unserer Gegend bekannt für ihren überzeugten – wenn nicht sogar radikalen – Katholizismus. Die Familie hatte vier Kinder. Alle vier wuchsen heran und wurden selbst zu frommen Kirchgängern.

In der Heiligen Messe war Frau F. immer an der Seite ihres Mannes. Sie war auch in verschiedenen Aktivitäten der Pfarrei tätig. So war Frau F. Präsidentin der „Katholischen Jugendorganisation“, die verschiedene Freizeitveranstaltungen für Halbwüchsige anbietet.

Aber Frau F. war nicht katholisch, sondern gehörte einer protestantischen Denomination an. Ein interessanter Fall. Zwar war Frau F. gläubig und mit einem strengkatholischen Mann verheiratet. Als Mutter zog sie vier katholische Kinder auf. Selbst war sie ein sehr aktives Pfarreimitglied. Aber sie konvertierte nie zur Kirche.

Offensichtlich hat es die Kirche nie verstanden, ihr klarzumachen, daß ein großer Unterschied besteht zwischen einem Protestanten, der regelmäßig an der Heiligen Messe teilnimmt, und einem Katholiken, der regelmäßig die Sakramente empfängt.

Mir fiel noch ein weiterer Punkt auf. Im Anschluß an die Beerdigung begrüßten die Söhne und Töchter der Verstorbenen die Anwesenden. Einer der Söhne meinte bei dieser Gelegenheit, daß ihre verstorbene Mutter nun an einem besseren Ort sei und von dort auf sie herunterschaue.

Auch im Lichte der verständlichen Trauer über die so jung dahingeschiedene gute Mutter ist diese Aussage bemerkenswert. Die Kinder der Verstorbenen haben ihre gesamte schulische Erziehung – von der Grundschule bis zur Universität – in katholischen Ausbildungsstätten erhalten. Dennoch scheinen sie keinen Hochschimmer über die sogenannten „Letzten Dinge“, insbesondere über das Fegefeuer, zu haben.

Über vierzig Jahre, nachdem Papst Johannes XXIII. im letzten Konzil „die pastorale und apostolische Mission der Kirche“ unterstreichen wollte und über zehn Jahre nach der Veröffentlichung des „Katechismus der Katholischen Kirche“ durch Papst Johannes Paul II., liegt die Glaubensunterweisung der Kirche immer noch zutiefst im Argen.
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