Abgefallener Bischof
Ein neuer Milingo?
Die nie angegangene Krise unter den Priestern hat längst auf die Bischöfe übergegriffen. Jetzt steht die Kirche in Paraguay nach der Defektion eines Bischofs unter Schock.
Links: Südamerika-Karte mit Paraguay.
Rechts: Der abgefallene Bischof Fernando Lugo
Links: Südamerika-Karte mit Paraguay.
Rechts: Der abgefallene Bischof Fernando Lugo
(kreuz.net) Der emeritierte Bischof von San Pedro, Mons. Fernando Lugo (57) ist „in einer de facto Situation der Revolte“.

Das erklärte der Präsident der Bischofskonferenz von Paraguay, Mons. Ignacio Gogorza (70), vor einer Tageszeitung.

Ex-Bischof Lugo hat die bischöfliche Soutane an den Nagel gehängt, bevor sein Laisierungsantrag von Rom beantwortet wurde.

Das berichtete der spanische Informationsdienst ‘Periodista Digital’ gestern.

Der abgefallene Bischof hat inzwischen von der vatikanischen Bischofskongregation ein Ermahnungsschreiben bekommen. Darin wird er aufgefordert, nicht in die Politik einzusteigen und in sich zu gehen.

Sofern Ex-Bischof Lugo die Mahnung ignoriert, wird als nächste kanonische Maßnahme die Suspension erfolgen.

Der Präsident der paraguayanischen Bischofskonferenz erklärte, daß er selber sowie der Apostolische Nuntius, Mons. Orlando Antonini, und die Ortsbischöfe über die Entwicklung besorgt seien.

„Die Tatsache, daß Mons. Lugo persönlich angekündigt hat, auf sein Bischofsamt zu verzichten, bedeutet, daß er diesen Entscheid einseitig getroffen hat, ohne auf eine Antwort Roms zu warten.“

Der Opus-Dei-Bischof der Diözese Ciudad del Este, Mons. Rogelio Livieres Plano (61), sagte, daß Bischof Lugo sich gegenwärtig in einer „hybriden Situation“ befinde.

Er habe sein Amt zwar niedergelegt. Sein Schritt sei aber von der Kirche nicht anerkannt worden.

Nach Bischof Livieres sind Auswirkungen des Falles Lugo auf die Kirche massiv:

„Es ist absolut ungewöhnlich, daß ein Bischof auf sein Amt verzichtet. Der einzige Fall ist bisher jener von Milingo.“

In Paraguay stehe man jetzt vor der traurigen Situation, einen zweiten solchen Fall zu haben:

„Wenn wir zum Bischofsamt berufen werden, sind wir erwachsene Personen. Wir wissen, was uns erwartet. Wir verpflichten uns zu tausend Dingen, unter anderem auch dazu, bis zum Tod Bischöfe zu bleiben.“
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#14   tinagaucho   20:30:41 | Montag, 22. Januar 2007
Paraguay braucht Hilfe
Wer in Paraguay auf dem Lande lebt, wie ich, der weiss, wie entsetzlich die Situation dort ist. Wir brauchen einen MENSCHEN an der Spitze der Regierung, und ich bete darum, dass Fernando Lugo dieser Mensch ist. Wer die Egoisten dort an der Macht beobachtet und deren Geldgier sieht – und auf der anderen Seite Kinder, die an einer schweren Grippe oder einer verschleppten Halsentzündung sterben müssen, weil es keine Intensiv-Stations-Plätze für sie gibt und keine Ausbildung für ihre Eltern – der betet um einen Menschen, der nicht an sich selbst denkt, sondern an die hilflose Bevölkerung, an die Kinder dieses ansonsten so bezaubernden Landes. Nur: ob Monsenor Lugo eine Chance hat, seine Kandidatur zu überleben, bezweifle ich – und falls er es schaffen sollte, allen Widerständen zum Trotz, wird ihm das unglaublich verzweigte Korruptionsnetz der Colorado Partei das Regieren fast unmöglich machen. Wie ein Insekt im Spinnen-Netz, vergleichen die Journalisten des Landes seine Situation. Was er versucht, ist auch Mission – allerdings fast schon: Mission impossible… Ich bitte den Vatikan um Hilfe für ihn und für Paraguay – vor allem aber Gott, für dieses arme Land, das ich über alles liebe.
Redaktion benachrichtigen
#13   r.ruhrgebietler   17:28:27 | Freitag, 29. Dezember 2006
@stimme der vernunft – so ist es! – leider!
„Welche Sünde hat der Mann den eigentlich vor bzw. schon begangen?“ – ist doch zweitrangig (biem derzeitigen stand der Dinge…).
„Ich wusste nicht, daß man durch politische Betätigung direkt in die Hölle kommt,“ – nun, Lenin ist bestimmt nicht in den Himmel gekommen.
„…dann sind da ja vor allem vorkonziliare Päpste zu finden!“ – ja, aber nur, weil’s nachkonziliar nicht so viele Päpste gibt! Hingegen sind fast alle nachkonziliaren Päpste im Fegfeuer gelandet. Einer der z.B. ein schweres Fegfeuer hat ist Johannes XXIII – er erbittet viel Busse und Sühne zur Linderung seines Fegfeuers! Besonderer Schmerz wird den Seelen des Fegfeuers zugefügt, wenn sie als Heilige angebetet werden – obwohl sie es nicht sind!
Letztlich aber auch zweitrangig wieviele Päpste es im freien Fall geschafft haben direkt in der Hölle zu landen – gut beraten ist derjenige, der für den Papst betet.
… das sollten Sie doch wirklich wissen!
Redaktion benachrichtigen
#12   Gotthard   22:20:05 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Stolz
Wir und die Kirche sollten stolz sein auf diesen Bischof, der nun auf andere Art und Weise zum Wohl und Heil der Menschen kämpfen will … ihn erbarmt des Volkes!
Redaktion benachrichtigen
#11   Sr. Maria Andrea †   21:06:07 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Paraguay
Vor über 50 Jahren war ein Missionar aus Deutschland, Walter Vervoort Bischof in Paraguy. Kirche und Staat in Südamerika! Eine Tragödie. Und jetzt ein Bischof – ein Hoffnungsträger…
Redaktion benachrichtigen
#10   Gotthard   20:55:37 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
ein guter Mann in einer Scheiss-Situation
hier mal ein Interview mit einem anderen Bischof aus Paraguay:
Mario Melanio Medina zur politischen Situation Paraguays www.proparaguay.de/html/bischof.html
Redaktion benachrichtigen
#9   Sr. Maria Andrea †   20:04:34 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
MILINGO
Wenn es dann alles stimmt mit MILINGO, dann ist doch diese Situation in Paraguay eine ganz andere und auch die Person des Bischofs ist eine andere!
Wir wissen, dass REGIEREN in Südamerika nicht einfach ist! Dem Bischof ist eine glückliche Hand zu wünschen und dass er das Vertrauen des Volkes in seine Person als Bischof für die Menschen in seinem Land umwandeln kann!
Redaktion benachrichtigen
#8   Athanasius   15:10:13 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Prof. Dr. Georg May, pr.
„Die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe.“
Wer ernennt aber auto-kratisch die Bischöfe? Überlegen Sie – vor allem wenn Sie kirchlicher-neokonservativer Ausrichtung sind – diese Frage mal ernsthaft ohne Ad-Hominem-Argumente gegen die bösen „Traditionalisten“ (=traditionsverbundene Römisch-Katholische Christen).
Redaktion benachrichtigen
#7   stimme der vernunft †   14:17:44 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
@ruhrpotti
ich versteh immer nur „in die Hölle“
hab ich da was verpasst? Welche Sünde hat der Mann den eigentlich vor bzw. schon begangen? Ich wusste nicht, daß man durch politische Betätigung direkt in die Hölle kommt, dann sind da ja vor allem vorkonziliare Päpste zu finden! :-D
Redaktion benachrichtigen
#6   ottaviani   13:14:12 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
wundervoll
dieser nachkonziliare frühling es bröckelt an allen ecken und enden also einfach abwarten bis sich die probleme durch auflösung lösen
Redaktion benachrichtigen
#5   r.ruhrgebietler   12:20:23 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
stimme der vernunft – und schon wieder auf dem Holzweg!
„…dann ist er halt ein Präsident mit höheren Weihen, das wird schon nicht schädlich sein.“
… mit höheren Weihen direkt in die Hölle – in der Tat bachtlich!
… wird schon nicht schädlich sein – für wen? SATAN freut sich maßlos darüber, das er nicht nur diese Seele in die ewige Hölle gezogen hat, sondern alle weiteren Seelen, die dieser Seele nacheifern und sich darüberhinaus in div. Foren als Mundschenk betätigen!
„Der Mann da ist wenigstens ehrlich und nicht scheinheilig.“
… jawoll! Und weil alle blindlinks in die Hölle hüpfen soll das richtig sein? Ich weiß nicht. Bei mir st nichts gerade warm in der Bude, aber deswegen im Jenseits nur noch von Idioten umgeben zu sein, die einem schon zu Lebzeiten das Leben zur Hölle machten – nein Danke! Es lohnt sich führwahr für den Himmel zu streiten! Fangen wir besser heute denn morgen damit an! Und das sollte jedem die Stimme der Vernunft schon beim wach-werden sagen! Oder nicht???
Pax!
Redaktion benachrichtigen
#4   Osservatore   12:02:04 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Ein Schweizer Beispiel
Auch Hansjörg Vogel, damals Bischof von Basel, verzichtete auf sein Amt, als er bekannt gab, dass eine ihm nahestehende Frau ein Kind von ihm erwartete. Der Vatikan nahm diesen Rücktritt ohne Widerrede an. Hansjörg Vogel arbeitet heute in einem sozialen Beruf, mit grossem Engagement.
Redaktion benachrichtigen
#3   stimme der vernunft †   11:25:20 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Ex-Bischof
Na und, dann ist er halt ein Präsident mit höheren Weihen, das wird schon nicht schädlich sein. Er will das Bischofsamt nicht ausüben, so what?
Es gab auch schon Kardinäle in der hohen Politik, und die sind, obwohl sie reine Politiker waren, in Purpur rumgerannt und haben, wenn es ihnen opportun erschien, einen auf heilig gemacht.
Der Mann da ist wenigstens ehrlich und nicht scheinheilig.
Redaktion benachrichtigen
#2   Maledica   11:18:29 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
Ex-Bischof???
Es gibt keine Ex-Bischöfe!
Die Bischofsweihe ist unauslöschlich.
Oder ist Lefebvre ein Ex-Bischof?
Redaktion benachrichtigen
#1   stimme der vernunft †   10:53:43 | Donnerstag, 28. Dezember 2006
dumm gelaufen
Da will also ein Bischof aus dem Amt, und Rom droht damit, dass er, wenn er auf dieser Forderung besteht, aus dem Amt fliegt.
Absurdes Theater.
Wenn er gerne suspendiert werden will, soll man ihn halt einfach suspendieren, wo ist denn das Problem?
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Bischof wird PolitikerBerufung gefunden? ‘Priesternetzwerk’Die Notwehrgemeinschaft steht ‘Priesternetzwerk’Notwehrmaßnahmen von Priestern in Deutschland Priestergeburtstag„Wenn alle Priester wie Heinz Leuze wären“ Prof. Georg May„Der Episkopat und die Theologenschaft sind weitestgehend progressistisch imprägniert.“ Stalkerin verfolgt PfarrerUnterhose vor der Haustüre Diözese Graz-SeckauPfarrer begeht Selbstmord Prof. Georg May„Erholung suchte ich nur in der Abwechslung der Arbeiten“ KlerusMeßgestreßte Priester KlerusUnverwester Priester KlerusWeihbischof gegen Kardinal KlerusEine unzeitige Fastenpredigt KlerusVerbotene Liebe KlerusWer steckt unter dem Brautschleier? KlerusPriester gibt Widerstand gegen seinen Bischof auf
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net