17:28:57 | Sonntag, 31. Dezember 2006
Die zweite Hälfe des Jahres 2006 stand im Zeichen der drei vertriebenen Fuldaer Ordenspriester und einer Messe, die ihre Freiheit immer noch nicht gefunden hat. Kirchenpolitik im Zeitraffer.
JuliDie Fußball- weltmeisterschaft in Deutschland inspirierte die Ortsbischöfe zu mehreren
Stellungnahmen.
Der Paderborner Erzbischof fieberte beim Halbfinale zwischen Deutschland und Italien am 4. Juli sogar
persönlich im Stadion mit. Dagegen begab sich der Papst kurz vor Spielende in sein Schlafgemach.
Am
9. Juli reist Benedikt XVI. anläßlich des Weltfamilientreffens für zwei Tage in die ostspanische Stadt
Valencia: „Ich will die zentrale Rolle hervorheben, welche die auf der Ehe aufbauende Familie für Kirche
und Gesellschaft besitzt.“
Am Tag nach seiner Heimkehr nahm er den Rücktritt des langjährigen Sprechers
des Pressesaals im Vatikan, Joaquín Navarro-Valls (69), an. Die
Nachfolge trat der italienische Jesuit
Pater Federico Lombardi (63) an. Er ist auch der Generaldirektor von Radio Vatikan und des vatikanischen
Fernsehzentrums ‘CTV’.
Am 12. Juli begann der Staat Israel einen
Vernichtungskrieg gegen den Libanon.
Dabei wurden 1.100 Menschen ermordet – die meisten davon Zivilisten. Ein Drittel der Opfer sind Kinder
unter zwölf Jahren. Mehr als 3.000 Libanesen wurden verletzt. Die Infrastruktur im Süden des Landes
ist jetzt völlig zerstört.
Ende Juli
konvertierten der schwedische Pastor Sten Sandmark und ein befreundeter
Theologiestudent bei der Piusbruderschaft. Der einzige katholische Bischof Schwedens, bei dem die zwei
eine Anfrage gestellt hatten, wollte die Konversion aus ökumenischen Gründen
vermeiden.
AugustDer
Monat startet mit einer
ungewöhnlichen Aktion der Priesterbruderschaft St. Pius X: ein Gratis-DVD mit
einem Film, der den Alten Ritus Schritt für Schritt erklärt.
Am 13. August strahlten mehrere deutsche
Fernsehsender ein
halbstündiges Interview mit dem Papst aus. Das Gespräch war zwei Wochen zuvor in der
Päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo aufgenommen worden.
Am 26. August starb der Gründer der
französischen Gemeinschaft des Heiligen Johannes, Pater Marie-Dominique Philippe, 93jährig. Der Orden
zählt mehr als 500 Brüder und einige hundert Schwestern.
SeptemberAm 9. September begann Papst Benedikt
XVI. einen sechstägigen Bayernbesuch. An der Universität Regensburg hielt er eine Rede, die in muslimischen
Ländern bewußt verzerrt wiedergeben wurde. Die so entstandene Polemik zog sich trotz
vatikanischer Erklärungen
wochenlang hin.
Die italienische Missionsschwester Leonella
Sgorbati wurde am 17. September in der somalischen Hauptstadt Mogadischu 65jährig
ermordet. Sterbend
flüsterte sie: „Ich vergebe.“
Eine Woche später, am 24. September, weihte der Ex-Kurienerzbischof Emmanuel
Milingo unerlaubt vier Bischöfe. Der Vatikan stellte daraufhin die Tatstrafe der Exkommunikation fest.
Ende September
erklärten die deutschen Bischöfe nach ihrer Herbstvollversammlung, daß es in den meisten
deutschen Bistümern an Sonn- und Werktagen Indultmessen gebe. Die Nachfrage nach der Alten Messe sei
auf „sehr niedrigem Zahlenniveau stabil“.
Mehrere Organisationen enttarnten die Stellungnahme als
Falschmeldung.
Es gebe nur in der Hälfte der Bistümer eine Alte Messe und die Nachfrage sei in den letzten zehn Jahren
stark angestiegen.
OktoberAnfang Oktober tagte die ‘Internationale Theologenkommission’ unter anderem
zur Frage des ewigen Schicksals ungetauft gestorbener Kinder. Der bekannte Dogmatiker und Erzbischof von
Chieti-Vasto, Mons. Bruno Forte erklärt, daß sich die Kommission gegen die Vorstellung des Limbus aussprechen
werde. Der Erzbischof ist Mitglied der Theologenkommission.
Der Abt der oberpfälzischen Benediktinerabtei
Plankstetten wurde am 14. Oktober zum neuen Bischof von Eichstätt ernannt.
Mitte Oktober wurden Stimmen
laut, wonach der Papst im November die Alte Messe freigeben wolle. Als Quelle wurde ein Mitglied der Gottesdienstkongregation
angegeben. In der Folge erhoben die französischen Bischöfe ihre –
ansonsten recht zaghafte – Stimme
gegen die Freigabe des überlieferten Ritus.
Am 31. Oktober ernannte Benedikt XVI. den liberalen Erzbischof
von São Paulo, Claudio Kardinal Hummes (72), zum Präfekten der Kleruskongregation. Der Kirchenfürst
galt als
liberaler Oberhirte.
NovemberIm November entbrannte im Bistum Fulda ein erbitterter Kampf
um drei Ordenspriester, die der Ortsbischof offenbar als Racheakt aus dem Seelsorgedienst entließ. Die
betroffenen Gläubigen demonstrierten dreimal vergebens vor dem Fuldaer Dom. Sie forderten erfolglos ein
Gespräch mit ihrem wortlosen Oberhirten.
Am 5. November beteiligten sich neun österreichische Bischöfe
an einer
Rockmesse in Wien, an der es zahlreiche liturgische Mißbräuche gab.
Am 17. November
schreibt
der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Francis Kardinal Arinze, den Präsidenten der Bischofskonferenzen
zur Frage der Übersetzung der Wendung „pro multis“ in den Wandlungsworten: Sie muß korrekt mit „für
viele“ wiedergegeben werden.
Die Gerüchte um die „baldige“ Freigabe der Alten Messe kochten auch im
November. Eine Zutat stammt von der italienischen Erzdiözese Genua. Sie
veröffentlichte am 27. November
eine Klarstellung zu einem möglichen Motu Proprio über die Alte Messe. Auch die Piusbruderschaft
wußte
genaueres: „Das Motu Proprio wird bald veröffentlicht.“
Ende November besuchte der Papst für drei Tage
die Türkei. Dabei äußerte er sich positiv zum
EU-Beitritt der Türkei. Am dritten Tag unterzeichnete
er mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. von Konstantinopel eine gemeinsame Erklärung. Sein
Besuch in der Blauen Moschee in Istanbul erweckte die Sympathie vieler Muselmanen – und den Unmut der
Katholiken.
DezemberMit 1. Dezember sind die zwei Fuldaer Pfarreien Schwarzbach und Eckweisbach auf
unbestimmte Zeit verwaist. Die skandalöse Entlassung dreier Priester der ‘Diener Jesu und Mariens’ läßt
den Ruf nach dem
Rücktritt des Fuldaer Oberhirten laut werden.
Am 1. Adventsonntag
entfernt die Wiener
Pfarrei St. Rochus ihren vor Jahrzehnten eingeführten provisorischen Volksaltar. Die Pfarrei St. Rochus
wird vom Oratorium St. Philipp Neri betreut.
Die Kardinäle des Päpstlichen Rates ‘Ecclesia Dei’ treffen
sich am 12. Dezember in Rom. Am nächsten Tag berichtet der emeritierte chilenische Kurienkardinal Jorge
Medina: „Die Veröffentlichung des Motu Proprio, das die Alte Messe erlauben wird, ist nahe.“
Mitte Dezember
verfassen
französische und
italienische Kulturschaffende ein Manifest für die Freiheit der Alten Messe.
Sie wiederholten einen Appell
britischer Intellektueller aus dem Jahr 1971. Es ist zu erwarten, daß weitere
Länder folgen.
Ob das Jahr 2007 als das Jahr der Befreiung der Alten Messe in die Menschheitsgeschichte
eingehen wird?
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