Buchbesprechung
Land in Sicht: Der „Ott“ wird wieder aufgelegt!
Der „Grundriß der katholischen Dogmatik“ des ehemaligen Freiburger Dogmatikers Ludwig Ott ist ein theologisches Standardwerk für Priester und Laien. Es bietet im Schall und Rauch des gegenwärtigen Theologengeschwätzes das Wesentliche der kirchlichen Lehre und ihrer Begründung aus den Glaubensquellen in klarer und knapper Form. Eine Buchbesprechung.
(kreuz.net/nova et vetera) Der „Ott“ ist wieder da. Das schon fast legendäre Dogmatikhandbuch wird vom Abstellgleis in die Theologenbibliothek zurückgeholt. Nach einer beispiellosen Erfolgsgeschichte von 10 Auflagen und zahlreichen Übersetzungen geriet das Meisterwerk 1981 in seinem angestammten Verlag auf das Abstellgleis. Jetzt hat der „Ott“ eine neue Heimat gefunden und erscheint Anfang März bei „nova & vetera“.

Der Priester und Theologe Josef Höfer hat es schon vor Jahren auf den Punkt gebracht: „Dieses einbändige Kompendium ist ein Meisterwerk durch die didaktisch kluge Gliederung des Stoffes, durch die Präzision der Darstellung und durch die Beschränkung auf eine im strengen Sinn wirklich dogmatische Methode der Darbietung, die von apologetischen Beweismethoden absieht und den Glaubensbesitz der Kirche aus ihrem Selbstverstehen heraus vorlegt.“

Inhaltlich bleibt der neu aufgelegte „Grundriß der katholischen Dogmatik“von Ludwig Ott gottseidank unverändert. Seit der Erstauflage hatte sich an Struktur und Aussagen – wie man es bei einem guten Dogmatikbuch erwarten darf – ohnehin fast nichts verändert. Ott ergänzte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil seine Traktate behutsam, indem er auf die relevanten Aussagen des Konzils verwies.

Das Werk entspricht allen Anforderungen, die an ein theologisches Lehrbuch zu stellen sind: Jede These ist klar und übersichtlich gegliedert. Die Lehre der Kirche und ihre Begründung aus den Glaubensquellen sind kurz zusammengefaßt und auch durch die graphische Gestaltung des Schriftbildes hervorgehoben. Soweit es für das Verständnis der Wahrheit eines Dogmas erforderlich ist, wird die dogmengeschichtliche Entwicklung in den Hauptzügen aufgezeigt. Meist erfolgt auch ein kurzer Hinweis auf die spekulative Begründung einer Lehre durch die Scholastiker.

Die sehr klare, knappe und übersichtliche Gliederung des Stoffes, die reichen Literaturangaben und die gewissenhafte Darlegung machen das Werk besonders für den Theologiestudenten zu einer Fundgrube. Generationen lernten für ihre Prüfungen erfolgreich mit ihrem „Ott“. Darüber hinaus leistet das Handbuch auch dem Seelsorger und dem interessierten Laien, der sich rasch und zuverlässig über eine dogmatische Frage informieren will, ausgezeichnete Dienste. In der Kürze und Klarheit liegt bekanntlich die Würze und Wahrheit. In beiden hat die sogenannte moderne Theologie einen massiven Nachholbedarf.

Der große Wert des legendären „Ott“ offenbart sich auch, wenn man sich die Alternativen anschaut. So urteilt der Kölner Theologe und Philosoph David Berger über die Dogmatik des ehemaligen Münchner Dogmatikers Ludwig Müller, die im früheren Verlag des „Ott“ dessen Nachfolge hätte antreten sollen:

„Was Müllers Dogmatik auf den ersten Blick von jener Otts und allen anderen Lehrbüchern der klassischen Dogmatik unterscheidet, ist der radikal veränderte Aufbau. War das klassische Schema eng an die Gliederung des Glaubensbekenntnisses und in einem weiteren Schritt an die Summa Theologiae des Thomas angelehnt worden und von daher strikt theozentrisch gehalten, so hat Müller, Schüler eines Schülers von Karl Rahner (Karl Lehmann), nun mit dem Vorschlag Karl Rahners, die Abfolge der klassischen Traktate aufzugeben, Ernst gemacht.“

„Damit ist die folgenreiche Entscheidung gefallen, daß Müllers Dogmatik sich nun nicht mehr wie die klassische Theologie in ihren besten Vertretern als Wissenschaft „von oben“, als subalternierte Wissenschaft aus dem Wissen Gottes und der Seligen, sondern als eine solche „von unten“ verstehen möchte. Daß sie durch diese enge Anlehnung an das heilsgeschichtliche Konzept ihren Wissenschaftscharakter gefährdet, sei nur nebenbei erwähnt und in Frage gestellt, ob es für dessen Wiedergewinnung wirklich genügt, daß sie sich auch bemüht, einen Beitrag zu der Frage zu leisten, wie Menschsein glücken kann.“

Für die neue Auflage wurde das Handbuch von Ludwig Ott optisch verbessert. Größere Schriften und ein größzügigerer Satz erleichtern das Arbeiten mit dem Text. Und so wird der Ott auch vielen zukünftigen und dankbaren Generationen zur Verfügung stehen.

Erscheint: Anfang März 2005
Verlag nova et vetera
Hardcover, ca. 680 Seiten
50,00 EURO

Subskriptionspreis 42 Euro
Subskriptionsfrist bis 31. Januar
      
2 Lesermeinungen
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#3   Dolfus   19:11:59 | Donnerstag, 6. Januar 2005
DAS Dogmatikbuch schlechthin
Eine Gnade, daß dieses Werk wieder aufgelegt wird – es ist symptomatisch, daß es bisher nicht mehr erhältlich war.
Müllers Dogmatik habe ich nur mal irgendwo durchgeblättert, überzeugte mich aber nicht. Ein „konservatives“ Image zu haben ist ja noch kein Zeugnis für echt glaubenstreu.
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#1   Catholicus   14:11:03 | Donnerstag, 6. Januar 2005
Auch die „Katholische Dogmatik“ von G.L. Müller verdient ihren Namen!
Die Neuauflage ist uneingeschränkt zu begrüßen. Dass die Besprechung des verdienten Werkes mit einer Kritik an der Dogmatik von Gerhard Ludwig Müller verbunden wird, ist jedoch nicht zielführend. Wie immer man die formal-didaktische Anordnung in der Dogmatik Müllers bewertet, so ist auch diese eine durch und durch katholische Dogmatik und kann auf diese Weise den Ott nur im guten Sinn ergänzen!
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