13:52:14 | Donnerstag, 6. Januar 2005
Der „Grundriß der katholischen Dogmatik“ des ehemaligen Freiburger Dogmatikers Ludwig Ott ist ein theologisches Standardwerk für Priester und Laien. Es bietet im Schall und Rauch des gegenwärtigen Theologengeschwätzes das Wesentliche der kirchlichen Lehre und ihrer Begründung aus den Glaubensquellen in klarer und knapper Form. Eine Buchbesprechung.
(kreuz.net/
nova et vetera) Der „Ott“ ist wieder da. Das schon fast legendäre Dogmatikhandbuch wird vom
Abstellgleis in die Theologenbibliothek zurückgeholt. Nach einer beispiellosen Erfolgsgeschichte von
10 Auflagen und zahlreichen Übersetzungen geriet das Meisterwerk 1981 in seinem angestammten Verlag auf
das Abstellgleis. Jetzt hat der „Ott“ eine neue Heimat gefunden und erscheint Anfang März bei „nova &
vetera“.
Der Priester und Theologe Josef Höfer hat es schon vor Jahren auf den Punkt gebracht: „Dieses
einbändige Kompendium ist ein Meisterwerk durch die didaktisch kluge Gliederung des Stoffes, durch die
Präzision der Darstellung und durch die Beschränkung auf eine im strengen Sinn wirklich dogmatische
Methode der Darbietung, die von apologetischen Beweismethoden absieht und den Glaubensbesitz der Kirche
aus ihrem Selbstverstehen heraus vorlegt.“
Inhaltlich bleibt der neu aufgelegte „Grundriß der katholischen
Dogmatik“von Ludwig Ott gottseidank unverändert. Seit der Erstauflage hatte sich an Struktur und Aussagen –
wie man es bei einem guten Dogmatikbuch erwarten darf – ohnehin fast nichts verändert. Ott ergänzte
nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil seine Traktate behutsam, indem er auf die relevanten Aussagen des
Konzils verwies.
Das Werk entspricht allen Anforderungen, die an ein theologisches Lehrbuch zu stellen
sind: Jede These ist klar und übersichtlich gegliedert. Die Lehre der Kirche und ihre Begründung aus
den Glaubensquellen sind kurz zusammengefaßt und auch durch die graphische Gestaltung des Schriftbildes
hervorgehoben. Soweit es für das Verständnis der Wahrheit eines Dogmas erforderlich ist, wird die dogmengeschichtliche
Entwicklung in den Hauptzügen aufgezeigt. Meist erfolgt auch ein kurzer Hinweis auf die spekulative Begründung
einer Lehre durch die Scholastiker.
Die sehr klare, knappe und übersichtliche Gliederung des Stoffes,
die reichen Literaturangaben und die gewissenhafte Darlegung machen das Werk besonders für den Theologiestudenten
zu einer Fundgrube. Generationen lernten für ihre Prüfungen erfolgreich mit ihrem „Ott“. Darüber hinaus
leistet das Handbuch auch dem Seelsorger und dem interessierten Laien, der sich rasch und zuverlässig
über eine dogmatische Frage informieren will, ausgezeichnete Dienste. In der Kürze und Klarheit liegt
bekanntlich die Würze und Wahrheit. In beiden hat die sogenannte moderne Theologie einen massiven Nachholbedarf.
Der große Wert des legendären „Ott“ offenbart sich auch, wenn man sich die Alternativen anschaut. So
urteilt der Kölner Theologe und Philosoph David Berger über die Dogmatik des ehemaligen Münchner Dogmatikers
Ludwig Müller, die im früheren Verlag des „Ott“ dessen Nachfolge hätte antreten sollen:
„Was Müllers
Dogmatik auf den ersten Blick von jener Otts und allen anderen Lehrbüchern der klassischen Dogmatik unterscheidet,
ist der radikal veränderte Aufbau. War das klassische Schema eng an die Gliederung des Glaubensbekenntnisses
und in einem weiteren Schritt an die Summa Theologiae des Thomas angelehnt worden und von daher strikt
theozentrisch gehalten, so hat Müller, Schüler eines Schülers von Karl Rahner (Karl Lehmann), nun mit
dem Vorschlag Karl Rahners, die Abfolge der klassischen Traktate aufzugeben, Ernst gemacht.“
„Damit ist
die folgenreiche Entscheidung gefallen, daß Müllers Dogmatik sich nun nicht mehr wie die klassische
Theologie in ihren besten Vertretern als Wissenschaft „von oben“, als subalternierte Wissenschaft aus
dem Wissen Gottes und der Seligen, sondern als eine solche „von unten“ verstehen möchte. Daß sie durch
diese enge Anlehnung an das heilsgeschichtliche Konzept ihren Wissenschaftscharakter gefährdet, sei nur
nebenbei erwähnt und in Frage gestellt, ob es für dessen Wiedergewinnung wirklich genügt, daß sie
sich auch bemüht, einen Beitrag zu der Frage zu leisten, wie Menschsein glücken kann.“
Für die neue
Auflage wurde das Handbuch von Ludwig Ott optisch verbessert. Größere Schriften und ein größzügigerer
Satz erleichtern das Arbeiten mit dem Text. Und so wird der Ott auch vielen zukünftigen und dankbaren
Generationen zur Verfügung stehen.
Erscheint: Anfang März 2005
Verlag nova et veteraHardcover, ca.
680 Seiten
50,00 EURO
Subskriptionspreis 42 Euro
Subskriptionsfrist bis 31. Januar
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#1
Catholicus 14:11:03 | Donnerstag, 6. Januar 2005