15:34:01 | Mittwoch, 3. Januar 2007
St. Pölten
Im Streit um ein von linkspolitischen Agitatoren bekämpftes Altarfresko in der St. Pöltner Prandtauerkirche müßte sich der zuständige Diözesanbischof mit den Sozialisten anlegen.

Dollfuß ist die Figur ganz links auf der rechten Seite des Altars
(kreuz.net, St. Pölten) Die nach ihrem Erbauer Jakob Prandtauer benannte Kirche im Stadtzentrum von St.
Pölten hat bewegte Zeiten hinter sich.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet, wurde sie 1782 von
Kaiser Joseph II. geschlossen und ihrer Einrichtung beraubt.
Erst 1934 konnte sie wieder für den Gottesdienst
geöffnet und neu geweiht werden.
1961 erhielt die Prandtauerkirche ihr bis heute kostbarstes Ausstattungsstück:
einen nach Plänen des berühmten Barockbaumeisters Lukas von Hildebrandt aus dunklem Marmor gefertigten
Hochaltar, der zuvor die Schloßkirche von Aschau/Donau geschmückt hatte.
Doch der neue Altar wirkte
in der lichtdurchfluteten Prandtauerkirche einerseits zu düster und andererseits zu klein.
Diesem Problem
versuchte der Kirchenrektor, Hw. Reinhard Knittel, im Jahr 2005 Abhilfe zu schaffen, indem er den marmornen
Altar teilweise vergolden und bemalen ließ. Er faßte den Altar auch mit einem farbenfrohen Fresko ein.
Das Fresko wurde auf eine Leinwand gemalt und anschließend an der Wand angebracht.
Hw. Knittel ist
Vizeoffizial – stellvertretender Leiter – des Diözesangerichts von St. Pölten. Einige Jahre war er theologischer
Referent von Bischof Kurt Krenn.
Werktags liest er in der Prandtauerkirche die Alte Messe.
Seit März
2006 geriet der Kirchenrektor ins Schußfeld der Sozialisten, die im St. Pöltener Stadtrat über eine
satte Mehrheit verfügen.
Stein des Anstoßes ist der auf dem neuen Altarfresko der Prandtauerkirche
abgebildete österreichische Ständestaatkanzler Engelbert Dollfuß.
Der 1934 von den Nationalsozialisten
ermordete Dollfuß war ein entschiedener Gegner des Sozialismus und des Nationalsozialismus.
Bis heute
versuchen die österreichischen Sozialisten, Dollfuß als „Austrofaschisten“ zu verunglimpfen. So auch
in St. Pölten.
Als im roten Rathaus von St. Pölten bekannt wurde, daß in der benachbarten Prandtauerkirche
ein Bild des verhaßten Dollfuß angebracht wurde, beschlossen die Roten in die Offensive zu gehen.
Im
Oktober 2006 gab es an mehreren Sonntagen Demonstrationen vor der Kirche. Jede Woche kamen drei bis sieben
möglicherweise bezahlte Jungsozialisten.
Seither hält der Kirchenrektor die Kirche „wegen (links-)politischer
Agitation und möglicher Sachbeschädigung“ außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen.
Außerdem
warf er den Sozialisten in einem geharnischten Brief „größenwahnsinnige Anmaßung“ und „freche Einflußnahme“
vor.
Die Sozialistische Partei sei „vor lauter Haß und unbewältigter Geschichtsverantwortung blind
und scheinheilig geworden“.
Was Hw. Knittel vor seiner Gegenoffensive nicht bedacht hatte, war die sozialistische
Bürokratie.
Mit einem Mal wurden sowohl das Landes- als auch das Bundesdenkmalamt auf den Fall aufmerksam.
Der Kirchenrektor wurde aufgefordert das den wertvollen Altar angeblich beeinträchtigende Fresko zu beseitigen.
Ein Stadtrat in St. Pölten und Bezirksparteigeschäftsführer der städtischen Sozialisten erklärte:
„Österreich ist bisher damit gut gefahren, Staat und Kirche zu trennen.“
Hw. Knittel entgegnet vor der
österreichischen Tageszeitung ‘Die Presse’: „Politik interessiert mich nicht.“
Dollfuß ziert das Fresko
für seine maßgebliche Rolle bei der Wiedereinweihung der Prandtauerkirche als Gotteshaus im Jahr 1934.
Dem Bundesdenkmalamt geht es – wenigstens offiziell – nicht um die Abbildung von Dollfuß.
Die niederösterreichische
Landeskonservatorin erklärt, daß der 300 Jahre alte Altar dadurch – angeblich – seiner „künstlerischen
Wirkung“ beraubt werde: „Es hat Vorgespräche gegeben, in denen wir klar gesagt haben, daß dieses Fresko
nicht in Frage kommt.“
Die Diözese war von Anfang an eingebunden. Die Zustimmungen vom Diözesankonservator
und vom zuständigen Bischof Klaus Küng waren erteilt. In solchen Angelegenheiten – beim Aufkleben eines
Bildes – ist es nicht üblich, von sich aus zum Denkmalamt zu gehen.
Zudem soll es – entgegen der Aussage
der Landeskonservatorin – eine mündliche Zusage des Denkmalamtes für das Wandgemälde gegeben haben.
Dennoch ist in der Sache seit Monaten ein Verfahren anhängig. Es ist derzeit in Berufung. Die Entscheidung
steht unmittelbar bevor.
Der Diözesankonservator Johann Kronbichler erklärt nun, daß das Fresko kein
großes Kunstwerk sei. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Auch Bischof Klaus Küng könne dieses
letzte Wort sprechen.
Kronbichler ergänzt, daß er nicht sagen könne, ob der Bischof „es wollen wird“.
Die Entscheidung, ob das Fresko bleiben darf, fällt laut der ‘Presse’ noch im Januar.
Es sind Gespräche
zwischen dem Bundesdenkmalamt, der Diözese und der Rektoratskirche angesetzt.
Zusätzlich sieht sich
der Kirchenrektor mit einem Verwaltungsverfahren konfrontiert, bei dem es um eine Summe von bis zu 50.000
Euro gehen könnte:
Sein letztes Wort: „Wenn ich gezwungen werde, das Bild zu entfernen, werde ich das
auch tun.“
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