Heilig? Dennoch ein Wunder?
Vor Weihnachten machten Stimmen die Runde, daß der Vatikan eine Abschaffung der „anachronistischen“ Wunderklausel für Selig- und Heiligsprechungen plane. Jetzt hat ein Vertreter der Kongregation für die Heiligsprechungen erklärt, daß ihm persönlich keine Anstrengungen bekannt seien, um diese Regelung zu ändern.

Vor rund zwei Wochen schrieb die Londoner Tageszeitung „The Times“, daß der Präfekt der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, gegenwärtig an einer Vorlage arbeite, welche die Notwendigkeit eines Wunders bei einer Selig- oder Heiligsprechung abschaffen wolle. Man betrachte dieses Erfordernis in vatikanischen Kreisen als „veraltet“, schrieb der Bericht.
„Gnadenerweise und Wunder waren“, so Mons. Sarno, „immer Teil des Heiligsprechungsprozesses.“ Verändert hätten sich im Laufe der Jahrhunderte nur die Anforderungen bezüglich ihrer Zahl und Art sowie die Mittel, wie die Wunder geprüft und als übernatürlich bestätigt würden.
„Ob ein Wunder für eine Selig- oder Heiligsprechung zwingend sein soll, ist Gegenstand einer anhaltenden theologischen Diskussion.“ Mons. Sarno fügte hinzu, daß er von keinen formalen Vorschlägen wisse, welche die Absicht hätten, die gegenwärtige Praxis zu ändern.
Zur Zeit sei für eine Seligsprechung ein Wunder und für die Heiligsprechung ein weiteres nötig. Diese Forderung könne kirchenrechtlich geändert werden, aber die Kirche habe immer darauf bestanden, daß kanonisierte Heilige als ein würdiges Vorbild dienten und bei Gott Fürsprache hielten, meinte der langjährige Mitarbeiter der Römischen Kurie.
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