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Donnerstag, 4. Januar 2007 18:06
Zivilreligiöser Holocaust-Glauben
Nach Ansicht des emeritierten Bischofs von Hildesheim, Mons. Josef Homeyer, hat das Bekenntnis zum Holocaust heute einen gleichen oder ähnlichen gesellschaftlichen Stellenwert wie das Bekenntnis zu Jesus Christus in der Taufe. Von Leo G. Schüchter.
Mons. Josef Homeyer, von 1983 bis 2004 Bischof von Hildesheim
Mons. Josef Homeyer, von 1983 bis 2004 Bischof von Hildesheim
(kreuz.net) Für Juden sei noch 1825 die christliche Taufe das „Entreebillet“ zu der aufgeklärten europäischen Gesellschaft gewesen- wie Heinrich Heine († 1856) damals schrieb. Heute sei „die Anerkennung des Holocaust zur europäischen Eintrittskarte geworden“.

Der Bischof selbst hebt das „nationalsozialistische Verbrechen“ in transzendente Dimensionen, indem er die Einzigartigkeit des „deutschen Verbrechens“ als „einzig in seinem unergründlichem Bösen“ charakterisiert.

Aber auch Frankreich habe nach den Worten des früheren Ministerpräsidenten Raffarin als „Komplize der Schändlichkeit ewige Schuld auf sich geladen“.

Vom staatlich gepflegten und geförderten Holocaust-Gedächtnis wird eine entsühnende und erlösende Wirkung vom Bösen der Nazizeit erwartet – hin zu einer Zivilisation der reinen Humanität.

Das Bekenntnis zum Holocaust sei der Weg und der Maßstab „für die wiedergefundene Humanität des europäischen Kontinents“.

Wer will nach diesen Worten eines waschechten katholischen Bischofs noch daran zweifeln, daß das Holocaust-Gedächtnis als eine neue politische Zivilreligion propagiert und missioniert wird?

Das nationalsozialistische Gewaltregime hat während seiner Herrschaftszeit einer Reihe von Menschheitsverbrechen organisiert und begangen:

Es begann 1935 mit der Ermordung von ca. 30.000 ungeborenen Kindern, bei denen lebensunwerte Behinderungen vermutet wurden. Später brachten nationalsozialistische Schergen ca. 100.000 Kinder von Ostarbeiterfrauen um – vor und nach der Geburt.

Mit Datum vom 1. September 1939 – Kriegsbeginn – ordnete Hitler die Ermordung von behinderten, „lebensunwerten“ deutschen Staatsbürgern an – 140.000 Opfer waren es bei Kriegsende.

Mit und seit dem Polenkrieg ließ der nationalsozialistische Terrorstaat mehr als 3,5 Millionen slawische Polen umbringen, die zivilen Opfer des Nationalsozialismus im sowjetischen Völkergefängnis sowie der Balkan-Völker gehen auf viele Millionen hinaus.

Schließlich versuchte der rassistische Terrorstaat, alle Glieder des Volks der Sinti und Roma auf europäischem Boden auszurotten – 500.000 Opfer im Ergebnis – sowie gleiches mit den europäischen Juden zu bewerkstelligen – 5,1 Millionen Opfer nach Raul Hilberg.

Diese genannten und weitere Opfergruppen des nationalsozialistischen Terrorstaates werden heute sehr selektiv bedacht und bewertet.

Vergessen und verdrängt, regelrecht tabuisierte werden die damals ermordeten ungeborenen Kinder.

Die passen nun gar nicht in die vorgebliche Lern- und „Erinnerungskultur“, wenn in diesem Staat seit 30 Jahren ca. 8 Millionen ungeborene Kinder mit gesetzlicher Schützenhilfe und staatlicher Geldunterstützung hingeschlachtet worden sind – und weiterhin getötet werden.

Schon eine Inbeziehungsetzung dieser Massentötung mit nationalsozialistischen Verbrechen bestraft die politische Klasse mit gesellschaftlich-politischer Ächtung.

Auch der Völkermord an den Sinti und Roma spielt in der politischen Gedenkkultur praktisch keine Rolle, wird regelrecht marginalisiert.

Das ist umso erstaunlicher, als dieses Menschheitsverbrechen qualitativ die gleichen Merkmale und Dimensionen hat wie der Völkermord an den europäischen Juden.

Man möchte nicht unterstellen, daß die extrem unterschiedliche Erinnerungskultur auf die bei den überlebenden Gruppen extrem unterschiedliche Geldmacht und damit politische Einflußfähigkeit zurückzuführen ist.

Sicherlich ist von Bedeutung, daß die Juden heute in und von einem eigenen Staat aus die Katastrophe der Schoah propagandistisch ausschlachten und weltweit fördern – die Sinti und Roma haben keinen eigenen Staat.

Aber das offizielle „Gedenken Israels an die Schoah und das Heldentum“ – „Jom HaSchoah“ – wird aus dem jüdischen Glauben heraus entwickelt und mit der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden.

Bei dem Schoah-Gedenktag in diesem Jahr zog Premierminister Ehud Olmert aus der Schoah und dem Zweiten Weltkrieg andere tagespolitische Lehren als unsere linksideologischen Politiker mit der Auschwitzkeule.

Für Olmert ist wichtig, daß „Beschwichtigung, Zugeständnisse und Schwäche“ auch heute noch zu Unfriede und Unfreiheit führen würden.

Man sieht: Dieses nationalpolitische Konzept von Erinnerung eignet sich weniger gut für eine Gedenkkultur außerhalb israelischer Kreise.

Für eine universalistische Erinnerungskultur haben die Organisationen von liberalen amerikanischen Juden vor 30/ 40 Jahren den Begriff und das Konzept des „Holocaust“ entwickelt.

Dabei geht es nicht um Helden, sondern um Opfer, nicht um jüdischen Glauben, sondern um das jüdisch-stämmige Volk, nicht um Religionsgeschichte, sondern um historische Entwicklung des politischen Antisemitismus bis hin zum Faktum des Massenmordes an 5 bis 6 Millionen europäischen Juden.

Aber warum wurde für dieses historisch-soziologische Konzept ein religiöser Begriff gewählt? Was sollte bei der Zielgruppe von säkularisierten und vernunft-emanzipierten Menschen durch einen Religionsbegriff erreicht werden?

Das griechische Wort „holocaustum“ hat eine ausschließlich religiöse Bedeutung als „Ganzopferverbrennung“.

Mit der religiösen Benennung und Benamung sollte der Völkermord an den Juden grundlegend von den anderen Menschheitsverbrechen unterschieden werden wie dem Genozid an den Sinti und Roma, den Armeniern, den Indianervölkern etc:

Der Judenmord sei ein transzendentes Ereignis, ein eschatologisches Drama, die Geschichte umfassend und übergreifend, Unheil und Heil der Menschheit auslotend.

Darin bestehe die Einzigartigkeit, die wiederum in der Einzigartigkeit des jüdischen Volkes begründet liege – so Elie Wiesel.

Im Leiden der Juden fokussiere sich alles Leiden und alles Böse der Weltgeschichte, im Gedächtnis an dieses Leiden und Sterben der Juden würden alle Menschen hineingenommen in den Heilsweg zu einer neuen Humanität einer geläuterten Menschheit.

Mit der „Gründung des jüdischen Staates“ (Olmert) sei das jüdische Volk nach dem Versuch seiner Auslöschung stärker und strahlender wiedererstanden als je zuvor.

Man sieht: Die zivilreligiöse Deutung des historischen Genozids an Millionen Juden als ein Ganzopfer-Holocaust in universalistischer Dimension ist der christlichen Erlösungslehre von Leiden, Opfertod und Auferstehung Christi nachgebildet und soll sie ablösen.

„Wenn Auschwitz wahr ist“, sagt der Schoah-Produzent Claude Lanzmann, „dann gibt es ein menschliches Leiden, das sich mit jenem Christi überhaupt nicht auf eine Stufe stellen läßt. In diesem Fall ist Christus falsch – und nicht von ihm wird das Heil kommen.“

Offensichtlich ist die Ganzopfer-Holocaust-Zivilreligion eine antichristliche Ersatzreligion für angeblich aufgeklärte Menschen und Zeiten.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 84 Lesermeinungen:
Dienstag, 3. April 2007 12:22
Armenius: Mysterium
nachdem ich Elie Wiesels Buch gelesen habe stellte sich mir nur ein Mysterium: warum zog er, als er vor die freihe Wahl gestellt wurde, es vor mit der SS ins Reich zu ziehen statt auf die rote Armee zu warten…
Wenn Europa auf so schwachem Sand gebaut werden soll wird es wohl außer ein paar armseligen Ghettos nichts tragen können – oder ist das der Sinn der Übung?
Sonntag, 11. Februar 2007 16:50
Krokodil †: @ sozialkatholisch
„Den Gedanke ein öffentliches Mahnmal für die röm/kath Opfer des Nationalsozialismus zu errichten find ich gut.“

Ja, dem stimme ich genauso zu wie dem hier:

Ein Mahnmal für…

… die Millionen Opfer der Kirche“
Donnerstag, 8. Februar 2007 15:59
GerdEric: @ Sozialkatholisch
die Sinti und Roma wurden nicht ermordet, weil sie Katholiken waren, jedoch hat die katholische Kirche hier ihre Schäfchen im Stich gelassen (ein „schönes“ Bild, wenn man bedenkt, dass durchaus katholische Kreise mit Hitler ein „Spiel“ um den Gewinn (?) trieben (ihr Einsatz bitte!).
Dass Überlebende der Schoa für das Gedenken ihrer Opfer Sorge tragen, ist lobenswert,
tadeln muss man die, die ihre Glaubensbrüder und Glaubensschwestern unter den Sinti und Roma vergessen,
das ist der Punkt!
dass Katholiken ihre katholischen Brüder und Schwestern unter den Sozialisten und Kommunisten (auch die gab es) einfach als „Gottlose Gesellen“ abtaten und somit sich keinerlei Verantwortung bewusst waren (ihre Verantwortung leugneten) …, ist mehr als eine Schande, es ist eine Sünde vor G’TT!
auf die Idee kämen Juden nicht.

MfG
Gerderic
Donnerstag, 8. Februar 2007 14:48
Sozialkatholisch: @ Gerd Eric
Den Gedanke ein öffentliches Mahnmal für die röm/kath Opfer des Nationalsozialismus zu errichten find ich gut.
Donnerstag, 8. Februar 2007 14:44
GerdEric: Das Gedenken der Sinit und Roma
haben wohl die Vertreter des katholischen Kirche verpasst einzufordern, denn Sinti und Roma waren (und sind wohl auch noch heute) zumeist Katholiken…

Auch der Völkermord an den Sinti und Roma spielt in der politischen Gedenkkultur praktisch keine Rolle, wird regelrecht marginalisiert.

Einzig reicht es hier, dies anderen anzulasten. Die katholische Kirche und ihre Organe haben durch aus das Recht, hier Gedenken einzufordern, warum sie es nicht ausreichend tuen…?

PS.: Die Verfolgung begann 1933, als unter dem Beifall auch der Christen, nicht nur der Deutschen Christen (das sind die mit dem braunen Gedankenschlecht), Sozialisten und Kommunisten zusammen getrieben wurden und brutal misshandelt wurden.
So hielten die aus Baiern angereisten NS-Schläger vor ihrem Pogrom einen Gottesdienst in der katholischen Kirche von Zossen ab…
Freitag, 26. Januar 2007 03:53
Sulpicius: Insrael hat angeblich kein Geld für die eigenen Opfer
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