Im Irrenhaus der deutschen Kirche
Bei einem Hamburger Vortrag des Theologen Hw. Herbert Vorgrimler stellte ich eine Frage. Von Dipl.Ing. Leonhard Hoffmann, Hamburg.

So überschrieb der Informationsdienst ‘kath.net’ Ende Oktober eine Rezension des Kölner Theologen David Berger über das jüngste Buch des Münsteraner Theologen Hw. Herbert Vorgrimler „Theologie ist Biographie. Erinnerungen und Notizen“.
Das Buch umfaßt gegen 400 Seiten und ungefähr 800 Namensnennungen.
Originalton des Verlages: „Herbert Vorgrimler gehört zu den großen deutschen Theologen, welche die Ära nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt haben“.

Die Biographie von Daniel Deckers über Kardinal Karl Lehmann ist ebenfalls geeignet, Bergers Ausführungen zu Vorgrimler zu beleuchten. Dieses Werk wurde im Jahr 2004 vom Verlag Knaur als Bestseller gepriesen. Jetzt wird es verramscht.
Auf Seite 10 der Taschenbuchausgabe geht es um die Ernennung des Bischofs von Mainz zum Kardinal:
„Ein schlechter Scherz? Zu oft schon war Lehmann, seit fast zwanzig Jahren Prellbock zwischen Rom und der deutschen Kirche, übergangen worden. Zu sehr waren er und mit ihm die meisten deutschen Bischöfe von Papst und Kurie in dem jüngsten Konflikt, dem Konflikt über die Konfliktberatung, gedemütigt worden.“
Gedemütigt? Was ist eigentlich die „deutsche Kirche“?
Diese „deutsche Kirche“ zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, daß sie Bischöfe im Regen stehen läßt, die verständlich und katholisch lehren oder vor Politikern und Medien nicht schweigen.
Die „deutsche Kirche“ ist auch die ‘Königsteiner Erklärung’ – jener Aufstand gegen die Enzyklika ‘Humanae Vitae’, die im Juli 1968 von Papst Paul VI. veröffentlicht wurde.
Es folgte in Deutschland eine beispielslose Bevölkerungsimplosion.
Immerhin bemühen sich gegenwärtig gläubige und gebärfreudige Türkinnen diesem Problem abzuhelfen.
Die „deutsche Kirche“, das sind die mehr als 200 Professoren aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden, die in den 80er Jahren die sogenannte ‘Kölner Erklärung’ unterschrieben: „Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität“ – hieß es damals.
Die „deutsche Kirche“ war auch ein Segen für die Diözese Münster, die bis zum Konzil als „schwarz“ verschrien war.
Dieser Segen trat 1961 mit einer sportlichen, jungen Theologiestudentin in Erscheinung, die bevorzugt mit einer Vespa unterwegs war: Sigrid Loersch (1936-1995).
Wenige Jahre später zog Hw. Vorgrimler, seit 1971 in sicherer Professorenstelle, mit ihr – ausdrücklich nicht als Haushälterin – in eine gemeinsame Wohnung, die Ihnen der bekannte Theologe Hw. Johann Bapitist Metz besorgt hatte.
„Sigrid war ein Segen für Herbert, ein Segen für die Fakultät, ein Segen für uns alle“ – zitiert Hw. Vorgrimler seinen Freund, den Bischof von Münster, Mons. Reinhard Lettmann, anläßlich des Requiems für sie im Jahr 1995.
Zwei Jahre zuvor hatte Frau Loersch noch die Festschrift zum 60. Geburtstag des Bischofs herausgegeben.
Innerhalb der Universität sorgte Sigrid dafür, daß Hw. Vorgrimler in wichtige Berufungskommissionen gelangte und so die Theologische Fakultät endgültig umstrukturieren konnte.
Stolz bemerkt Hw. Vorgrimler, daß die Fakultät am Ende seiner Amtszeit im Jahr 1994 „geeint und einig“ war: „Es gab keine Fraktionen mehr“.
Persönlich kam ich am 5. März 2004 – am Vorabend des 100. Geburtstages des Konzilstheologen Pater Karl Rahner – mit Hw. Vorgrimler in Kontakt.
Hw. Vorgrimler war auf Einladung in die Katholische Akademie nach Hamburg gekommen, um sein hohes Lied über seinen Mentor zu singen.
Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke war Gastgeber.
Zu hören war das übliche: Man müsse heute zu den Leuten über Gott in einer Sprache reden, welche die Leute heute verstünden. Das hat Pater Rahner angeblich vermocht.
Im Plenum stellte ich dem Professor eine Frage:
Als man noch in alter Weise über Gott geredet hätte, wären die Kirchen voll gewesen. Nun rede man in neuer Weise über Gott, und die Kirchen leerten sich. Wie er sich das dann erkläre.
Weihbischof Jaschke schmunzelte. Hw. Vorgrimler sagte, er habe meine Frage nicht verstanden, wiederholte sie aber exakt.
Nach kurzer Pause meinte er: „Das können wir Theologen Ihnen auch nicht beantworten.“
Ich fragte zurück: „Wozu sind sie dann da?“
Es gab im voll besetzten Saal – meist Protestanten – schallendes Gelächter.
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Samstag, 10. März 2007 12:45
HarroMeyer: Keine Langeweile im Kirchenland.
Das ist eben das alte deutsche Problem, für alles Verständnis zu haben, was irgendwie systemkritisch daherkommt, und das dann auch noch geistigmoralisch zu untermauern. Dass es weltweit ein Mehrfaches an Menschen mit anderer Meinung gibt, wird denen geflissentlich als dummes Fehlverhalten angekreidet. Das ist die alte Überzeugung: „Am deutschen Wesen sollen alle genesen“.da hat sich seit dem Kaiser Wilhelm nichts geändert. Wollen wir mal sehen, wie die Kirche das hinbekommt.
Montag, 8. Januar 2007 01:39
waldemar hammel: Ich fürchte, der Titel
„Das Irrenhaus der deutschen Kirche“ greift zu kurz, es hieße richtiger wohl „Das Irrenhaus Kirche“ …
Sonntag, 7. Januar 2007 17:40
Daniel Stöhr: Quatsch
Das haben Sie mir schon einmal unterstellt, woraufhin ich ihnen den wahren Sachverhalt mitgeteilt habe. Deshalb muss ich sie mit Fug und Recht einen Verleumder nennen.
Sonntag, 7. Januar 2007 17:33
methusalix †: @Daniel Stöhr
Daniel Stöhr:
Aber würde nigthlight bitte noch mitteilen, wer ihn zum Richter über Konzilien und Päpste ernannt hat ?
Der hat sich seinen Glauben genauso wie Sie, nach Lust und Laune und Belieben zusammengestellt.
Sie suchen sich ja auch aus, was Sie glauben wollen und was nicht. Diese und jene Päpste (die sich nicht so nennen lassen dürfen, sagt der Chef) und diese und jene Konzilien haben Recht, die anderen, vor allem das II. Vaticanum, vollkommen unrecht. Was regen Sie sich also auf? Das machen alle, Sie eingeschlossen. Oder soll ich Ihren Post, in dem Sie das expressis verbis schreiben, noch mal vorkramen. Nur um Ihrer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen?
Aber würde nigthlight bitte noch mitteilen, wer ihn zum Richter über Konzilien und Päpste ernannt hat ?
Der hat sich seinen Glauben genauso wie Sie, nach Lust und Laune und Belieben zusammengestellt.
Sie suchen sich ja auch aus, was Sie glauben wollen und was nicht. Diese und jene Päpste (die sich nicht so nennen lassen dürfen, sagt der Chef) und diese und jene Konzilien haben Recht, die anderen, vor allem das II. Vaticanum, vollkommen unrecht. Was regen Sie sich also auf? Das machen alle, Sie eingeschlossen. Oder soll ich Ihren Post, in dem Sie das expressis verbis schreiben, noch mal vorkramen. Nur um Ihrer Erinnerung auf die Sprünge zu helfen?
Sonntag, 7. Januar 2007 17:00
Daniel Stöhr: nightlight lehrt ex catedra:
„Die Katholische Kirche ist nicht die allein seligmachende Kirche“
Na, jetzt wissen wir das wenigstens endlich: Sämtliche Konzilien und Päpste haben sich also geirrt.
Aber würde nigthlight bitte noch mitteilen, wer ihn zum Richter über Konzilien und Päpste ernannt hat ?
Na, jetzt wissen wir das wenigstens endlich: Sämtliche Konzilien und Päpste haben sich also geirrt.
Aber würde nigthlight bitte noch mitteilen, wer ihn zum Richter über Konzilien und Päpste ernannt hat ?
Sonntag, 7. Januar 2007 16:14
ultimo: Stimme aus Wien
Leider sind wir schon so weit, dass Exportkaufleute oft den größeren Hausverstand haben als Theologen. Die Inkulturation verzerrt die katholische Leere. Inkulturation geschieht automatisch und ist leider nicht zu vermeiden. Wenn man aber bewusst das Katholische mit heidnischen Symbolen vermischt, dann setzt das eine naive Trennung ovn Inhalt und Form voraus.Als würden sich nicht auch die katholischen Inhalte verändern mit den heidnischen Symbolen.
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