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Freitag, 5. Januar 2007 15:43
Grüße von Frankenstein
Ein Elternpaar hat kürzlich in den USA dafür gesorgt, daß ihre schwerbehinderte Tochter für immer eine Puppe bleiben wird. Der Fall ist bisher einmalig.
Ashley feiert im Kreis ihrer Familie Weihnachten 2006
Ashley feiert im Kreis ihrer Familie Weihnachten 2006
(kreuz.net, Seattle) Die neun Jahre alte Ashley ist 1,34 m groß und wiegt rund 34 Kilogramm.

Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Denn das Mädchen ist auf Wunsch der Eltern medizinisch entsprechend präpariert worden.

Ashley wohnt in der Gegend von Seattle – im Nordwesten der Vereinigten Staaten.

Sie leidet an den Folgen einer seltenen Gehirnerkrankung. Ashley wird deshalb nie stehen, gehen, sprechen oder ihren Kopf alleine halten können.

Vor drei Jahren ließen die Eltern – die noch zwei weitere Kinder besitzen – der sechsjährigen Ashley hohe Dosen des weiblichen Hormons Östrogens verabreichen.

Das Ziel bestand darin, bei dem Kind eine verfrühte Pubertät einzuleiten und ihr Wachstum zu stoppen.

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Ohne die Hormonspritzen wäre Ashley – nach ärztlichen Schätzungen – 1,67 Meter groß und knapp 57 Kilogramm schwer geworden.

Im Jahr 2004 entfernten Chirurgen ihr außerdem die Gebärmutter, die Brüste und den Blinddarm. Damit wird Ashley für immer den Körper eines Kindes besitzen.

Die zwei Ärzte, die Ashley bearbeiteten, berichteten im letzten Herbst in der medizinischen Fachzeitschrift ‘Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine’ über den Fall.

Am Neujahrstag traten auch Ashleys Eltern an die Öffentlichkeit, um ihr Tun zu rechtfertigen.

Auf einem eigens eingerichteten Weblog legten sie ihre Gründe für den Eingriff an ihrer Tochter dar.

Die Eltern nennen ihr behindertes und inzwischen in seiner Entwicklung gestopptes Kind ihren „Kopfkissenengel“.

Ashelys Mutter erklärt, sich wie bisher um Ashley kümmern zu wollen: sie tragen, baden, wickeln, ihr Musik von Andrea Boccelli vorspielen, mit ihr auf Reisen fahren.

Eine ausgewachsene Ashley hätte diesen Traum zunichte gemacht.

Die Eltern erklären auch auf der Webseite, die Eingriffe an ihrer Tochter nicht aus eigener Bequemlichkeit durchgeführt zu haben, sondern um die Lebensqualität des Mädchens zu erhöhen.

Die Brüste seien entfernt worden, damit Ashley beim Liegen keine Behinderung spüre.

Nach der Entfernung der Geschlechtsmerkmale könne sie kein Opfer sexueller Übergriffe werden.

Das Ausbleiben der Menstruation sei ein weiterer Vorteil.

Den größten Vorteil sehen die Eltern darin, daß der Alltag leichter werde:

„Indem Ashley klein und leicht bleibt, hat sie die Chance, auf mehr Hilfsbereitschaft Dritter zu stoßen.“

Sie könne auch als Erwachsene noch leicht getragen werden.

Die Eltern wehren sich gegen die Kritik, ein „Frankenstein-Baby“ geschaffen zu haben, das auf ewig ein würdeloses Neutrum bleibe.

„Gott würde es wollen, daß unsere Tochter die für sie höchstmögliche Lebensqualität erfährt und alle nur denkbaren Möglichkeiten erhält“ – schreibt der Vater auf seinem Weblog.

Nach Ansicht der Eltern wäre es grotesk, einen Menschen mit dem geistigen Zustand eines Säuglings im Körper einer fruchtbaren, ausgewachsenen Frau leben zu lassen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 19 Lesermeinungen:
Sonntag, 7. Januar 2007 02:02
Gastus: @…
Ein körperlicher Eingriff bei einem behinderten Menschen, der nicht der Heilung oder Linderung dient, ist eine Körperverletzung.
Samstag, 6. Januar 2007 15:48
Wer den Wunsch nach „Lebensqualität“ für das Mädchen und seine Eltern so ganz allgemein als „unchristlich“ hinstellt, redet gewissenlos daher.Christlich hin, unchristlich her … Ashley wird Östrogen gespritzt, damit sie kindlich bleibt, Brüste und Gebärmutter wurden entfernt. Ashley soll nicht mehr wachsen und nicht mehr schwerer werden, damit die Pflege leichter ist. Für mich klingt das perfide.
Samstag, 6. Januar 2007 15:40
HansUrs: Ein wenig gruselig …
klingt das schon, aber mit Euthanasie hat es nichts zu tun, auch nicht mit dem gentechnischen Ideal des „optimalen Menschen“.

Die Intention der Ärzte war ja wohl offensichtlich, der Patientin unter den gegebenen Umständen der schweren Erkrankung ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen (dazu gehört auch die „Pflegbarkeit“ – wer sich hier leichtfertig das Maul über die Eltern zerreißt, sollte mal nachdenken!). Das ist Leidensminderung und entspricht damit dem ärztlichen Auftrag.

Ob es in diesem Zusammenhang erlaubt ist, so massiv in die Entwicklungsmöglichkeiten des Mädchens einzugreifen, ist eine moraltheologische Frage, die man diskutieren kann. Keineswegs liegt eine negative Antwort sozusagen auf der Hand.

Wer den Wunsch nach „Lebensqualität“ für das Mädchen und seine Eltern so ganz allgemein als „unchristlich“ hinstellt, redet gewissenlos daher.
Samstag, 6. Januar 2007 15:21
freddie schenk: Machbarkeitswahn
Das stammt wohl aus der „wir-basteln-uns-den-optimalen-Menschen-selber“ Ecke. So sieht also der Machbarkeitswahn aus. Himmel hilf!
Freitag, 5. Januar 2007 22:00
Lota: Euthanasie
Das ist eine besonders hinterhältige Form der Nazi-Euthanasie.
Freitag, 5. Januar 2007 21:42
deus_caritas_est: Frankenstein
Also da verschlägt es mir wirklich die Sprache
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