Polen
Informant ohne Informationen?
In Polen gibt es Anstrengungen, die Opfer der kommunistischen Kirchenverfolgung als Täter hinzustellen. Das jüngste Beispiel: der neue Erzbischof von Warschau.
Links: Mons. Stanislaw Wielgus
Rechts: In polnischen Medien veröffentlichte Verpflichtungserklärung des Erzbischofs gegenüber dem kommunistischen Geheimdienst
Links: Mons. Stanislaw Wielgus
Rechts: In polnischen Medien veröffentlichte Verpflichtungserklärung des Erzbischofs gegenüber dem kommunistischen Geheimdienst
(kreuz.net) Trotz massiver Vorwürfe an seine Adresse hat Mons. Stanislaw Wielgus (67) am Freitag sein Amt als Erzbischof von Warschau übernommen.

Mons. Wielgus wurde im Juni 1962 für die Diözese Lublin zum Priester geweiht. Er war viele Jahre Philosophieprofessor an der Katholischen Universität Lublin. Von 1989 bis 1998 amtete er als deren Rektor.

Im Mai 1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof der zentralpolnischen Stadt Plock – ausgesprochen: Puótsk.

Polnische Medien behaupteten vor Weihnachten, über Dokumente zu verfügen, aus denen eine „bewußte Geheimdienstarbeit“ von Mons. Wielgus hervorgehe.

Sicher ist nur, daß Mons. Wielgus im Jahr 1973 für den kommunistischen Geheimdienst eine Verpflichtungserklärung unterschrieb, um einen Reisepaß für ein Studium in München zu erhalten.

Mons. Wielgus wies Vorwürfe zurück, Mitbrüder ausspioniert zu haben. In seiner Geheimdienstakte gebe es viele Falschinformationen.

Er hat sich allerdings selber in eine unangenehme Lage gebracht, nachdem er Kontakte mit der kommunistischen Geheimpolizei zunächst abgestritten hat.

Der Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Hw. Jozef Kloch, erklärte, daß es in den Akten der Geheimpolizei keine Beweise, sondern nur Darstellungen von kommunistischen Agenten gebe, die von einer konkreten Zusammenarbeit reden.

Die staatliche historische Kommission des polnischen Ombudsmans Janusz Kochanowski stellte in einer Erklärung fest, daß die Dokumente „keinen Zweifel“ zulassen, daß Erzbischof Wielgus ein „Informant des Geheimdienstes“ war.

„Aber die Dokumente sagen nicht aus, was diese Person wirklich gemacht hat. Es gibt Anweisungen und Befehle aber keine Berichte über die Ausführung“ – erklärte Andrzej Paczkowski, ein Mitglied der Kommission.

Der ehemalige kirchliche Vorgesetzte von Mons. Wielgus – der emeritierte Erzbischof Boleslaw Pylak von Lublin (85) – bezeichnete Mons. Wielgus in einem Fernsehinterview als „Mensch aus Glas“.

Für die Unschuld von Mons. Wielgus verwette er seinen Kopf.

Der ehemalige Rektor der Katholischen Universität Lublin, Hw. Andrzej Szostek, stellte fest, daß Mons. Wielgus den kommunistischen Schergen nur berichtet habe, was ohnehin allgemein bekannt gewesen sei.

Die liturgische Amtseinführung des neuen Erzbischofs findet am Sonntag in der Kathedrale in Warschau statt.
      
19 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#19   wickerl   15:42:40 | Montag, 8. Januar 2007
Wer einem Geheimdienst beitritt
Wer einem Geheimdienst beitritt der kommt nich so ungeschoren davon, darauf wird Wert gelegt dass sich jeder schmutzig macht. Und Geheimdienste lassen sich auch nicht pflanzen!
Redaktion benachrichtigen
#18   waldemar hammel   01:36:33 | Montag, 8. Januar 2007
Keine Aufregung bitte,
ich mache den Bischofsjob in Polen gerne, denn er ist sehr gut dotiert, verspricht Macht und Einfluss und vielerlei außergeistliche Vergnügungen dazu.
Und das bisschen Predigen von immer alten Litaneien, das mach ich ganz nebenbei – wozu sonst bin ich Hobbyschreiber und -Redner?
Ich bin auch nicht vorbelastet, war nie beim Geheimdienst, nicht beim Militärdienst, trinke nichtmal Messwein (nur Messkaffee als neue liturgische Erfindung), und Lateinisch, Spanisch, Portugiesisch, Englisch kann ich auch.
Ich bin auch flexibel und mache, je nach Wunsch, alte Messen, oder neue oder ganz neue, vielleicht selbsterfundene, wo man beim Predigen und Zuhörenmüssen zB Kaffee trinken und Tabak rauchen darf- und „Wind ins Glaubenssegel“, das krieg ich auch hin, denn Polen liegt ja nicht in den „Rossbreiten“. Und notfalls muss halt noch eine Zeitlang mit dem Glaubensschiff vorgespannten Barkassen gepullt werden, bevor ich das Glaubensschiff soweit hab, dass ich „Klar Schiff zum Gefecht“ anordnen kann („Herr Kardinal-Staatsekretär, wir wollen Feuer eröffnen, lassen Sie bitte die Segenssprüche der Luv-Seite jetzt laden und ausrennen!“)
Das einzige Problem: Ich bin schlank (1,84 bei 75 kg)und brauchte neue Bischofskleider, da mir die vorhandenen Feist- und Rollmops-Gewänder (1,60 bei 180 kg Bischof-Standard) leider nicht passen.
Aber das ist ja nur eine Petitesse.
Ich bewerbe mich hier also ganz öffentlich um den Bischofsstuhl (und vor Allem natürlich um das einträgliche Amt)!
Redaktion benachrichtigen
#17   Sr. Maria Andrea †   19:45:21 | Sonntag, 7. Januar 2007
ATHANASIUS
sie sind ein grosser SCHMIERFINK! Soll ich Ihnen nich mehr zurufen?
Der jetzt zurückgetretne Bischof von Warschau ist bereits seit 1999 Bischof von P. Wenn es dann Unterlagen gegen ihn gibt, dann gab es die doch schon 1999! Nein? Schon zu Beginn seines bischöflichen Dienstes im Jahre 1999 – wo waren da die Stimmen, die jetzt laut werden?
Komische Welt…
Nochmals: ATHANASIUS sie sind ein Schmierfink!
Redaktion benachrichtigen
#16   Gotthard   13:52:29 | Sonntag, 7. Januar 2007
@Konrad
Da musst Du noch was warten, bis Deine Segenswünsche dem Warschauer Erzbischof übermittelt werden können …
Redaktion benachrichtigen
#15   Gunsenum   11:34:39 | Sonntag, 7. Januar 2007
ERZBISCHOF TRITT ZURÜCK
Hier die aktuelle Tagesschaumeldung!
www.tagesschau.de/…072_NAV_REF1,00.html
Redaktion benachrichtigen
#14   wickerl   11:06:13 | Sonntag, 7. Januar 2007
Nein so nicht!
Das hätte er früher offen legen müssen, und auch für ein Studium in München kann man so etwas nicht unterschreiben.
Redaktion benachrichtigen
#13   Fidei Defensor   00:57:48 | Sonntag, 7. Januar 2007
Sede vacante in Warschau!
Wielgus als williger Vollstrecker des atheistischen, kommunistischen Geheimdienstes ist nicht würdig den Warschauer Bischofssitz zu bekleiden. Viel eher sollte er mit der Strafe der Exkommunikation belegt werden. o^/
Redaktion benachrichtigen
#12   adoro te devote   23:52:29 | Samstag, 6. Januar 2007
Polen eben,
die Ernennung von Bischof Wielgus zum Primas bestätigt meine Beobachtungen und Schlussfolgerungen hinsichtlichen der katholischen Kirche in Polen. Wielgus ist durch seine nicht zwingend ehrenrührige aber doch latent opportunistische Haltung während des Kommunismus und seinem Eiertanz diesbezüglich in jüngerer Zeit schon zu Beginn seines Amtes viel zu verbrannt um einen starken Primas abzugeben.
Also wird es weiterhin einen einen faden Kurs der Kirche in Polen geben, dem vielleicht zwei Drittel der Menschen dort ein wenig abgewinnen können; anstatt das ein scharfer Kurs gefahren wird, dem nur ein Drittel folgt, der aber dem Glauben neuen Wind in die Segel blasen könnte.
Redaktion benachrichtigen
#11   Konrad   23:37:41 | Samstag, 6. Januar 2007
Da Gotthard gegen Wielgus ist
ist Konrad für ihn. Gott segne den neuen Erzbischof von Warschau!
Redaktion benachrichtigen
#10   Uwe Schmidt   22:02:43 | Samstag, 6. Januar 2007
Prof. Wielgus
war der Wunschkandidat von Prof. Ratzinger für den Primas Poloniae (Seelenverwandtschaft). Er gehört zum konservativen Radio-Maryja-Umfeld, ist also keineswegs liberal. Allerdings verwirft er auch das II. Vatikanum nicht – von daher gilt er Ihnen hier wohl als liberal…*kopfschüttel*
Redaktion benachrichtigen
#9   Gotthard   20:16:54 | Samstag, 6. Januar 2007
Rücktritt
in Deutschland könnte dieser Bischof mit solch eindeutigen Stasi-Beziehungen inkl. Verpflichtungserklärung weder Beamter noch Abgeordneter werden.
Er sollte als Bischof zurücktreten!!!!!!!!
Redaktion benachrichtigen
#8   Athanasius   16:50:35 | Samstag, 6. Januar 2007
@FideiDefensor
Es entspricht der Realität zu sagen, dass es sehr wahrscheinlich war, dass auch Karol Wojtyla irgendwie mit den Kommunistischen Behörden freundlich verbunden war. Er konnte frei Polen besuchen, vor 1978 frei ausreisen, seine Wahl wurde 1978 offiziell begrüsst. Natürlich hat er sich später entwickelt. Eine Beziehung zu Geheimdienstlern und einer komm. Regierung ist ja auch kein Akt des Glaubensabfalls an sich. Nur ein wenig opportunistisch. Ein gewisser Opportunismus war Johannes Paul II. nicht fremd. Das tut natürlich an seinen Verdiensten gegen den Kommunismus nichts ab, wenn auch ich glaube, dass der Abbau des Ostblocks eher mit internen Problems Russlands zusammenhing und mit gewissen Plänen von z.B. Gorbachev, die erst noch erfüllt werden müssen.
Ich glaube man sollte Mons. Wielgus richtig und ehrlich gegenüber stehen: er hat Beziehungen mit der Stasi Polens gehabt, ist aber kein Agent, kein Verräter von Leuten gewesen. Nur ein Opportunist. Er sollte jetzt nicht wegen Kontakte abgerechnet werden. Natürlich haben seine Lügen von der vorigen Woche seine Glaubwürdigkeit heftig geschädigt. Aber dennoch. Man sollte auch Verständnis haben. Diese Affäre erinnert mich an das bewusst kreierte Medienskandal um Mons. Hudal 1947 und 1955.
Redaktion benachrichtigen
#7   Fidei Defensor   16:41:48 | Samstag, 6. Januar 2007
Wer diesen Artikel hier benutzt, um seine
anti-polnischen Ressentiments loszuwerden, hat das Thema verfehlt. Und Johannes Paul den Grossen in die Nähe zur Kollaboration mit den Kommunisten stellen zu wollen, ist schlicht lächerlich.
Nun zu dem Thema – ich glaube, der kreuz.net Entlastungversuch von Mons. Wielgus geht ins Leere. Die Kollaboration ist allzu gut dokumentiert. Das ist kein würdiger Nachfolger des grossen polnischen Primas Stefan Kardinal Wyszinski.
Uberigens wohl auch kein Zufall, dass Mons. Wielgus dem liberalen Flügel angehört: einmal prinzipienlos, immer prinzipienlos!
Redaktion benachrichtigen
#6   kaszub   13:16:12 | Samstag, 6. Januar 2007
„Ein Spion als Papst“
Eine solche Verpflichtung von K. Wojtyla würde spätestens 1980-82 veröffentlicht: „Ein Spion als Papst“. Das Attentat wäre dann sinnlos. Das die Dokumente nicht vernichtet, sondern bis zum geeignetem Zeitpunkt aufbewahrt werden zeigt Beispiel von Mons. Stanislaw Wielgus.
Redaktion benachrichtigen
#5   Artois †   12:46:54 | Samstag, 6. Januar 2007
Polen 1973
Ich weilte im Jahre 1973 bereits zum vierten Mal als damals 18jähriger in Polen. Die im Vergleich zur DDR ungleich freiere und (im guten Sinne!!) liberale Athmospäre zog mich stark an und ich habe in den Jahren spätestens seit 1970 niemals Deutschfeindlichkeit oder völkische Voruteile erlebt. Daß man IM werden mußte um ein Visum zu erhalten ist auszuschließen. Die Kirche war viel zu mächtig in Polen, als daß sich die pln. Stasi derartiges hätte erlauben können.
De facto hatte die Kirche eigene Visabteilungen und entschied selbst, wer wohin zum Studieren gehen durfte und wann er zurück kehren mußte. Ich habe in den Jahren 1966 bis 1980 unzählige Male die total überfüllten Kirchen, die gewaltigen Demonstrationen kirchlicher Stärke gü. der recht schwachen kommu. Macht in Polen erlebt. Niemand in Polen, und übrigens letztlich auch niemand in der DDR, MUSSTE aus irgend einem Grunde mit der Stasi zusammenarbeiten. In der DDR wurde gerade echten Systemkritkern innerhalb der Kirche gern ein Visum erteilt, man war die Leute erst einmal los und manche kamen ja auch tatsächlich nicht wieder …
Redaktion benachrichtigen
#4   adlimina   12:42:05 | Samstag, 6. Januar 2007
Diener Gottes Karol Wojtyla
Dass es keine „Verpflichtungen“ gab, hat das Attentat wohl doch unüberbietbar belegt. Der Widerstand gegen die Amtsführung des Krakauer Erzbischofs (Nowa Huta!) ist nicht gerade ein Hinweis darauf, daß es einem da besonders leicht gemacht worden ist, katholischer Bischof zu sein. Es ist schäbig, diese beiden Personen und Dimensionen zu vergleichen und dadurch beschädigen zu wollen.
:-|
Redaktion benachrichtigen
#3   Gotthard   12:32:56 | Samstag, 6. Januar 2007
Skandal
Wer Informant des Geheimdienstes war, kann unmöglich Erzbischof von Warschau sein …
nach dem Eingeständnis kann jetzt nur der sofortige RÜcktritt erfolgen…
alles andere wäre ein Skandal!
Redaktion benachrichtigen
#2   möchtegern-kathole   11:47:31 | Samstag, 6. Januar 2007
@Gatte der Evelin
eine interessante Überlegung stellen Sie da an, allerdings hatte auch der Kommunismus „weichere“ Phasen, in denen trotz Mord&Totschlag die ausreise leicht war … z.B. vor dem Mauerbau. Die Sache wäre es aber wert, etwas beleuchtet zu werden.
Redaktion benachrichtigen
#1   Evelin   11:33:25 | Samstag, 6. Januar 2007
Und wo ist die Verpflichtungserklärung für Karol Wojtyla alias JoPaII?
Zitat aus dem Artikel: Sicher ist nur, daß Mons. Wielgus im Jahr 1973 für den kommunistischen Geheimdienst eine Verpflichtungserklärung unterschrieb, um einen Reisepaß für ein Studium in München zu erhalten.
Mit Nachdruck ist darauf hinzuweisen, dass die Geschichte 1973 spielt – 25 Jahre, nachdem Karol Wojtyla zum Studium in Rom weilte und ohne Schwierigkeiten von Polen ausreisen und wieder zurückkehren konnte. 1973 ist außerdem 20 Jahre nach Stalins Tod, in welcher die kommunistische Verwaltung in vergleichsweise geordneteren Bahnen verlief als zu Stalins Zeiten, zu denen in Polen überdies Bürgerkrieg herrschte (im Südosten gegen aufständische Ukrainer).
Zur Zeit, als Karol Wojtyla gemütlich in Rom studierte, wurden hunderttausende Volksdeutsche in Preußen, Pommern, Ost-Brandenburg und Schlesien umgebracht und Millionen vertrieben.
Und da glaubt irgendjemand, dass Karol Wojtyla am Höhepunkt von Stalins Macht ohne Verpflichtungserklärung wie Bischof Wielgus (25 Jahre später!) in Rom studieren und auch wieder nach Polen zurückkehren konnte? Nur Illusionisten und „Santo-subito-Ideologen“ können das glauben.
Der Gatte der Evelin
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
PolenChristus, König der Parlamente PolenPolen in der Krise PolenKollaborateure im Klerus? PolenDie Polen haben seine Wahl geahnt PolenPolnische Priesterexporte PolenDie Nase voll von den Christdemokraten PolenZum Glück sind die Polen nicht moslemisch PolenAbgesetzt PolenKommunistenjagd als Vorwand für die Förderung von Kirchenhaß? PolenWas hat die Polnische Bischofskonferenz gegen Statuen von Johannes Paul II.? PolenEine Nation kommt zum Stillstand PolenDie engste Garde um Johannes Paul II. verläßt den Vatikan PolenEine Nation im Gebet PolenGanz Polen auf den Knien
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net