19:42:15 | Montag, 15. Januar 2007
Gott ist im Lehrplan für katholische Religion in Hessen jemand, der modernen gesellschaftlichen Bedürfnissen und Befindlichkeiten entspricht. Von Hubert Hecker.

Sakramentenleere: Heute lernt man im Religionsunterricht eher, den Leib gesund zu ernähren als die Seele
(kreuz.net) Anläßlich des jüngsten Ad-limina-Besuchs sprach der Papst vor den deutschen Bischöfen
auch über den Religionsunterricht.
Benedikt XVI. mahnte an, die Lehrpläne für den Religionsunterricht
am Katechismus der Katholischen Kirche auszurichten.
Das Ziel bestehe darin, den Schülern den ganzen
Glauben und Lebensvollzug der Kirche zu vermitteln.
In der Vergangenheit sei der Inhalt der Katechese
gegenüber den didaktischen Methoden nicht selten in den Hintergrund gedrängt worden.
Diese Einschätzung
verharmlost noch den dramatischen Glaubensverfall, der in den schulischen Religions-Lehrplänen festgeschrieben
und im Religionsunterricht betrieben wird.
Denn durch neue didaktische Strategien sind die Inhalte der
Glaubenslehre völlig verändert worden.
Die Würzburger Synode (1971-1975) verordnete eine strenge Trennung
zwischen „Gemeinde-Katechese“ und „schulischem Religionsunterricht“.
Bei der Sakramentenkatechese in
der Gemeinde seien der katholische Glaube und die kirchliche Lehre missionarisch zu vermitteln und einzuüben.
Dagegen solle der Religionslehrer seinen Schülern nur Anleitungen zur Reflexion von Texten und Erfahrungen
geben.
Diese sogenannte Korrelationsdidaktik will menschliche Erfahrungen mit der biblischen Offenbarung
zusammenbringen – eben „korrelieren“.
Das Ergebnis: eine christentümelnde Zeitgeistreligion mit biblischer
Färbung.
Von der Offenbarungsreligion, welche die Kirche im Depositum fidei bewahrt und verkündet,
blieb wenig übrig.
Das läßt sich am aktuellen Lehrplan Katholische Religion (Gymnasium) für das Land
Hessen zeigen.
Der Plan wurde vom Bischof von Limburg, Mons. Franz Kamphaus, sowie von den Bischöfen
aus Fulda und Mainz genehmigt.
Schon in der 5. Klasse wird der Anfang der Bibel verdreht.
Den Kindern
wird die gefallene Schöpfung vorenthalten. Die Dornen und Disteln des verfluchten Ackerbodens, die Katastrophen
und Brüche von Natur und Schöpfung bleiben ausgeblendet.
Sünde und Sündenfall des Menschen verdrängen
die Macher des Lehrplans auch im Curriculum der 9. Klasse, wenn es um die Schöpfung geht.
Dahinter steht
die Irrlehre, daß der Mensch Gutsein, Heil und Erlösung ohne Gnadenhilfe und aus eigener Kraft erwirken
könne.
Man biedert sich der modernen Anthropo-Ideologie von Rousseau an.
Diese verkündet, daß die
menschliche Natur keine Schwäche zum Bösen und keine Neigung zur Sünde besitzt – sondern alle menschlichen
Anlagen einfach „gut“ seien.
Doch wenn die Abkommen Adams einfach „gut“ sind, ist auch kein zweiter Adam
notwendig, der die Erlösung bringt.
In der Unterrichtseinheit „Jesus von Nazareth“ für die 5. Klasse
kommen die Begriffe Messias oder Christus nicht vor.
Alle biblischen Aussagen, die Christus als Sohn
Gottes bezeugen, werden ausgeblendet.
Vor diesem Arianismus hatte erst kürzlich Kardinalstaatssekretär
Tarcisio Bertone gewarnt.
Nach dem Hessischen Lehrplan war Jesus allenfalls ein Mensch mit einer „besonders
innigen Gottesbeziehung“ – ein Kennzeichen aller Frommen der Kirche.
Die Sorge Jesu um „Arme, Kranke
und Ausgegrenzte“ sporne uns für „menschenfreundliche Umgangsformen in der Lerngruppe“ an.
Der Lehrplan
macht aus Christus den Prototypen eines Sozialarbeiters – der erste antike Streetworker sozusagen. Das
Reich Gottes wird zu einem sozial-integrativen Gesellschaftsprojekt.
Als Ergebnis offenbart sich die
Wahrheit, „daß man nicht an der Offenbarung der Erbsünde rühren kann, ohne das Mysterium Christi anzutasten“.
Das erklärt der Katechismus der Katholischen Kirche in Nr. 389.
Auch für die zentralen Lehrstücke
„Passion, Kreuzestod und Auferstehung“ ist nur Menschliches und Menschentrost angesagt.
Nach der Interpretation
der Lehrplanmacher zeigt der Tod Jesu – Zitat – die „grenzenlose Solidarität Gottes mit den Menschen“.
Unbezeugt bleiben der Erlöser Jesus Christus, der für uns Leib und Blut hingegeben hat, oder das Lamm
Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.
Die Passionsberichte sollen den Hessischen Schülern „Trost
und Hoffnung in schwierigen Lebenslagen“ vermitteln.
Die Auferstehung des Fleisches verkauft der Lehrplan
als „Auferstehung der Lebenden“.
Diese wird als innerweltlicher Impuls dargestellt, gegen „Ungerechtigkeit,
Widerstände und Unzulänglichkeiten“ vorzugehen.
Das seien „auferstehungsähnliche Erfahrungen mitten
im Leben“.
Weil die Erbsünde keine Rolle spielt und das Kreuz nicht erlöst, besitzen auch Taufe und
Eucharistie keine Heilswirkung.
Taufe und Firmung sollen in der Klasse 7 nur noch als „Symbole“ dargestellt
werden.
„Menschliche Erfahrung und Befindlichkeit“ sind das einzige Maß für die Auslegung des Gotteswortes.
Folglich präsentiert der Hessische Lehrplan den Gott Jesu Christi als einen Gott, der menschlich-gesellschaftlichen
Befindlichkeiten entspricht.
Der Autor des Artikels ist Fachlehrer für Katholische Religionslehre an
einer hessischen Schule.
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