13:05:53 | Samstag, 13. Januar 2007
Die Hauptlast der schulischen Sexualaufklärung übernimmt das Fach Biologie – und ist mit dieser Aufgabe überfordert. Von Lisa Abelin.

(kreuz.net) In den Sexualaufklärungs- richtlinien der deutschen Bundesländer ist die pädagogische Konzeption
der Sexualerziehung als „fächer- übergreifende Aufgabe“ unumstritten:
Den verschiedenen „Aspekten menschlicher
Sexualität kann nur eine multiperspektivische Betrachtungsweise gerecht werden“ – heißt es zum Beispiel
in den Hamburger Richtlinien zur Sexualpädagogik.
Am deutlichsten werden die fachspezifischen Schwerpunkte
im Saarland ausdifferenziert:
– „Der Biologieunterricht ermöglicht die sachlich-naturwissenschaftliche
Auseinandersetzung mit der Geschlechtlichkeit des Menschen.
– Der Religions- und Ethikunterricht behandelt
die sinnstiftenden und ethischen Aspekte.
– Der Sozialkunde- beziehungsweise Politikunterricht geht auf
die sozialen und rechtlichen Grundlagen des Geschlechts- und Familienlebens ein.
– Der mutter- und fremdsprachliche
Unterricht kann die Kommunikationsfähigkeit verbessern. Zum anderen ermöglicht er als Literaturunterricht
die Auseinandersetzung mit Liebe und Sexualität.
– Der Kunstunterricht bietet die Möglichkeit, erotische
und sexuelle Inhalte zu diskutieren beziehungsweise zu gestalten.
– Der Sportunterricht kann dazu beitragen,
das Bewußtsein der Schüler und Schülerinnen für ihre Körperlichkeit und die des anderen Geschlechts
zu entwickeln“ (Richtlinien-Erlaß Saarland Seite 4).
Diese Differenzierung mag einleuchten. Doch die
Aufteilung der menschlichen Sexualität, die „immer ganzheitlich erlebt wird“, wie die Richtlinie selber
erklärt, ist wenig durchdacht.
Bei jeder schulischen Behandlung soll neben dem Fachaspekt das Ganze
in den Blick genommen werden.
Die Probleme – oder vielleicht sogar das Dilemma – zwischen Fachaspekt
und ganzheitlicher Gesamtschau ergeben sich am deutlichsten im Fach Biologie.
Diesem Fach wird die Aufgabe
der schulischen Sexualaufklärung am umfassendsten zugeschrieben.
Im Bundesland Hessen werden in der
sechsten Klasse zwölf Wochenstunden zum Rahmenthema „Pubertät – nicht nur der Körper verändert sich“
unterrichtet.
In der neunten Klasse geht es um „Sexualität und Hormone“.
Der Theorie nach müßten
die Biologielehrer das Ganze der Sexualität in den Blick nehmen.
Diese Gesamtschau wird unter den Begriffen
Persönlichkeit, verantwortungsvolle Partnerschaft, Rücksichtnahme und sexuellen Mißbrauch angezielt,
während der Fachaspekt in den Inhalten der Lehrplans – Klasse 6 – zum Ausdruck kommt:
Geschlechtsmerkmale,
Zeugung, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt – die Themen Geburtenplanung und sexueller Mißbrauch sind
bereits als soziale und ethische Folgerungen und Problematisierungen anzusprechen.
Das Problem besteht
darin, daß sich aus der Biologie keine sozialen, ethischen und (grund-) rechtlichen Werte ableiten lassen.
Doch die Versuchung, eine solche Ableitung herzustellen, ist sehr groß.
Diese Tendenz zeigt sich auch
in verschiedenen Biologiebüchern.
Jedenfalls ist es eine Illusion, die Biologie der Geschlechtlichkeit
sozusagen wertfrei den Schülern vermitteln zu wollen.
Allein schon die Auswahl des Bildmaterials, aber
auch methodische und didaktische Entscheidungen konstituieren einen jeweils unterschiedlichen Unterricht.
Ob der Lehrer ein Anhänger des Hedonismus ist oder auf Ehe und Familie orientieren will, wird sich in
allen pädagogischen Prozessen, Formen und Inhalten niederschlagen.
So ist festzustellen, daß es nicht
nur in den einzelnen Bundesländern, sondern auch innerhalb eines Bundeslandes und sogar einer Schule
einen recht unterschiedlichen Biologie- oder Sexualkundeunterricht gibt.
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Pierre 08:37:51 | Dienstag, 16. Januar 2007
#8
obelix † 20:07:00 | Samstag, 13. Januar 2007
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obelix † 18:43:13 | Samstag, 13. Januar 2007
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k_c 16:57:04 | Samstag, 13. Januar 2007
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Romulus 13:17:46 | Samstag, 13. Januar 2007