Sexualität
Orientierungslosigkeit im Sexualunterricht?
Die Hauptlast der schulischen Sexualaufklärung übernimmt das Fach Biologie – und ist mit dieser Aufgabe überfordert. Von Lisa Abelin.
(kreuz.net) In den Sexualaufklärungs- richtlinien der deutschen Bundesländer ist die pädagogische Konzeption der Sexualerziehung als „fächer- übergreifende Aufgabe“ unumstritten:

Den verschiedenen „Aspekten menschlicher Sexualität kann nur eine multiperspektivische Betrachtungsweise gerecht werden“ – heißt es zum Beispiel in den Hamburger Richtlinien zur Sexualpädagogik.

Am deutlichsten werden die fachspezifischen Schwerpunkte im Saarland ausdifferenziert:

– „Der Biologieunterricht ermöglicht die sachlich-naturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschlechtlichkeit des Menschen.

– Der Religions- und Ethikunterricht behandelt die sinnstiftenden und ethischen Aspekte.

– Der Sozialkunde- beziehungsweise Politikunterricht geht auf die sozialen und rechtlichen Grundlagen des Geschlechts- und Familienlebens ein.

– Der mutter- und fremdsprachliche Unterricht kann die Kommunikationsfähigkeit verbessern. Zum anderen ermöglicht er als Literaturunterricht die Auseinandersetzung mit Liebe und Sexualität.

– Der Kunstunterricht bietet die Möglichkeit, erotische und sexuelle Inhalte zu diskutieren beziehungsweise zu gestalten.

– Der Sportunterricht kann dazu beitragen, das Bewußtsein der Schüler und Schülerinnen für ihre Körperlichkeit und die des anderen Geschlechts zu entwickeln“ (Richtlinien-Erlaß Saarland Seite 4).

Diese Differenzierung mag einleuchten. Doch die Aufteilung der menschlichen Sexualität, die „immer ganzheitlich erlebt wird“, wie die Richtlinie selber erklärt, ist wenig durchdacht.

Bei jeder schulischen Behandlung soll neben dem Fachaspekt das Ganze in den Blick genommen werden.

Die Probleme – oder vielleicht sogar das Dilemma – zwischen Fachaspekt und ganzheitlicher Gesamtschau ergeben sich am deutlichsten im Fach Biologie.

Diesem Fach wird die Aufgabe der schulischen Sexualaufklärung am umfassendsten zugeschrieben.

Im Bundesland Hessen werden in der sechsten Klasse zwölf Wochenstunden zum Rahmenthema „Pubertät – nicht nur der Körper verändert sich“ unterrichtet.

In der neunten Klasse geht es um „Sexualität und Hormone“.

Der Theorie nach müßten die Biologielehrer das Ganze der Sexualität in den Blick nehmen.

Diese Gesamtschau wird unter den Begriffen Persönlichkeit, verantwortungsvolle Partnerschaft, Rücksichtnahme und sexuellen Mißbrauch angezielt, während der Fachaspekt in den Inhalten der Lehrplans – Klasse 6 – zum Ausdruck kommt:

Geschlechtsmerkmale, Zeugung, Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt – die Themen Geburtenplanung und sexueller Mißbrauch sind bereits als soziale und ethische Folgerungen und Problematisierungen anzusprechen.

Das Problem besteht darin, daß sich aus der Biologie keine sozialen, ethischen und (grund-) rechtlichen Werte ableiten lassen.

Doch die Versuchung, eine solche Ableitung herzustellen, ist sehr groß.

Diese Tendenz zeigt sich auch in verschiedenen Biologiebüchern.

Jedenfalls ist es eine Illusion, die Biologie der Geschlechtlichkeit sozusagen wertfrei den Schülern vermitteln zu wollen.

Allein schon die Auswahl des Bildmaterials, aber auch methodische und didaktische Entscheidungen konstituieren einen jeweils unterschiedlichen Unterricht.

Ob der Lehrer ein Anhänger des Hedonismus ist oder auf Ehe und Familie orientieren will, wird sich in allen pädagogischen Prozessen, Formen und Inhalten niederschlagen.

So ist festzustellen, daß es nicht nur in den einzelnen Bundesländern, sondern auch innerhalb eines Bundeslandes und sogar einer Schule einen recht unterschiedlichen Biologie- oder Sexualkundeunterricht gibt.
      
12 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#12   Pierre   08:37:51 | Dienstag, 16. Januar 2007
Gesünder
Diese Art Kindern den Umgang mit ihrer Sexualität näher zu bringen, ist auf jeden Fall gesünder, als das, was von der katholischen Kirche praktiziert wurde. Nach dem Motto: Selbstbefriedigung und das Vergeuden von Samen schädigt das Rückmark und macht schwachsinnig.
Diese Doktrien hat Millionen von psychisch kranken Kindern hinterlassen. Da ist mir die beschriebene Sexualaufklärung wesentlich sympathischer.
Redaktion benachrichtigen
#11   methusalix †   02:11:35 | Sonntag, 14. Januar 2007
Wider die Untergangspropheten!
Islam…friedliche…Religion…Haha: @Obelix
…Computerzocker und Drogensüchtige. Homos, Kinderschänder und Kindsabtreiber. Alles Vollidioten!
Wo sind heute die schlauen, begabten und genialen Köpfe? Wo sind die Mozarts und die Shakespeares?
Also wenn Sie eine Liste mit zeitgenössischen (cum grano salis!) Genies haben wollen empfehle ich Ihnen diese nobelprize.org/…bel_prizes/lists/all/ Adresse.
Heinrich Böll, Günter Grass, Günter Blobel, V. S. Naipaul, Elfriede Jelinek, Muhammad Yunus, etc. pp.
In der Musik wird es schwieriger, weil da das Schwergewicht doch auf Richard Wagner und Co. liegt, aber denken Sie doch mal an Carl Orff und Werner Egk, an Hans Werner Henze und Magnus Lindberg.
Ich Empfehle vor allem Carmina Burana von Orff und das Requiem von Henze.
PS: Wenn man alles so rabenschwartz und pessimistisch wie ein veritabler Weltuntergangsprophet sieht, fühlt man sich dann wirklich besser, weil man glaubt (oder schlimmer: weiss), dass man selbst so unheimlich fromm ist, dass einem beim jüngsten Gericht kaum was schlimmes passieren kann?
Redaktion benachrichtigen
#10   Islam…friedliche…Religion…Haha   00:01:46 | Sonntag, 14. Januar 2007
@Obelix
Die größten Denker und Lenker der Erde haben auch nicht gewusst was ein „Plasmid“ ist. Wir sehen ja, was für Menschen aus der Plasmidgeneration hervorgehen. Computerzocker und Drogensüchtige. Homos, Kinderschänder und Kindsabtreiber. Alles Vollidioten!
Wo sind heute die schlauen, begabten und genialen Köpfe? Wo sind die Mozarts und die Shakespeares?
Redaktion benachrichtigen
#9   Graf von Galen   23:01:45 | Samstag, 13. Januar 2007
Wider die Verführung der Jugend zur Unzucht, @ Neuevangelisation
Für die Erziehung Ihrer ? Kinder zuhause wünsche ich
Ihnen alles Gute und Gottes Schutz und Segen.
Redaktion benachrichtigen
#8   obelix †   20:07:00 | Samstag, 13. Januar 2007
Alleine die Tatsache, dass das hier…
Warum wissen Sie es denn nicht, dass homeschoolkinder
im Bereich der Geschlechtererziehung Kindern der öffentlichen Schulen dadurch vorraus sind, dass sie z.B.
auch gelehrt bekommen, dass auch die ganz normale Anti – Babypille auch frühabtreibend wirken kann.
…ihr wichtigster Stoff bei ihrer „Geschlechtserziehung“ ist, beweist, dass Ihre Kinder vollkommen unwissend, aus der Schule kommen.
Wissen die z. B. auch, ob man beim lieben währen der Menstruation schwanger werden kann?
Wissen die, was ein Plasmid ist?
Wissen diese Kinder…? Nein, sie wissen es nicht!
Also schwadronieren Sie hier bitte nicht von der hohen Qualität ihrer Klippschule. Sie lügen sich dabei selbst an.
Redaktion benachrichtigen
#7   Nanny Ogg   19:47:17 | Samstag, 13. Januar 2007

Woher wollen Sie denn wissen, dass homeschoolkinder immer bildungsmäßige defizite aufweisen, kennen Sie denn homeschoolkinder?
Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand. :-S
Wie kann ein Kind auf allen Gebieten geschult werden, wie auf einem Gymnasium? Wollen Sie Ihrem Kind Mathe oder Physik auf dem Niveau einer 12 Klasse beibringen, wenn Sie kein ausgebildeter Lehrer sind? Außerdem hat ein Kind anrecht darauf, auch unbequeme Sachen wie etwa die Evolutionstheorie zu erlernen. Natürlich besteht dann die „Gefahr“, dass das Kind ein anderes Weltbild entwickelt. Das wollen Sie auf jeden Fall unterbinden, nicht wahr? :-P
Und vor allem, wollen Sie ernsthaft Ihrem Kind soziale Kontakte vorenthalten? Auch das gehört zur Bildung und Sozialisation. Außerdem gibt es auch für Sie Alternativen, wie etwa kath. Schulen.
Ich versteh die ganze (doch arg konstruierte) Aufregung nicht.
Redaktion benachrichtigen
#6   Neuevangelisation   19:14:19 | Samstag, 13. Januar 2007
obelix
Woher wollen Sie denn wissen, dass homeschoolkinder
immer bildungsmäßige defizite aufweisen, kennen Sie denn homeschoolkinder?
Woher wollen Sie wissen, dass bei homeschooling keine Geschlechtserziehung stattfindet, natürlich im Einklang mit den Geboten Gottes?
Warum wissen Sie es denn nicht, dass homeschoolkinder
im Bereich der Geschlechtererziehung Kindern der öffentlichen Schulen dadurch vorraus sind, dass sie z.B.
auch gelehrt bekommen, dass auch die ganz normale Anti – Babypille auch frühabtreibend wirken kann. Das wird sogar auf den Beipackzetteln den Anwenderinnen verschwiegen.
Auf den ärztlichen Bewipackzettelön ist dies aber vermerkt. Lernen denn die Kinder der öffentlichen Schulen, dass es auf dem deutschen pharmazeutischen Markt es keine Kontrazeptiva gibt, die nicht auch frühabtreibend wirken?
Fehlende Sozialisation ist denen pauschal auch nicht vorzuwerfen. Ich durfte oft das Gegenteil erleben.
Redaktion benachrichtigen
#5   obelix †   18:43:13 | Samstag, 13. Januar 2007
@Neuevangelisation
Neuevangelisation: Homeschooling ein AuswegHomeschooling ist der einzig wirkliche Ausweg…
…wenn Sie doofe Kinder haben wollen. Immer wieder lese ich Beiträge, die diese Absicht aufzeigen. Immer wieder wird in diesen Beiträgen das „Curriculum“, soweit man davon bei diesen Klippschulen überhaupt sprechen kann, dadurch definiert, was die Kinder nicht wissen dürfen. Ein Unterricht aber, der diesen Namen verdient, definiert sich darin, die Kinder möglichst umfassend zu unterrichten und auf das Leben, auch mit seinen dunklen Seiten, vorzubereiten.
Anscheinend ist die Sexualität so eine dunkle Seite für die fundamentalistischen „Christen“, da sie diese unter allen Umständen von den Kindern fernhalten wollen.
Sie geben Ihre Kinder damit freiwillig dem Missbrauch preis und das ist Kinderschändung!
Kinder die nichts über ihre Sexualität wissen dürfen, ausser dass Sexualität (bis auf allerengste Ausnahmen) schlecht und sündhaft ist, sind im Leben blind und dem Verbrechen ausgeliefert.
Kinder die über keinerlei Fähigkeiten auf dem Gebiet der Naturwissenschaften verfügen, die eine „Sozialisation“ erleben die auf allerengstem Raum stattfindet, sind für das Leben, das sie später führen werden müssen, vollkommen unvorbereitet.
An eine höhere Bildung ist sowieso nicht im Traum zu denken, wenn Kinder so eine „Schulbildung“ „genossen“ haben.
Ein Beispiel: Als im Bundesstaat Kansas die Evolutionsbiologie vom Lehrplan gestrichen wurde, war die Reaktion der Ivy League prompt. Annahmesperre!
Redaktion benachrichtigen
#4   Nanny Ogg   17:21:19 | Samstag, 13. Januar 2007

Art. 6 Abs. 2 GG Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
Das Erziehungsrecht obliegt also den Erziehungsberechtigten (wie das Wort schon sagt).
Sollte eine staatliche Schule nicht in Ihr religiösbeschränktes Weltbild passen, dann schicken Sie Ihre Kinder halt auf eine christliche Schule. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Gestapomethoden… Wir neigen mal wieder zur Übertreibung… hmmm?
Redaktion benachrichtigen
#3   k_c   16:57:04 | Samstag, 13. Januar 2007
Von der Kirche getragene Schulen
„Homeschooling ist der einzig wirkliche Ausweg seine Kinder vor dem Zugriff des Hedeonismus zu bewahren.“
sollten also auch gleich geschlossen werden? :-P
Redaktion benachrichtigen
#2   Neuevangelisation   16:52:26 | Samstag, 13. Januar 2007
Homeschooling ein Ausweg
Homeschooling ist der einzig wirkliche Ausweg seine Kinder vor dem Zugriff des Hedeonismus zu bewahren.
Schlug nicht schon der Pharao den ausziehenden Israeliten
vor, ihre Kinder dazulassen.
Wie sehr es alle antichristlichen Ideologen auf die Kinder abgesehen haben lässt sich geschichtlich gut belegen,
nach der Vorgehensweise: Übe du nur deinen Glauben aus, aber die Kinder gehören uns. Schon pocht der deutsche Staat auf sein Erziehungsrecht, was er vogibt demokratisch erlangt zu haben.
Kinder, die erfolgreich die Schulsexualerziehung durchlaufen haben werden später kaum eine Ehe nach Gottes Geboten führen können, sondern zumeist sich nur in problematischen Beziehungen auzuhalten vermögen.
Die Entscheidung homeschooling zu betreiben soll und muss mit Gebet begleitet werden.
Die Auseinandersetzungen mit den Behörden reichen von stillschweigender Duldung bis hin zu Sorgerechtsentzügen
nach Methoden die an die Gestapo erinnern.
Auch eine Flucht ins Ausland muss hierbei einkalkuliert werden.
Redaktion benachrichtigen
#1   Romulus   13:17:46 | Samstag, 13. Januar 2007
Wie funktionert Unterricht?
… und sogar einer Schule einen recht unterschiedlichen Biologie- oder Sexualkundeunterricht gibt.
Der Unterricht hängt nicht nur vom Lehrplan, sondern von der Klassensituationund der Lehrerpersönlichkeit ab. Das ist übrigens in allen Fächern so.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
SexualitätÜbersexualisierte Gesellschaft SexualitätNobel statt Nabel SexualitätDie Eltern besitzen mehr Rechte, als sie glauben SexualitätSind alle sexuellen Triebe gut? SexualitätDie Rache ist schon unterwegs SexualitätSex und Verstand sind umgekehrt proportional SexualitätAufwachen aus der sexuellen Umnachtung? SexualitätHalbe Kinder, verfallen ihrem Sexualtrieb SexualitätIst eine befruchtete Eizelle Biomasse? Home-Schooling„Made in Germany“ – ein Label für Ramsch aus einem Billiglohnland? SexualitätWie leidenschaftlich muß eine 14jährige sein? Home-SchoolingEinzelunterricht ist etwa 400% effektiver als die Schulpauke Schundblatt ‘Bravo’Fünfzig Jahre zuviel Sexualität„Habt ihr denn keine weiteren Fragen zur Sexualität?“ SexualitätWas kann die Schule in der Sexualerziehung wirklich leisten?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net