19:17:08 | Dienstag, 9. Januar 2007
Die Frage lautet: Hat der Heiland sein Leben nur für die Schafe oder für die ganze Welt – die reißenden Wölfe eingeschlossen – hingegeben?
(kreuz.net) Der deutsche Pater Michael Wildfeuer lieferte kürzlich eine systematische Begründung für
die Übersetzung von „pro multis“ mit „für viele“.
Sein Artikel erschien auf der Webseite der Organisation
‘Pro Missa Tridentina’ und auf dem
Portal zur katholischen Geisteswelt.
Der Geistliche ist ein exklaustriertes
Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Christus ist – „Gott sei Dank!“ – für alle gestorben –
erklärt der Pater in seinem Artikel und belegt diese Aussage mit der Heiligen Schrift:
„Christus ist
das Sühneopfer für unsere Sünden, und nicht bloß für unsere, sondern für die der ganzen Welt.“ (1Joh
2,2).
Die Kernfrage bleibt: „Gibt der Heiland sein Leben für die ganze Welt hin – oder nur für die
Schafe, nicht für die Wölfe? Nur für viele oder doch für alle?“
Beide Aussagen seien in verschiedenem
Sinn wahr – antwortet Pater Wildfeuer:
· „Christus stirbt in dem Sinn
für alle, daß er durch seine
unbegrenzte Sühne allen Menschen wieder den Himmel erschließen will. Er will das Heil aller Menschen.
· Christus stirbt
für alle auch in dem Sinn: Er sühnt für die ganze Menschheit, das heißt, er zahlt
das Lösegeld für die gesamte Sündenschuld, um der göttlichen Gerechtigkeit Genugtuung zu leisten (uneingeschränkte
Satisfaktion).
Er tut es aus übergroßer Barmherzigkeit, stellvertretend für die Menschen – unabhängig
davon, ob der einzelne Mensch will oder nicht.
Ein etwas banales Beispiel:
Fritzchen verprügelt Fränzchen
und zerreißt ihm dabei Hose und Hemd. Fritzchens Vater bezahlt den angerichteten Schaden unabhängig
davon, ob Fritzchen dies will oder nicht. Der Vater leistet stellvertretend für Fritz Satisfaktion.
· Christus stirbt
für alles chließlich auch in dem Sinn, daß sein Sühneopfer zur Rettung aller Menschen
ausreichen würde. Es ist also nicht so, daß für den Letzten nicht mehr genügend Satisfaktion vorhanden
wäre oder daß die Sündenschuld eines Menschen so groß sein könnte, daß Christi Sühne dafür nicht
hinreichen würde (uneingeschränkte Heilsgenügsamkeit).
· Christus stirbt jedoch nicht
für alle,
sondern nur
für viele in dem Sinn, daß nicht allen tatsächlich die Sünden vergeben werden. Nicht alle
erlangen effektiv das Heil.
· Zu Christi größtem Schmerz gibt es Menschen, an deren Seele sein Opfertod
nicht wirksam wird. Das ist die eingeschränkte Heilswirksamkeit. ‘Denn weit ist das Tor und breit der
Weg, der ins Verderben führt, und gar viele kommen dadurch hinein’ (Mt 7,13).“
Pater Wildfeuer stellt
in Klammer die Frage, ob es einen modernen Exegeten gibt, der die zuletzt zitierte Stelle aus der Bergpredigt
mit „alle“ statt wie im Text mit „viele“ übersetzt.
Warum werden nicht „alle“ gerettet?Pater Wildfeuer
beantwortet schließlich die Frage, woran es liege, daß Christi Opfertod nicht an allen wirksam wird:
„An Gott liegt es nicht. Er hat von seiner Seite alles getan.“
Es liege am einzelnen, an seiner Entscheidung
aus freiem Willen. „Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden“ (Mk 16,16).
Die Erlösungstat Christi
sei Heilsangebot, Sühne und Heilsgenügsamkeit in uneingeschränkter Barmherzigkeit – unabhängig davon,
ob ein gewisser Otto Müller sich darum kümmere oder nicht. Aber Gott zwinge das Heil nicht auf.
Daß
Herr Otto Müller das Heil annimmt, so daß es in seiner Seele Wirklichkeit wird, hänge von seiner Zustimmung
ab und ist Sache seines Willens. Diese Entscheidung nehme ihm Christus nicht ab.
Pater Wildfeuer kommt
auf sein Beispiel zurück: Der Vater bezahlt den von Fritzchen angerichteten Schaden, aber daß sich Fritzchen
mit Fränzchen versöhnt, kann der Vater für Fritzchen nicht bewerkstelligen.
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