Liturgie
Spricht Christus bei der Konsekration vom Heilsangebot oder von der Heilswirksamkeit?
Die falsche Übersetzung von „pro multis“ erzeugt schwerwiegende Probleme. Dadurch wird zum Beispiel in der Neuen Messe ein Widerspruch zwischen der Brot- und der Kelchkonsekration erzeugt.
© Latin-Mass-Society.org
(kreuz.net) Pater Michael Wildfeuer hat kürzlich gezeigt, warum es dogmatisch falsch ist, „pro multis“ mit „für alle“ zu übersetzen.

Sein Artikel erschien unter anderem auf der Webseite der Laienorganisation ‘Pro Missa Tridentina’ und auf dem Portal zur katholischen Geisteswelt.

Die Tatsache, daß das Heil „allen“ angebotenen doch nur bei „vielen“ wirksam wird, sei von höchster Wichtigkeit – erklärt der Pater in seinem Artikel:

„Keine Seite darf zu Ungunsten der anderen vernachlässigt oder gar unterdrückt werden.“

Pater Michael Wildfeuer
Pater Michael Wildfeuer
Die Frohbotschaft lasse sich weder in eine süßliche, nur vom Himmel säuselnde Schlager-Mentalität hineinträumen noch in ein finsteres skrupelhaftes Jansenisten-Korsett hineinfrustrieren.

Erstere betont den universellen Erlöserwillens des Heilands, zweiteres die beschränkte Zahl der Geretteten.

Christus verlange von uns, die Polarität beider Wahrheiten auszuhalten, indem er vom Himmel und von der Hölle spricht – so Pater Wildfeuer: „Da er unseren starren Nacken kennt, sogar – bitte, er weiß besser, was für uns gut ist – öfter von der Hölle!“

Der Pater zeigt Verständnis für die Absicht, dem heutigen, oft verzweifelten Menschen die unendlich gütigen Vaterarme Gottes vor Augen zu stellen. Aber Verzweiflung könne man nicht mit Vermessenheit kurieren.

Er, der die Wahrheit selber ist, sage „für viele“. Allein aus dem philologischen Befund gehe zweifelsfrei hervor, daß er hier von der Heilswirksamkeit spreche.

Ein wirksamer Bund

Pater Wildfeuer führt ferner den Begriff des Bundes ins Feld: „Dies ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes.“

Ein Bund – ein Freundschaftsbund, ein Ehebund, ein Bund von zwei Staaten – benötige zwei Partner: „Mag ein Verliebter noch so sehr werben und das Edelweiß von den verwegensten Gebirgswänden holen – wenn seine Angebetete nicht mag, dann kommt der Ehebund nicht zustande.“

Beim neuen und ewigen Bund müssen nach Pater Wildfeuer der Wille Gottes – Heilsangebot – und der Wille des einzelnen Menschen – Heilswirksamkeit – zusammenkommen.

Der Stifter der heiligen Eucharistie spreche in den Wandlungsworten nicht von einem angebotenen, sondern von dem tatsächlichen Bund: „Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.“ 1Kor 11,25

Dies werde durch die Konsekrationsworte über das Brot bestätigt: „Das ist nämlich mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Der Nebensatz finde sich nicht im Alten Missale, sondern werde im Novus Ordo Missae eigens hinzugefügt – so Pater Wildfeuer: „Dadurch wird die eingeschränkte Heilswirksamkeit und nicht das universale Heilsangebot zur Sprache gebracht.“

Pater Wildfeuer fragt, ob es sinnvoll sei, bei der Gegenwärtigsetzung des Leibes Christi von der Effizienz, bei der des Blutes jedoch vom Angebot zu sprechen.

Erst in der Ewigkeit würden wir sehen, was Gott für jeden von uns getan hat. Doch den Blutsbund könne Gott nur mit den Zustimmenden, den Wollenden, den Liebenden schließen. Die anderen schließe nicht er aus – sie würden sich selbst ausschließen.

Christus kann leider nur „viele“ sagen

Der Pater findet in der geordneten Schönheit der Glaubenslehre noch einen weiteren Grund dafür, daß an der Stelle der Kelchkonsekration von der Heilswirksamkeit die Rede ist.

Beim eucharistischen Opfer gehe es um die Zuwendung der Erlösungsfrüchte an die Gläubigen – somit um die Heilseffizienz.

Durch das Sakrament wird – die menschliche Mitwirkung vorausgesetzt – sein Heil gewirkt, wird die Gnade in ihm wirksam. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“ (Joh 6, 54).

„Nicht: Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, dem biete ich das ewige Leben an. Nein – der hat es.“

Pater Wildfeuer verdeutlicht seine Aussage noch an einem anderen Sakrament: Wer die Taufe empfängt, der ist von der Erbsünde befreit. Nicht: Dem wird die Befreiung von der Erbsünde angeboten. Ebenso verhalte es sich bei allen anderen Sakramenten.

Das Fazit: „Heilsangebot und Sakrament sind voneinander verschieden wie Friedensangebot und tatsächlicher Friede.“

Darum könne der Heiland beim Sakrament des tatsächlichen Friedens – der innigsten, wirklich vollzogenen Liebe zwischen Gott und der Seele – „leider“ nur von vielen sprechen.
      
9 Lesermeinungen
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#9   möchtegern-kathole   19:48:58 | Freitag, 19. Januar 2007
es ist bezeichnend,
dass gerade die „stimme der vernunft“ denjenigen kritisiert, der gegen den rest der Kirche die Vernunft hatte, die Fehlübersetzung anzuprangern.
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#8   HeinrichvonOfterdingen   10:22:52 | Freitag, 19. Januar 2007
Liebe Stimme der Unvernunft,
gell wenn alle lügen, dann kommt es einem richtig sonderbar vor wenn einer die Wahrheit sagt. Aber immerhin sagen Sie das ja selbst: selbst in dem Sumpf, den das Konzil (als ob es nur das eine gäbe!) verursacht hat blüht noch das eine oder andere. Und eine der denkwürdigsten „Sumpfblüten“ ist die Literatur des heiligmäßigen Erzbischofs. D’accord!
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#7   stimme der vernunft †   10:02:24 | Freitag, 19. Januar 2007
Die Literatur
von Levebfre ist ja selbst eine der merkwürdigsten Sumpfblüten, die die nach dem Konzil gesprossen sind.
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#6   möchtegern-kathole   21:10:25 | Donnerstag, 18. Januar 2007
die 40 Jahre …
… „alle“ sollten den Befürwortern der Neuen Messe zu denken geben. Das ist ja nur die gräulichste Blüte, die beim Verfassen der Texte um 1970 reingerutscht ist.
Weitere Blüten finden sich in der Literatur von Lefebvre, aber auch von anderen.
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#5   HeinrichvonOfterdingen   20:09:16 | Donnerstag, 18. Januar 2007
Lieber Rodolfo Panetta,
die Modernisten sind halt Ideologen. Von so nebensächlichen Dingen wie Argumenten lassen sich die nicht beeindrucken.
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#4   Rodolfo Panetta   20:06:32 | Donnerstag, 18. Januar 2007
Warum hat es für diese Erkenntnis Jahrzehnte gebraucht?
Jeder Priester sollte doch Latein können!
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#3   r.ruhrgebietler   19:39:08 | Donnerstag, 18. Januar 2007
@thaumaturgos – ist es nicht!
…denn die Seminaristen sollten doch alle Latein in der Schule gehabt haben, oder? Demnach ist also deren Kopf nicht eine Schachtabdeckung, damit es in nicht in den hals hineinregnet und der Flaum obendrauf nicht nur nachwachsend zur Bespassung des Friseures.
Aber wenn ich darüber nachdenke, daß das Rosenkranzgebet im Seminar ohnehin geächtet ist…
Es gibt so eine gewissen Sturheit bei den V-II’lern, die einfach unbelehrbar ist, sein und bleiben will.
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#2   thaumaturgos   18:56:22 | Donnerstag, 18. Januar 2007
das ist ja hanebüchener unsinn
aber die schismaten haben so lang darum verderht, dass ihre klientel das glaubt
ich vermute, die werden augen machen, wenn sie im fgegfeuer sind …
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#1   stat crux   18:16:05 | Donnerstag, 18. Januar 2007
„pro multis“
heißt aber noch lange nicht „nur für die SSPX“ (bzw. deren etwa 450 Kleriker).
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