15:51:30 | Donnerstag, 18. Januar 2007
Spricht Christus bei der Konsekration vom Heilsangebot oder von der Heilswirksamkeit?
Die falsche Übersetzung von „pro multis“ erzeugt schwerwiegende Probleme. Dadurch wird zum Beispiel in der Neuen Messe ein Widerspruch zwischen der Brot- und der Kelchkonsekration erzeugt.
(kreuz.net) Pater Michael Wildfeuer hat kürzlich gezeigt, warum es dogmatisch falsch ist, „pro multis“
mit „für alle“ zu übersetzen.
Sein Artikel erschien unter anderem auf der Webseite der Laienorganisation
‘Pro Missa Tridentina’ und auf dem
Portal zur katholischen Geisteswelt.
Die
Tatsache, daß das Heil „allen“
angebotenen doch nur bei „vielen“ wirksam wird, sei von höchster Wichtigkeit – erklärt der Pater in
seinem Artikel:
„Keine Seite darf zu Ungunsten der anderen vernachlässigt oder gar unterdrückt werden.“
Die Frohbotschaft lasse sich weder in eine süßliche, nur vom Himmel säuselnde Schlager-Mentalität
hineinträumen noch in ein finsteres skrupelhaftes Jansenisten-Korsett hineinfrustrieren.
Erstere betont
den universellen Erlöserwillens des Heilands, zweiteres die beschränkte Zahl der Geretteten.
Christus
verlange von uns, die Polarität beider Wahrheiten auszuhalten, indem er vom Himmel und von der Hölle
spricht – so Pater Wildfeuer: „Da er unseren starren Nacken kennt, sogar – bitte, er weiß besser, was
für uns gut ist – öfter von der Hölle!“
Der Pater zeigt Verständnis für die Absicht, dem heutigen,
oft verzweifelten Menschen die unendlich gütigen Vaterarme Gottes vor Augen zu stellen. Aber Verzweiflung
könne man nicht mit Vermessenheit kurieren.
Er, der die Wahrheit selber ist, sage „für viele“. Allein
aus dem
philologischen Befund gehe zweifelsfrei hervor, daß er hier von der Heilswirksamkeit spreche.
Ein wirksamer BundPater Wildfeuer führt ferner den Begriff des Bundes ins Feld: „Dies ist der Kelch
meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes.“
Ein Bund – ein Freundschaftsbund, ein Ehebund, ein Bund
von zwei Staaten – benötige zwei Partner: „Mag ein Verliebter noch so sehr werben und das Edelweiß von
den verwegensten Gebirgswänden holen – wenn seine Angebetete nicht mag, dann kommt der Ehebund nicht
zustande.“

Beim neuen und ewigen Bund müssen nach Pater Wildfeuer der Wille Gottes – Heilsangebot –
und der Wille des einzelnen Menschen – Heilswirksamkeit – zusammenkommen.
Der Stifter der heiligen Eucharistie
spreche in den Wandlungsworten nicht von einem angebotenen, sondern von dem tatsächlichen Bund: „Dieser
Kelch
ist der Neue Bund in meinem Blut.“ 1Kor 11,25
Dies werde durch die Konsekrationsworte über das
Brot bestätigt: „Das ist nämlich mein Leib, der für euch hingegeben wird.“
Der Nebensatz finde sich
nicht im Alten Missale, sondern werde im Novus Ordo Missae eigens hinzugefügt – so Pater Wildfeuer: „Dadurch
wird die eingeschränkte Heilswirksamkeit und nicht das universale Heilsangebot zur Sprache gebracht.“
Pater Wildfeuer fragt, ob es sinnvoll sei, bei der Gegenwärtigsetzung des Leibes Christi von der Effizienz,
bei der des Blutes jedoch vom Angebot zu sprechen.
Erst in der Ewigkeit würden wir sehen, was Gott für
jeden von uns getan hat. Doch den Blutsbund könne Gott nur mit den Zustimmenden, den Wollenden, den Liebenden
schließen. Die anderen schließe nicht er aus – sie würden sich selbst ausschließen.
Christus kann
leider nur „viele“ sagenDer Pater findet in der geordneten Schönheit der Glaubenslehre noch einen weiteren
Grund dafür, daß an der Stelle der Kelchkonsekration von der Heilswirksamkeit die Rede ist.
Beim eucharistischen
Opfer gehe es um die Zuwendung der Erlösungsfrüchte an die Gläubigen – somit um die Heilseffizienz.
Durch das Sakrament wird – die menschliche Mitwirkung vorausgesetzt – sein Heil gewirkt, wird die Gnade
in ihm wirksam. „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“ (Joh 6, 54).
„Nicht:
Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, dem biete ich das ewige Leben an. Nein – der hat es.“
Pater
Wildfeuer verdeutlicht seine Aussage noch an einem anderen Sakrament: Wer die Taufe empfängt, der ist
von der Erbsünde befreit. Nicht: Dem wird die Befreiung von der Erbsünde angeboten. Ebenso verhalte
es sich bei allen anderen Sakramenten.
Das Fazit: „Heilsangebot und Sakrament sind voneinander verschieden
wie Friedensangebot und tatsächlicher Friede.“
Darum könne der Heiland beim Sakrament des tatsächlichen
Friedens – der innigsten, wirklich vollzogenen Liebe zwischen Gott und der Seele – „leider“ nur von
vielen
sprechen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.