09:26:01 | Dienstag, 16. Januar 2007
St. Pölten
Der Bischof von St. Pölten glaubt, daß er das Problem mit seiner voreiligen Entscheidung gelöst hat. Aber er könnte sich täuschen. Ein Kommentar von Mag. Thomas Lintner.

Spurt Mons. Küng nach dem Ruf der Medien?
© Bildschirmphoto ‘Zeit im Bild 2’ zum „Dollfuß-Porträt/Streit“
vom 12. Januar(kreuz.net, St. Pölten) Der Bischof von St. Pölten, Mons. Klaus Küng, scheint die Entfernung eines
großen Altargemäldes in der St. Pöltner Prandtauerkirche anzustreben.
Es müsse für den Altarraum
eine „neue Lösung“ gesucht werden.
Das berichtete die österreichische Nachrichtenagentur ‘Kathpress’
am 11. Jänner 2007.
Grund für die bischöfliche Maßnahme: Auf dem Bild ist der ehemalige österreichische
Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß († 1934) zu sehen.
Neben vorgeblich zeitgeschichtlichen Ausführungen
enthält das bischöfliche Schreiben folgende Begründung:
Wegen des Dollfußbildes habe es „heftige
Diskussionen“ gegeben. Das Bild habe in „manchen Kreisen starke Beunruhigung ausgelöst“. Die Diskussion
sei „nicht abgerissen“.

Rektor Reinhard Knittel im ‘ORF’
© Bildschirmphoto ‘Zeit im Bild 2’ zum „Dollfuß-Porträt/Streit“ vom
12. JanuarRoß und Reiter nennt das Schreiben nicht. Es erwähnt auch nicht, daß die genannten
„Kreise“ die Diskussion darum nicht abreißen lassen wollten, weil sie vermutlich um die Medienangst des
St. Pöltner Bischofs wissen.
Bei diesen Kreisen handelt es sich um Sozialdemokraten, Linksradikale und
Kommunisten.
Sie gingen nach der Strategie der „kontrollierten Eskalation“ vor.
Zunächst erschien das
Wandbild mit dem als „Austrofaschisten“ – oder als „Arbeitermörder“ bezeichneten – Dollfuß in lokalen
Zeitungen.
Der erhoffte öffentliche Aufschrei blieb indessen aus, obwohl es in St. Pölten viele Sozialdemokraten
gibt. Die Partei besitzt im Gemeinderat seit Jahrzehnten die absolute Mehrheit.
Die Genossen interessierten
sich allerdings kaum für ein Bild, das in einer Kirche aufgemalt ist, die sie sowieso nie besuchen.
Nach diesem Fehlschlag schickten die Brüder ihre „Kettenhunde“ – die Jungsozialisten – vor. Sie sollten
vor den sonntäglichen Messen in der Prandtauerkirche gegen Dollfuß & Co demonstrieren.
Das Hauptproblem
für die jungen Randalierer: Die Sonntagsmesse in der Prandtauerkirche beginnt bereits um 9.00 Uhr – zu
einer Zeit also, in der sich die linken Nachwuchshoffnungen von ihren samstäglichen Vergnügungen ausruhen
müssen.
Obwohl andere Freunde der linken Reichshälfte, wie Anarchos und Jungkommunisten beigezogen
wurden, blieben die Demonstrationen sehr klein – mit durchschnittlich weniger als zehn Teilnehmern.
Sie
ließen sich von der Polizei, die für ihre unangemeldete Versammlung nicht zu begeistern war, schnell
verscheuchen.

Medien bevorzugen es, nur einen winzigen Ausschnitt des Wandbildes zu zeigen: Engelbert Dollfuß.
© Bildschirmphoto
‘Zeit im Bild 2’ zum „Dollfuß-Porträt/Streit“ vom 12. JanuarMeßbesucher und Öffentlichkeit blieben immer noch unbeeindruckt.
Der Kirchenrektor sperrte
die Kirche außerhalb der Meßzeiten sicherheitshalber zu. Er wollte keine Molotow-Cocktails oder Stinkbomben
im Gotteshaus.
In der Folge gingen die gottlosen sogenannten „Antifaschisten“ doppelgleisig vor. Einerseits
Berichte in „höherrangigen Medien“, andererseits rief man den Denkmalschutz auf den Plan, der sein Leben
ansonsten als Bürokratieleiche fristet.
Seit dem glorreichen Konzil hat der Denkmalschutz tatenlos zugeschaut,
wie hunderte Kirchen – dutzende davon in der Diözese St. Pölten – ohne liturgische Notwendigkeit verschandelt
wurden.
Aber wenn zu einem barocken Hochaltar – der anderswo gar nicht mehr verwendet wird – eine im
Stil dazupassende Malerei hinzugefügt wird, dann gibt es Grund, aus dem bürokratischen Dauerschlaf zu
erwachen.

SPÖ-Nationalrat Anton Heinzl meint, daß ein Politiker in einem Kirchenbild nichts zu suchen habe: „Die
Trennung zwischen Kirche und Staat hat sich in der Zweiten Republik bestens bewährt.“
© Bildschirmphoto
‘Zeit im Bild 2’ zum „Dollfuß-Porträt/Streit“ vom 12. JanuarHätte der Kirchenrektor den Hochaltar herausreißen lassen und zum Kilopreis von Brennholz
verscherbelt, hätte er blutige Fetzen von Hermann Nitsch oder okkulte Mystik von Ernst Fuchs um den Altar
gehängt, hätten sich die Kunstexperten des Denkmalamtes sicherlich vor Begeisterung überschlagen.
Aber was tat der Bischof?
Er wartete den Abschluß des zweitinstanzlichen Denkmalschutzverfahrens gar
nicht erst ab.
Das war nicht sehr klug. Denn in diesem Fall hätte er sich wenigstens – bei einem politisch
zu erwartenden Negativbescheid – hinter der Behörde verstecken können.
Aber Mons. Küng wollte sofort
tabula rasa machen. Warum? Weil die Medien ihre Fühler bis zu ihm ausstreckten.
Für den in dieser Hinsicht
offenbar erpreßbaren Bischof fielen die Würfel, als sich die Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’ am 3.
Jänner 2007 in einem Artikel auch Gedanken darüber machte, ob der Bischof „das letzte Wort sprechen“
werde.
Derartige öffentliche Überlegungen, die gar zu Kritik an seiner eigenen bischöflichen Person
führen könnten, schätzt der Bischof überhaupt nicht.
Sein Ärger über das Bild – das er persönlich
genehmigt und besichtigt hatte – wuchs, als er erfuhr, daß auch der ‘Österreichische Rundfunk’ in dieser
Sache Aufnahmen und Interviews machen wollte.
Am 11. Jänner 2007 reiste ein Kamerateam aus der Wiener
Rundfunkzentrale nach St. Pölten.
Offenbar war die Angelegenheit für die Brüder so bedeutsam, daß
sie damit nicht das – ein paar hundert Meter entfernte – Landesstudio Niederösterreich betrauten.
Die
Rundfunk-Redakteurin sprach während der Aufnahmen auch mit Gläubigen der Prandtauerkirche.

Die Gläubigen wundern sich über die Forderung ‘Trennung von Kirche und Staat’: „Dann mischt euch bitte
nicht in unsere Kirche ein.“
© Bildschirmphoto ‘Zeit im Bild 2’ zum „Dollfuß-Porträt/Streit“ vom 12.
JanuarDabei dürfte
sie deren Zusammensetzung überrascht haben. Denn von den fünf Gläubigen, die ihr dort begegneten, waren
drei junge Theologiestudentinnen der örtlichen philosophisch-theologischen Hochschule, eine mittelalte
Dame – jünger aussehend und eloquent – und ein älterer Herr vom Typ gütiger Professor mit gepflegter
Wortwahl.
Die Regie des ‘Österreichischen Rundfunks’ hätte wohl lieber alte zahnlose Frauen mit Kopftuch
und Rosenkranz sowie steinalte Kameradschaftsbündler mit Gamsbart am Hut als „Überbleibsel von anno
dazumal“ vorgeführt.
Diese Gläubigen waren optisch und argumentativ den gesondert interviewten Sozialdemokraten
haushoch überlegen, auch wenn der ORF in der Sendung ZIB 2 am Freitag, dem 12. Jänner 2007, letzlich
sehr selektiv Zitate auswählte.
Doch der Bischof eilte den Dolllfuß-Gegnern zu Hilfe. Am 11. Jänner
dekretierte er „neue Lösungen für den Altarraum“ – was immer das heißen mag.
Das Thema Märtyrerkanzler
Dollfuß ist damit jedoch nicht abgeschlossen.
Die Diskussion, die der Bischof nicht mit den Feinden
der Kirche führen wollte, wird er nun mit seinen Gläubigen führen müssen.
Er sollte dabei auch jene
Gläubigen nicht vergessen, die im Vertrauen auf seine Genehmigung des Altarbildes immerhin 30.000.- Euro
spendeten.
Für eine Diözese, die es sich – mit der Beschäftigung vieler glaubensloser Funktionäre
und der Zerstörung von Kirchen durch sogenannte Renovierungen – leisten kann, das Geld beim Fenster hinauszuwerfen,
mag das nicht viel sein.
Für einzelne Gläubige hingegen war es viel Geld – zum Teil sogar sehr viel.
Am 13. Jänner 2007 haben sich bereits zwei katholische Organisationen in einem Offenen Brief an den
Bischof gewandt und die Belassung des Wandbildes des Märtyrerkanzlers gefordert: „Die Weiße Rose“ –
rechtlich eine politische Partei, welche die gleichnamige katholische Zeitschrift herausgibt – und der
‘Initiativkreis von Laien und Priestern in Wien, Niederösterreich und Burgenland’.
Die Entfernung des
Wandbildes käme einer Treulosigkeit einem Märtyrer gegenüber gleich – so die beiden Organisationen.
Es sieht also nicht danach aus, als ob die Diskussion abgeschlossen wäre.
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