22:17:32 | Samstag, 20. Januar 2007
Während sich Appelle für die Alte Messe vermehren, herrscht in Rom Grabesstille. Wo bleibt das Motu proprio – oder hat es nie existiert? Ein Manifest und seine deutschen Unterzeichner.

Primizmesse von Abbé Vianney Le Roux im Juli 2006 in St Martin de Bréthencourt/ Frankreich
© http://www.fssp.org/ Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe„Wichtig für die rechte Bewußtseinsbildung in
Sachen Liturgie ist auch, daß endlich die Ächtung der bis 1970 gültigen Form von Liturgie aufhören
muß … Derlei hat es in der ganzen Geschichte nicht gegeben, man ächtet damit ja auch die ganze Vergangenheit
der Kirche. Wie sollte man ihrer Gegenwart trauen, wenn es so ist?“(Joseph Kardinal Ratzinger, Gott
und die Welt, München 2000, 2. Auflage, 357)
Die Unterzeichner begrüßen es, daß Papst Benedikt XVI.
in der Konsequenz seiner oft bekundeten Haltung die Feier der traditionellen lateinischen Messe wieder
allgemein erlauben will. Bereits im Jahre 1971 hatten sich international bekannte Persönlichkeiten wie
die Schriftsteller Graham Greene und Agatha Christie, der Pianist Vladimir Ashkenazy und der Geiger Yehudi
Menuhin für dieses Anliegen in einem gemeinsamen Aufruf eingesetzt.
Sie sahen in der traditionellen
katholischen Messe ein überragendes Werk der Weltkultur, vergleichbar den Domen und Kathedralen, die
für diese Liturgie geschaffen worden seien und deren Abriß ebenso kein Gebildeter zulassen dürfe.
Aus dem alten Ritus heraus gewachsen und mit ihm wesenhaft verbunden ist der Gregorianische Choral, einer
der vorzüglichsten musikalischen Schätze der Welt.
Darüber hinaus inspirierte die Schönheit und Feierlichkeit
der lateinischen Messe die größten Tonkünstler zu allseits bewunderten Musikwerken; ohne sie lassen
sich bedeutende Schöpfungen von Palestrina, Charpentier, Bach, Beethoven, Bruckner, Haydn oder Mozart
heute gar nicht mehr verstehen. Die traditionelle „göttliche Liturgie“ des Westens verbindet die heutige
Kirche direkt mit der lateinischen Kultur des Mittelalters und der Antike, ähnlich wie dies die „göttliche
Liturgie“ des Ostens für die griechische Kultur leistet.
So ist von einer Wiederzulassung der überlieferten
Messe auch ein starker Anstoß für eine breitere Beschäftigung mit den kulturellen Wurzeln des Abendlandes
zu erwarten.
Im Zeitalter des geeinten Europa und des weltweiten Austauschs zwischen den Völkern ist
schließlich jener Vorteil nicht gering zu schätzen, den Papst Johannes XXIII. zur Zeit des II. Vatikanischen
Konzils in der Apostolischen Konstitution „Veterum sapientia“ so formuliert hat:
„Von ihrer Natur selbst
her ist die lateinische Sprache in hohem Maße dazu geeignet, bei allen Völkern die Kultur der Menschlichkeit
zu fördern. Sie erregt nämlich keine Eifersucht, bietet sich den einzelnen Nationen unterschiedslos
an und bevorzugt keine Seite.“
Epiphanie 2007
Die Unterzeichner in alphabetischer ReihenfolgeConsuelo
Gräfin Ballestrem, Diplom-Psychologin
Dr. Heinz-Lothar Barth, Universitätsdozent der Klassischen Philologie,
und Frau Raphaela Barth
Dr. Johann von Behr, Bankangestellter
Wolfgang Johannes Bekh, Schriftsteller
Dr.
Felix Bentz, Diplom-Ingenieur
Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Brandenburg, Archäologe
Prof. Dr. Peter Bruns,
Professor für Kirchengeschichte
Prof. Dr. John Dudley, Philosoph
Prof. Dr. Hans Heribert Derix, Professor
für Volkswirtschaftslehre
Prof. Dr. Edith Düsing, Philosophin
Dr. Anna Egler, Universitätsdozentin
a. D. für Kirchenrecht
Prof. Dr. Rudolf Ehmann, Mediziner
Dr. Caelestis Eichenseer OSB, Theologe und
Latinist
Prof. Dr. Wilhelm Geerlings, Kirchenhistoriker und Patrologe
Prof. Dr. Christian Gnilka, Klassischer
Philologe
Leonhard Graf von Habsburg, Dipl.-Ing. und Dipl.Wirtsch.-Ing.
Ulla Hahn, Schriftstellerin
Privatdozent
Dr. habil. Christian Hecht, Kunsthistoriker
Prof. Dr. Rainer Henke, Klassischer Philologe
Prof. Dr. Walter
Hoeres, Philosoph
Dr. Algirdas Kakarieka, Neurochirurg und med. Direktor
Dr. Rudolf Kaschewsky, Universitätsdozent
a. D. der Ostasienwissenschaften
Prof. Dr. H.A.J.M. Lamers, Politologe
Dr. Heiner Lichtenberg, Mathematiker
Prof. Dr. Godo Lieberg, Klassischer Philologe
Prof. Dr. Peter Martin Litfin, Wirtschaftsprüfer und Offizialatsanwalt
Prof. Dr. Konrad Löw, Professor für Politikwissenschaft
Ralf Lürig, Diplom-Kunstmaler und Kirchenmaler
Prof. Dr. Georg May, Professor für Kirchenrecht
Bernhard Mihm, Stadtrat a. D.
Martin Mosebach, Schriftsteller
Prof. Dr. Christian Pietsch, Klassischer Philologe
Prof. Dr. Dr. h.c. Charles Probst, Neurochirurg, und
Frau Dr. Cécile Probst
Prof. Dr. Albert Richenhagen, Musikwissenschaftler, und Frau Dr. Elisabeth Richenhagen
Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer
Dr. Helmut Rönz, Wissenschaftlicher Referent, Historiker
Prof. Dr. Dr. Klaus
Rosen, Althistoriker
Privatdozent Dr. habil. Josef Johannes Schmid, Historiker
Dr. Heidemarie Seblatnig,
Universitätsdozentin der Architekturwissenschaften
Dr. Hans Otto Seitschek, Wissenschaftlicher Assistent
am Guardini-Lehrstuhl/München
Dr. Marc Stegherr, Universitätsdozent der Slavischen Philologie und der
Geschichte Osteuropas
Prof. Dr. Michael Stickelbroeck, Professor für Dogmatik
Botho Strauß, Schriftsteller
Prof. Dr. Wilfried Stroh, Klassischer Philologe
Inge M. Thürkauf, Schauspielerin und Publizistin
Dr.
Michael Tunger, Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker
Prof. Dr. Wolfgang Waldstein, Professor für Römisches
Recht
Prälat Dr. Markus Walser, Generalvikar der Erzdiözese Liechtenstein
Prof. Dr. Dieter J. Weiß,
Historiker
Prof. Dr. Alfons Weische, Klassischer Philologe
Dr. Gero P. Weishaupt, Priester und Kanonist
Prof. Dr. Alfred Wendehorst, Historiker
Dr. Markus Wessel, Richter am Oberlandesgericht, und Frau Riem
Wessel
Dr. Claudia Wick, Lexikographin an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Gero Winkelmann,
Mediziner
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