Ein protestantischer Pfarrer will nicht, daß es in seiner Kirche nach Bohnerwachs, feuchtem Keller oder Füßen riecht und macht eine Neuentdeckung. Ein Beispiel für Katholiken?
Das Weihrauchfaß von Santiago de Compostela
(kreuz.net, Köln) In der evangelischen Kölner Antoniterkirche kann man Weihrauch riechen.
Pfarrer Bertold
Höcker möchte damit zu einer sinnlicheren Kirche beitragen.
Das berichtete die ‘Westdeutsche Allgemeine
Zeitung’ am 17. Dezember.
Die Antoniterkirche ist ein gotisches Gotteshaus in der Kölner Innenstadt.
Ihre zentrale Lage macht sie nach dem Dom zur meistbesuchten Kirche Kölns.
„Man kann protestantische
Identität nicht daran festmachen, daß es nicht nach Weihrauch riecht“, sagt der evangelische Pfarrer
Bertold Höcker (48):
„Soll es denn nach Bohnerwachs riechen oder nach feuchtem Keller?“
Weihrauch sei
bis ins 19. Jahrhundert in evangelischen Kirchen genutzt worden und erst dann „zu einem konfessionellen
Kennzeichen verkommen, das nur noch mit Katholizismus verbunden wird“.
Dennoch wird dem protestantischen
Pastor – obwohl er in Deutschland nicht der einzige Weihrauchbenutzer ist – teilweise „konfessioneller
Verrat“ vorgeworfen.
Bei Höckers lutherischen Gottesdiensten ist die Antoniterkirche immer gut gefüllt.
Viele Menschen müssen stehen. Viele sind jünger als in landläufigen Gottesdiensten. „Wer Mystik sucht
und die Erfahrung der Gottesbegegnung, der kommt zu uns“ – so Höcker.
Wer keinen Weihrauch riechen kann,
hat die Möglichkeit, in die Gottesdienste von Pfarrer Höckers Dienstkollegen auszuweichen. Diese halten
in derselben Kirche Gottesdienst nach reformierter oder unierter Tradition: Rational. Aufgeklärt. Evangelisch.
Wenig sinnlich. Gar nicht mystisch.
Dafür dauert die Predigt dreimal länger als bei Höcker.
Der Weihrauchpfarrer
hat auch noch andere Ideen. So kann er mit dem schwarzen Talar, den der preußische Staat den evangelischen
Pfarrern verordnete, nicht viel anfangen: „Ich trage ihn nur noch zu Beerdigungen.“
In seiner Antoniterkirche
läuft statt dessen ein „Modellversuch Liturgische Gewänder“.
Sie entsprechen weitgehend den katholischen.
Email-Adressen der Empfänger
60 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
@ Johann Gerhard Ich kann mir auch nicht vorstellen das Gott gewissen Menschen Freifahrtscheine gibt und
andere völlig allein lässt. Natürlich gibt es aber besondere Gnaden wie z.B. die Taufe, fromme gute
Eltern, einen guten Beichtvater etc… Mit Heilsgewissheit habe ich so meine Probleme weil sie Menschen
schnell überheblich machen kann. Ein frommer Evangelischer sagte mir mal auf meine Frage was er macht
wenn Gott ihn doch nicht in den Himmel lässt :“ Gott kann nicht lügen, dann zeige ich ihm die Bibel
und sage hier hast du das uns verheißen.“ Ich will das jetzt nicht auf alle Evangelischen verallgemeinern,
diese Aussage entsprach aber nicht meinem Gottesbild, weil wie sie schon sagten ein Sünder keine Ansprüche
stellen darf. Ich weiß nicht ob ich den Christus in mir betone, ich betone aber u.a. die göttliche Majestät
unseres Erlösers. Natürlich sind wir nicht und niemals durch Werke gerechtfertigt, unsre Werke, oder
besser gesagt unser zutun spielt aber doch eine große Rolle, besonders in der Heiligung. Die tägliche
Messe wird in der röm/kath. Kirche sehr empfohlen (ich persönlich gehe in der Woche leider kaum zur
Messe) und zur Sonntagspflicht sagte mal ein Priester bei uns: „ Die Sonntagspflicht gilt nur für laue
Christen, denn die frommen gehen gerne hin.“ Ich finde das trifft das ganze ziemlich gut, weil ich ja
nicht mit irgendwelchen großartigen frommen Übungen anfangen kann wenn die Grundlage noch nicht stimmt.
@ sozialkatholisch 1. Nun ja, eine Erwählung bejahen wir durchaus. Aber diese vollzieht sich durch das
Evangelium, nicht „nackt“. Gott sondert nicht einfach Menschen sinnlos aus, die dann alles tun oder lassen
können. 2. Heilssicherheit haben wir, insoweit die Errettung auf Christus und seinem Werk beruht. Dem
können wir vertrauen. Wenn mir die Gewissheit dessen fehlt, dann richte ich meinen Blick auf das, was
Christus für uns getan hat und von mir selbst weg. 3. Ihr hingegen betont stärker den Christus in uns.
Da dieser oft sehr mangelhaft ausgebildet ist, kann ich diesem Ansatz nur teilweise näher treten. Wie
jemand mehr gute Werke als für sich nötig getan haben soll, bleibt mir – offen gesagt – ein Rätsel.
Ich schrieb schon häufger, dass man nur durch perfekten Gehorsam in den Himmel kommen könnte und dass
schon eine Sünde im ganzen Leben in Worten, Werken oder Gedanken dem Menschen die Hölle verdient. Wie
kann ein Sünder irgendwelche Ansprüche stellen? Ich weiß ungefähr, was Sie mit „Gnade herabrufen“
meinen, habe aber große Schwierigkeiten dem in dieser Form zuzustimmen. Allerdings denken auch wir, dass
man an seiner Heiligung aktiv mitwirken muss; das ist aber nicht die Rechtfertigung. An der Sonntagsheiligung
kritisiere ich nicht das Gebot zur Messe zu gehen, sondern die Fixierung auf den Sonntag. Wer von Montag
bis Samstag Messen besucht und sich mit dem Glauben auseinandersetzt ist sicherlich besser dran als der,
der sonntags bei der Predigt schläft.
@ Johann Gerhard ist eine Tradition die eindeutige Aussagen der Schrift unberücksichtigt lässt Ich behaupte,
daß eindeutige Aussagen der Schrift von der kath. Kirche nicht unberücksichtigt gelassen werden. Im
Gegenteil! Luther hat doch die Probleme mit ganz konkreten Aussagen der hl. Schrift. Die Apokryphen, der
Jakobusbrief, der Hebräerbrief und die Offenbarung des Johannes haben doch nie die wirkliche Beachtung
Luthers gefunden, um er einmal vorsichtig auszudrücken. Den Jakobusbrief hielt er für so wertvoll, daß
man ihn in den Ofen werfen könne. Und warum das ganze? Weil diese Bücher nicht mit seiner Theologie
vereinbar gewesen sind. Luther hat die Bibel viel zu einseitig ausgelegt und sich dabei in seiner Rechtfertigungslehre
verrannt. Statt einmal darüber nachzudenken, daß seine Lehren vieleicht nicht mit der ganzen Bibel in
Einklang zu bringen ist, war er davon überzeugt, daß die Bücher, die mit seinen Überlegungen nicht
vereinbar waren, eigentlich gar nicht in die Schrift hineingehören würden. Eine merkwürdige Ansicht.
Ihm ging es genauso wie all jenen, die mit ihren Überlegungen zu den Sternen nicht recht weiter kamen,
weil sie annahmen, daß sich die Sonne um die Erde dreht , ohne auch nur einen Moment daran zu denken,
daß ihre Grundannahme falsch war. …Christus offen gelassenen Fragen mit der menschlichen Vernunft eigene
Regeln aufstellt. Zu der Problematik der Vernunft, dem Wesen der Erbsünde und der Gnade sage ich später
was…muß weg. Hängt aber alles miteinander zusammen.
@ Johann Gerhard Die durch Erwählung geschehene Vorbestimmung lehne ich auch ab. Mit Erwählung habe
ich auch so meine Probleme, obwohl es eine gewisse Erwählung wenigstens in der Gnade der Gottesnähe
geben muss. Sind sie sich eigentlich immer zu 100% sicher errettet zu sein? Oder erkennen sie auch an
das wir trotz des Kreuzesopfers unseres Herrn eigentlich kein Anrecht auf das Himmelreich haben? Viele
Heilige (z.B. hl. Benedikt, hl. Pfarrer von Ars, hl. Theresia etc. haben sich ihre Heiligkeit oft durch
Werke verdient, dazu kam natürlich auch die Gnade, aber die Gnade haben die Heiligen oft durch beständiges
Gebet auf sich herabgerufen und das ist auch schon wieder Werk. Von der kleinen hl. Theresia wird berichtet
das sie jede Widrigkeit im Leben dankbar angenommen hat und immer aus Liebe zu Jesus versucht hat sie
gut zu tragen. Die Gesetzlichkeit bei der Sonntagspflicht und beim Freitagsgebot finde ich angemessen
und sollten niemals nur eine Empfehlung werden. Manchmal sind gerade die Sonntagsmessen wo ich die wenigste
Lust zu hatte besonders schön gewesen. Ich bin überzeugt das wir Gott gegenüber auch eine gewisse Bringeschuld
haben, aber ich bin auch überzeugt das es da für manche Menschen Ausnahmen gibt, die aber nichts mit
der Konfession zu tun haben.
@ Defensor Fidei Ja, selbstverständlich gibt es eine Tradition, die auch die lutherische Kirche prägt.
Genauso selbstverständlich ist diese nicht vom Himmel gefallen. Aber sie betrifft dann in der Heiligen
Schrift nicht geregelte Vorgänge, sog. Mitteldinge (Adiaphora). Wogegen wir uns verwehren, ist eine Tradition
die eindeutige Aussagen der Schrift unberücksichtigt lässt oder in den von Christus offen gelassenen
Fragen mit der menschlichen Vernunft eigene Regeln aufstellt. Was Sünde ist oder nicht, das normiert
Gott allein. Kein Mensch kann von sich aus bestimmte Dinge zur Sünde erklären. Wenn wir aber ein eindeutiges
Gebot Christi haben, dann kann im Gegenteil nicht aufgrund eigener philosophischer Spekulationen hiervon
abgewichen werden (Thema Kelchraub). Könnten Sie netterweise Ihre Aussage zur Gnadenlehre noch einmal
vertiefen, das würde mich interessieren.
@ Johann Gerhard Die Bibel als alleinige Erkenntnisquelle und Norm anzusehen ist eine Einseitigkeit. Es
gibt noch vieles andere, was Jesus tat; wollte man dies einzeln niederschreiben, so, glaube ich, würde
selbst die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären. (Joh 21, 25) Dafür haben wir die Tradition!
Woher wissen wir denn, was alles zur Schrift gehört und was nicht? Sie ist ja nicht vom Himmel gefallen.
Erst die Kirche hat uns gesagt, welche Schriften dazugehören. Wer nun die Vollmacht hat, uns zu sagen,
was zur Schrift gehört, der hat erst recht die Vollmacht, diese Schrift auslegen. Daß Kinder getauft
werden, geschieht durch die Autorität der Kirche, nicht der Schrift. Daß der Sonntag, nicht der alttestamentl.
Sabbath gefeiert wird, ist in der Schrift nicht gefordert, sonder eine Einrichtung der Kirche. Die Ordnung
der Feste, der Gottesdienste, der Zeremonien und vieles andere mehr ist kirchliche Tradition, nicht Lehre
der Schrift. Sogar die tägliche gebrauchten Ausdrücke Dreieinigkeit, Sakrament u.a. finden sich nicht
in der Schrift. (vgl. H. Hansen: Stimuli et Clavi) Wenn alles in der Schrift so klar ist, warum gibt es
dann unzählige prot. Gruppierungen? Der Prot. baut auf dem Prinzip des Subjektivismus auf. …eindeutig
widersprechen, gerade…Gnadenlehre So eindeutig scheint es ja nicht zu sein. Gerade die kath. Gnadenlehre
läßt die Herrlichkeit Gottes besonders schön erscheinen. Durch die protest. Lehre dagegen werden göttl.
Eigenschaften Gottes geleugnet bzw. relativie
@ sozialkatholisch ich möchte mich mit Ihnen auch keineswegs herumstreiten: 1. Natürlich kann ein Mensch,
der gerettet war, nach lutherischer Ansicht wieder verloren gehen, etwa durch ein Beharren in Sünde.
Sie haben daher völlig Recht, dass man den Glauben hüten und pflegen muss – z. B. durch den Sakramentsempfang.
Die lutherische Kirche lehrt zwar auch eine Erwählung zur Seligkeit, aber diese ist nur aus der Rückschau
zu bewerten und nicht vom Glauben zu trennen. Letzteres ist ein calvinistischer Irrtum, mit dem wir nichts
zu tun haben. Mir ging es um Frage, weshalb wir in den Himmel kommen. Worauf verweisen wir im Jüngsten
Gericht? Ich ziehe es vor, mich auf die Gerechtigkeit Christi zu verlassen. 2. Ich meinte in der Tat den
Fleischverzicht am Freitag. Selbstverständlich kann Fasten ein Mittel zur Glaubensstärkung sein. Mir
ist der r.-k. Ansatz allerdings insoweit zu mechanisch/gesetzlich, ebenso wie bei der Sonntagsheiligung.
3. Die Jakobusstelle ist natürlich ein „Klassiker“ der Diskussion. Auch hier gilt: Selbstverständlich
ist ein Glaube, der sich nicht in Werken erweist „für die Füße“. Unser Ansatz ist aber, dass uns diese
Werke dennoch nicht vor Gott rechtfertigen, sondern Zeugnis des rettenden Glaubens sind. 4. Innerhalb
des Luthertums ist zu unterscheiden, ob eine Kirche die Bekenntnisschriften als verbindlich anerkennt
oder nicht. im letzteren Fall – siehe EKD – ist fast alles möglich. Bei den anderen sind die Unterschiede
recht gering, meistens drehen sie sich um Amtsfragen.
@ Johann Gerhard Ich halte es für möglich das ein Mensch der sich mehr oder weniger im Gnadenstand befindet
seine Gnade bei Gott wieder völlig verlieren kann, bewusst oder sogar nur durch Nachlässigkeit. Sagt
nicht sogar der Apostel Jakobus in der hl. Schrift das Glaube ohne Werke tot ist? Dann sollte man wirklich
auf seinen Glauben der natürlich ein Geschenk ist aufpassen. Ich weiß nicht ob sie den Fleischverzicht
am Freitag meinen mit Speiseverbot. Ich denke das ein Verzichttag in der Woche nicht als konkretes Speiseverbot
betrachtet werden kann, weil ja sogar Jesus sagte das seine Jünger fasten werden wenn der Bräutigam
nicht mehr unter ihnen weilt. Was Paulus mit dem gänzlichen Fleischverbot in den letzten Tagen meinte
trifft doch viel mehr auf militante Vegetarier oder auf vegetarisch lebende Sekten zu. Das Pflichtzölibat
ist sicherlich rein menschlich, aber das freiwillige Zölibat ist biblisch begründbar. Ist das Bibelverständnis
eigentlich bei allen Lutheranern gleich? Wenn man alle Evangelischen Gruppen betrachtet sind da doch erhebliche
Unterschiede in der Schriftauslegung. Ich möchte hier darüber wirklich kein Streitgespräch anfangen,
nur einen Gedankenaustausch.
@ sozialkatholisch Gerne. Ich möchte mit dem wohl wichtigsten Punkt anfangen, da er das ewige Seelenheil
betrifft. Nach der Lehre der Hl. Schrift ist Gnade die durch Christi stellvertretende Genugtuung gewonnene
völlig unverdiente Gunst Gottes, die sich grundsätzlich auf alle Menschen erstreckt (objektive Rechtfertigung),
für mich aber nur wirksam wird, wenn ich sie im Glauben mir schenken lassen (subjekt. R.). Die Versöhnung
ist aber allein durch Christus geschehen, dessen Heiligkeit ist die Basis für den Freispruch der Gläubigen
im Gericht. Unabhängig davon vollzieht sich bei den so Gläubigen in jedem Fall die Heiligung. Dem gegenüber
lehrt die römische Kirche bekanntermaßen, dass Gnade eine im Menschen geschaffene Qualität sei, die
es dem Menschen ermögliche, sich den Weg in den Himmel zu verdienen. Unterschiedlichste – mit keinem
Wort in der Bibel erwähnte – Gnadenarten schüfen so schließlich eine persönliche Heiligkeit, die das
wohlgefällige Urteil Gottes im Gericht bergründeten. Ferner: Es wird gelehrt, Speisen zu meiden und
als Priester zöllibatär zu leben, obwohl die Apostel selbst hiervor klar warnen. Die Lehren eines Menschen
treten quasi gleichberechtigt neben die Christi, bestimmen was Sünde ist und was nicht. Es gäbe eine
der Schrift durchaus widersprechende Tradition, die zu beachten sei. Dass unsere Tatsünden durch uns
wiedergutgemacht werden müssten. Dass es einen sog. Reinigungsort für Verstorbenen gäbe, dass den Gläubigen
der Kelch entzogen werden dürfe. Gnade ohne Glaube…
@ Johann Gerhard Die römisch-katholische Lehrstellung umfasst viele Postionen, die dem biblischen Ansatz
eindeutig widersprechen, gerade in der Gnadenlehre… Könnten sie vielleicht einige nennen?
@ Defensor Fidei Sie haben völlig Recht, ich habe vergessen Ihnen zu antworten. Sinnvoll wird dies zwar
kaum im rahmen dieses Forums möglich sein, ich versuche es aber kurz. Ausgangspunkt aller lutherischen
Überlegungen ist bekanntlich die uneingeschränkte Autorität der Schrift. Das meiste in ihr ist gar
nicht so unklar, wie es römische Theologen einem immer weis machen wollen. Vielmehr wird uns z. B. klar
offenbart, wer Jesus Christus ist, warum der Mensch erlösungsbedürftig ist, wie seine Erlösung geschieht/geschehen
ist etc. Mit Hilfe der klaren Stellen legt man dann die wenigen dunklen aus. Die Bibel betont oft die
Autorität, Klarheit und Genügsamkeit von Gottes Wort, um gerettet zu werden. Die lutherischen Bekenntnisse
haben nicht mehr getan, als eine solche Interpretation der Heiligen Schrift zu normieren – unter ständiger
Nachweisführung anhand zahlreicher Schriftstellen. Man unterwirft sich auch nicht einem x-beliebigen
Bekenntnis, sondern stellt unter der Führung des Heiligen Geistes fest, dass die lutherischen Bekenntnisse
mit dem Wort Gottes übereinstimmen und es richtig auslegen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bekenntnissen
wie den reformierten (Dordrechter Lehrsätze u. a.). Aufgrund dieser Autorität der Schrift erkennt man
auch Konzilien etc. nicht an, die eindeutig von der Bibel abweichende Lehren als richtig verkaufen wollen.
Die römisch-katholische Lehrstellung umfasst viele Postionen, die dem biblischen Ansatz eindeutig widersprechen,
gerade in der Gnadenlehre…
@ semper reformandus Ich bringe nochmals mein Beispiel mit den falschen Ärzten, die sich weiße Kittel
anziehen – von denen muss man warnen. Dieses Beispiel hinkt etwas. Ein Arzt, der keiner ist und sich trotzdem
einen Kittel anzieht, ist nämlich bösgläubig. Vor einem solchen Arzt muß man nicht nur warnen, sondern
man muß ihn auch zurechtweisen (3. Werk der geistigen Barmherzigkeit). Nimmt aber jemand gutgläubig
an, im Recht zu sein und macht etwas, das für sich genommen richtig ist, dann sind die erste beiden Werke
der Barmherzigkeit angezeigt. Der Zweifler soll beraten und der Unwissende belehrt/unterrichtet werden.
Das ist natürlich etwas anderes, als wenn man ihn zurechtweist. Die unterschiedliche Behandlung rechtfertigt
sich mit der unterschiedlichen Motivation der beiden. Wer bösgläubig ist, braucht kein Lob. Es gibt
auch gar keinen Grund dazu. Auch wenn er im Einzelfall richtig handelt. Der Einwand, daß der Patient
bei beiden falschen Ärzten aber in gleicher Gefahr ist, stimmt natürlich. Deshalb ist der Patient in
beiden Fällen gleichermaßen zu warnen. Das ist aber streng davon zu unterscheiden, wie man mit den verschiedenen
Ärzten umgeht. Deshalb meine ich, daß eine Versöhnung mit dem Protestantismus nicht möglich ist. Die
Lehre des Protestantismus ist zurückzuweisen, aber im Umgang mit dem einzelnen Protestanten ist viel
Gespür gefragt.
@ Defensor Fidei Danke für den Link, ich hatte von dem Fall gehört. Ein paar mehr – vertiefte – theologische
Beweggründe des Schweden würden mich einmal interessieren. Aber die schwedische Staatskirche ist in
der Tat auch ein Haufen zum Davonlaufen. Auf Ihre sonstigen Anmerkungen kann ich leider erst später antworten.
Korrektur @ Johann Gerhard ich meine natürlich Pastor Sten Sandmark [kreuz.net/article.3681.html] Ich
will nicht bestreiten, daß es bei bekenntnistreuen Protestanten eine Dogmatik gibt, aber wie kann man
streng nach Luther sein eigener Papst, Bischof und Priester sein und sich dann einer Bekenntnisschrift
unterwerfen müssen? Wer soll denn sagen was verbindlich ist und was nicht? Warum werden bestimmte Konzilen
scheinbar ganz selbstverständlich als verbindlich angesehen, andere dagegen nicht, nur weil sie der (später)
entwickelten protestantischen Dogmatik widersprechen? Sagte nicht auch Augustinus, den die Protestanten
so gerne Luther an die Seite stellen:„Ich würde nicht einmal dem Evangelium trauen, wenn mich die Autorität
der Kirche nicht dazu bewegen würde“? Recht hat er!!
@ semper reformandus Ich habe sogar ernsthaft Verständnis für Ihre Position und wenn ein „brennender“
Lutheraner mit einem römischen Katholiken spricht, hört es sich auch nicht anders an. Das ist eben so.
Doch bleiben Sie doch zumindest ansatzweise fair: Denn „undogmatisch“ und „anything goes“ findet sich
in meinen Reihen wirklich nicht. Die lutherische Orthodoxie hat bändeweise Dogmatiken aufgesetzt und
damit einen klaren Kontrapunkt zum r.-k- unwissenden Volksglauben gesetzt. Fragen Sie doch einmal einen
gewöhnlichen Glaubensgenossen nach Dogmatik. Ich denke, es wird ein kurzes Gespräch. In traditionellen
lutherischen Kreisen ist ferner mitnichten alles gestattet. In den meisten Fragen werden Sie insoweit
Übereinstimmungen feststellen. Differenzen gibt es vielleicht dann, wenn bei Ihnen der eigene Verstand
einmal wieder die Schrift ersetzt oder überdehnt.
@ ganz viele…ich kann sie hier gar nicht alle nennen @ Johann Gerhard ich bitte ganz gewiß an dem Tag
um Konvertitenunterricht, an dem ich davon überzeugt sein sollte, daß der Glaube der römisch-katholischen
Kirche der wahre ist. Aufgrund meiner häretischen Herkunft wahrscheinlich aber bei der FSSPX, da ich
auch für römisch-katholische Amtskirchen-Liberalisten nichts übrig habe. Nehmen Sie sich Pastor Sten
Sandmarkb (www.nauso gekreuz.net/article.3681.html) zum Vorbild. Der hat es gemacht! @ Benedikt Unter
diesem Aspekt haben die meisten diesen Artikel noch gar nicht gelesen. Viele haben sich nur gefragt, ob
es gut ist, wenn ein Protestant so etwas macht. Statt dessen war der Artikel wohl dazu gedacht, daß sich
moderne Katholiken mal Gedanken über ihr Verständnis von Liturgie machen sollten. Wenn Protestanten
nämlich katholischer sind als Taufscheinkatholiken, dann stimmt irgend etwas nicht. @ semper reformandus & @
Alois Hudal A. Hudal hat vollkommen Recht. Kein Protestant wird von heute auf morgen katholisch. Trotzdem
gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich rede aus eigener Erfahrung. Außerdem kenne ich viele Konvertiten.
Sten Sandmark (vgl oben) ist ein Paradebeispiel für einen hochkirchlich und bekenntnistreuen Protestanten,
der zur Kirche gefunden hat. Auch er hat Jahrzehnte dafür gebraucht. Nun ist er katholisch. Auch als
er noch Protestant war, ist man ihm aber – auch und gerade von Seiten der Piusbruderschaft – mit dem gebotenen
Respekt gegenübergetreten. Das Ergebnis können wir nun alle sehen!
@alois, defensor, johann natürlich muss man Gedult haben, es geht mir nicht darum, Beten zu verbieten,
ich kenne das Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom Schaf und natürlich brauchen manche länger als andere
(bei den meisten fällt der Groschen freilich nie, schauen Sie sich die Konversionszahlen an). Man muss
nur, das ist mein Punkt, nicht in Jubel ausbrechen, weil ein insgesamt Irrgläubiger ein Element, dass
uns traditionsliebenden Katholiken besonders am Herzen liegt, als „Versatzstück“ in sein antikirchlichen
Lügengebäude übernimmt. Pädagogisches, gut zuredendes Lob als Mittel der Bekehrung ist natürlich
OK, aber kein Jubel, der die Gefahr ausblendet. Ich bringe nochmals mein Beispiel mit den falschen Ärzten,
die sich weiße Kittel anziehen – von denen muss man warnen. @johann gerhard: Warum sind Sie dann kein
Jude oder Moslem? Waren Sie bei der Auferstehung dabei? Haben Sie den wissenschaftlichen „Beweis“ für
die Richtigkeit der Fakten der Hl. Schrift? Ich habe das Gefühl, in Ihnen kommt eine komische Mischung
(nicht böse gemeint) zusammen: Aus einer gewissen Unsicherheit im Glauben fühlen Sie sich zwar zum einen
in der undogmatischen anything-goes-Sekte des Protestantismus – zu Recht – heimisch, gleichzeitig sehnen
Sie sich aber nach Sicherheit und haben daher ein Faible für „alte“ Liturgie. Diese Mischung findet man
leider bei manchen Tradi-Katholiken, sie dürfte aber angesichts der Glaubens-Talfahrt des Protestantismus
auch dort immer mehr um sich greifen, dort ohne wirksame Sakramente. Pech.
#42 Alois Hudal 17:13:08 | Freitag, 19. Januar 2007
@semper reformandus Ergänzend zu Defensor Fidei: Manchmal fällt der Groschen pfennigweise, d.h. das
Erkennen der Wahrheit wird sich nicht bei jedem Protestanten sofort einstellen. Es ist ein Prozeß, der
Geduld erfordert.
@ semper reformandus Sie Spaßvogel hätten mit Ihrer Analyse völlig Recht, wenn ich davon überzeugt
wäre, dass die RKK „die Kirche“ ist. Selbstverständlich wäre es dann frech und hochmütig, sich nichts
mehr lehren zu lassen bzw. alles schon selbst wissen zu wollen. Nur – irgendwie müsste ich zu dieser
Erkenntnis ja durchstoßen… Wie soll dies ohne inhaltliche Prüfung geschehen?
@ semper reformandus…Natürlich besteht immer die Gefahr, daß… der Weg nicht zum Ziel führt, aber
was hätten wir dann verloren? Nichts! Es besteht aber eben auch die andere Möglichkeit. Was hätten
wir dann gewonnen? Alles! Diese Chance gilt es zu ergreifen. Denken Sie an das Gleichnis vom verlorenen
Schaf. Ein unglaublicher Aufwand für ein Schaf und das alles trotz der nur geringen Wahrscheinlichkeit,
daß man es wiederfindet. Wie groß die Freude Gottes über die Rückkehr nur eines Abgefallenen ist,
zeigt uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Vater war so froh über die Rückkehr, daß er seine
Sohn festlich kleiden ließ und ein großes Fest ausrichtete. Darüber ärgerte sich der ältere Sohn,
doch der Vater sagte zu ihm: „Du bist immer bei mir gewesen, was mein ist, ist dein. Freue dich über
die Rückkehr deines Bruders, der tot war und wieder lebendig geworden ist.“ Genau darum geht es auch
in unserem Verhältnis zu Protestanten. Es sind Menschen, die Gott retten will. Wir sollen dabei sein
Werkzeug sein. Wir sollen Seelen retten. Eine zustimmende Bekräftigung beim richtigen Tun kann dabei
Wunder wirken. Wäre es nicht abartig und würde es nicht der besorgten Liebe widersprechen, wenn wir
Chancen vertun, nur weil wir keine ausreichende Erfolgswahrscheinlichkeit sehen? Wir können doch nicht
ernsthaft einen Protestanten kritisieren, der aus der richtigen Gesinnung heraus z.B. an einem Hochaltar
betet. Sollen wir ihn auffordern das bitte sein zu lassen und statt dessen einen Volksaltar zu benutzen,
damit uns die Abgrenzung leichter fällt?
Tja… …während die Protestanten ältere Elemente der Liturgie wiederentdecken und sich so gleichsam
katholischen Riten annähern, glauben etliche Verantwortliche bei den Katholiken immer noch daran, die
schlichtest mögliche Gestaltung sei das Gebot der Stunde.
@johann gerhard Wenn Sie alle Lehrpositionen der Kirche verstanden und verinnerlicht haben, brauchen Sie
keinen Unterricht mehr. Sie gehen typisch protestantisch, nämlich hochmütig ich-bezogen an die Sache
ran. Der katholische Glaube verlangt ein gehorsames, demütiges Anerkenntnis des gesamten Lehr- und Glaubensgebäudes,
auch soweit Sie es nicht kennen oder verstehen. Es geht dabei nicht um die Details, sondern ums Prinzip.
Der Vorbehalt „wenn es mich überzeugt“ stempelt Sie zu dem, was Sie sind, nämlich zum Protestanten.
Entweder Sie geben sich einen Ruck, glauben „die Kirche“ und nehmen das Abenteuer auf sich, mit Glaubenssätzen
konfrontiertzu werden, die Sie nicht verstehen, oder Sie verharren zaudernd in Ihrer „Ich-will-erst-alle-Zweifel-ausräumen-und-alles-verstehen“-Position –
dann aber stehen Sie außerhalb der Kirche, mit allen dazugehörigen Risiken, und lassen sich von Sakramentensimulationen
anderer Ungläubiger in falschem Trost wiegen.
@ semper reformandus ich bitte ganz gewiss an dem Tag um Konvertitenunterricht, an dem ich davon überzeugt
sein sollte, dass der Glaube der römisch-katholischen Kirche der wahre ist. Aufgrund meiner häretischen
Herkunft wahrscheinlich aber bei der FSSPX, da ich auch für römisch-katholische Amtskirchen-Liberalisten
nichts übrig habe… Auf meine vielfältigen Einwendungen gegen römisch-katholische Lehrpositionen
habe ich bisher aber nur äußerst unzureichende Erklärungen erhalten. Deshalb bleibe ich einstweilen
dort, wo ich bin.
#36 Alois Hudal 16:00:14 | Freitag, 19. Januar 2007
@HeinrichvonOfterdingen: Ich sehe mich außerstande, zu beurteilen, ob derjenige Altkatholik, der bei
den Hochkirchlern die Weihelinie begründet hat, die Weihe im alten oder neuen Ritus vorgenommen hat.
Da wird uns hier jemand besser aufklären können. Ich weiß aber, daß hochkirchliche Bischöfe auch
schon Weihen im alten Ritus vorgenommen haben. Übrigens scheinen Sie per se davon auszugehen, daß die
Weihe im neuen Ritus ungültig ist. Natürlich müssen wir die Irrgläubigen bekehren, daß aber Ihre
Methoden dabei Früchte tragen, halte ich doch für zweifelhaft. Wenn ich den zu bekehrenden Hochkirchlern
gleich sage: „Übrigens, bei Euch ist eh alles schlecht, Ihr simuliert nur“ und wenn ich polemisiere und
sage, daß Luther ein Mörder sei (was nicht bewiesen ist, aber viele Tradis behaupten), dann werde ich
niemanden gewinnen, sondern nur erreichen, daß die Leute sich abwenden. Es geht nicht um eine Einigung
auf kleinstem gemeinsamem Nenner auf Kosten der Wahrheit, sondern darum, Lutheraner zur Hochkirche und
dann zur wahren Kirche und zum Glauben zu führen. Wenn ich von einer Union sprach, dann natürlich nur
mit denjenigen, mit denen sich die Einigung erreichen läßt, siehe die unierten Ostkirchen.
@johann gerhard Das Nachäffen der Liturgie der Kirche nutzt nichts. Sie müssen sich bekehren und den
Glauben der Kirche ohne Einschränkungen annehmen. Wenn Ihre Religionsdiener sich als Priester verkleiden
und Messe spielen, ist das ungefähr so hilfreich – und gefährlich – wie wenn Nichtmediziner sich einen
weißen Kittel überziehen und als Ärzte, mit der Spritze in der Hand, im Krankenhaus „praktizieren“.
Lieber Alois Hudal, üblicherweise ist ein Pastor, der katholischer Priester wird sub conditione „nach“zuweihen,
da eben auch an der Gültigkeit Zweifel bestehen, insbesondere weil der Ritus der Priesterweihe verändert
wurde, bzw. weil ein falsches Sakramentenverständnis vorhanden ist. Ich kenne etliche Beispiele für
Menschen, die den Irrtum gutgläubig praktizieren. Wir sollten sie unterstützen, wenn wir die Möglichkeit
haben, sie zur Kirche zurückzuführen. Da ich mich zufällig im lutherischen Bereich etwas auskenne,
weiß ich, daß es sich nicht nur um Einzelpersonen, sondern um ganze Gruppen handelt. Üblicherweise
geht das halt nur, wenn die vorher gutgläubigen (un-)Gläubigen bösgläubig gemacht werden, wenn man
ihnen also beibringt, dass sie sich im Irrtum befinden. Wenn man das macht, scheiden sich die Geister,
denn die einen folgen der Wahrheit und die anderen praktizieren den Unglauben nicht mehr gutgläubig.
Es geht um die Bekehrung von Seelen und nicht um großzügige Eingemeindungen. Und es geht vor allem um
den Glauben. Eingemeindungen (Unionen) bei denen man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner „einigt“
bewirken nur, dass die Katholiken den Glauben ebenfalls verlieren. Die Folgen des 2.Vatikanums beweisen
es zur Genüge.
#33 Alois Hudal 15:24:50 | Freitag, 19. Januar 2007
@Johann Gerhard: Ja, wobei Pastor Diestelmann leider nicht in Sukzession steht und ebensowenig sein Nachfolger.
Ich habe schon einmal mit ihm telefoniert, kenne ihn aber noch nicht persönlich.
@ Alois Hudal Wie bei den Anglikanern auch gibt es im lutherischen Bereich die unterschiedlichsten Kombinationen
der „Parameter“ liturgisch/hochkirchlich und bekenntniskonservativ. In aller Regel wird es aber schon
so sein, dass mit einer hochkirchlichen Ausrichtung (die sich wiederum nicht unbedingt 100%ig mit einer
liturgischen decken muss) eine verstärkte Offenheit für römisch-katholische Positionen einhergeht.
(Und in der Tat kann es aus diesem Kreis auch zu entsprechenden Konversionen kommen.) Gerade in den USA
gibt es aber auch sehr bewusst „kämpferisch“-lutherische Gemeinden mit schöner Liturgie etc. Über die
sog. apostolische Sukzession bzw. deren Ausgestaltung und Notwendigkeit gehen die Meinungen dann aber
doch recht stark auseinander. Die von mir verlinkten Braunschweiger hatten nach eigenen Aussagen schon
öfter NOM-Katholiken zu Gast, die aus dem Staunen über den Gottesdienstablauf nicht mehr herausgekommen
seien (das dortige Ordinarium weist in weiten Teilen Ähnlichkeiten mit der tridentinischen Messe auf).
#31 Alois Hudal 15:06:57 | Freitag, 19. Januar 2007
@HeinrichvonOfterdingen: Nein, es handelt sich um lutherische Pastoren, die sich über die Sukzessionslinie
Uetrecht (Altkatholiken) haben weihen lassen. Zwar aus unserer römischen Sicht unerlaubt, aber dennoch
gültig.
Lieber Alois Hudal, Sie schreiben: Da ich einige Pastoren in Sukzession kenne, ist mir Ihre Argumentation
geläufig. Wie sollte das möglich sein, ist die protestantische „Weihe“ doch ungültig. Sind es katholische
Priester, die abgefallen sind?
#29 Alois Hudal 14:37:29 | Freitag, 19. Januar 2007
@Johann Gerhard: Da ich einige Pastoren in Sukzession kenne, ist mir Ihre Argumentation geläufig. Ein
Teil der Tradis hier kann das natürlich nicht verstehen, da für sie Luther der Inbegriff alles Bösen,
des Abfalls und des Modernismus ist. @Semper reformandus: Was Sie über die Sichtweise des defensor fidei
schreiben, sehe ich auch so. Die katholisierenden Protestanten sollten meines Erachtens nicht verschreckt
werden, sondern den guten Pfad fortsetzen. Häufig führt die Heimkahr zum Ziel, wie etliche Konvertiten
beweisen. @HeinrichvonOfterdingen: Ich kenne etliche Beispiele für Menschen, die den Irrtum gutgläubig
praktizieren. Wir sollten sie unterstützen, wenn wir die Möglichkeit haben, sie zur Kirche zurückzuführen.
Da ich mich zufällig im lutherischen Bereich etwas auskenne, weiß ich, daß es sich nicht nur um Einzelpersonen,
sondern um ganze Gruppen handelt.
@ Lutherische Messen Im Bereich sich evangelisch nennender Kirchen gehen die Meinungen über die Liturgie
in der Tat stark auseinander. Der lutherische ursprüngliche Ansatz war – ganz anders als der Calvins –
jedoch nie gewesen, Äußerlichkeiten unbedingt abzuschaffen; Im Gegenteil es sollte eine dem Volk vertraute
und würdige Messe auf jeden Fall beibehalten werden. Dass man heutzutage hier in Deutschland evangelisch
in aller Regel mit schwarz gekleideten Miesepetern mit Ästhetikallergie verbindet, liegt also an den
Calvinisten, die sogar bis in das bekenntnistreue Luthertum insoweit massiv Einfluss ausgeübt haben.
Der altlutherische „Flügel“ des Bekenntnisluthertums hat dagegen eine reichhaltige Liturgie stets bewahrt
und bis heute auch weitestgehend beibehalten. Vielmehr wächst das Interesse an diesen Dingen sogar: In
der SELK findet sich heutzutage kaum noch ein Pfarrer in schwarz und es wird gekniet sowie sich bekreuzigt
etc. Weihrauch gibt es in der Tat noch nicht so oft, aber viele arbeiten daran. In meiner Gemeinde basteln
wir auch an einer äußerst liturgisch-hochkirchlichen Messform mit Ministranten etc. Mal etwas zum Schauen:
Die Vorreiter des liturgischen Luthertums aus Braunschweig (St. Ulrici, Landeskirche): www.luther-in-bs.de/hochmesse.htm
Deren außergewöhnlicher Gottesdienstplan: www.luther-in-bs.de/gottesd.htm Oder aus den USA, die Gemeinde
„Redeemer“ aus Fort Wayne: www.redeemerfortwayne.org/ Bilder der Messe, Ordination etc. dort unter „Gallery“.
Landorganist Ach, Sie meinen den Ritus, der Schuld an Ihrer Verständnislosigkeit gegenüber der katholischen
Theologie und (wahren) Liturgie ist. Hab ich mir fast gedacht!
#25 thaumaturgos 13:36:52 | Freitag, 19. Januar 2007
Schließlich haben sie sich ihr Leben lang an Formalien und Rubriken gehalten, haben der alten Messe Gott
sei Dank interessiert genau das die Dreieinigket kaum, aber im Hauptbuche sind die Lieblosigkeiten, Gemeinheiten,
der Ungehorsam und das Pharisäertum der Tradis genau verzeichnet … die Tür werden somanche (pro multis
eben) wohl zum Höllenschlund aufgehn, da brauchen sie nicht treten
weihrauch latein sogar luther wollte latein im gottesdienst beibehalten, hat es aber dann wg. der frage
des verständnisses für das des lateins unkundigen volk abgeschafft. bzgl der äusseren form des gottesdienstes
ist zu vermerken, daß die übrigen protestantische nationen –, anglikanische kirche – entweder wie zB
die schwedische staatskirche die paramenten und form des katholischen gottesdienstes beibehalten oder
wie die anglikanische high church diese im 19jht wieder gefunden hat. mit der liturgiereform wurde der
lateinische ritus in der volkssprache nach dem MR 1969 über das lima-formular auch für die lutheraner
akzeptabel. bzgl gregorianik im lutheranischen gottesdienst: singkreis jena www.plainsong.de/main.htm
#22 Freinsberg 13:34:13 | Freitag, 19. Januar 2007
@ Maledica >>Sind nicht die Deutschen Liturgischen Texte nahezu identisch mit der Luthermesse?<< Vergleichen
Sie doch selber: Evangelisches Gottesdienstbuch : Agende für die Evangelische Kirche der Union und für
die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands / hrsg. v. d. Kirchenleitung d. Vereinigten
Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands u. im Auftr. d. Rates von d. Kirchenkanzlei d. Evangelischen
Kirche der Union. – Taschenausg., 3. Aufl… – Berlin : Evang. Haupt-Bibelges. u. von Cansteinsche Bibelanst.;
Bielefeld : Luther-Verl. , 2003. – (Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden und für
die Evangelische Kirche der Union ; 1)
#21 landorganist 13:21:32 | Freitag, 19. Januar 2007
Herrlich, wie das Hetz-Net-Tribunal wieder zu Gericht sitzt, die prot. Ketzer aburteilt und sich tagelang
über die Verwendung von Weihrauch gedanken macht. Während die Welt in eine Klimakatastrophe rauscht,
die Recourcen knapp werden, etc. beschäftigen sich hier die ewig gleichen Konsorten mit dem Bügeln ihrer
spitzenbesetzten Rochetts und Manipeln, denn danach wird Gott sicher fragen, wenn Sie einst zaghaft an
die Himmelstüre klopfen. Wobei ich mir bei einigen hier nicht sicher bin, ob sie überhaupt noch klopfen
oder einfach die Tür eintreten. Schließlich haben sie sich ihr Leben lang an Formalien und Rubriken
gehalten, haben der alten Messe beigewohnt und während derselben fleißig den Rosenkranz gebetet. Da
steht dem Allmächtigen kein Vetorecht zu.
Luthermesse Haben nach der Liturgiedeform viele Protestanten nicht gesagt mit dem NOM wäre eine Liturgie
gegeben, jetzt gebe es nichts mehr, was die Protestanten störe. Sind nicht die Dutschen Liturgischen
Texte nahezu identisch mit der Luthermesse?
#19 Freinsberg 13:10:36 | Freitag, 19. Januar 2007
@ zeitundewigkeit In vielen Gegenden Nord- und Mitteldeutschlands behielten die Lutheraner bis ins 18.
Jh. traditionelle katholische Formen bei (z. B. Messgewänder, Niederknien, lateinische Sprache…).
@defensor fidei Sie meinen sinngemäß, ein Abgefallener oder Außenstehender „auf dem Heimweg“ solle
nicht durch Kritik verschreckt, sondern durch Lob ermuntert weden, diesen Weg fortzusetzen, bis er (wieder
oder erstmals) in der Kirchen angekommen ist. Indizien für die richtige Richtung des zu unterstützenden
Weges sei z.B. die Übernahme typisch katholischer liturgischer Elemente. Stimmt natürlich irgendwie.
Andererseits besteht die große Gefahr, dass der Heimweg nie zum Ziel führt, dies auch nicht soll, sondern
von vornherein klar ist, dass er bei der Phase der Übernahme bestimmter Elemente steckenbleibt. Dies
wäre gefährlich, weil sich dadurch nur die Antikirche äußerlich der Kirche annähert und somit die
Verwirrung weiter steigt. Kurz: Es nützt der Kirche nichts, wenn der Protestantismus Weihrauch verwendet.
Es nützt allenfalls dem Protestanten, zur Kirche zurückzukehren, und es mag ein Indiz auf dem Weg dahin
sein, das er auf einmal Weihrauch verwenden will. Die Frage, ob der Schwerpunkt der Reaktion mehr auf
das Lob als auf die Warnung gelegt werden soll, ist also komplex. Lob kommt nur in Betracht, wenn eine
überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass es sich tatächlich um ein Indiz für einen erfolgreichen,
zum Ziel führenden Rückkehrweg handelt. Bezogen auf den hier konkreten Fall nun meine Frage: Glaubt
hier allen Enrnstes jemand, dieser protestantische Amtsträger werde zu seinen Lebzeiten katholisch werden?
Täuschung Es ist interessant, was die Evangelischen mittlerweile kennen: Stola, Messgewänder, Weihrauch,
Osterkerze, Osternachtsfeier und Christmette fast wie bei Katholiken, römischer Kragen bei ev. Amtsträgern
usw. Sollten sich Katholiken darüber freuen? Oder ist das eine raffinierte Täuschung: äußerlich katholisch,
innerlich evangelisch!
@ HeinrichvonOfterdingen Außerdem glaube ich nicht, dass nicht irgend jemand den Irrtum gutgläubig praktiziert.
Also das sehe ich nun wirklich anders. Davon gibt es leider sogar viele. Die Gründe sind vielfältig.
Vorweg will ich jedoch klarstellen, daß ich den Protestantismus ganz klar ablehne. Er stellt einen Abfall
vom Glauben dar. Ein Dialog mit dem Protestantismus kann es wohl nicht geben. Mit einzelnen Protestanten
dagegen sehr wohl. Wenn der Abfall im ein oder anderen Fall nicht so gravierend ist, mag das den Dialog
erleichtern, aber falsch bleibt es letztendlich doch. Als Sie weiter unter von Selbstbetrug und der Gewissensberuhigung
gesprochen haben, dann trifft das wohl bei vielen zu. Aber: Als Katholik sollten wir nicht nur kritisieren.
Ein Lob an der richtigen Stelle platziert kann viel fruchtbringender sein, wenn es unser Ziel ist, die
Seelen zu retten. Natürlich kann man an einem Protestanten, der Weihrauch verwendet, liturgische Gewänder
benutzt und evtl. sogar ein röm. Hochgebet benutzt einiges kritisieren, aber man sollte auch erkennen,
daß man hier jemanden vor sich hat, dessen Seele vieleicht sehr viel leichter zu retten ist, als die
von vielen anderen. So sollte man hier Lob und die Kritik miteinander verbinden. Man kann anerkennen,
daß er vieles richtig erkennt und auf einem guten Weg ist. Hinzufügen sollte man aber ein paar (kritische)
Fragen, die ihn zum Nachdenken anregen. An der guten Absicht sollten wir nicht immer zweifeln. Diese kann
nur Gott vollkommen erkennen.
Vorbilder für Modernisten In den meisten katholischen Gottesdiensten hat man den Weihrauch verbannt.
Da können sich die Modernisten einmal ein Beispiel daran nehmen. Weiterhin ist in einem Lutheranischen
Gottesdienst mehr Mystik vorhanden als in einem Modernistischen katholischen Gottesdienst, welche immer
mehr zu reinen Veranstatlugen ohne auch nur den geringsten Gottesbezug ausarten. Also liebe Modernisten.
Nehmts euch ein Beispiel an den Protestanten!!!
#14 Freinsberg 11:43:31 | Freitag, 19. Januar 2007
@ r.ruhrgebietler Natürlich – es ist immer besser, Sekundärliteratur zu lesen statt der Quellen, oder?
Mein Dissertationsvater sagte: „Wissenschaft beginnt damit: Misstraue allem Gedruckten.“
@Freinsberg – muss mann auch nicht, denn: lesen Sie doch mal „Abschied von Luther“ von A. Mock – z.b.
in Internetbuchhandlungen zu erhalten für unter 9,-Euro. Da kommt der ganze Schwindel um die sog. „Reformation“
heraus… Würdigt man das historische Umfeld und den damaligen Zeitgeist, dann erfahren wir das Wesen
dieser Reformation. Und das würde Jesus Christus mit Sicherheit nicht gut finden!
Liebe Katharina L., ich verstehe Sie ja, man gibt nicht gerne zu, so einer Sache aufgesessen zu sein.
Außerdem glaube ich nicht, dass nicht irgend jemand den Irrtum gutgläubig praktiziert. Umso tragischer.
Quatsch eine verkitschte, unrichtige Darstellung der katholischen Riten zum Zwecke des Selbstbetrugs und
der Gewissensberuhigung. Keineswegs. Der Zweck ist die Verkündigung des Wortes Gottes, der Lobpreis Gottes
und die Heiligung des Menschen. Ob dieser Zweck erreicht wird, mögen Sie ja bestreiten, aber dass das
und nichts anderes der Zweck ist, können Sie nicht bestreiten. Jedenfalls nicht, ohne an der Sache vorbeizugehen.
#10 Freinsberg 10:53:52 | Freitag, 19. Januar 2007
Heinrich von Ofterdingen „eine verkitschte, unrichtige Darstellung der katholischen Riten zum Zwecke des
Selbstbetrugs und der Gewissensberuhigung“. Wer das sagt, zeigt, dass er die Geschichte der evangelischen
Liturgie nicht kennt.
Während Protestanten die vergangene Schönheit des Katholizismus … … wiederentdecken, sich mit Weihrauch,
Stolen, Alben und „Bassgeigen“ ausstatten, haben nicht wenige in der allein seelig machenden Katholischen
Kirche immer noch ihre Berührungsängste Bei meiner Teilnahme an Kursen für Gregorianik im Kloster St.
Ottilien vor einigen Jahren, fiel mir der überaus hohe Anteil an protestantischen Teilnehmern auf. Ein
von mir darauf angesprochener evangelischer Theologe gab mir sinngemäß folgende Anwort: „Was die katholische
Kirche an Schätzen über Bord geworfen hat, ist für uns Protestanten gerade gut genug“. Vielleicht lohnt
es sich, im „Sperrmüll“ nochmals genauer nachzusehen!
In der Kürze liegt die Würze Werter Heinrich von Ofterdingen, ich habe selten eine ähnlich kurze und
bündige Zusammenfassung des Wesens des Protestantismus gelesen wie die Ihrige. Sie trifft den Kern sehr
gut. Schenke unser dreifaltiger Gott, daß aus vielen Ex-Protestanten und Ex-Konzilskatholiken „Neo“-Traditionskatholiken
werden mögen.
Lieber Alois Hudal, eine Union mit protestantischen Gruppen wird es nicht geben können. Nur einzelne
Übertritte. Und das ändert nichts daran, dass der Protestantismus als ganzes eine folkloristische Veranstaltung
ist, eine verkitschte, unrichtige Darstellung der katholischen Riten zum Zwecke des Selbstbetrugs und
der Gewissensberuhigung.
#6 Alois Hudal 10:35:02 | Freitag, 19. Januar 2007
@semper reformandus: Da muß ich Ihnen entschieden widersprechen ! Wir sollten darüber sehr froh sein,
daß somindest einige Lutheraner alte kirchliche Gebräuche wiederentdecken. Ich kenne Pastoren, die eine
Priesterweihe haben und glauben, daß wir sieben Sakramente haben. Das ist für mich ein Schritt zur Union
dieser Gruppen nach dem Vorbild der Ostkirchen. Pastoren, die noch nicht in der apostolischen Sukzession
stehen, können ja überzeugt werden, daß diese notwendig ist. Wenn sie ansonsten schon für das Katholische
offen sind, sollte das ein nicht zu großes Problem sein. Seien wir froh, einen kleinen Teil dieser Pastoren
und Gemeinden für unseren Glauben und für die Kirche zurückzugewinnen !
Der kleine Unterschied: „Soll es denn nach Bohnerwachs riechen oder nach feuchtem Keller?“, die Protestanten
verwenden den Weihrauch als Desodorant! Wie originell! In der katholischen Kirche steht der Weihrauch
zunächst symbolisch für Reinigung, Verehrung und Gebet. Nach Psalm 141 (und weiteren Bibeltexten, etwa
Offb 8,3) bezeichnet er die zu Gott aufsteigenden Gebete der Gläubigen. Ein Symbol ist ja ein Zeichen,
mit dem eine Bedeutung verknüpft ist. Wenn das was es einmal bedeutete, wie im Protestantismus, verschwunden
ist, dann muß man das mit einer neuen Bedeutung auffüllen: Praktisch, nützlich, gut: Das klerikale
Desodorant! Besser könnte man die geistige Leere des Protestantismus gar nicht ausdrücken. Vielen Dank
Herr Höcker. Sehr aufschlußreich!
Jetzt gibt es dann (äußerlich) gar keinen Unterschied zu einer Novus-Ordo-Messe mehr. Noch schnell das
„Abendmahl“ draufgeknallt und der Durchschnittslaie weiß eh nicht megr wo hinten und vorne ist!
Weihrauch bei der Protestanten Ich kannte mal einen protestantischen Pfarrer, der sich auf einer Studienreise
durch Jordanien mit Weihrauch eindeckte, den er dann nach eigenen Angaben, vor dem Gottesdienst, auf dem
Altar abbrennt. Das dufte halt so schön. Es ist schon eigenartig: Während Protestanten die vergangene
Schönheit des Katholizismus wiederentdecken, sich mit Weihrauch, Stolen, Alben und „Bassgeigen“ ausstatten,
haben nicht wenige in der allein seelig machenden Katholischen Kirche immer noch ihre Berührungsängste
damit. Verkehrte Welt
Weihrauch – nichts Neues Die Agende der Evangelischen Michaelsbruderschaft (K. B. Ritter: Die liturgische
Feier. Kassel 1961) sieht die (fakultative) Verwendung von Weihrauch vor.
…entsprechen weitgehend den katholischen dumm nur, dass all dieses kindliche Nachspielen kirchlicher
Liturgie nicht die Weihe des Religionsdieners und die Zugehörigkeit zur Kirche ersetzt. Ehrlich gesagt
ist mir eine auch äußerlich klare Abgrenzung lieber. Solche Protestanten tragen nur dazu bei, die Unterschiede
weiter zu verwischen. Das offenbare Nachlassen des antikatholischen Reflexes zeigt, dass die Kirche aufhört,
Irrgläubigen ein Ärgernis zu sein – schade.