Johannes Paul II.
Inkognito auf der Skipiste
In seinem neuen Buch über Johannes Paul II. berichtet Kardinal Dziwisz nicht nur vor einer Flucht aus dem verwanzten Bischofspalast. Der verstorbene Papst habe auch überlegt, zurückzutreten.
Seine Ferien verbrachte Johannes Paul II. des öfteren mit Alessandro Pertini, dem früheren sozialistischen Präsidenten Italiens, in den Bergen.
Seine Ferien verbrachte Johannes Paul II. des öfteren mit Alessandro Pertini, dem früheren sozialistischen Präsidenten Italiens, in den Bergen.
(kreuz.net, Rom) Papst Johannes Paul II. soll im Jahr 2000 ernsthaft überlegt haben, als Papst zurückzutreten, weil sich sein Gesundheitszustand damals deutlich verschlechterte.

Das berichtet sein langjähriger Privatsekretär Stanislaw Kardinal Dziwisz in der Neuerscheinung „Ein Leben mit Karol“.

Das Buch wird morgen von der Mailänder Verlagsgruppe Rizzoli in Italien auf den Markt gebracht.

Das katholischen Wochenmagazin ‘Famiglia Cristiana’ hat Teile daraus vorabgedruckt.

Johannes Paul II. habe die Möglichkeit geprüft, die kirchlichen Gesetze zu ändern, um Päpsten den Rücktritt im Alter von 80 Jahren zu ermöglichen, so Kardinal Dziwisz.

Der gegenwärtige Erzbischof von Krakau lebte fast vierzig Jahre lang – von 1966 bis 2005 an der Seite von Johannes Paul II.

Ali Agca bat nie um Verzeihung

Im Buch findet sich auch ein langes Gespräch zwischen Kardinal Dziwisz und Gianfranco Svidercoschi, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Vatikanzeitung ‘L’Osservatore Romano’.

Darin schildert der Erzbischof viele persönliche Seiten des verstorbenen Papstes.

Zu den spannendsten Passagen des Werks zählt der Bericht über das Attentat auf den Papst am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz: „Ich habe nach dem zweiten Schuß gemerkt, wie der Heilige Vater neben mir auf eine Seite zusammengesackt ist“, berichtet der Erzbischof.

Für den Krakauer Kardinal ist klar, daß der sowjetische Geheimdienst für das Attentat verantwortlich war. Der türkische Attentäter Ali Agca sei ein perfekter Killer gewesen:

„Er war von jenen Personen entsandt worden, die den Papst für gefährlich hielten. Wer war vor der Ankündigung der Wahl eines polnischen Papstes so erschrocken? Wie kann man nicht an die kommunistische Welt denken?“

In seinem Memoirenbuch berichtet der Erzbischof auch, daß Agca Johannes Paul II. wegen des Mordversuchs niemals um Verzeihung gebeten habe:

Der Papst habe ihm das jedoch nicht übel genommen: „Für Johannes Paul II. existierte das Wort Beleidigung nicht. Wenn er einen kritischen Bericht über sich las, war er nie wütend.“

Wanzen im Bischofspalast

Kardinal Dziwisz erzählt in seinem Buch auch, daß Johannes Paul II. als Erzbischof von Krakau vom polnischen Geheimdienst ausspioniert wurde: „Der Bischofspalast war voll mit Wanzen. Wir wußten genau, daß man uns aushorchte.“

Wenn ausländische Bischöfe auf Besuch kamen, habe sie der damalige Kardinal Wojtyla in die Berge geführt, um nicht belauscht zu werden.

Zu den Bergen hatte der frühere Papst generell eine große Liebe. Während seines Pontifikats sei Johannes Paul II. über hundert Mal in den Abruzzen inkognito Ski gefahren. Der leidenschaftliche Sportler schwamm und wanderte auch gerne.

Schwäche und Treue der polnischen Kirche

In dem Buch verteidigt der Krakauer Erzbischof die polnische Kirche. Sie habe vor der Unterdrückung niemals kapituliert.

Es habe Schwächen gegeben. Aber die polnische Kirche sei ihrer Sendung stets treu geblieben.

„Ich erschrecke nicht vor einem Menschen, der sündigt“, so der Krakauer Oberhirte.

Er habe allen Priestern seiner Erzdiözese geschrieben, daß sie „zu mir kommen können, wenn sie eine Last auf dem Gewissen haben, weil sie mit dem Regime – vielleicht unwissend – zusammengearbeitet haben“.

Er würde die Situation mit ihnen überprüfen und lösen. Vor einem Fehler brauche man nicht zusammenzubrechen:

„Man muß mit der Hilfe Gottes wieder aufstehen.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   Gotthard   23:17:49 | Dienstag, 23. Januar 2007
Bekenntnis?
warum sich Leute wie meine Vorredner, die sich zur kath. Tradition bekennen, derartige Fehlgriffe produzieren.
ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern …
dieses Bekenntnis täte diesen Schmierfinkpostern Not…
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#8   adoro te devote   23:05:01 | Dienstag, 23. Januar 2007
Ich verstehe nicht,
warum sich Leute wie meine Vorredner, die sich zur kath. Tradition bekennen, derartige Fehlgriffe produzieren.
Kein Zweifel, aus traditioneller Sicht ist an JP II einiges zu kritisieren (Assisi, Ökumenismus, Liturgieverflachung etc) aber Bitte meine Herren, seit wann war JP II ein Sozialistenfreund oder Abtreibungsbefürworter. Hier kann man getrost mal General Jaruzelski oder auch Kardinal Lehmann befragen, auf die derartige Beschreibungen wohl eher zutreffen.
Sowohl für den Untergang des roten Regimes wie auch für die Bejahung des Lebens war JP II Symbolfigur. Das macht ihn nicht zum Heiligen. Aber auch aus traditioneller Sicht sollte die nötige Fairness nicht fehlen. Ansonsten überzeugt man nämlich niemanden.
PS: Auch ich habe schon mit Leuten von der „linken Reichshälfte“ Freizeitaktivitäten durchgeführt. Ich hoffe, dadurch nicht zum Modernisten geworden zu sein. :-$
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#7   HeinrichvonOfterdingen   20:13:53 | Dienstag, 23. Januar 2007
Lieber Athanasius,
da waren halt Geistesverwandte unter sich, der sozialistische Präsident Italiens und der sozialistische Papst der römisch-protestantischen Kirche (heute wird ja jeder Verein als Kirche bezeichnet). Was ist schon schlimm daran, wenn die Sozialisten miteinander zum Sporteln gehen?
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#6   Athanasius   14:20:06 | Dienstag, 23. Januar 2007
@laikos
Aber warum wohl mit einem sozialistischen Präsidenten zum Schifahren gehen?
Dieser Mann ist verantwortlich für die Abtreibung in Italien die von seiner Partei und beim Beginn seiner Amtszeit 1978 „legalisiert“ wurde.
Eine Anbiederung mit der liberalsozialistischen Weltelitemacht ist wohl kaum ein Beispiel eines angeblichen Heiligen.
Italien unter diesen Leuten hat früher den vorgeburtliche Infantizid „legalisiert“ als die liberalsozialistisch überherrschten Niederlande!
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#5   Hyazinth   13:35:02 | Dienstag, 23. Januar 2007
Frage an alle!
Jetzt sind auf dieser Seite mehr als drei Postings und es hat noch keiner angefangen zu streiten! Seid ihr krank oder nehmt ihr Drogen?
Nicht schlecht, bin überrascht!
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#4   laikos   12:06:27 | Dienstag, 23. Januar 2007
@Alle unter mir
Danke für diese Worte. Ich stimme voll und ganz mit Ihren Ansichten überein. JPII kann uns in vielen Dingen ein gutes Beispiel sein. Ich persönlich schaffe es nicht immer so ruhig zu bleiben, wenn man mich schlecht macht. Es zeugt auch von großer Nächstenliebe, wenn man jemandem, der einem Ermorden wollte nicht beleidigt ist. Ein Papst, welcher sein Amt wegen Mangel an Gesundheit oder wegen geistiger Betrübtheit nicht mehr ausführen kann soll natürlich zurücktreten. Sonst kommt es zu unüberlegten bzw. getrübten Entscheidungen, welche der Kirche schaden können.
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#3   Dr. Otterbeck   11:04:11 | Dienstag, 23. Januar 2007
„Er war nie wütend…“
Ob es mir gelingt, „nie“ gegenüber Kritik wütend zu werden, das kann ich nicht garantieren. Aber wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen.
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#2   Katharina L. †   11:03:48 | Dienstag, 23. Januar 2007
Schlecht beraten
Johannes Paul II. habe die Möglichkeit geprüft, die kirchlichen Gesetze zu ändern, um Päpsten den Rücktritt im Alter von 80 Jahren zu ermöglichen, so Kardinal Dziwisz.
Da hatte JP II aber schlechte juristische Berater. Nach CIC kann der Papst nicht nur mit 80, sondern jederzeit zurücktreten. Er muss es nur wollen und klar äußern.
Und dass JP II über Rücktritt nachgedacht hat, halte ich fast für eine Selbstverständlichkeit, denn bei einem so wichtigen Amt sollte sich der, der es innehat, immer wieder fragen, ob er dem Amt noch gewachsen ist.
Kardinal Ratzinger hat übrigens auch mal den Gedanken einer Altersbeschränkung auf 80 Jahre ins Spiel gebracht, leider weiß ich die Quelle nicht mehr. Er selbst wird im April 80, vielleicht hört man bis dahin ja etwas. Ich hoffe allerdings, er macht weiter, solange er gesund ist! Der Mann tut der Kirche sehr gut!
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#1   zeitundewigkeit   10:09:32 | Dienstag, 23. Januar 2007
Ali Agca bat nie um Verzeihung
Christen werden auch für ihn um die Gnade der Bekehrung beten.
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