Protestantismus
Kein Grund zur Schadenfreude
Mit einem sogenannten Strategiepapier versucht die ‘Evangelische Kirche Deutschlands’ ihren unaufhaltsamen Niedergang als Herausforderung hinzustellen.
Morgengebet mit einem Benediktiner. Anlaß ist eine Sommerakademie im August 2004 in der zentralfranzösischen Ortschaft Valpré
Morgengebet mit einem Benediktiner. Anlaß ist eine Sommerakademie im August 2004 in der zentralfranzösischen Ortschaft Valpré
(kreuz.net) „In der Bibel stehen klaren Worte.“

So kann man in einer Glosse lesen, die am 22. Januar in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ publiziert wurde.

Dem „arg mitgenommenen evangelischen Glauben in Deutschland“ würden diese klaren Worte offenbar nicht mehr genügen:

„Das Deutsch der evangelischen Kirche tönt wie aus völlig seelenlosen Strategiepapieren.“

Ist Christus in die Unternehmensfalle geraten? – fragt die Glosse.

Dagegen komme in der Katholischen Kirche der lateinische Gottesdienst wieder in Schwung.

Die Glosse verweist auf Schriftsteller wie Botho Strauss, die ein „Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe“ unterschrieben haben.

Doch die evangelische Kirche wolle nicht Latein reden – sondern spreche wie jene, denen es vor allem daran gelegen sei, sich selbst und ihre Geschäfte zu „optimieren“.

„Wandeln und gestalten. Missionarische Chancen und Aufgaben der evangelischen Kirche in ländlichen Räumen“ heiße ein neues „Paper“ dieser Institution, die fest an die Kraft des Unternehmens glaube.

Beim Lesen des Textes breche man nach wenigen Schritten in die Knie: 77 engbedruckte Seiten.

Mitgliederverluste und „Relevanzeinbußen“ seien als „Herausforderung zum missionarischen Handeln der Kirche zu begreifen“ – heißt es.

Manchen ländlichen Räumen schlägt man zum Beispiel vor, eine „ansprechende kirchliche Urlaubsarbeit in den saisonalen Hochzeiten“ anzubieten.

„Einen Tauchkurs mit dem Pfarrer?“ – fragt die Glosse.

Der liebe Gott werde nicht vergessen, sondern mit einem „einladenden und ansprechenden Reden“ – Komm doch rein! – kurzgeschlossen.

Für jene, die „in den tradierten Formen nicht mehr zu Hause“ sind, schlägt das Papier Gottesdienste in „alternativen Formen und für bestimmte Zielgruppen“ vor.

Glosse: „Es nimmt kein Ende mit der Anbiederung beim Abnehmer“.

Das Papier will, „den kirchlichen Auftrag der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus an alles Volk möglichst gut und effizient umzusetzen“.

Den Ausdruck „effizient“ entlarvt die Glosse als Wunschwort und findet sogleich das Wortspiel: „Die EKD: die Effiziente Kirche Deutschlands“.

Effizient sei die ‘Evangelische Kirche Deutschlands’ wenigstens auf den kostspieligen Effizienzpapieren, die stapelweise von ihr in die Welt hinausgeschickt würden.

„Aber wahrscheinlich verbucht das der Planungsstab der EKD als Entwicklungskosten.“
      
14 Lesermeinungen
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#14   Benedikt   16:56:53 | Donnerstag, 25. Januar 2007
Stimmt aber.
Der Ton ist ion der EKD tatsächlich so. Gestern kam eine entsprechende Doku in der ARD – die zu Worte kommenden, darunter auch Huber – hören sich an wie Manager: „fundraising“, „paper“, Qualitätsmanagment für Pfarrer(!) usw. Die gezeigten Gemeinden sind meist völlig unverbindliche Treffs, in denen man sich (wenn überhaupt) über weltanschauliche Frage austauscht.
Es mag ja sein, dass man so auf Dauer existieren kann, nur was nutzt das, wenn es nichts mehr mit der Botschaft zu tun hat?
Es ist auf keinen Fall „gehässig“, dies anzusprechen, denn man kann mit Recht davon ausgehen, dass die Protestanten dies selbst auch diskutieren. Darüberhinaus haben wir Katholiken ja gar keinen Grund zur Schadenfreude – uns droht ähnliches. Die Bürokratie ist eben überall unbesiegbar.
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#13   Athanasius   10:27:31 | Mittwoch, 24. Januar 2007
Änderung
Wer glaubt es besser zu wissen als 2000-jährige Liturgie und Kirchenlehre, soll sich nicht wundern, wenn seine Experimente – die im Gegenteil zur Tradition nie bewährt und nie bewiesen wurden – scheitern und seine jeweilige Denomination (ob evang.-luth. oder kamph.-kath.) zu Grunde geht.
Leute die mit „den alten Formen“ keine Affinität haben, sollten zur Affinität gebracht werden durch Unterricht und Erfahrung. Mir war als Jugendlichem z.B. anfangs die überlieferte hl. Messe auch fremd und ausserirdig, aber deswegen ist mir die Authentizität, neben dem Mysterium, nicht entgangen.
Frauenweihe, Homo-Ehe, pro-Homo-Gebetsgruppen, kein Zölibat bei uns Lateinern usw. usw., alles keine Gründe für kirchliches Wachstum, sondern Zeichen der Dekadenz. Und Dekadenz lässt eine Kirche nicht wachsen. Nur Authentizität tut dies.
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#12   Kurti   06:06:33 | Mittwoch, 24. Januar 2007
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#11   )ichthy's   00:14:41 | Mittwoch, 24. Januar 2007
Link zur FAZ-Glosse
Hier kommt der Link zur [link]FAZ-Glosse[link]C082C25414D2760/Doc~E3F8F6978DE334652985ECFFD67432BF2~ATpl~[link].
Steht an Gehässigkeit +.net kaum nach. Aber irgendwie stimmt’s doch auch, was da gesagt wird.
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#10   Sulpicius   00:08:35 | Mittwoch, 24. Januar 2007
Traditionell liberales Bistum
Na ja, wenigstens etwas Tradition ist da noch … hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahah
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#9   Marshall Blueberry   00:04:11 | Mittwoch, 24. Januar 2007
@ Sulpicius
Wollen Sie mich beleidigen?
Ich bin Würzburger und stolz drauf!
Wenigstens sind wir ein traditionell liberales Bistum!
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#8   Sulpicius   00:01:41 | Mittwoch, 24. Januar 2007
Würzburger katholisches Sonntagsblatt
hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaha…
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#7   Marshall Blueberry   23:45:29 | Dienstag, 23. Januar 2007
Wenn, jemand gehässig wird, dann wohl Sie. Was hat kreuz.net denn bitte angestellt?
Der Artikel ist wie üblich unterstes Niveau.
Das fängt schon an mit einer Wortwahl wie „unaufhaltsamer Niedergang“. Seriös ist was anderes.
Ich zitiere aus dem „Würzburger katholisches Sonntagsblatt, Kirchenzeitung für das Bistum Würzburg“:
Unter der Überschrift „Giftige Attacken aus der rechten Ecke“ heißt es dort (bzgl. Kritik an Bischof Algermissen):
„Sie agieren in niveaulosen und hetzerischen Internetforen. Angesprochen ist vor allem das sich selbst als „Nachrichtenportal“ verstehende „kreuz.net“.
…Ausdrücklich werden Gerüchte Verbreiter zur Mitarbeit angespornt…
Die Ausrichtung des Portals ist offensichtlich: Viele Beiträge haben eine Nähe zur traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X; bekämpft wird alles was in den Augen der Autoren „links“ ist. Dazu gehört etwa auch der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng, ein „Opus Dei“ Mitglied. Zustimmung findet das Portal dagegen in einer problematischen Ecke, wie die östereichische Internet Zeitung „die jüdische“ jüngst berichtete. Sie fand „zahlreiche den Holocaust offen leugnende Postings“ auf kreuz.net“
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#6   monti   23:36:16 | Dienstag, 23. Januar 2007
@Pünktchen
Ihr Link gibt nicht den Text im Original an, denn das wäre die in der FAZ abgedruckte Glosse. Ihr Link dagegen gibt den Text des Stategiepapiers an. Soweit zum kleinen Unterschied. Wenn man nur will, kann man kreuz.net IMMER böse Absichten unterstellen, und wenn es durch Tatsachenverdrehung oder Irreführung durch die jeweiligen Poster ist.
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#5   Sirilo   23:26:35 | Dienstag, 23. Januar 2007
@Pünktchen: Danke!
Danke für den Link auf den kabarettreifen, nur als Selbstparodie und Realsatire zu begreifenden Labertext der EKD-„Theologen“.
Könnte bitte jemand auch den Link auf die FAZ-Glosse einstellen?
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#4   Pünktchen   21:05:14 | Dienstag, 23. Januar 2007
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#3   HeinrichvonOfterdingen   20:35:27 | Dienstag, 23. Januar 2007
Lieber Traumaturgos,
einfach gehässig, … eben kreuz net, anonym, verlogen, schadenfroh
CHRISTLICH?
einfach respektlos, … eben kreuz.net, erfrischend, ehrlich, treffend und intelligent. Eben intellektuell über dem Gesülze einer durchschnittlichen Kirchenzeitung. Und natürlich christlich.
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#2   Lota   20:31:12 | Dienstag, 23. Januar 2007
Sich selbst gerichtet
Wenn, jemand gehässig wird, dann wohl Sie. Was hat kreuz.net denn bitte angestellt? Über einen Kommentar der FAZ berichtet.
Nach Ihnen wäre höchstens noch die FAZ bzw. der konkrete Kommentator gehässig.
Im Übrigen: Was bitte stimmt nicht?
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#1   thaumaturgos   20:29:15 | Dienstag, 23. Januar 2007
einfach gehässig
… eben kreuz net, anonym, verlogen, schadenfroh
CHRISTLICH?
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