09:40:01 | Freitag, 26. Januar 2007

Benedikt XVI. mit dem Ratsvorsitzende der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’, Bischof Wolfgang Huber
(kreuz.net) Die Ziele der ökumenischen Bestrebungen hüben und drüben sind total verschieden.
Die protestantischen
Religionsverbände sind an einer organisatorischen Einheit mit der katholischen Kirche nicht interessiert,
widerstreben ihr vielmehr aufs heftigste.
Es besteht nicht die geringste Aussicht, daß sich daran jemals
etwas ändert.
Im Grunde wollen die Protestanten, daß alles so bleibt, wie es ist, abgesehen von den
Vorteilen, die sie durch den Ökumenismus zu erlangen suchen. Das heißt, sie erstreben die bedingungslose
Anerkennung des gegenwärtigen Standes der Religionsgemeinschaften.
Was sie vom Ökumenismus erwarten,
ist Folgendes. Die Beziehungen zu anderen Konfessionen sollen die Position der eigenen Religionsgemeinschaft
verbessern.
Die Protestanten begehren die Bestätigung ihres Religionssystems als berechtigt und genuin
christlich.
Sie wollen als gleichberechtigte „Kirchen“ neben der Katholischen Kirche anerkannt werden.
Aus dieser Absicht erklären sich die unaufhörlichen Forderungen, die Katholische Kirche solle die protestantischen
Religionsverbände endlich als Kirchen im vollen Sinne und gültige Bestandteile der einen, übergreifenden
Kirche Christi bejahen.
Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Landesbischof Christian Krause, verlangte
am 9. Dezember 1999 vom Papst „die wechselseitige Anerkennung als Schwesterkirchen“.
Die protestantische
Bischöfin Maria Jepsen stellte auf dem Hamburger Katholikentag im Juni 2000 die Frage, ob die Katholische
Kirche die protestantischen Religionsverbände aus Arroganz oder aus Unsicherheit nicht als Kirchen anerkenne.
In dieser Unverschämtheit liegt die Aufforderung an die Kirche, ihren Glauben preiszugeben.
Die Absichten
des Protestantismus sind von wachen katholischen Christen längst erkannt.
Guido Horst bemerkte richtig:
„Man will von
Guido Horst:
„Man will von Rom nur zweierlei: Das Zugeständnis, daß die eine Kirche Jesu
Christi auch in den evangelischen Einzelkirchen auf vollgültige Weise besteht und lebt, und die Vereinbarung
der Abendmahlsgemeinschaft.“
Rom nur zweierlei: Das Zugeständnis, daß die eine Kirche Jesu Christi auch
in den evangelischen Einzelkirchen auf vollgültige Weise besteht und lebt, und die Vereinbarung der Abendmahlsgemeinschaft,
damit das Trennende bei ökumenischen Anlässen… nicht mehr so auffallend ins Auge sticht“.
Diese Bestrebungen
des Protestantismus sind verständlich.
Von seiner Entstehung her haften ihm zwei Kennzeichen innerlich
und untrennbar an: das Verlangen nach Prestige und das Verhalten als Konkurrent.
Er will gelten und mit
der (Katholischen) Kirche gleichziehen. Die Protestanten spüren, daß ihrer Religion ein Geburtsfehler
anhängt.
Sie hat den vom Glauben der Kirche, vom Ordensstand und vom Priestertum abgefallenen Augustinermönch
Martin Luther zum Urheber. In seiner Gefolgschaft haben sich seine Anhänger von der Kirche Christi getrennt.
Diesem Mangel soll nun von seiten der Katholischen Kirche abgeholfen werden.
Die Protestanten wollen
die Legitimität ihrer Existenz von ihr bestätigt sehen. Sie wollen ihre Ämter als genauso legitim wie
jene in der Katholischen Kirche gewertet haben.
Sie wollen ihr Abendmahl gleichberechtigt mit Meßopfer
und Kommunion anerkannt sehen.
Gleichzeitig wollen sie aber alle die Erleichterungen und Lockerungen
behalten, die ihnen die sogenannten Reformatoren – vor allem unter Berufung auf ihren Begriff der Rechtfertigung –
verschafft haben.
Sie denken nicht daran, das, was sie als evangelische Freiheit ansehen, um einer Einheit
mit der Katholischen Kirche willen preiszugeben. Wer derartige Erwartungen hegt, läuft Illusionen nach.
Von der Anerkennung als gleichberechtigt durch die Katholische Kirche erwarten die Protestanten noch
weiteren Vorteil und Gewinn. Sie wollen bei den Mischehen noch größere Eroberungen machen, als es jetzt
schon der Fall ist. Daher die unaufhörlichen Pressionen.
Die Braunschweiger Erklärung fordert, protestantisch
getraute Mischehen „ohne Einzeldispens“ als gültig anzusehen. Dieses Verlangen ist um so unverständlicher,
als die protestantische „Trauung“ für das gültige Zustandekommen der Ehe irrelevant ist. Protestanten
schließen ihre Ehe auf dem Standesamt – nicht in protestantischen Kirchen.
Sie wollen ihren Gottesdienst
als gleich mit der katholischen Messe gewertet sehen. In der Braunschweiger Kundgebung wird der Kirche
zugemutet, den Besuch eines protestantischen oder ökumenischen Gottesdienstes als Erfüllung der katholischen
Sonntagspflicht anzusehen.
Dadurch sollen ihre oft leeren Bethäuser mit katholischen Besuchern gefüllt
werden.
Gegenüber diesem egoistischen Ökumenismus des deutschen Protestantismus muten vereinzelte Stellungnahmen
protestantischer Gemeinschaften erfrischend ehrlich an.
Der mitgliederstärkste protestantische Religionsverband
in den USA, die Southern Baptists, beendete seine Gespräche mit der Katholischen Kirche, indem er erklärte:
„Wir sind keine Ökumeniker, wir sind evangelikal“.
Dieser Standpunkt ist wahrhaftig. Er ist zu respektieren.
Auszug aus dem Buch „Die Ökumenismusfalle“ von Hw. Georg May, Mainzer Emeritus für Kirchenrecht.
Das
Buch aus dem Jahr 2004 wird ab April 2007 zum Preis von 14,50 Euro im Verlag ‘Sarto Buch’ erhältlich
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