17:49:41 | Samstag, 27. Januar 2007
Mit dem französischen Armenpriester Abbé Pierre wurde am 26. Januar eine schillernde Persönlichkeit zu Grabe getragen. Von Dr. med. Stephan Puls.

Abbé Pierre mit dem Dalai Lama
(kreuz.net, Paris) Am 22. Januar verstarb in Paris der französische Armenpriester Abbé Pierre im Alter
von 94 Jahren.
Der Geistliche war Gründer der karitativen
Emmaus-Gemeinschaften.
Abbé Pierre war auch
Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion – der höchsten französischen Auszeichnung.
Er war nach Umfragen
der meistgeachtetste Franzose im Land.
Das von ihm gegründete Hilfswerk ‘Emmaus’ bemüht sich, Obdachlosen
den Weg zurück in die Gesellschaft zu bahnen.
Ein typisches Projekt ist zum Beispiel das Emmaus-Möbelhaus
in der Stadt Hagenau im Nordelsaß. Dort werden gebrauchte, meistens gespendete Möbel von ehemaligen
Obdachlosen repariert, auf dem Emmausgelände verkauft und sogar frei Haus geliefert.
Abbé Pierre R.I.P.

©
www.vdb-animations.com
Die ehemaligen Obdachlosen arbeiten zusammen mit hauptamtlichen Betreuern und erhalten
zunehmend größere Verantwortung.
Sie werden medizinisch betreut, können einen Alkoholentzug machen
und sich wieder an das normale Leben gewöhnen.
Schließlich werden sie dahin geführt, auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden und sich eine eigene Wohnung zu nehmen.
Die Emmaus-Gemeinschaften
wurden 1949 bei Paris gegründet und haben heute Ableger in vielen Ländern der Erde.
Auf einer humanistischen
Basis widmen sie sich den Randfiguren der Gesellschaft.
Nach dem Tod von Abbé Pierre gab es in allen
großen französischen Tageszeitungen seitenlange Berichte über ihn – auch Fernsehen und Rundfunk informierten
ausführlich.
Alle wichtigen Politiker des Landes ehrten den verstorbenen Priester.
Der Vorsitzende
der Französischen Bischofskonferenz, Jean-Pierre Kardinal Ricard von Bordeaux, gedachte des Priesters.
Auch der Vorsitzende des Päpstlichen Rates
Pater Alain Lorans FSSPX
„Die Nächstenliebe wird heute von
der Wahrheit abgetrennt. Aber die wahre Nächstenliebe besteht zuerst darin, die Wahrheit zu lehren.“
für die Kultur und den interreligiösen Dialog, Paul Kardinal Poupard (76), stimmte in die Lobeshymnen
ein:
„Abbé Pierre war eine bedeutende Persönlichkeit. Er half, das negative Image der Kirche zu überwinden
und hat gelebt, was Benedikt XVI. in seiner ersten Enzyklika ‘Deus Caritas est’ gelehrt hat“.
Ähnlich
äußerte sich der emeritierte Kurienkardinal Roger Etchegaray (84).
Papst Benedikt XVI. sandte ein Beleidsschreiben,
in dem er von Abbé Pierres „Zeugnis der Nächstenliebe“ spricht, „die von Christus kommt“.
Das Requiem
für den Verstorbenen wurde am 26. Januar in der Kathedrale Notre Dame in Paris zelebriert.
Unter den
Trauergästen waren der Präsident der Französischen Republik, Jacques Chirac, Premierminister Dominique
de Villepin und viele weitere Minister und Spitzenpolitiker.
Der Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal
Barbarin, sprach ein Grußwort.
Der Erzbischof von Paris, Mons. André Vingt-Trois, lobte den Verstorbenen
in seiner Predigt als eine moralische Autorität.
Abbé Pierre hieß mit bürgerlichem Namen Henri Grouès.
Er wurde am 5. August 1912 in der ostfranzösischen Stadt Lyon geboren. Im Jahr 1938 erhielt er als Kapuziner
die Priesterweihe.
1939 wechselte er aus Gesundheitsgründen zum Klerus der Diözese Grenoble.

„Und die anderen?“ – Abbé Pierre
Im französischen
Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht nahm er den Namen „Abbé Pierre“ an.
Er half
verfolgten Juden mit selbstgedruckten falschen Papieren, wurde von der Wehrmacht verhaftet, entkam aber
glücklicherweise.
Nach dem Krieg war er ein Parteigänger von General Charles de Gaulles († 1970) und –
mit Zustimmung des Erzbischofs von Paris – einige Jahre Abgeordneter in der Französischen Nationalversammlung.
Seinen ersten Aufruf für die Obdachlosen startete er im Februar 1954 über Radio Luxemburg.
Als Priester
war er von zweifelhafter Lehre.
Noch in seinem letzten, vor zwei Jahren erschienenen Buch „Mon Dieu…
pourquoi ?“ – Mein Gott… warum? – schrieb Abbé Pierre:
„Ich kenne Priester, die seit Jahren mit einer
Frau, die sie lieben und die diese Situation erträgt, im Konkubinat leben. Sie bleiben weiterhin gute
Priester.“
Abbé Pierre trat auch für verheiratete Priester und für die Weihe von Priesterinnen ein:
„Ich habe niemals verstanden, warum Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger bekräftigt haben,
daß die Kirche nie Frauen weihen wird.“
Er wollte auch die Anerkennung des Homo-Konkubinates:
„Ich
verstehe die ehrliche Sehnsucht vieler homosexueller Paare, ihre Liebe, die sie oft heimlich und marginalisiert
leben mußten, von der Gesellschaft anerkannt zu sehen. Bis zu seinem Tod war Pater Peretti mein Sekretär.
Aus seiner Homosexualität hat er nie ein Geheimnis gemacht. Er ist einer der Gründer der Vereinigung
‘David und Jonathan’ – eine christliche Vereinigung für die Anerkennung der Homosexualität.“
Zum
Haßroman
‘Da Vinci Code’ erklärte Abbé Pierre:
„Jesus mit Maria Magdalena verheiratet? Diese Hypothese beeinträchtigt
keinesfalls meinen Glauben. Anders gesagt, ich wehre mich gegen Leute, die behaupten, Jesus habe wegen
seiner Göttlichkeit keine sexuellen Beziehungen haben können.“
Treffend kommentierte Pater Alain Lorans
von der Piusbruderschaft in der Nachrichtenagentur ‘DICI’:
„Die Nächstenliebe wird heute von der Wahrheit
abgetrennt. Aber die wahre Nächstenliebe besteht zuerst darin, die Wahrheit zu lehren.“
Der Teufel versucht
stets unter dem Anschein des Guten.
Eine modernistische Kirche und die neuheidnische Gesellschaft brauchen
Ikonen des Relativismus wie Abbé Pierre.
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