15:53:32 | Montag, 29. Januar 2007

Szene aus dem Verleumdungsstück „Der Stellvertreter“
(kreuz.net, Rom) Ion Mihai Pacepa hat ausgepackt.
Pacepa ist ein ehemaliger General des früheren rumänischen
Geheimdienstes ‘Securitate’.
In der jüngsten Ausgabe des in New York erscheinenden, neokonservativen
Zweiwochenmagazins ‘National Review’ veröffentlichte er einen
längeren Artikel.
Pacepa ist der höchste
Geheimdienstmitarbeiter, der je in die Vereinigten Staaten überlief.
Im Jahr 1978 erhielt er in den
USA Asyl. Er ist inzwischen US-Staatsbürger.
In den 1960er Jahren inszenierte Pacepa zusammen mit dem
sowjetischen Geheimdienst KGB eine antikirchliche Schmierkampagne.
Deren Hauptziel war, Papst Pius XII.
(† 1958) als „einen kaltherzigen Sympathisanten der Nationalsozialisten“ hinzustellen.
Operation „Seat
12“Die Aktion begann im Februar 1960: Der sowjetische Dikator Nikita Chruschtschow († 1971) bewilligte
dazu einen streng geheimen Plan, der zum Ziel hatte, die moralische Autorität des Vatikan zu untergraben.
Bewußt wählte man den damals bereits verstorbenen
Papst Pius XII. als Angriffsziel: „Tote Männer können
sich nicht verteidigen“ – lautete die
Devise beim KGB.
Der Deckname
für die Operation war „Seat-12“ – Platz 12.
Pius XII. sollte als angeblicher Antisemit hingestellt werden,
der den nationalsozialistischen Reichskanzler Adolf Hitler († 1945) zum Völkermord ermutigt habe.
Zunächst
machte sich der KGB daran, Informationen zu sammeln.
Pacepa fungierte dabei als Mittelsmann. Zum Schein
bot er dem Vatikan die Wiederaufnahme der 1951 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen mit Rumänien
an.
Dafür verlangte er Zugang zum päpstlichen Geheimarchiv und einen zinslosen Kredit von einer Milliarde
Dollar.
Die erste Forderung begründete er damit, daß die rumänische Regierung historisches Material
brauche, um ihre Gesinnungsänderung gegenüber dem Vatikan öffentlich zu rechtfertigen.
Die Geldforderung
sollte die Glaubwürdigkeit des diplomatischen Anliegens untermauern: „Wenn es etwas gibt, daß diese
Mönche verstehen, dann ist es Geld“ – hieß es damals in KGB-Kreisen.
Der Vatikan kroch dem kommunistischen
Geheimdienst prompt auf den Leim. Der Zugang zum Archiv wurde gewährt.
Zwischen 1960 und 1962 durchsuchten
drei als Priester getarnte Unteroffiziere des rumänischen Geheimdienstes Unterlagen über Papst Pius
XII. Sie kopierten geheim einige hundert Dokumente.
Die Daten wurden mit spezieller Post an den sowjetischen
Geheimdienst geschickt.
Keines der Dokumente war in irgendeiner Weise „belastend“ – unterstreicht Pacepa.
Der KGB wußte sie dennoch zu verwerten.
Die finstere Saat geht aufIm Jahr 1963 reiste der Verantwortliche
des ‘KGB-Zentrums für Desinformation’ – General Ivan Agayants – nach Bukarest und bedankte sich bei Pacepa
für seine Hilfe.
Agayants erklärte, daß sich die Operation „Seat-12“ in einem wirkungsvollen Theaterstück
mit dem Titel
„Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel“ verwirklicht habe.
Das Werk besitze
einen voluminösen Anhang, den KGB-Experten mit Hilfe der vatikanischen Dokumente fabriziert und zusammengestellt
hätten.
Pacepa erfuhr auch, daß der Produzent des Stückes ein ergebener Kommunist mit langjährigen
Beziehungen nach Moskau war.
Das im Februar 1963 in Berlin uraufgeführten Verleumdungsstück „Der Stellvertreter“
behauptet, Pius XII. habe Hitler unterstützt und zum Völkermord an den Juden ermutigt.
Dessen damals
völlig unbekannter Autor, Rolf Hochhuth (75), berief sich auf einen mitveröffentlichten, vierzigseitigen
Anhang mit dem Titel: „Historische Streiflichter“.
Das Theater wurde in zwanzig Sprachen übersetzt und
diente als Grundlage für eine Flut weiterer Literatur und Zeitungsartikel:
„Heute haben viele Leute
noch nie etwas vom ‘Stellvertreter’ gehört. Doch sie sind zutiefst überzeugt, daß Pius XII. ein kaltherziger
und böser Mensch war, der die Juden gehaßt und Hitler bei ihrer Beseitigung geholfen hat“ – resümiert
Pacepa.
Hochhuths mysteriöser BischofAls Informanten bezeichnete Hochhuth einen Bischof, dessen Identität
er nicht preisgeben wollte. Er habe 1959 drei Monate in Rom verbracht und den geheimnisvollen Prälaten
befragen können.
Der ehemalige Geheimdienstler Pacepa bezweifelt diese Darstellung.
Er selber habe
etwa zur selben Zeit als diplomatischer Vertreter den Vatikan regelmäßig besucht:
„Es gelang mir nie,
irgendeinen gesprächigen Bischof mit mir in eine Ecke zu bekommen – und das scheiterte nicht an fehlenden
Bemühungen.“
Jetzt hofft Ex-General Pacepa, daß der Präsident der Russischen Föderation, Vladimir
Putin, die Archive des KGB öffnen wird.
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