Katastrophe
„Viele meiner Pfarrkinder sind tot“
Vor mehr als 40 Jahren begann der Pilar Orden die Mission auf Andaman und Nikobar. Jetzt sind die aufgebauten Kirchen, Pfarreien und Schulen verwüstet. Nur 500 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt, haben Priester der Gemeinschaft wie durch ein Wunder die Schrecken der tödlichen Fluten überlebt.
(kreuz.net, Andaman/Nikobar) Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeiten die Pilar Missionare auf den Andamanen und Nikobaren. Der indische Archipel von Andaman und Nikobar, der aus 572 Inseln und aus dem Meer herausragenden Felsen besteht, ist von der Flutkatastrophe schwer verwüstet worden. Zwei Missionspriester sind wie durch ein Wunder gerettet worden.

Die Inselgruppe befindet sich zwischen Indien und Thailand. Andaman und Nikobar erstrecken sich über eine Längenausdehnung von 7.000 Kilometern. Nur etwa 30 der vielen Inseln sind bewohnt. Die südlichsten Inseln der Inselgruppe liegen 500 Kilometer vom Epizentrum des Seebebens entfernt.

Die Missionare vom Heiligen Franz Xaver sind eine Kongregation unter der Patronschaft Unserer Lieben Frau von Pilar. Sie wurde 1887 in der indischen Erzdiözese Goa gegründet und zählt heute knapp 300 Priester und rund 100 Laienbrüder. Die Mission erfolgt vor allem auf Indien selbst, es gibt auch eine Mission in Neapel.

Pater Pritam Toppo, Missionar der Gesellschaft, ist Pfarrer der Insel Hutbay, eine 12-stündige Schiffsreise von Port Blair, der Hauptstadt von Andaman und Nikobar, entfernt. Als die Erde zu beben begann, ging er zur Küste und sah im Meer die ersten Anzeichen für eine Flutwelle. Er schlug Alarm und fuhr mit den Ordensschwestern und Mitgliedern seiner Pfarrei auf einen mehr als eine Stunde entfernten Berg. Seine Geistesgegenwart rettete ihn und seine Schäfchen vor dem sicheren Tod.

Als die Flut über seine Pfarrei hereinbrach, wurden die Kirche, das Pfarrhaus und die vielen kleinen Häuser der Bevölkerung innerhalb von Sekunden dem Erdboden gleichgemacht.

Drei Tage lang wußte niemand vom Verbleib des Priesters und seiner Pfarrkinder. Schließlich drang die frohe Kunde durch, daß alle überlebt hatten.

Tragischerweise war im Augenblick der Flutwelle ein ganzer Bus von Gläubigen zur Heiligen Messe nach Hutbay unterwegs. Die Menschen fanden in den Fluten den Tod. Requiescant in pace.

Ein anderer Priester, Pater Anuj Kumar, ist Pfarrer auf der Insel Car. Sie gehört zu den abgelegensten Inseln der Andamanen und Nikobaren. 15 Dörfer dieser Insel wurden durch die Wassermassen vollständig zerstört. In den übrigen vier Dörfern richtete die Flutwelle schlimme Verwüstungen an.

Auch von Pater Anuj Kumar fehlte drei Tage lang jede Spur. Dann meldete er sich unerwartet aus einer Stadt an der Ostküste Südindiens. Er habe sich auf einen Hügel seiner Insel retten können und sei von einem Flugzeug der Marine aufgelesen worden, erzählt er. Es sei auf eine wundersame Weise gerettet worden.

Sämtliche Kirchen, Pfarrhäuser, Schulen und Konvente der Pilar Mission auf den Inseln seien zerstört, bedauert der Generalvikar der Gemeinschaft. Noch mehr werde das Herz natürlich vom Tod der Menschen zerrissen.

Pater Mariano Dias (76) ist der Gründer der Missionen auf der Inselgruppe. Er ist heute Rektor des Ordensseminars und meint betroffen: „Viele meiner Pfarrkinder sind von uns gegangen.“

Vor mehr als 40 Jahren kam P. Dias als junger Ordensmann zusammen mit einem Mitbruder nach Indien und begann die Mission auf den Inseln. Insgesamt haben über 50 Pilar Priester auf dem indischen Archipel gearbeitet.
      
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