20:14:29 | Montag, 29. Januar 2007
Betrügerische Journalisten schlichen sich kürzlich in italienische Beichtstühle ein. Dort präsentierten sie sich als falsche Beichtkinder und spionierten die Priester aus.

Titelgeschichte im ‘L’Espresso’: Journalisten fingieren Beichten
(kreuz.net, Rom) Vom 7. bis zum 21. Januar spionierten Journalisten des linksorientierten italienischen
Wochenmagazins ‘L’Espresso’ in den Beichtstühlen von Turin, Mailand, Rom, Neapel und Palermo.
Das Wochenmagazin
veröffentlichte dazu einen großen Artikel.
Darin werden die ausspionierten 24 Kirchen mit Namen genannt.
Unter ihnen befindet sich zum Beispiel die römische Beichtbasilika Santa Maria Maggiore.
Das Ergebnis:
Die Antworten der Priester waren vielfach „in klarem Gegensatz zu den Direktiven von Papst Benedikt XVI.“.
Die Vorgangsweise der Sakramentenschänder war immer die gleiche:
„Wir haben uns fiktive Identitäten
zugelegt und erfundene Sünden gebeichtet, die mit den unbequemsten Fragen der zeitgenössischen Gesellschaft
zusammenhängen“ – heißt es im Artikel von Riccardo Bocca.
In Neapel „beichtete“ ein Journalist die
Euthanasierung seines kranken Vaters.
„Das war kein Leben“ – soll der Priester geseufzt haben, nachdem
der falsche Beichter, die angebliche Krankheit des angeblich Euthanasierten in dunkelsten Farben ausgemalt
hatte:
„Weißt Du was, denke nicht mehr daran. Wir wollen diese Sache zu Füßen Gottes legen, so wie
sie ist.“
„Gewiß hat die Kirche angesichts dieser Extremsituationen das Recht, ihre Positionen aufrecht
zu erhalten.“
„Wenn ich einen Vater, eine Ehefrau, einen Sohn hätte, der seit Jahren nur mit Hilfe künstlicher
Hilfsmittel lebt, würde ich die Maschinen auch abstellen“ – so der Priester im Beichtstuhl.
Ein anderer
Beichtschänder stellte sich als HIV-positiv dar. Er unterhalte – illegitime – sexuelle Beziehungen und
benütze aus Respekt vor der Lehre der Kirche keine Kondome.
Der betrogene Beichtvater verweigerte die
Absolution.
Ein weiterer Beichtschänder stellte sich als Forscher in einem Projekt mit Stammzellen vor.
Der betrogene Beichtvater erklärt ihm, daß er nicht mit Sicherheit wissen könne, woher die Stammzellen
stammten: „Du kannst mit dieser Zweideutigkeit spielen.“
Ein journalistischer Beichtschänder verkauft
sich als praktizierender Homosexueller.
Der betrogene Beichtvater erklärt ihm, daß die Kirche dabei
sei, ihre Haltung der „homosexuellen Dimension“ gegenüber zu ändern.
Im übrigen sei die Homosexualität
eine gültige Richtung des menschlichen Ausdrucks: „Es gibt auch homosexuelle Priester und lesbische Schwestern.“
Wenn er mit seinem Gewissen im Frieden lebe, dann sei das keine Sünde – erklärt der Priester dem Beichtschänder:
„Die beste Haltung besteht darin, offen zu sein und sich über die Frage auf dem Laufenden zu halten.“
In Turin wird dem gleichen Beichtschwindler die Absolution verweigert.
Ein Betrüger spielt einen 40jährigen
Lustmolch, der sexuelle Beziehungen zu einer 16jährigen unterhält.
Der eigentliche Sachverhalt scheint
den Beichtvater nicht zu stören: „Auch wenn es sich um eine negative Sache handeln würde, könnte sie
dennoch zu positiven Ergebnissen führen…“
Ein anderer Priester sieht die Sache ähnlich. Er empfiehlt
dem Beichtschwindler, sich „den Händen des Herrn anzuvertrauen“, weist aber darauf hin, daß sich aufgrund
des großen Altersunterschiedes im Alltag Probleme ergeben könnten.
Ein journalistischer Betrüger posiert
als Vater eines ungeborenen mongoloiden Kindes, dessen Abtreibung unmittelbar bevorsteht.
Der Beichtvater
sucht den Schwindler kategorisch von seinem Vorhaben abzubringen: „Sie sind ein Mörder, wenn sie es tun.“
Die Absolution wird verweigert.
Ein Schwindler beichtet, daß er sein Kind – wegen Widerständen seiner
moslemischen Frau – nicht getauft habe.
Der Priester hat damit keine Probleme: „Ich bin mit ihnen ganz
und gar einverstanden.“
Er empfiehlt, die Kinder nicht in eine bestimmte Religion hineinzudrängen: „Wenn
er 18 Jahre alt ist, wird er seinen Weg finden: Moslem, Christ, Hindu, Scientology.“
Der Schwindler erhält
die Absolution. Eine Buße muß er nicht verrichten. Ähnlich reagiert ein Priester in Mailand.
Ein Betrüger
präsentiert sich als verheirateter Mann und Bordellgänger.
„Du hast versprochen – und hältst dein
Versprechen nicht.“ Nicht einmal die Tiere würden sich so benehmen – kontert der Priester.
Ein Schwindler,
der sich als kokainabhängiger Arzt präsentiert, kommt mit einem Vaterunser, einem Ave Maria und einem
Ehre sei dem Vater weg.
Ähnlich ein Journalist, der sich als wiederverheirateter Geschiedener vorstellt.
Der Geistliche gibt die Absolution und weist darauf hin, daß er das eigentlich nicht tun dürfte.
Diese
Schändung des Beichtsakramentes hat in der Kirche Italiens einen Aufschrei ausgelöst.
Der Sekretär
der Italienischen Bischofskonferenz, Mons. Giuseppe Betori, brachte am Sonntag sein Entsetzen zum Ausdruck.
Er wies auch daraufhin, daß kein Vertreter des italienischen Kulturlebens diese Schändung verurteilt
hat.
Ein ähnliches Verbrechen hätte im Falle einer anderen Religion zu einem landesweiten Aufschrei
geführt – so Mons. Bertori.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.