13:55:02 | Mittwoch, 31. Januar 2007
Zum Tod von Mons. Spital
Kürzlich starb der emeritierte Bischof von Trier. In den Nachrufen wurden vielfach die modernistischen Positionen des Verstorbenen hervorgehoben. Von Hubert Hecker.

Am Rande des ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin leitete Hw. Hasenhüttl einen „Abendmahlsgottesdienst nach katholischem Ritus“.
(kreuz.net, Trier) Am 11. Januar verstarb Mons. Hermann Josef Spital. Er war von 1981 bis 2001 Bischof
von Trier.
Bischof Spital hat oft betont, daß mit „bloßen Katechismuswahrheiten“ nicht viel zu machen
sei – eine äußerst mißverständliche Aussage.
Mit der Abwertung dogmatischer Aussagen – auch der Glaubenssätze
im Credo – geriet der Bischof in eine bedrohliche Nähe zu so abwegigen Theologen wie Hans Küng und Hubertus
Halbfas.
Die beiden polemisierten schon vor dreißig Jahren gegen angeblich verknöcherte Dogmen und
versteinerte Wort-Wahrheiten.
Leider hat der verstorbene Bischof durch die langjährige Förderung des
Priesters und Irrlehrers Gotthold Hasenhüttl (73) solche kirchenfeindliche Tendenzen unterstützt.

Mons. Hermann Josef Spital R.I.P.
© Bistum-trier.deHw.
Hasenhüttl – emeritierter Professor für systematische Theologie an der Universität des Saarlandes –
glaubt, daß der Mensch einem Gott, der ihm vorgegeben wird, nicht religiös begegnen könne.
Jede Wort-Aussage
über Gott hält er für eine Projektion. Diese belaste und verfälsche von vornherein die unmittelbare
Erfahrung.
Wahr und wirklich sei nur ein menschliches Beziehungssein.
Wenn diese Gemeinschaftlichkeit
als herrschaftsfrei, vertrauensvoll und sinngebend erfahren werde, ereigne sich dort Gott.
„Gott“ dürfe
auch nicht als Grund oder Hintergrund menschlicher Beziehungen betrachtet werden.
Das Wort „Gott“ sei
einzig und allein eine Aussage menschlicher Gemeinschaftlichkeit. In diesem Sinne sei Liebe gleich Gott.
Wenn ein nach katholischer Lehre dem Menschen vorausgehender Gott gedacht wird, stört das – nach Hw.
Hasenhüttl – die Liebe der Menschen.
Der suspendierte Priester glaubt, daß die Menschen Gott selber
hervorbringen können, wenn sie „anderen Menschen göttliche Liebe schenken“.
Somit ist Gott ein Ereignis
und Ergebnis menschlicher Beziehungsgüte.
Das Heimtückische dieses Ansatzes besteht darin, daß hier
nicht ausdrücklich gegen die Kirche gekämpft wird. Vielmehr höhlt diese Theorie den kirchlichen Glauben
mit Begriffsverdrehungen von innen her aus.
Hw. Hasenhüttl geht in seinen Veröffentlichungen und Lehrveranstaltungen
von den klassischen Dogmen und von der kirchlichen Lehrverkündigung aus.

2003 in Berlin waren ausnahmslos alle sich christlich fühlenden Menschen zur Kommunion geladen.
So behandelt er in seiner „Kritischen
Dogmatik“ von 1979 Themen wie Jesus Christus, Gott, Kirche, Sakramente und Eschatologie.
Unter Kirche
versteht er eine institutionalisierte Herrschaftsfreiheit. Sie dient der Selbstverwirklichung des Einzelnen.
Die Aussagen von Papst und Bischöfen könnten dabei nur Denkanstöße und Diskussionsbeiträge sein.
Von der Vollmacht zur Sündenvergebung glaubt Hasenhüttl, daß sie der ganzen Gemeinde gegeben sei.
Darum hält er eine gemeinsame Bußfeier für die ideale Form gegenseitiger Versöhnung.
Zum Thema Ehesakrament
erklärt der Irrlehrer, daß Gott sich in jeder sexuellen Liebesbeziehung ereigne.
Wenn die Liebe erkalte,
sei die Ehe nicht mehr existent.
Die Eucharistie hält Hw. Hasenhüttl für eine Dankfeier für die Befreiung
der Menschen vom Ich-Zwang und für ein liebendes Miteinander.
Die Wandlungsworte müsse man von aller
mythischen und magischen Überfrachtung befreien.
Ihre Wirksamkeit könne in der Tradition von Trinksprüchen –
wie etwa „Zum Wohl“ – verstanden werden.
Am Rande des ökumenischen Kirchentages 2003 in Berlin stand
Hw. Hasenhüttl einem „Abendmahlsgottesdienst nach katholischem Ritus“ vor. Zur Kommunion waren ausnahmslos
alle sich christlich fühlenden Menschen eingeladen.
Eine Woche später wurde Hw. Hasenhüttl durch den
Bischof von Trier, Mons. Reinhard Marx, vom Priesteramt suspendiert.
Diese Kirchenstrafe wurde später
von der römischen Glaubenskongregation bestätigt.
Mit Dekret vom 2. Januar 2006 entzog der Trierer
Bischof dem emeritierten Universitätsprofessor zusätzlich auch die kirchliche Lehrerlaubnis.
Hw. Hasenhüttl
war überrascht, als die bischöflichen und päpstlichen Beurteilungen seiner Irrlehren exekutiven Charakter
hatten – und nicht bloße „Diskussionsbeiträge“ waren.
Warum konnte Hw. Hasenhüttl als Hochschullehrer
seine Theorien 28 Jahre lang einer ganzen Generation angehender Theologen und Religionslehrer einimpfen,
ohne daß der langjährige Bischof von Trier, Mons. Hermann Josef Spital, eingriff?
Kritische Stimmen
zu Hasenhüttls atheistischer „Theologie“ gab es viele.
Bereits 1974 fragte der Münchner Dogmatiker
Leo Scheffczyk († 2005) nach dem Sinn eines „Gott-losen Gottesglaubens“.
1980 bewertete Pater Franz Courth
die Irrlehre des Professors als „Dogmatik der kirchlichen Selbstauflösung“.
1997 sprach Pater Engelbert
Recktenwald von den Verwüstungen, die solche Irrlehrer im Weinberg des Herrn hinterlassen:
„Wie vielen
Seelen wurde der Glaube aus dem Herzen gerissen?“- fragt Pater Recktenwald. „Bei wie vielen Religionslehrern
und Schülern ist die Destruktion des katholischen Glaubens schon vollzogen?“
Mons. Hermann Josef Spital
ließ sich in seiner Zeit als Bischof von Trier von warnenden Stimmen nicht beeindrucken.
Anfang der
90er Jahre beauftragte er Professor Hasenhüttl – zusätzlich zur regulären Religionslehrerausbildung –
auch mit der „Nachqualifizierung im Fach Katholische Religion“.
Ältere Lehrpersonen und Religionslehrer,
die an Universitäten mit weniger modernistischem Lehrprofil ausgebildet wurden, sollten auf Hasenhüttls
Linie eingeschworen werden.
Eine Teilnehmerin – die Religionslehrerin Beatrice Brück – beschwerte sich
damals beim Trierer Bischof über die Irrlehren Hasenhüttls.
Sie reichte beim Bischof sogar eine offizielle
Anzeige „wegen Verbreitung von Häresien innerhalb der Lehrtätigkeit“ ein – mit ausführlichen Belegen
und Begründungen.
Doch Bischof Spital entschied mit Dekret vom 6. Februar 1992, daß im Rahmen einer
Voruntersuchung „die zur Last gelegten Äußerungen nicht als häretisch nachgewiesen“ werden konnten.
War der Bischof mit Blindheit geschlagen? Hatte er – die vielzitierten – „falschen Berater“?
In einem
117seitigen Pastoralschreiben von Bischof Spital aus dem Jahr 1999 zeigen sich in den philosophisch-theologischen
Grundlagen erstaunliche Parallelen zwischen dem Bischof und Hw. Hasenhüttl.
In seiner „Kritischen Dogmatik“
unterscheidet letzterer zwischen „objektivierenden“ Wahrheiten und Wahrheitssätzen einerseits und einer
sogenannten „relationalen Wahrheit“ andererseits.
Die Wahrheit des Glaubens findet Hw. Hasenhüttl allein
in der kommunikativen Beziehung der Menschen.
Auch Bischof Spital stellt in seiner Schrift das „feststellende
Denken“ einem „Beziehungsdenken“ gegenüber.
Eine angebliche griechische „Substanzontologie“ konfrontiert
er mit einem angeblichen hebräischen „Vollzugsdenken“ – bei dem die Wahrheit angeblich etwas zeitlich
Bedingtes sei.
Mit immer neuen Begriffspaaren wertet der Bischof „formulierte Glaubens- und Katechismuswahrheiten“
gegenüber den sogenannten „personalen Beziehungswahrheiten“ ab.
Offiziell wollte der Bischof dabei die
beiden einander diametral entgegengesetzten Denksysteme als Ergänzung verstehen.
Dennoch hat er mit
seinen Ausführungen eine Brücke zu den Theorien von Hw. Hasenhüttl gebaut und sich um eine klare Absage
an dessen Irrlehren gedrückt.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.