18:51:32 | Donnerstag, 1. Februar 2007
Viele ökumenische Bemühungen sind im Laufe der Jahre zu einer unverbindlichen gesellschaftlichen Begegnung ohne aufrichtigen interkonfessionellen Dialog degeneriert.

Erzbischof Werner Thissen von Hamburg
(kreuz.net, Hamburg) Anläßlich der diesjährigen 34. St.-Ansgar-Woche in Hamburg veröffentlicht der
‘Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg’ die folgende Erklärung.
Sie bezieht sich auf die
letztjährige Ansprache von Erzbischof Werner Thissen anläßlich der Ansgar-Vesper
in der evangelischen Hauptkirche St. Petri in Hamburg.
Der Initiativkreis hat den Eindruck, daß bei
dieser Ansprache – wie bei vielen anderen ökumenischen Veranstaltungen – eine ökumenische Einheit vorgegaukelt
wurde, die es aus katholischer Sicht so nicht gibt.
1. Die „evangelische Kirche“ ist nach katholischer
Lehre keine „Kirche“.In seiner Ansprache 2006 bezeichnete Erzbischof Thissen die Katholische Kirche
und die sogenannte „evangelische Kirche“ als „getrennte Kirchen“.
Diese Redeweise gibt nach Überzeugung
des Initiativkreises nicht die katholische Lehre wieder.
Der Begriff „Kirche“ setzt gemäß der Erklärung
der Glaubenskongregation vom 30. Juni 2000 voraus, daß es in der betreffenden Gemeinschaft „den gültigen
Episkopat und die gültige Eucharistie“, das heißt, ein gültiges Bischofsamt und ein gültiges Meßopfer
gibt.
Beides ist gemäß der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils in den durch die Reformation von
uns getrennten kirchlichen Gemeinschaften nicht vorhanden – dazu: Unitatis Redintegratio 22.
Das heißt:
„Bischöfin“ Jepsen ist nach katholischer Lehre keine Bischöfin.
Beim evangelischen Abendmahl empfängt
man nicht den Leib und das Blut Christi.
Die sogenannte „evangelische Kirche“ ist nach katholischer Lehre
keine Kirche.
Hingegen ist Erzbischof Thissen aufgrund seiner gültigen Bischofsweihe ein legitimer Nachfolger
der Apostel, und die katholische Eucharistie ist wahrhaft, wirklich und wesenhaft Jesus Christus mit Gottheit
und Menschheit, Leib und Seele, Fleisch und Blut.
2. Die katholische Kirche ist in Bezug auf die Gnaden
und die Glaubenswahrheiten ein „reiner Fluß“.Erzbischof Thissen vergleicht die verschiedenen christlichen
Konfessionen mit unterschiedlichen Flußarmen.
Wörtlich sagt er: „In jedem Fluß gibt es auch andere
Zuflüsse, die nicht vom Dreifaltigen Gott kommen: andere Einflüsse, Einflüsse von Macht, Einflüsse
von Egoismus, Einflüsse von Eigensinn. Es ist auch von trüben Quellen in jedem Fluß etwas zugeflossen.“
Ist dies nur ein Bild, mit dem vom Erzbischof ein Meditationsimpuls gegeben werden sollte oder gar eine
doktrinäre Aussage, mit welcher der Wahrheitsanspruch der Kirche eher relativiert werden soll?
Es ist
keine Frage, daß auch katholische Amtsträger Schuld auf sich laden können, und die Kirche auch eine
Kirche der Sünder ist.
Dennoch ist die Kirche zugleich heilig. Ist doch der katholischen Kirche nach
der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils die „Fülle der Gnade und Wahrheit“ anvertraut, und „nur durch
die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der
ganzen Fülle der Heilsmittel haben“ – so in Unitatis Redintegratio 3.
In der Dogmatischen Konstitution
über die Kirche bekräftigt das Zweite Vatikanische Konzil weiter:
„Darum könnten jene Menschen nicht
gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit
wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten“ – so Lumen Gentium 14.
Nach
dieser Lehre gilt gemäß katholischem Selbstverständnis:
Wo immer die aus der Reformation hervorgegangenen
kirchlichen Gemeinschaften in definierten Glaubensfragen von der katholischen Kirche abweichen, befinden
sie sich im Irrtum.
Um im Bild von Erzbischof Thissen zu bleiben: Die katholische Kirche ist in Bezug
auf die Gnaden und die Glaubenswahrheiten ein „reiner Fluß“.
Wo hingegen die Sakramente der Buße, der
Firmung, der Krankensalbung, der Ehe und der Priesterweihe verloren gegangen sind, hat die Fülle der
Gnade, der Wahrheit und der Heilsmittel immensen Schaden erlitten und ist dort nur noch rudimentär vorhanden.
3. Es geht bei der Ökumene nicht um „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“, sondern um einen „unterschiedlichen
Glauben“.Erzbischof Thissen erweckt den Eindruck, als ob es bei den konfessionellen Unterschieden im
Wesentlichen um „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“ gehe und nicht um unterschiedliche Glaubenslehren.
Verständlicherweise ruft er dazu auf, „die unterschiedlichen Frömmigkeitsformen der Kirchen in sich
zu versöhnen“.
Es steht aber außer Zweifel, daß es unterschiedliche Frömmigkeitsformen in der Kirche
geben darf.
Das katholische Kirchenrecht hat das Recht auf den „eigenen Ritus“ und die „eigene Form des
geistlichen Lebens“ im Grundrechtskatalog der Katholiken festgeschrieben.
Dies steht auch in bezug auf
die Ökumene überhaupt nicht in Frage. Solange eine Frömmigkeitsform mit der katholischen Glaubenslehre
übereinstimmt, ist sie legitim.
Indem Erzbischof Thissen ökumenische Fragen auf „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“
reduziert, blendet er nicht unerheblich die kirchentrennenden Glaubensunterschiede zwischen der Katholischen
Kirche und den sogenannten „evangelischen Kirchen“ aus.
Damit ist für die Ökumene aber nichts gewonnen.
4. Bei der Ökumene darf es keinen „Kompromiß“ in Glaubensfragen geben.Es hilft in der Ökumene nicht
weiter, wenn versucht wird, den Eindruck von Einheit zu erwecken, die tatsächlich nicht vorhanden ist.
Denn eine Einheit kann keine gefühlte „Kuschel-Einheit“ sein, sondern muß eine solide Einheit im Glauben
sein. „Kuschel-Ökumene“ ist Augenwischerei.
Nach den Worten der großen Ökumene-Enzyklika von Papst
Johannes Paul II. gilt:
„Die von Gott gewollte Einheit kann nur in der gemeinsamen Zustimmung zur Unversehrtheit
des Inhalts des geoffenbarten Glaubens Wirklichkeit werden. Was den Glauben betrifft, steht der Kompromiß
im Widerspruch zu Gott, der die Wahrheit ist.“
„Ein ‘Miteinander’, das die Wahrheit verraten würde,
stünde daher im Gegensatz zum Wesen Gottes, der seine Gemeinschaft anbietet, und zum Wahrheitsbedürfnis,
das tief in jedem Menschenherzen wohnt“ – so in Ut unum sint 18.
In diesem Sinne setzt sich der Initiativkreis
katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg für ökumenische Bemühungen ein, die katholischerseits
in dem Bewußtsein geführt werden müssen, daß der Katholischen Kirche die „Fülle der Gnade und Wahrheit“
anvertraut ist.
Nur durch die Katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist,
kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben – Unitatis Redintegratio 3.
Der Text ist
eine Medienmitteilung des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg.
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