11:25:43 | Dienstag, 6. Februar 2007
Mitte der 90er Jahre erfuhr Gérard Droniou durch Zufall, wer sein Vater war: ein Polizistenmörder, der geköpft wurde – und jetzt seliggesprochen werden soll.
(kreuz.net) Im Oktober 1957 starb der 27jährige Jacques Fesch in Paris unter dem Fallbeil.
Fesch hatte
im Februar 1954 eine Pariser Wechselstube überfallen und versucht, den Inhaber niederzuknüppeln.
Doch
dem Opfer gelang es, Alarm zu schlagen. Ein Polizist nahm die Verfolgung des Täters auf.
Der sehr kurzsichtige
Fesch – der im Handgemenge seine Brille verloren hatte – richtete seinen Revolver durch die Hosentasche
auf den Beamten und schoß.
Der Beamte – Witwer und Vater einer 4jährigen Tochter – wurde mitten ins
Herz getroffen. Wenige Minuten später wurde Fesch verhaftet.
Jacques Fesch war kein Berufskrimineller
und stammte aus sehr gutem Haus.
Sein Vater war ein belgischer Bankier und Künstler aus der Familie
von Kardinal Joseph Fesch († 1839).
Der Kardinal war Sohn eines Schweizer Offiziers im Dienst von Genua
und der Großmutter mütterlicherseits von Napoleon Bonaparte.
Jacques Fesch wollte seinem familiären
Umfeld entkommen und wollte ein Segelboot kaufen. Da die Eltern die finanzielle Unterstützung für ihn
gestrichen hatten, plante er den fatalen Überfall in Paris.
Den Mord an dem Polizisten hatte er nicht
vorgesehen. Die Bluttat geschah vielmehr in einem Augenblick der Panik.
Während seines Gefängnisaufenthaltes
ändert Fesch sein Leben radikal. Er wurde zutiefst fromm und bereute sein Verbrechen bitterlich.
Er
wurde ein Mystiker und Autor geistlicher Schriften.
Am 6. April 1957 wurde er vom Geschworenengericht
Seine zum Tode verurteilt.
Trotz des persönlichen Wandels des Verurteilten weigerte sich der französische
Staatspräsident, ihn zu begnadigen: Er würde mit diesem Schritt das Leben aller anderen Polizisten in
Gefahr bringen.
Fesch nahm das Todesurteil fast gelassen hin. Im Notizbuch seiner letzten Tage, schrieb
er, er habe „eine Stimme gehört, die nicht von dieser Welt war, und sie sagte mir: Du wirst die Gnade
deines Todes erfahren“.
Seine Briefe aus dem Gefängnis wurden von seinem damaligen Anwalt erst mit Erstaunen
und dann mit Ergriffenheit gelesen.
„Darin erkennt man die Güte Gottes“ – schreibt Fesch: „Er verspricht
mir trotz meiner Sünden nicht nur ewige Seligkeit, sondern nimmt mich bei der Hand mit der ganzen Zärtlichkeit
und Güte des Vaters, der seine Kinder liebt.“
„Es ist nicht Seine Gerechtigkeit, die mich verurteilt,
sondern der Haß der Welt. Ich muß stärker sein als dieser Haß, ich muß ihn durch die Liebe überwinden.“
Fesch bekannte sich auch zu seinem unehelichen Sohn: „Hiermit bekräftige ich meinen Willen, meinen Sohn
Gérard anzuerkennen“, schrieb er:
„Wenn er vor dem Gesetz mein Sohn nicht sein kann, dann ist er doch
mein Fleisch und sein Name ist in meinem Herzen.“
Jacques Fesch erwartete seinen Henker fast mit Ungeduld:
„Nur noch fünf Stunden zu leben“ – lautet die letzte Eintragung in seinem Carnet: „In fünf Stunden
werde ich Jesus sehen.“
Vor seiner Enthauptung bat der Verurteilte den ihn begleitenden Priester um ein
Kruzifix. Er küßte es und legte seinen Kopf in die Mulde.
Am 1. Oktober 1957 wurde Fesch im Hof des
Gefängnisses La Santé in Paris durch den Henker André Obrecht († 1985) enthauptet.
Im Dezember 1993
eröffnete der damalige Erzbischof von Paris, Jean-Marie Kardinal Lustiger, die Voruntersuchung zur Seligsprechung
von Jacques Fesch.

„AssaSaint“ – von Gilbert Collard
Über den bekehrten Polizistenmörder gibt es auch ein Theaterstück mit dem Titel
„AssaSaint“. Der Name ist ein Wortspiel mit den französischen Wörtern für „Mörder“ und „Heiliger“.
Der Autor ist Gilbert Collard, ein prominenter Strafverteidiger.
Erst Mitte der 90er Jahre erfuhr sein
unehelicher Sohn Gérard von der Identität seines Vaters. Gérard war seiner Mutter schon früh weggenommen
worden und wuchs unter staatlicher Obhut auf.
Die Tochter des erschossenen Polizisten ist Anwältin geworden.
Sie hat nie öffentlich über ihren Vater und seinen Mörder gesprochen.
Kardinal Lustiger empfing sie
einmal zu einem Gespräch.
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