Polen
Wer war Erzbischof Stanislaw Wielgus?
„Ich bin mir sicher, daß kein Mikrofilm auftauchen würde, wenn ein liberaler Prälat auf den erzbischöflichen Stuhl von Warschau ernannt würde.“
Der emeritierte Erzbischof Stanislaw Wielgus liest die Messe für einen Schwesternorden, 2005
Der emeritierte Erzbischof Stanislaw Wielgus liest die Messe für einen Schwesternorden, 2005
(kreuz.net) Erzbischof Stanislaw Wielgus war ein seriöser Prälat – in Polen für seine „konservativen theologischen Ansichten“ bekannt.

Das erklärte der EU-Parlamentarier Maciej Giertych (70) im Januar dem RU-Presse-Service.

Giertych (70) ist ein bekannter polnischer EU-Parlamentarier und Präsident der Partei ‘Liga der polnischen Familien’.

Die Partei ist an der gegenwärtigen Regierungskoalition in Polen beteiligt.

Maciej Giertych ist der Vater des gegenwärtigen polnischen Vize-Premierministers und Erziehungsministers, Roman Giertych, sowie der Bruder des Theologen des päpstlichen Hauses, Pater Wojciech Giertych OP.

Hier der Text von Maciej Giertych:

„Erzbischof Stanislaw Wielgus ist ein seriöser Prälat, der für seine konservativen theologischen Ansichten bekannt ist.

Man muß wissen, daß in der kommunistischen Periode jeder, der etwas war, Kontakte mit den Geheimdiensten haben mußte.

Diese Kontakte waren notwendig, um sich um einen Paß zu bewerben, ins Ausland zu reisen oder um einen höheren öffentlichen Posten zu übernehmen.

Besonders Priester mußten beim Bau einer Kirche oder bei größeren Reparaturen an einem Gebäude über die notwendigen Genehmigungen verfügen. Diese waren vom guten Willen der Verwaltungen abhängig.

Um diese Genehmigungen zu erhalten, waren Kontakte mit den Geheimdiensten notwendig.

Jeder versuchte, diese Kontakte
Kooperation mit dem Regime
Trinken nicht auch die meisten deutschen und französischen Bischöfe Champagner mit jenen abscheulichen Kriminellen, die für Abtreibungsgesetze stimmten, sie aufrechterhalten und immer weiter verschlimmern?
auf ein Minimum zu reduzieren und versprach dabei, in Zukunft bei den Obrigkeiten nicht negativ aufzufallen.

So waren Kontakte und einige vage Versprechungen die Norm, die niemanden disqualifiziert.

Natürlich versuchten die Geheimdienste so viele Mitarbeiter wie möglich anzuwerben – oft mit Hilfe von Erpressung – zum Beispiel aufgrund irgendwelcher Kenntnisse über die betreffende Person. Einige Leute willigten ein, zu kooperieren.

Sie unterschrieben in diesem Sinn Vereinbarungen.

Viele erhielten dadurch praktische Vorteile – zum Beispiel einen Paß –, ohne aber wirklich zu kooperieren.

Wieder andere waren als Mitarbeiter tätig und ließen den Geheimdiensten Berichte über Dinge zugehen, welche die Behörden interessierten – zum Beispiel negative Informationen, die später zur Erpressung anderer benutzt werden konnten.

Nur der Erweis von tatsächlichen Berichten an den Geheimdienst wird in Polen als Beweis für eine Kooperation gewertet.

Leider wurde bei der Gesprächsrunde, die zu diesem Thema im Jahr 1989 stattfand, vereinbart, daß die geheimen Akten nicht geöffnet werden sollten. Viele Akten wurden in der Folge vernichtet – oder als vernichtet bekanntgegeben.

Heute präsentieren jene, die Zugang zu diesen Dokumenten haben, ihre Kenntnisse dann, wenn es politisch von Nutzen ist.

So geschah es, daß Mikrofilme in äußerst ungelegenen Augenblicken auftauchten, obwohl die eigentlichen Dokumente vielleicht gar nicht mehr existierten.

Wir wissen heute, daß sich Hw. Wielgus, als er sich um einen Reisepaß bewarb, um in den Jahren 1973 und 1978 im Westen zu studieren, bereiterklärte zu kooperieren und einige entsprechende Dokumente unterzeichnete.

Aber soweit wir informiert sind, kooperierte er damals nicht tatsächlich.

Als die Medien zuerst Nachrichten publizierten, daß er Kontakte mit den Geheimdiensten besaß, und später, daß er eine schriftliche Zustimmung zur Mitarbeit gegeben habe, bestritt er dies.

Ich vermute, daß er sich möglicherweise auf Informationen verließ, daß die ihn betreffenden Dokumente zerstört worden seien.

Doch dann tauchten Mikrofilme dieser Dokumente auf. Somit war Mons. Wielgus öffentlich der Lüge überführt.

Am vergangenen Dreikönigsfest wurde in allen Kirchen der Warschauer Erzdiözese während der Messe ein Brief von Erzbischof Wielgus verlesen, worin er alle Einzelheiten seiner Kontakte mit den Geheimdiensten erklärte.

Wenn er das einen Monat früher getan hätte, als seine Person als möglicher Kandidat für die Warschauer Erzdiözese zum ersten Mal in den Medien genannt wurde, hätte es kein Problem gegeben.

Aber weil er zuerst alle Kontakte leugnete und dann bestritt, irgend etwas unterschrieben zu haben, bezogen sich seine Geständnisse nur auf Dinge, die bereits von jenen bewiesen wurden, die über Beweismaterial – nämlich Mikrofilme – verfügten.

Inzwischen wird auch spekuliert, ob Mons. Wielgus nicht auch Berichte schrieb, die vielleicht später – zum Beispiel in den Akten der dadurch möglicherweise bezichtigten Personen – auftauchen könnten.

Seine Glaubwürdigkeit war jedenfalls dahin. Warschau ist ein zu wichtiger Posten, um dort jemanden mit einer untergrabenen Autorität einzusetzen.

Der Papst bat ihn, zurücktreten, und Mons. Wielgus gehorchte am 7. Januar, nur wenige Augenblicke vor seiner feierlichen Amtseinführung.

Natürlich kamen die gegen ihn gerichteten Angriffe von liberalen Medien und liberalen Journalisten.

Ich bin mir sicher, daß kein Mikrofilm auftauchen würde, wenn ein liberaler Prälat auf den erzbischöflichen Stuhl von Warschau ernannt würde.

Dies ist eine ernste Lehre für die polnischen Bischöfe. Alles aus der Vergangenheit wird dann auftauchen, wenn es für die Kirche am ungelegensten kommt. Nur die Wahrheit wird uns frei machen.“

RU-Presse-Service fragt sich im Anschluß an Giertychs Erklärung, ob Mons. Wielgus der Kooperation schuldiger sei als viele gegenwärtige Bischöfe in Frankreich und Deutschland:

„Trinken nicht die meisten von ihnen Champagner mit jenen ‘abscheulichen’ – die Wortwahl des Zweiten Vatikanums – Kriminellen, die für Abtreibungsgesetze stimmten, sie heute aufrechterhalten und immer weiter verschlimmern.“
      
8 Lesermeinungen
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#8   adoro te devote   17:29:07 | Mittwoch, 7. Februar 2007
@stimme
Von Polen haben Sie keine Ahnung.
Die Liga Polskich Rodzin ist ein konstrukt der polnischen Geschichte (slawoethnisch mit katholischem Habitus), die in die Jetzt-Zeit hineinragt. Sie bewegt sich zudem derzeit eh an der 5%-Hürde. Die Kaczynskis hoffen mit ihrer eigenen Partei denen irgendwann die Lichter auszublasen.
Zum Thema: Wielgus hat sich von Radio Maryja aufs Schild heben lassen, einer Art action francaise für (nord)ostpolnische Fortschrittsverlierer (Wielgus war vorher Bischof von Płock im Norden, daher der Zusammenhang). Abgesehen von einer massiven Ablehnung der westlichen Lebenskultur – das könnte man unreflektiert als „konservativ“ bezeichnen – sind die theologisch indifferent und liturgisch graußlig modern: Massenveranstaltungen, die als Hl. Messe ausgegeben werden (NOM natürlich).
Jetzt sind die Slawoethnizisten natürlich stinkig, weil ihr Mann gekippt wurde und machen dementsprechend Stimmung. Die Mehrheit der Gläubigen in Polen ist da aber anderer Auffassung.
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#7   stimme der vernunft †   17:07:43 | Mittwoch, 7. Februar 2007
konservativ – liberal
Für den Abgordneten Giertych von der polnischen rechts-aussen Partei (vergleichbar den Republikanern in Deutschland) ist Wielgus „konservativ“, für hetznet ist Wielgus „liberal“.
Da kann man sich ja dann ungefähr den politischen Standpunkt von hetznet ausrechnen.
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#6   Stimme aus dem Tradiland   17:03:43 | Mittwoch, 7. Februar 2007
@ Cicero 1 – da sehen Sie welche Meinungsvielfalt auf kreuz.net herrscht
Interessant ist, das noch am 06.01.2007 im Artikel „Informant ohne Informationen“ das genaue Gegenteil behauptet wurde.
Dort heißt es: „Kirchenpolitisch gehört Mons. Wielgus eher zum liberalen Flügel der polnischen Kirche.“
Derartige Einschätzungen hängen sehr vom Betrachter ab. Aus Sicht eines Tradis ist Wielgus wohl ein V2-Liberaler. Aus Sicht eines konservativen Nicht-Tradis möglicherweise konservativ, weil der sich gegen Abtreibung, Homosexualität udgl. ausspricht.
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#5   Ansgar   17:00:15 | Mittwoch, 7. Februar 2007
@ vernünftige stimme
Die Kirche und ihre Riten sind doch wohl etwas Über-Zeitliches. Ich empfinde Ihre fortschrittsgläubige Zukunftsvergötzung jedenfalls als ähnlich spießig wie die von Ihnen kritisierten Punkte – sie erinnert irgendwie ans 19. Jahrhundert und Kaiser Wilhelms „goldene Zeiten“.
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#4   Cicero 1   16:50:50 | Mittwoch, 7. Februar 2007
Interessant
Interessant ist, das noch am 06.01.2007 im Artikel „Informant ohne Informationen“ das genaue Gegenteil behauptet wurde.
Dort heißt es: „Kirchenpolitisch gehört Mons. Wielgus eher zum liberalen Flügel der polnischen Kirche.“
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#3   Lota   16:32:09 | Mittwoch, 7. Februar 2007
Typisch linksextrem
Sie praktizieren mit ihrer ständigen Verleumdung „hetz.net“ doch nur, was sie versuchen anzuklagen (und führen sich damit selbst ad absurdum).
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#2   Stimme aus dem Tradiland   16:28:08 | Mittwoch, 7. Februar 2007
@ unvernünftige Stimme
„hetz.net“ ist nicht hier, sondern dort www.hetz.net/ Kapiert?
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#1   stimme der vernunft †   16:24:37 | Mittwoch, 7. Februar 2007
das auffällige
an den hetznet-Artikeln ist, dass zu 90% weinerlich über irgendwelche Dinge gejammert wird, die passiert sind und die sich nicht ändern lassen. Dies Themen werden dann ad nauseam wiederholt.
Das zeigt gut die Stimmung der Klientel von hetznet, radikalen Sedisvakantisten, ewiggestrigen Klerikalfaschisten und nostalgischen Spitzentuch-Liebhabern.
Sie sind in einer Welt verhaftet, die unwiderbringlich vergangen ist, und sie beschäftigen sich jetzt damit, der „guten alten Zeit“ nachzuheulen.
Die Zukunft gehört einem anderen Menschenschlag, zum Glück.
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