15:20:13 | Mittwoch, 7. Februar 2007
„Ich bin mir sicher, daß kein Mikrofilm auftauchen würde, wenn ein liberaler Prälat auf den erzbischöflichen Stuhl von Warschau ernannt würde.“

Der emeritierte Erzbischof Stanislaw Wielgus liest die Messe für einen Schwesternorden, 2005
(kreuz.net) Erzbischof Stanislaw Wielgus war ein seriöser Prälat – in Polen für seine „konservativen
theologischen Ansichten“ bekannt.
Das erklärte der EU-Parlamentarier Maciej Giertych (70) im Januar
dem RU-Presse-Service.
Giertych (70) ist ein bekannter polnischer EU-Parlamentarier und Präsident der
Partei ‘Liga der polnischen Familien’.
Die Partei ist an der gegenwärtigen Regierungskoalition in Polen
beteiligt.
Maciej Giertych ist der Vater des gegenwärtigen polnischen Vize-Premierministers und Erziehungsministers,
Roman Giertych, sowie der Bruder des Theologen des päpstlichen Hauses, Pater Wojciech Giertych OP.
Hier
der Text von Maciej Giertych:
„Erzbischof Stanislaw Wielgus ist ein seriöser Prälat, der für seine
konservativen theologischen Ansichten bekannt ist.
Man muß wissen, daß in der kommunistischen Periode
jeder, der etwas war, Kontakte mit den Geheimdiensten haben mußte.
Diese Kontakte waren notwendig, um
sich um einen Paß zu bewerben, ins Ausland zu reisen oder um einen höheren öffentlichen Posten zu übernehmen.
Besonders Priester mußten beim Bau einer Kirche oder bei größeren Reparaturen an einem Gebäude über
die notwendigen Genehmigungen verfügen. Diese waren vom guten Willen der Verwaltungen abhängig.
Um
diese Genehmigungen zu erhalten, waren Kontakte mit den Geheimdiensten notwendig.
Jeder versuchte, diese
Kontakte
Kooperation mit dem Regime
Trinken nicht auch die meisten deutschen und französischen Bischöfe
Champagner mit jenen abscheulichen Kriminellen, die für Abtreibungsgesetze stimmten, sie aufrechterhalten
und immer weiter verschlimmern?
auf ein Minimum zu reduzieren und versprach dabei, in Zukunft bei den
Obrigkeiten nicht negativ aufzufallen.
So waren Kontakte und einige vage Versprechungen die Norm, die
niemanden disqualifiziert.
Natürlich versuchten die Geheimdienste so viele Mitarbeiter wie möglich
anzuwerben – oft mit Hilfe von Erpressung – zum Beispiel aufgrund irgendwelcher Kenntnisse über die betreffende
Person. Einige Leute willigten ein, zu kooperieren.
Sie unterschrieben in diesem Sinn Vereinbarungen.
Viele erhielten dadurch praktische Vorteile – zum Beispiel einen Paß –, ohne aber wirklich zu kooperieren.
Wieder andere waren als Mitarbeiter tätig und ließen den Geheimdiensten Berichte über Dinge zugehen,
welche die Behörden interessierten – zum Beispiel negative Informationen, die später zur Erpressung
anderer benutzt werden konnten.
Nur der Erweis von tatsächlichen Berichten an den Geheimdienst wird
in Polen als Beweis für eine Kooperation gewertet.
Leider wurde bei der Gesprächsrunde, die zu diesem
Thema im Jahr 1989 stattfand, vereinbart, daß die geheimen Akten nicht geöffnet werden sollten. Viele
Akten wurden in der Folge vernichtet – oder als vernichtet bekanntgegeben.
Heute präsentieren jene,
die Zugang zu diesen Dokumenten haben, ihre Kenntnisse dann, wenn es politisch von Nutzen ist.
So geschah
es, daß Mikrofilme in äußerst ungelegenen Augenblicken auftauchten, obwohl die eigentlichen Dokumente
vielleicht gar nicht mehr existierten.
Wir wissen heute, daß sich Hw. Wielgus, als er sich um einen
Reisepaß bewarb, um in den Jahren 1973 und 1978 im Westen zu studieren, bereiterklärte zu kooperieren
und einige entsprechende Dokumente unterzeichnete.
Aber soweit wir informiert sind, kooperierte er damals
nicht tatsächlich.
Als die Medien zuerst Nachrichten publizierten, daß er Kontakte mit den Geheimdiensten
besaß, und später, daß er eine schriftliche Zustimmung zur Mitarbeit gegeben habe, bestritt er dies.
Ich vermute, daß er sich möglicherweise auf Informationen verließ, daß die ihn betreffenden Dokumente
zerstört worden seien.
Doch dann tauchten Mikrofilme dieser Dokumente auf. Somit war Mons. Wielgus öffentlich
der Lüge überführt.
Am vergangenen Dreikönigsfest wurde in allen Kirchen der Warschauer Erzdiözese
während der Messe ein Brief von Erzbischof Wielgus verlesen, worin er alle Einzelheiten seiner Kontakte
mit den Geheimdiensten erklärte.
Wenn er das einen Monat früher getan hätte, als seine Person als
möglicher Kandidat für die Warschauer Erzdiözese zum ersten Mal in den Medien genannt wurde, hätte
es kein Problem gegeben.
Aber weil er zuerst alle Kontakte leugnete und dann bestritt, irgend etwas unterschrieben
zu haben, bezogen sich seine Geständnisse nur auf Dinge, die bereits von jenen bewiesen wurden, die über
Beweismaterial – nämlich Mikrofilme – verfügten.
Inzwischen wird auch spekuliert, ob Mons. Wielgus
nicht auch Berichte schrieb, die vielleicht später – zum Beispiel in den Akten der dadurch möglicherweise
bezichtigten Personen – auftauchen könnten.
Seine Glaubwürdigkeit war jedenfalls dahin. Warschau ist
ein zu wichtiger Posten, um dort jemanden mit einer untergrabenen Autorität einzusetzen.
Der Papst bat
ihn, zurücktreten, und Mons. Wielgus gehorchte am 7. Januar, nur wenige Augenblicke vor seiner feierlichen
Amtseinführung.
Natürlich kamen die gegen ihn gerichteten Angriffe von liberalen Medien und liberalen
Journalisten.
Ich bin mir sicher, daß kein Mikrofilm auftauchen würde, wenn ein liberaler Prälat auf
den erzbischöflichen Stuhl von Warschau ernannt würde.
Dies ist eine ernste Lehre für die polnischen
Bischöfe. Alles aus der Vergangenheit wird dann auftauchen, wenn es für die Kirche am ungelegensten
kommt. Nur die Wahrheit wird uns frei machen.“
RU-Presse-Service fragt sich im Anschluß an Giertychs
Erklärung, ob Mons. Wielgus der Kooperation schuldiger sei als viele gegenwärtige Bischöfe in Frankreich
und Deutschland:
„Trinken nicht die meisten von ihnen Champagner mit jenen ‘abscheulichen’ – die Wortwahl
des Zweiten Vatikanums – Kriminellen, die für Abtreibungsgesetze stimmten, sie heute aufrechterhalten
und immer weiter verschlimmern.“
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