10:06:01 | Donnerstag, 8. Februar 2007
Zu einem Aufstand der „Konzilsgeneration“ rief kürzlich die Zeitschrift ‘Gottesdienst’ auf. Ob jemand von den Angegrauten den Schlachtruf noch hören wird? Ein Kommentar.

Morgenmesse im Linzer Priesterseminar
(kreuz.net) Die vom ‘Deutschen Liturgischen Institut’ in Trier publizierte Zeitschrift ‘Gottesdienst’
bläst zur Gegenrevolution.
Einen entsprechenden Aufruf veröffentlichte der Redaktor der Zeitschrift,
Eduard Nagel, am 26. Januar 2007.
Nagel nimmt dabei seinen Ausgangspunkt von
Berichten über die endgültige
Entfernung des sogenannten Volksaltars aus einer Wiener Kirche:
„Triumphierend wird da verkündet: Versus
populum ist out!“
Auch in Rom hört Nagel die Brandung der Revolution.
Dort würden „gewisse Kreise“,
unterstützt durch „bestimmte Medien“, massiv Sturm für die generelle Wiederzulassung des „Ritus von
1962“ laufen.
Es werde so der Eindruck erweckt, daß es in der heutigen Kirche nichts Wichtigeres als
diesen Schritt gebe:
„Als Begleitmusik in den betreffenden Medien ist dazu zu hören: Die Liturgiereform
ist gescheitert.“
Der Redaktor wirft einen sentimentalen Blick in eine verklärte Vergangenheit und appelliert
an die „Generation Konzil“ – „die aus biologischen Gründen allmählich abtritt“ – „gegen all diese Machenschaften“
noch einmal aufzustehen.
Nagel gesteht ein, daß „so manches noch nicht erreicht ist, was die Väter
des Konzils zusammen mit Gottes ganzem heiligem Volk damals von dieser Reform erhofften“.
Schade, daß
Nagel nicht mitteilt, welche „Saat des Konzils“ noch nicht aufgegangen ist.
Statt dessen fordert er die
Konzilspensionisten auf, ihr Gewissen zu erforschen, „wo sie bis heute Fehler machen und damit den Gegnern
der Reform unnötige Angriffsflächen und Munition bieten“.
Doch dann der Appell: Die angeblichen Konzilsverteidiger
sollen sich noch einmal anstrengen und zeigen, welche „theologische und spirituelle Kraft“ in der erneuerten
Liturgie stecke.
Welche Kraft meint Nagel?
Vielleicht die Zentrifugalkräfte in der Zeit der sogenannten
Erneuerung, als Papst Paul VI. 70.000 Priestern trotz angeblich erneuerter Liturgie den Laufpaß ausstellte?
Oder meint Nagel die Sexskandale, die just in jener Priestergeneration ihren
Höhepunkt erreichten, die
mit der „theologischen und spirituellen Kraft“ der erneuerten Liturgie ausgebildet wurde?
Ältere Priester –
offenbar jene, die damals nicht die Flucht ergriffen – fordert Nagel auf, zu bekennen, „welche Befreiung
es für sie war, daß sie Gottes Wort jetzt in der Muttersprache den Gläubigen selbst verkünden“.
Die
Gläubigen? Ah – jene, die sich damals vor lauter Begeisterung am germanisierten Gottesdienst in Scharen
davonschlichen, so daß sich die heutige Restkirche vor allem auf jene stützt, die im Alten Ritus sozialisiert
wurden.
Diese Priester ruft Nagel auf zu sagen, „wie buchstäblich verkehrt es ist, Menschen, die man
anspricht, den Rücken zuzuwenden“ – als ob man vor dem Konzil mit dem Rücken zu Volk gepredigt hätte.
Außerdem haut Nagel mit dieser billigen Polemik nicht nur die katholische, sondern auch die byzantinische,
altorientalische, armenische, koptische und äthiopische – ja sogar die lutherische – Liturgie kaltschnäuzig
in die Pfanne.
Ob ein Mann solcher Sprüche als Chefredaktor einer liturgischen Zeitschrift am rechten
Platz ist?
Mit dem Schwarz-Weiß-Pinsel fällt Nagel schließlich über die Gläubigen des Römischen
Ritus her, welchen er in bewußter Irreführung „Ritus von 1962“ nennt.
Nagel hat es offenbar selber
ausprobiert. Wer an einer bischöflich erlaubten Messe im Ritus von 1962 teilnehme, werde feststellen:
„Es ist eine eher traurige Gruppe, die sich hier zusammenfindet und ihre Andacht verrichtet, während
vorn ein Priester die Messe liest.“
„Freude“ und „Aufbruchstimmung“ sei in den letzten hundert Jahren
von der Jugend- und der Liturgischen Bewegung in die Kirche gekommen.
Die Traditionalisten würden vor
allem Klagen und Mißmut verbreiten.
Wie schlecht ist doch die Welt.
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