Euthanasie
Ehemalige Mitarbeiter packen aus
Finstere Machenschaft in einer Schweizer Selbstmordfirma Deren Leiter scheint es nicht nur auf Menschenleben, sondern auch auf Geld abgesehen zu haben.
© pixelquelle.de
(kreuz.net, Zürich) Der Betreiber des Züricher Euthanasierungs- Unternehmens ‘Dignitas’ ist in Bedrängnis.

Zwei frühere Mitarbeiter werfen ihm die Ermordung von mindestens zwei Menschen vor.

Das berichtete das ‘Schweizerische Fernsehen’ gestern in der Sendung ‘Rundschau’.

Als erste Zeugin nennt das Fernsehen die frühere Stellvertreterin von Ludwig Minelli, Soraya Wernli.

Laut Frau Wernli hat es bei ‘Dignitas’ auch Fälle von „aktiver Sterbehilfe“ gegeben.

Damit ist die direkte und beabsichtigte Ermordung eines Hilflosen gemeint: „Mir sind zwei Fälle von aktiver Sterbehilfe bekannt.“

In der Schweiz ist die sogenannte aktive Sterbehilfe strafbar.

Selbstmord im Schnellverfahren

Frau Wernli erhebt ferner den Vorwurf der „Schnellabfertigung“. Ausländische Lebensmüde seien noch am Anreisetag ins Jenseits befördert worden.

Das vorgeschriebene Gespräch auf Leben und Tod mit einem Arzt dauere vielfach nur eine halbe Stunde.

Geschäft mit dem Tod

Gemeinsam mit einem weiteren früheren Mitarbeiter des Selbstmord-Unternehmens, Ignaz Reutlinger, erhebt Frau Wernli auch den Vorwurf der Bereicherung.

Reutlinger hat erlebt, daß ein Lebensmüder 10.000 Euro auf den Tisch gelegt hat: „Das Kuvert verschwand einfach.“

Ein ähnlicher Vorwurf in der Fernsehsendung stammt von einer Frau, die im Januar bei Minelli einen Selbstmordversuch unternehmen wollte.

Noch im Sterbezimmer wurde sie offenbar aus heiterem Himmel aufgefordert, eine umfassende Vollmacht zu unterzeichnen.

Als sie sich weigerte, versagte ihr das Euthanasierungs-Unternehmen das tödliche Gift.

Seit der Gründung des Selbstmordunternehmens weisen Minellis Steuerdaten einen erheblichen Vermögenszuwachs nach.

Minelli selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Kriminelle Vergangenheit?

Im Winter 2005 ermittelte die Justiz des Kantons Zürich wegen Ungereimtheiten in den Vereinsfinanzen gegen das Todesunternehmen. Damals ging es um 230.000 Franken – umgerechnet knapp 150.000 Euro.

Zudem stand schon damals der Vorwurf im Raum, das Unternehmen schicke Leute ohne langes Federlesen in den Selbstmord.

Minelli selber bestätigt, Kunden nie abzuweisen: „Lehnt ein Arzt ab, das notwendige Rezept auszustellen, suchen wir nach einem anderen.“

Er soll ferner jahrelang und mit schweigender Zustimmung der Behörden die für einen Selbstmord notwendigen Giftpräparate gehortet zu haben. Das Giftlager füllte Minelli angeblich mit Rezepten, die für bereits verstorbene Personen ausgestellt worden waren.

Anfang Januar 2007 wurde bekannt, daß Selbstmörder bei ‘Dignitas’ zum Teil qualvoll verenden.

Die Euthanasiefirma leistete im Jahr 2006 bei 195 Menschen Beihilfe zum Selbstmord.

Unter den Toten befinden sich 120 Deutsche – also 60 Prozent der Entsorgten.
      
3 Lesermeinungen
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#3   möchtegern-kathole   18:24:53 | Donnerstag, 8. Februar 2007
was erwartet man sich eigentlich von Selbstmord …
…helfern? Dass sie ehrlich sind :-D ?
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#2   Sulpicius   13:59:31 | Donnerstag, 8. Februar 2007
Nähere Details zum Januar-Bericht
www.tagesanzeiger.ch/…/zuerich/715528.html
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#1   freddie schenk   13:15:09 | Donnerstag, 8. Februar 2007
Ein Fall für den Staatsanwalt
Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt und die erhobenen Vorwürfe sich als richtig erweisen, dann muss der Schuppen dicht gemacht werden. Natürlich.
Was aber bitteschön soll wieder die tendenziöse Berichterstattung von kreuz.net, wenn es im letzten Satz heißt: Unter den Toten befinden sich 120 Deutsche – also 60 Prozent der Entsorgten.
Dieser Zynismus ist schlicht fehl am Platze und ein Bumerang, weil klar wird, das kreuz.net einfach nicht in der Lage ist, sachliche Berichterstattung von der legitimen Kommentierung zu trennen. Warum eigentlich?
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